SJD - Die Falken KV Weimar

SJD - Die Falken KV Weimar Wir sind die Sozialistische Jugend – Die Falken, Kreisverband Weimar, eine Gruppe junger Menschen, die sich dem Sozialismus verschrieben haben.

Wir sind ein linker Kinder- und Jugendverband. Wir sind parteiunabhängig, aber parteiisch gegen Herrschaft und Ausbeutung und für eine andere, bessere Welt. Zusammen versuchen wir die Gesellschaft zu verstehen und zu verändern. Weil sowohl das Verstehen als auch das Ändern allein nicht gut funktionieren können, denken wir, dass es notwendig ist sich zusammen zu tun. Dabei wollen wir schon im Beste

henden Zusammenhänge schaffen, in denen wir anders miteinander umgehen: Wir wollen uns helfen, anstatt wegzusehen. Wir wollen solidarisch handeln, anstatt in Konkurrenz zueinander zu stehen – uns ist egal, wer etwas als Erste*r versteht, aber wichtig ist, dass alle mitkommen. Völlig irrelevant finden wir dagegen, wie man aussieht, welche Klamotten man trägt oder welche Musik man hört.

Einspruch gegen die Stellungnahme des Bundesverbandes zu den ZeltlagernMit Erstaunen haben wir den Aufruf des Bundesverb...
25/05/2020

