14/06/2026
Stadtmuseum - Objekt des Monats 🔎
Brückenteil
Eisen, genietet, lackiert
Hurra, der Ersatzverkehr ist vorbei! Was bis zuletzt sehr lästig erschien, ist allerdings kein neues Phänomen in Wittenberge. Denn wo Verkehrswege gebaut, erneuert, vergrößert, verbessert werden, ist dies in der Regel mit Strapazen für ihre Nutzer verbunden.
Und der Bau von neuen Infrastrukturen hat eine lange Tradition in der Elbestadt.
Die Eisenbahnlinie von Wittenberge nach Magdeburg wurde von 1846-1849 gebaut, um mit Stadt, Land und Industrie südlich der Elbe verbunden sein zu können. Im Norden wurde die Bahnlinie bis an die Südseite der Elbe am 5. August 1849 fertiggestellt. Allerdings hinkte der Bau der Elbbrücke hinterher. Über zwei Jahre lang mussten die Fahrgäste mit kleinen Booten noch über die Elbe geschippert werden. Der Ersatzverkehr anno 1850 verkehrte unregelmäßig, ohne Echtzeitdaten, ohne Beleuchtung und WLAN, ohne Toilette und bei schwieriger Witterung gar nicht, so dass man im schlechtesten Fall stundenlang am Elbufer ausharren musste.
Es gibt sogar einen berühmten Zeitzeugen: Helmuth Graf von Moltke beschrieb, dass er am 4. Januar 1850 zwar einigermaßen komfortabel über die Elbe setzte (was auch immer das heißen mag!), doch im Briefwechsel mit seiner Frau fragte er auch ungeduldig, wann denn nun diese neue Brücke endlich fertig gebaut sein würde.
Dass das Überqueren der Elbe noch zu DDR-Zeiten eine Herausforderung war, wissen viele Wittenberger Autofahrer noch – denn die Bundesstraßenbrücke wurde erst 1978 gebaut.
In diesem Sinne ist ein Stück originaler Elbbrücke der Dauerausstellung eine Erinnerung, dass früher eben nicht alles besser war als heute – auch wenn der kürzliche Ersatzverkehr es vielleicht so aussehen ließ.