08/03/2026
Ich lese gerade „Hilferuf aus dem Gesundheitsamt“ Der Bericht hat mich erschüttert, mich aber auch in meiner Meinung bestärkt, dass gerade die, die sich sehr sozial geben, es nicht wirklich sind.
Wenn sich Mitarbeiter eines Amtes, noch dazu eines so sensiblen Bereichs wie dem Gesundheitsamt, mehrfach an die Hauptverantwortlichen der Stadt wenden, ist das ein klares Alarmsignal. Es ist die Kernaufgabe von Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende (SPD) und der zuständigen Dezernentin Milena Löbcke (Linke), solche Signale ernst zu nehmen. Ob der Brief anonym war oder nicht, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Anonymität in Behörden ist oft ein Symptom von Angst vor Repressalien oder dem Gefühl, dass offene Kritik nichts bewirkt und man dann dabei selbst der Verlierer ist. Die Reaktion darauf darf nicht Ignoranz sein, sondern muss heißen: "Hier müssen wir genauer hinschauen, ob die Vorwürfe stimmen und warum sich Mitarbeiter nicht trauen, mit Klarnamen zu sprechen."
Die Realität zwischen Arbeit im Amt und Wahlplakate klafft wohl hier weit auseinander. Die Plakate sind die "Schokoladenseite" der Politik. Sie versprechen Lösungen, zeigen heile Welten. Doch für die Mitarbeiter im Gesundheitsamt müssen diese Plakate wie Hohn wirken, wenn die alltägliche Realität von Überlastung, Personalmangel und Desinteresse der Vorgesetzten geprägt ist und ihre Hilferufe auf taube Ohren, bei den Verantwortlichen, stoßen. Man zeigt sich gerne Bürgernah und Kompetent für Problemlösungen und lässt sich feiern und fotografieren, doch, wenn es darauf ankommt, macht man wohl Vogel Strauß Politik.
Was mich sprachlos macht, ist das Doppel Versagen.
Einerseits
- Das operative Versagen: Die Missstände im Gesundheitsamt selbst (Überlastung, Personalmangel, schlechte Arbeitsbedingungen), die den Hilferuf überhaupt nötig gemacht haben.
Und andererseits
- Das Führungsversagen: Die Ignoranz der Verantwortlichen gegenüber diesem Hilferuf.
Das Thema muss nach der Wahl ganz oben auf die Tagesordnung. Die Stadtverordneten müssen dafür sorgen, dass dieses Versagen nicht in Vergessenheit gerät.
Nach meiner Meinung müssten folgende Punkte beschlossen werden: .
1. Die Verantwortlichen des Gesundheitsamtes (auch Personalrat) müssen in einer der ersten Sitzungen der Ausschüsse und im Stadtparlament Rede und Antwort stehen.
2. Es muss eine unabhängige Untersuchung (nicht Revision) der Zustände im Gesundheitsamt geben. Hier wird nicht nur der Umgang mit Mitarbeitern geprüft sondern auch u.a., ob die Compliance Regeln eingehalten wurden.
3. Die Verantwortlichen, Herr Mende, SPD und Frau Löbcke, Linke müssen nachvollziehbar begründen, warum sie nicht gehandelt haben.
4. man sollte überlegen, ob man eine Vertrauens-Stelle einrichtet um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben sich dorthin zu wenden. Allerdings muss deren Anonymität dort gesichert sein.
Renate Kienast
Spitzenkandidatin der Bürgerliste Wiesbaden