Einspruch gegen die Stellungnahme des Bundesverbandes zu den Zeltlagern
Mit Erstaunen haben wir den Aufruf des Bundesverbandes unter der Überschrift „Raus aus der Isolation! Sommerzeltlager 2020 ermöglichen!“ wahrgenommen. Darin geht es v.a. darum, dass angesichts der Erlaubnis kommerzieller Reiseangebote auch Zeltlager in der Jugendverbandsarbeit ermöglicht werden sollen.
Wir würden dem Bundesvorstand in der Einschätzung zustimmen, dass von den Lockerungen vor allem jene gesellschaftlichen Bereiche profitieren, mit denen Geld verdient werden kann. Während die Individuen ihre Freizeit möglichst in Selbstisolation zu Hause verbringen sollen, feiert das Kapital weiter seine Corona-Partys in Fabriken und Büros. Auch, dass gerade Schulen schrittweise für Abschlussklassen geöffnet werden, hat mehr mit dem Interesse an einem reibungslosen Nachschub an jungen Menschen für Ausbildung, FH und Universität (also für den Arbeitsmarkt) zu tun, als mit einer Sorge um das seelische und geistige Wohl der Kinder und Jugendlichen. Dabei ist wenig überraschend, dass die sozialen Kosten der Krise insbesondere von den Menschen getragen werden, die ohnehin schon gesellschaftlich benachteiligt sind – Obdachlose, Frauen*, Alleinerziehende, Migrant*innen und nicht zuletzt Kinder und Jugendlichen aus armen Verhältnissen. Bis hierhin besteht unter uns Einigkeit.
Mit dem Argument, dass angesichts der monatelangen Isolation zu Hause und dem erneut einsetzenden Schulzwang der „psychosoziale Ausgleich“ der Kinder und Jugendlichen gefährdet sei, wird nun von dem Falken-Bundesvorstand eine Freigabe von Zeltlagern gefordert. Hier spricht unser Bundesvorstand ganz als Anbieter von Ferienfreizeiten, in denen dieser Ausgleich gewährleistet wird.
Ist das alles, was wir dazu zu sagen haben?
Vorrangiges Ziel eines sozialistischen Kinder- und Jugendverbandes kann es nicht sein, sich als Fürsorge-Anbieter zu präsentieren, der hilft, den reibungslosen Schulbetrieb durch ausgleichende Freizeitangebote rasch zu ermöglichen. In Anbetracht der aktuellen Situation ist es vielmehr notwendig, der scheinbaren Normalisierung des Alltags zu widersprechen. Mit den Lockerungen gewinnt nicht nur das wirtschaftliche Leben, sprich Leistungsdruck und Konkurrenz, wieder an Fahrt. Ebenso steigt das Risiko einer Erkrankung an Covid-19. Das Statement des Bundesverbandes schweigt jedoch zu den gesundheitlichen Gefahren ganz im Geist der neuen "Corona-Müdigkeit". Aus der Stellungnahme spricht der Wunsch, nicht den Anschluss zu verlieren, wenn im Laufgalopp die Lockerungen durch Parlamente gepeischt werden. Wir möchten hier gerne darlegen, inwiefern wir von unserem Bundesvorstand angesichts der aktuellen Lage etwas anderes erwarten, und was.
Es ist immer noch Vorsicht geboten
An der Gefährlichkeit des Virus hat sich seit dem Ausbruch in Deutschland, seit dem partiellen „Lockdown“ und seit dessen überstürzter Lockerung eigentlich nichts geändert. Was sich verändert hat ist, dass wir jetzt mehr über die Übertragungswege wissen und auch etwas mehr über die Krankheit selbst.
So wird derzeit davon ausgegangen, dass das Virus primär über den Weg der Tröpfcheninfektion übertragen wird, die v.a. bei engerem Kontakt stattfinden kann. Diese Erkenntnis ist die wissenschaftliche Grundlage für Kontaktbeschränkungen, Mindestabstand und Maskenpflicht.
Wir wissen außerdem, dass die Krankheit für einen Großteil der Menschen nicht tödlich verläuft. Ein Anteil von 22-43[1] % der Infizierten hat sogar keine Symptome. Das heißt aber nicht, dass wir uns mit Vertrauen auf die Statistik zurücklehnen können. Zum einen ist bisher nicht geklärt, wer im Falle einer Infektion einen schweren und wer einen leichten Krankheitsverlauf zu erwarten hat, auch wenn Alter und Vorerkrankung sicher eine Rolle spielen. Zum anderen ist immer noch wenig bekannt über Verlauf und Langzeitfolgen der Erkrankung. Eine neue Studie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf hat jetzt ergeben, dass Covid-19 (die durch den Sars-CoV-2 Virus ausgelöste Krankheit) nicht nur die Lunge, sondern gleich mehrere Organe betrifft, nämlich auch Gehirn, Nieren, Herz und Blut. Hier kann es zu dauerhaften Schäden kommen. Auch bei asymptomatischen Personen wurden nach überstandener Erkrankungen bisweilen noch erschreckend niedrige Sauerstoffwerte im Blut gemessen.[2]
