10/10/2021
Offener Brief
Zum Artikel „Bundestagswahl: Die krassesten Ergebnisse“ vom 28. September 2021
Fünf Thesen zur Wahl im Rems-Murr-Kreis stellt Redaktionsmitglied Peter Schwarz am vergangenen Dienstag auf – und geht dabei auch auf die Verluste der CDU ein. Leider kommt die Bewertung von Herrn Schwarz nicht ohne einen völlig unnötigen, und zudem sachlich falschen, persönlichen Angriff aus.
Warum persönlicher Angriff? Robin Wenz, Mitglied der Jungen Union, gerade einmal 18 Jahre jung und ohne herausgehobenes Amt oder Mandat in der Partei, wird in der Montagsausgabe mit einem längeren Statement zum Wahlausgang zitiert. Aus seiner Stellungnahme, die er für die Junge Union im Rems-Murr-Kreis abgibt, geht hervor, dass er sich über das gewonnene Direktmandat von Christina Stumpp freut – gerade vor dem Hintergrund eines aufreibenden und intensiven Wahlkampfs, in dem die JU über mehrere Wochen nahezu täglich auf den Straßen unterwegs war. Er spricht von einem „klasse Ergebnis“ im Wahlkreis – bezogen auf den deutlichen Vorsprung von Stumpp bei den Erststimmen. Gerade aufgrund des Bundestrends und vor dem Hintergrund grüner Landtagsmandate war dieser klare Platz 1 für die junge Kandidatin vor Ort alles andere als ein Selbstläufer. Man muss bedenken, dass auch die Lokalpresse noch bis zuletzt von einem echten Dreikampf ums Direktmandat ausgegangen war. Bei aller Freude ums Direktmandat – Robin Wenz geht in seiner Analyse ehrlich und schonungslos mit dem Bundesergebnis der CDU um. Zitat: „Das ist nicht unser Anspruch.“ So weit, so gut.
Doch wie baut Herr Schwarz in der Dienstagsausgabe die Einschätzung von Herrn Wenz in seine „Analyse“ ein? Er reißt dessen Zitat völlig aus dem Zusammenhang – und kann sich den Kommentar nicht verkneifen bei der CDU hätten „manche den Knall noch immer nicht gehört“, wohlgemerkt bezogen auf Herrn Wenz. Was für eine Entgleisung! Herrn Schwarz fällt nichts Besseres ein, als einen jungen politisch hoch engagierten Menschen, der gerade 18 geworden ist, sich in seiner Freizeit für die Gesellschaft einbringt und zu Recht stolz auf seinen ersten aktiven Wahlkampf sein kann, öffentlich bloßzustellen. Wieso richtet Herr Schwarz seine Frage, ob in der CDU einige den Knall nicht gehört hätten, nicht an Herrn Schäuble, Herrn Bouffier oder Herrn Strobl? Herr Schwarz müsste es besser wissen: Seit Jahren fordert die Junge Union eine personelle und inhaltliche Neuaufstellung der CDU. Wer, wenn nicht die JU, legt in den Gremiensitzungen der CDU den Finger in die Wunde, mahnt, kritisiert? Wer, wenn nicht die JU, kritisiert die mangelnden Erfolge der CDU bei jüngeren Wählern (so viel zum Thema Mehrheitsfähigkeit bei der Jugend)?
Herr Schwarz hat es sich in seiner „Analyse“ sehr einfach gemacht. Anstatt politische Aussagen absichtlich falsch zu interpretieren und dem Leser damit falsche politische Schlussfolgerungen nahezulegen, wäre es für viele Journalisten besser, sich einmal selbst kritisch zu hinterfragen. Eines fällt auf: Die Grünen kommen in den Thesen von Herrn Schwarz nicht vor. Vielleicht weil sich viele Medienleute in Deutschland, die schon von einer grünen Kanzlerin geträumt haben, sich dann eingestehen müssten, dass die grünen Bäume doch nicht in den Himmel wachsen. Gerade für den Rems-Murr-Kreis empfiehlt sich der Vergleich zur Landtagswahl.
Und eines zeigt sich zumindest im Ergebnis der FDP bei jungen Wählern: Ganz so ökologisch-fundamental und wirtschaftsfeindlich, wie die Presse gerne den Anschein erweckt, ist die Jugend in Deutschland weiß Gott nicht.
Tom-Lukas Lambrecht, Kreisvorsitzender der Jungen Union Rems-Murr mit Vorstand