10/04/2025
Das ist die zweite Gewinnerin unseres Wettbewerbs "Frau mit Profil". Sie gewann den Preis der Kategorie "Kreative Lösungen zur eigenen Existenzsicherung" und auch sie möchten wir euch gern näher vorstellen. Vorhang auf für
BEA KAHL
Natürlich erinnert sich die Modistin Bea Kahl noch an ihr erstes Werk. „Es sah furchtbar aus, als ich es aufsetzte.“ Und vielleicht wäre ihre Karriere damit schon zu Ende gewesen, bevor sie eigentlich begonnen hatte. Wenn da nicht der Mitschüler gewesen wäre, der eben jene Mütze aufsetzte und bei ihm saß sie perfekt. „Das war so ein Schlüsselmoment. Da habe ich gemerkt, das bedeutet mir was.“ Im Bekanntenkreis gab es eine Modistin, bei der sie das Handwerk des Hutmachens von der Pike auf erlernte. Kurz nach ihrer Ausbildung übernahm sie die Filialleitung eines Hutgeschäfts an der Düsseldorfer Kögalerie, machte ihren Meister und gab später selbst Hutmacherkurse. „Natürlich war es nicht immer einfach. Aber es gab keine Alternative für mich und ich kenne auch keine andere Modistin, die nochmal etwas anderes machen würde“, sagt Bea Kahl.
Für sie selbst begann 2006 ein neues Kapitel, als sie bei den Bühnen Köln ins kalte Wasser sprang und erfolgreich eine erkrankte Kollegin vertrat. Vier Jahre später trat sie ihre Arbeit bei den Wuppertaler Bühnen an, wo sie bis heute als Modistin tätig ist. „Meine Arbeit gibt mir alles. Freiheit, Bestätigung, das Gefühl etwas zu können, finanzielle Unabhängigkeit“, schwärmt Bea Kahl.
2013 eröffnete sie ihr in den Solinger Güterhallen. Dort verkauft sie ausschließlich Eigenkreationen. Ihre Kundinnen und Kunden kommen aus der Region, mitunter auch von weit her. „Individualität ist heute stärker gefragt, davon profitiere ich“, sagt die 62-Jährige. Ihr Wunsch für die Zukunft: „In fünf Jahren möchte ich einen Menschen ausbilden, der genauso viel Leidenschaft für den Beruf hat wie ich, jemand, dem ich meine Aufgaben übergeben kann.“ Bis es so weit ist, wird Bea Kahl nicht müde, ihre Begeisterung für ihren Beruf und ihre Selbstständigkeit zu teilen. „Wenn ich in der Stadt bin und einen Hut von mir wiedersehe, ist das ein unglaublich schönes Gefühl."
Foto: Stefanie vom Stein