Beunruhigend sind zudem die aktuellen Meldungen über eine neue Kinderkrankheit, von der stark vermutet wird, dass sie im Zusammenhang mit dem neuartigen Corona-Virus steht: In einigen wenigen Fällen kann die Infektion neuesten Erkenntnissen zufolge zu einer Erkrankung führen, die dem sogenannten „Kawasaki“-Syndrom ähnelt, einer Überreaktion des Immunsystems, an der Kinder schwer erkranken und sogar sterben können.[3]
Zudem zeigt sich immer deutlicher, dass es eine starke soziale Komponente der Pandemie gibt. Insbesondere strukturell benachteiligte Gruppen sind von der Erkrankung am schlimmsten betroffen. Sie haben ein höheres Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren und gleichzeitig eine höhere Wahrscheinlichkeit, an den Folgen der Erkrankung zu sterben. Armut macht krank, auch und gerade in Zeiten einer globalen Pandemie. Kinder und Jugendliche aus armen Verhältnissen müssen daher besonders vor Infektionen geschützt werden.[4]
Für uns steht daher fest: Angesichts der Pandemie ist weiterhin größte Vorsicht geboten.
Die Lockerungen sind im Interesse der Wirtschaft
Eine vernünftige, nicht nach Maßgabe des Profits eingerichtete Gesellschaft könnte und würde auf eine Pandemie anders reagieren, als es derzeit der Fall ist. Während man in einer Gesellschaft, die auf die Bedürfnisse der in ihr lebenden Menschen ausgerichtet wäre, ohne größere Probleme die Produktion und den gesellschaftlichen Kontakt auf ein geringeres Maß reduzieren könnte, muss in dieser kapitalistischen Gesellschaft die Gesundheitsvorsoge gegen die ökonomischen Kosten, also die ausgefallenen Profite, abgewogen werden.
Entsprechend stellte das deutsche Kapital die Bundesregierung Anfang Mai vor ein Ultimatum[5], um die Einschränkungen wieder zurückzunehmen, damit so bald wie möglich wieder Waren produziert und gewinnbringend abgesetzt werden können. Seit Ostern werden denn auch im Laufschritt viele Einschränkungen wieder zurück genommen, während Virolog*innen und Epidemiolog*innen davor warnen, dass sich das Virus auf diese Weise schnell in ganz Deutschland ausbreiten könnte und bei einem erneuten Anstieg der Infektionen auch diejenigen Landstriche massiv betroffen sein könnten, die bislang eher verschont geblieben sind.[6]
Anstatt diesen Vorgang zu skandalisieren und eigene Akzente zu setzen, reihen sich die Falken nun ein in den allgemeinen Ruf nach einer Rückkehr zur Normalität. Wenn alle anderen wieder so weitermachen können wie vorher, so der Ton, dürfen die Falken dabei nicht auf der Strecke bleiben!
Verbandsroutinen
Damit tun wir es dem Rest der Gesellschaft gleich. Alle Akteure, so der Soziologe Amin Nassehi, treten angesichts der Pandemie so auf, wie sie es sonst tun; alle spielen die Rollen, die sie immer gespielt haben. Die Wirtschaft will Produktion wieder zum Laufen bringen, Gastronomie und Touristik wollen, dass wieder Menschen zirkulieren und konsumieren – und die Falken wollen ihre Zeltlager weiter machen! In der Soziologie nennt man so etwas „Pfadabhängigkeit“ – ist einmal abgesteckt, wohin die Reise gehen soll, geht es immer weiter in dieselbe Richtung.
Nur weil der Rest der Gesellschaft kopflos reagiert und alle auf ihren bornierten Interessen beharren – was eben bedeutet, nicht adäquat auf die Pandemie zu reagieren – sollten wir ihnen das nicht einfach gleichtun. Stattdessen sollten wir die soziale Um- und Vorsicht walten lassen, die unserer sozialistischen Überzeugung gemäß Gesetz der gesamten Gesellschaft sein sollte.
Nun bringen Zeltlager wie alle Kontexte, in denen viele Kinder unterwegs sind, das Problem mit sich, dass Schutzmaßnahmen zur Unterbindung von Infektionsketten nur schwer einzuhalten sind. Abstand halten ist hier kaum möglich und steht sogar entgegen dem Zweck der ganzen Angelegenheit: Dass Kinder und Jugendliche sich ausleben und ihren Interessen nachgehen können, ohne ständig reglementiert zu werden. Die Zeltlager sind damit ebenfalls ein Ort, wo sich Kinder anstecken können und von wo sie Infektionen in ihr familiäres und perspektivisch auch schulisches Umfeld tragen können.
