10/09/2025
Heute vor einem Jahr…
Es fühlt sich an, als wäre es erst gestern gewesen – und doch jährt sich heute die schwerste Brandkatastrophe im Landkreis. Der verheerende Brand bei den Firmen Lapp und Pfisterer hat tiefe Spuren hinterlassen.
Seitdem ist viel geschehen: Die Firma befindet sich im Wiederaufbau und ist bereits wieder am produzieren. Auch unsere Sirene, die damals noch standhaft am Giebel thronte, wurde inzwischen durch die Feuerwehr Holenbrunn ersetzt und wird demnächst wieder montiert.
Trotz allem ist das, was damals geschah, noch nicht wirklich zu begreifen. Die Erinnerungen an diesen Einsatz werden wohl noch lange in den Köpfen der Feuerwehrleute, Anwohnern, Mitarbeitern sowie allen Beteiligten bleiben.
Die Brandkatastrophe am 10.09.2024 aus Sicht der Holenbrunner Feuerwehr.
Es ist 04:06 Uhr an einem Dienstagmorgen.
Der Funkwecker schrillt. "BMA-Alarm in der Bahnhofstraße" steht auf dem Display.
"Schon wieder… Dort waren wir doch erst letzte Woche… Ist bestimmt wieder nur ein Fehlalarm… ich liege eh gleich wieder im Bett" denkt man sich, steht auf, zieht sich an und fährt in das Gerätehaus.
Dort angekommen, rüstet man sich aus und fährt mit Blaulicht in die Bahnhofstraße. Es ist dunkel und ruhig in Holenbrunn.
Auf der Anfahrt ist nichts zu erkennen. Die meisten Kameraden sind noch total verschlafen. Kein Wunder bei dieser Uhrzeit.
In der Bahnhofstraße angekommen, war alles wie immer.
Zwei Mitarbeiter der Firma haben bereits auf uns gewartet. Wir schauten in der Brandmeldezentrale nach, welcher Feuermelder ausgelöst hat. Wir, der Erkundungstrupp, schnappen uns die passende Laufkarte und laufen mit einem MA zu dem ausgelösten Brandmelder. Dieses Mal ein Melder im 2. Obergeschoss. Es ist ein weiter Weg.
Als wir vom Treppenhaus in den Raum traten, sahen wir schon das offene Feuer…
"Oh Gott es brennt wirklich… doch kein Fehlalarm..." waren die ersten Gedanken.
Der große Raum war bereits verraucht, die Hitze noch erträglich. Erste Löschversuche mit dem Feuerlöscher scheiterten.
Rückzug! Kein Risiko eingehen! Die Steigleitung im Treppenhaus anschließen, den Wasserangriff für den Atemschutztrupp vorbereiten und wieder zurück ins EG, wo ein Schichtleiter wartet.
Evakuierungsmaßnahmen wurden über ein Megafon eingeleitet, alles läuft reibungslos. Alle Mitarbeiter verlassen schweigend und umgehend ihre Abteilungen. Noch eine Markierung für den Atemschutztrupp setzen.
Dann Briefing des Atemschutztrupps und Löschmaßnahmen einleiten. Wir alle waren ziemlich schnell, doch das Feuer war schneller….
Später erfuhren wir, dass der Angriffstrupp nicht mehr bis ins 2. OG vorstoßen konnte, so schnell hatte sich das Feuer ausgebreitet. Kurze Zeit später loderten auch schon die ersten Flammen aus dem Dach.
Wir müssen das Feuer von außen bekämpfen, wir brauchen Wasser und Verstärkung.
Die Flammen breiteten sich irrsinnig schnell aus und wurden immer größer. Der Funkenflug und der Rauch waren massiv.
Ein Feuerwehrkamerad informierte den angrenzenden Metzger. Durch den starken Funkenflug solle er sein Dach kontrollieren, damit nichts passiert.
Durch ganz Holenbrunn konnte man immer mehr das blinkende Blaulicht sehen und das schrille Martinshorn hören. Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis rücken an. Spätestens jetzt weis auch die Bevölkerung, dass es brennt…!
Dass dieser Tag in einer Katastrophe endet, hätte um 04:06 Uhr wohl niemand von uns gedacht. Nach 18 Stunden Löscheinsatz endet der Tag, an Schlaf ist dennoch nicht zu denken. Morgen Früh wird es weiter gehen….
Es ist ein schwarzer Tag in der Holenbrunner Geschichte und auch Tage nach dem Brand hat man diese Katastrophe noch nicht wirklich realisiert. Nach drei Tagen Löschtätigkeit kommen die Kräfte langsam wieder und man versucht in den Alltag zurück zu finden.
Wir möchten uns bei allen Feuerwehren, die in dem Einsatz eingebunden waren, für ihren unermüdlichen Einsatz bedanken, beim BRK und der DLRG für die Versorgung bei uns am Gerätehaus, sowie bei den Holenbrunner Bürgerinnen und Bürgern. Beim Edeka Enders für die ebenfalls schnelle Versorgung mit Essen und Getränken und bei allen Beteiligten, die ihren Teil an diesem Tag dazu beigetragen haben.
Ein besonderer Dank geht an die Metzgerei Rux. Das Team Rux hat uns von Anfang an und die kommenden Tage immer mit Essen und warmen Getränken versorgt, damit wir alle bei Kräften bleiben. Die alte Wirtsstube wurde für Besprechungen zur Verfügung gestellt und das alles mit einer Selbstverständlichkeit. Vielen vielen Dank dafür und vielen Dank an Alle Helfer!
An solchen Tagen merkt man, wie wichtig und unentbehrlich das Ehrenamt ist!