Wir denken, dass Falken einen anderen, verantwortungsbewussten Umgang mit dieser neuen Situation finden können. Das würde dann aber bedeuten, Routinen zu durchbrechen und neue Wege zu beschreiten. Denn die Pandemie ist noch lange nicht vorbei.
Wir wollen
… dass wir zusammen kreativ werden und situationsadäquate Wege finden, den Kontakt zu den bei uns organisierten Kindern und Jugendlichen aufrecht zu erhalten und dabei das Gesundheitsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren.
… dass die Falken ihre Stimme gegen die oben beschriebenen Vorgänge erheben. Wir wollen keine Lockerungen für das Wirtschaftswachstum um den Preis von Krankheit und Tod.
… dass die Falken die Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen aus der Klasse der Lohnabhängigen skandalisieren. Wir fordern
· eine Öffnung der Schulen nur unter Voraussetzung der Beratung mit den Schüler*innen und bei Aussetzung des Prüfungsbetriebes
· ein Solidarsemester an den Hochschulen
· Arbeitszeitreduktion bei vollem Lohnausgleich für Eltern
· die unbürokratische Sicherstellung des Existenzminimums für alle
· mehr Frauenhausplätze und Notfalleinrichtungen für gefährdete Kinder
… dass die Kinder und Jugendlichen mit ihren Wünschen in der Öffentlichkeit (und auch bei uns) selbst zu Wort kommen
… uns jetzt gemeinsam dagegen organisieren, dass erst die Gesundheitskrise und in absehbarer Zukunft auch die ökonomische Krise auf uns Lohnabhängige abgewälzt werden wird.
Uns ist es wichtig zu betonen, dass wir keinesfalls dafür plädieren, abzuwarten und Tee zu trinken. Gleichzeitig haben wir auch keinen Masterplan, was für die Falken insgesamt gerade zu tun wäre. Wir sind überzeugt davon, dass die Kreisverbände selbst am besten Maßnahmen entwickeln können, die ihren konkreten Anforderungen vor Ort entsprechen und die kollektiv mit den bei uns organisierten Kindern und Jugendlichen entstehen. Wir in Thüringen sammeln zum Beispiel gerade erste Erfahrungen mit Online-Hausaufgabenhilfe, digitalen Arbeitskreisen und Wandertagen in Kleingruppen. Außerdem halten wir es gerade jetzt für wichtig, unsere Erfahrungen mit Genoss*innen zu diskutieren.
Deshalb schlagen wir vor, dass der Bundesvorstand einen Austausch zwischen den Gliederungen organisiert, in dem es darum gehen soll, wie die Falkenarbeit in Zeiten der Pandemie auf neue Füße gestellt werden kann. Wir brauchen neue Ideen, keine eingefahrenen Routinen.
Passt aufeinander auf.
Solidarische Grüße,
Eure Falken Thüringen
[1] Heinsberg-Studie und Testergebnisse der italienischen Gemeinde Vo‘. Siehe https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html
[2] Notarzt über Corona: "Wir sehen 30-Jährige ohne Krankengeschichte, die Bilder der Lungen sind beängstigend", https://www.vrt.be/vrtnws/de/2020/03/17/notarzt-ueber-corona-wir-sehen-dreissigjaehrige-menschen-ohne/
[3] Auch deutsche Kinder mit schweren Entzündungsreaktionen, https://www.faz.net/aktuell/wissen/corona-auch-deutsche-kinder-mit-schweren-entzuendungsreaktionen-16770951.html
[4] Covid-19-Arzt im Interview: „Es gibt eine sehr starke soziale Komponente bei dieser Krankheit“, https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/arzt-interviews/covid-19-arzt-es-gibt-eine-sehr-starke-soziale-komponente-bei-dieser-krankheit-16771004.html?fbclid=IwAR0SiA5xkZYV4tId8OAQZIwixZiJo93d9Gf2xpHquI0ya3lpctJjWKjTUmg
[5] Wirtschaft fordert Ende des Lockdowns, https://www.tagesschau.de/wirtschaft/wirtschaft-deutschland-corona-101.html, Deutsche Industrie stellt Merkel Corona-Ultimatum, https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/corona-krise-deutsche-industrie-stellt-angela-merkel-ultimatum-70399170.bild.html
[6] Drosten und Helmholtz-Forscher warnen vor zweiter Corona-Welle, https://m.tagesspiegel.de/wissen/wir-muessen-extrem-vorsichtig-sein-drosten-und-helmholtz-forscher-warnen-vor-zweiter-covid-19-welle/25756090.html?utm_referrer=https%3A%2F%2Flm.facebook.com%2F&fbclid=IwAR3R0ak5EO8D3KAkwnuUidirMxyylRrXrGDtW36O5q3iGY6NHb8fH-Lky5c

Für Optimismus ist es zu früh, mahnen der Virologe Drosten und der Epidemiologe Meyer-Hermann. Eine zweite Infektionswelle könne deutlich verheerender sein.

25/05/2020

Der Steckbrief zu COVID-19 beleuchtet wesentliche epidemiologische und Public Health-relevante Aspekte des SARS-CoV-2-Erregers. Er basiert auf der laufenden Sichtung der wissenschaftlichen Literatur, inklusive der methodischen Bewertung der entsprechenden Quellen.

25/05/2020
https://discord.gg/3xsbpq 18:15 Lesen und Bier trinken
11/05/2020

https://discord.gg/3xsbpq
18:15
Lesen und Bier trinken

Check out the Falken Vorträge community on Discord - hang out with 52 other members and enjoy free voice and text chat.

Liebe Leute, unter folgendem Link könnt ihr unserem Discord für unsere heutige Veranstaltung beitreten:https://discord.g...
26/03/2020

Liebe Leute,
unter folgendem Link könnt ihr unserem Discord für unsere heutige Veranstaltung beitreten:
https://discord.gg/QdZVhm
Hinweis: Ihr müsst keinen extra Account erstellen, über euren Browser könnt ihr bequem beitreten. Außerdem: stellt dann bitte euer Mikrofon stumm, damit ihr nicht aus Versehen den Vortrag stört.

Check out the Falken Vorträge community on Discord - hang out with 3 other members and enjoy free voice and text chat.

Edit: Das Datum des Vortrags hat sich auf den 26.03. geändert. In der Veranstaltung steht es auch.https://www.facebook.c...
22/03/2020

Edit:
Das Datum des Vortrags hat sich auf den 26.03. geändert. In der Veranstaltung steht es auch.
https://www.facebook.com/events/530212964585487

Unseren Vortrag zur "Geldtheorie von Marx" könnt ihr dann im Discord verfolgen. Den Link posten wir kurz vorher :)

In einer Mischung aus Vortrag und Buchvorstellung der gleichnamigen Dissertation von Friedrich Po***ck wollen wir uns der „Geldtheorie von Karl Marx“ nähern. Ausgangspunkt ist dabei die Frage, wie die warenproduzierende Gesellschaft funktionieren kann, wenn doch jede*r nur produziert, wie er*sie möchte, deren Basis also „unabhängig voneinander betriebene Privatarbeiten“ bilden. Von dort gelangen wir zur Frage, was es eigentlich bedeutet, dass eine Ware „ihren Wert ausdrückt“ und welche Aufgaben daraus entstehen, die durch Geld erfüllt werden. Zuletzt soll es kurz darum gehen, warum und inwieweit Papiergeld das Goldgeld ersetzen kann.
Po***ck schrieb seine Disseration 1923 im geistigen Umfeld von Menschen wie Horkheimer, Lukács und Korsch und wurde später eine der zentralen Figuren im „Institut für Sozialforschung“.

18/03/2020

Coronavirus Flüchtlingslager Ankunftszentrum, Maria-Probst-Straße 14, 80939 München

Foto Ruhul Amin Khan together with a man with lung disease in the Flüchtlingslager Ankunftszentrum Munchen
http://thevoiceforum.org/node/4717

Dringende Pressemitteilung:

Dringende Pressemitteilung: Coronavirus Flüchtlingslager Ankunftszentrum, Maria-Probst-Straße 14, 80939 München

The VOICE Refugee Forum wurde informiert über die Anschuldigungen und den Protest der Flüchtlingscommunity im Ankunftszentrum für Flüchtlinge, Maria-Probst-Straße 14 in München aufgrund der skandalösen Situation nach einem Ausbruch von Corona im Flüchtlingslager. Unten dokumentieren wir den Protesttext eines Flüchtlings aus Bangladesh, Ruhul Amin Khan, der selbst von der Isolation und schlechter Behandlung betroffen ist.

Wir verlangen ein Ende der unmenschlichen Situation und fordern die unmittelbare und angemessene medizinische Behandlung aller vom Coronavirus und allen anderen Krankheiten Betroffenen!

Wir verlangen, dass allen, die von der Isolation betroffen sind, alles Notwendige gewährleistet wird, insbesondere Platz und alle notwendigen hygienischen Maßnahmen!

Wir verlangen die menschliche Behandlung eines jeden Einzelnen!

Wir fordern das Ende der Unterbringung von Flüchtlingen in Lagern, wo sie in viel zu engen Räumen zusammengepfercht werden, was der Ausbreitung von Infektionen Tür und Tor öffnet!

Wir verlangen dezentrale Unterkünfte für Flüchtlinge!

Wir rufen die bayerische Landesregierung und die deutsche Bundesregierung auf, im Interesse der öffentlichen Gesundheit alle Flüchtlinge unverzüglich aus den Lagern zu entlassen und in denzentralisierten und normalen Wohnungen unterzubringen.

Wir sind in Sorge, dass die Flüchtlinge, die in den überfüllten Lagern zusammengehalten werden, dadurch weiterhin in einer Hochrisikoumgebung bleiben, was zu einer vermeidbaren Weiterverbreitung des Virus und den Verlust von Leben führt.

Wir verlagen den Stopp von Abschiebungen!

Gemeinsam mit den Flüchtlingen des Ankunftszentrum in der Maria-Probst-Straße 14 rufen wir alle Printmedien, Radio- und TV-Sender und andere Mediengruppen in München und bundesweit auf, die Lage zu recherchieren und im öffentlichen Interesse auf eine menschliche Behandlung der Flüchtlinge ohne Diskriminierung hinzuwirken.

Kontakt: Osaren Igbinoba 0176-24568988
The VOICE Refugee Forum, Schillergässchen 5, 07745 Jena
Email: [email protected], http://thevoiceforum.org
...

Bericht von Ruhul Amin Khan: Ein öffentlicher Appell gegen die schlechte Behandlung von Flüchtlingen in der Maria-Probst-Straße 14 in München durch Wachleute angesichts des Ausbruchs von Corona im Lager

More Fotos: http://thevoiceforum.org/node/4718

Wir rufen zu einer unverzüglichen Intervention für Hilfe auf!

Zwei Flüchtlinge des Lagers sind mit dem Corona-Virus infiziert, viele Flüchtlinge, die nicht als krank bestätigt sind, sind in dasselbe Zimmer gepackt worden, allein auf Basis des Verdachts ohne Anzeichen des Virus. Die Wachleute schreien sie an und stoßen sie gewaltsam in den Raum zurück, wo sie ohne Essen und ohne Waschmaschine zur Reinigung von Kleidung und Bettwäsche sind. Ihnen wird nicht erlaubt Essen oder Tee aus der Kantine zu holen, es besteht kein klarer Informationsfluss zwischen den Sicherheitsleuten und der Regierung, da unterschiedliche Anordnungen zurselben Zeit erlassen werden. Dies ist nicht nur ein ernsthaftes Problem für die Flüchtlinge, sondern auch für ganz Deutschland. 400 bis 500 Flüchtlinge befinden sich in diesem so genannten Notfalllager. Wir sind viele Flüchtlinge und wir sind dort seit mindestens drei Monaten. Alles geht sehr langsam vonstatten. Nichts wird getan dafür, den tödlichen Bedingungen entgegenzutreten, mit denen die Flüchtlinge derzeit konfrontiert sind.

Die Betttücher und Decken. in denen wir schlafen, sind aus einem Material („dust fiber“), das laut einem Textilingenieur wegen gesundheitslicher Risiken nicht von Menschen genutzt werden sollte. Wir schlafen im Staub, das führt zu Asthma, Husten und anderen Lungenkrankheiten.

Die Zimmer der vom Verdacht betroffenen Personen sind, seit wir hier hergebracht wurden, niemals sauber gemacht worden; die Reinigungskräfte kommen nicht einmal in die Nähe. Wir haben keine Waschmaschine zur Verfügung, erst nach 14 Tagen wurde uns nach anhaltendem Protest die Möglichkeit gegeben, einmal Wäsche zu waschen.

Sie stellen unser Essen auf den Boden, was vollkommen unhygienisch ist. Sie behandeln uns wie Tiere. Sie stellen nicht genug Essen zur Verfügung, dieser Stress führt bei mir zu Herzproblemen und ich fühle mich schon so schwach, was mein Immunsystem völlig niederdrückt. Ihr Plan ist es, dass wir beweisen, dass wir krank sind.

Es ist ein schrecklicher Zustand in diesem Camp, die Situation ist für mich von Panik geprägt.

Ein Mann (siehe Foto), der unter einer schweren Lungenkrankheit (ein Arztbericht liegt uns vor) leidet, hustet sehr stark; er erbrach sich über sein Bett und über andere Betten und auf den Boden. Er verlangte nach einem Arzt, aber der Sicherheitsdienst verweigerte das und wir leben alle in diesem Raum. Man kann sich also vorstellen, in welchem Risiko wir leben.

Der an der Lungenkrankheit erkrankte Mann ist mittlerweile aufgrund unseres Widerstands in ein anderes Zimmer verlegt worden.Wir bestanden darauf, dass er wegen seines schweren Hustens und allgemein seiner schweren Erkrankung unter medizinische Behandlung kommen sollte. Seiner Aussage nach bekommt er noch immer keine Medizin. Das Essen, das sie uns geben, wird im nahen Asylzentrum in der Maria-Probst-Straße 41 geholt, wo ebenfalls vier Personen verschiedenen Quellen nach positiv auf COVID-19 getestet worden sind.

Vor einigen Tagen wollten die Sicherheitsleute einen mutmaßlich infizierten Mann in unser Zimmer bringen. Als wir ihn wegen unserer Gesundheit und Sicherheit zurückwiesen, versuchten sie nach Rücksprache mit ihren Chefs es gewaltsam durchzusetzen. Wir sagten ihnen, es wäre ihre Verantwortung, wenn wir aufgrund des Neuzugangs krank würden.

Sie riefen die Polizei und die Polizisten versuchten uns zu überzeugen, wir seien ja ohnehin alle Asylbewerber, das würde ja keine Rolle spielen, wir könnten doch alle zusammenbleiben. Wir fragten die Polizei: Was ist Isolation?

Wir verlangten von der Polizei die Zusicherung, dass sie verantwortlich seien, wenn einer von uns krank würde; sie wiesen diese Verantwortung von sich. Anschließend gingen sie und der Mann wurde im Zimmer gegenüber untergebracht.

Nicht nur wir sind „enge Kontaktpersonen“, etwa 400 Personen standen in engerem Kontakt mit den Infizierten. Also, warum isoliert man dann nur uns und warum versorgen sie uns nicht mit dem Nötigsten? Wir bekommen keine Desinfektionsmittel. Wir brauchen eine hygienische und gesunde Ausstattung und eine dauerhafte Möglichkeit, Wäsche zu waschen. Vor allem brauchen wir getrennte Zimmer und Toiletten für unsere Sicherheit.

Wir rufen Fernsehen, Radio, Presse und andere Mediengruppen auf, zu uns zu kommen, damit sie mehr erfahren und die Zustände live erleben und mit uns auf eine menschliche Behandlung drängen!

Ich bin mir relativ sicher, dass der Sicherheitsdienst der Presse oder dem Fernsehen den Zutritt verweigern wird.

Die Bilder zeigen unser Zimmer, das niemals sauber gemacht wird.

STOPPT Abschiebungen!!

Wir rufen um Hilfe! Mittlerweile sind einige von uns Flüchtlingen unter Arrest/in Quarantäne wegen COVID 19. Während wir nicht nicht hinaus können, werden andere Flüchtlinge aus demselben infizierten Bereich nach Afghanistan deportiert. Dies ist unakzeptabel und unfair!

Ruhul Amin Khan,

Flüchtling aus Bangladesch, politisches Opfer der Regierungspartei. In Bangladesch erwartet mich Gefängnis oder der sichere Tod.

Addresse: c/o Ankunftszentrum Maria Probst Straße 14, München, Tel.: 0049-152-14057064

Foto Ruhul Amin Khan together with a man with lung disease in the Flüchtlingslager Ankunftszentrum Munchen

http://thevoiceforum.org/node/4717

20/02/2020

Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer des rechten Terroranschlags in .

Unsere Bundesvorsitzende Jana Herrmann erklärt dazu: "Rechte Terroranschläge und Übergriffe sind keine isolierten Einzelphänomene. Die Täter*innen sind häufig vernetzt und der rassistische Nährboden ihrer mörderischen Taten durchdringt alle gesellschaftlichen Schichten. (...) Es kann in dieser Frage keine Ausreden oder faulen Kompromisse mehr geben: N***s und Rechtsterrorist*innen kann gesellschaftlich nur mit einem konsequenten und kompromisslosen Antifaschismus begegnet werden.“

Mehr dazu: https://bit.ly/3bS5Spg

15/02/2020

Wir waren heute auch bei der Demo mit einem Redebeitrag vertreten:

"Wir sind die Sozialistische Jugend – Die Falken aus Erfurt und wir wollen in unserem Redebeitrag versuchen, nicht erneut zu wiederholen, was in der letzten Woche schon hundertfach gesagt worden ist: ein Dammbruch, der Bruch in einem angeblich bestehenden antifaschistischen Konsens über Parteigrenzen hinweg, die Wahl Kemmerichs mit den Stimmen der AfD.

Die Enttäuschung ist überall groß, die Empörung auch. Wir glauben jedoch nicht, dass das, was da letzte Woche im Thüringer Landtag passiert ist, etwas anderes ist als der offene Ausdruck dessen, was das Denken von Politikerinnen und Politikern, aber auch der Wähler*innen von CDU und FDP notwendigerweise schon immer ausmacht: eine Anschlussfähigkeit nach rechts, die von den Akteuren selbst jedoch vollkommen undurchschaut bleibt, wie auch Kemmerichs verzweifelte und lächerliche Abgrenzungsversuche gegenüber der AfD nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten („Ich bin anti-Höcke!“) wieder einmal aufgezeigt haben. Während die gesamte gesellschaftliche Linke von CDU und FDP ständig mit dem Kampfbegriff der Ideologie diskreditiert wird, während auf allen Kanälen darüber gestritten wird, ob N**i zu sein am Ende das Gleiche ist wie antikapitalistischer Aktivismus und Antifa-Arbeit, bleibt vollkommen unerkannt, dass das eigene Weltbild Ausdruck eines falschen Bewusstseins ist, das es braucht, um vor sich selbst und Anderen die Verhältnisse zu rechtfertigen, in denen wir leben und deren Unmenschlichkeit jeden Tag offensichtlich wird.

FDP und CDU zu wählen, heißt noch mehr als bei den linken Parteien des Parteienspektrums, sich einverstanden zu erklären damit, dass Leistung das oberste Prinzip dieser Gesellschaft ist. Das Leistungsprinzip und die dahinterstehende Vorstellung davon, dass für jeden einsehbar sei, warum er oder sie etwas zu leisten hätte, verschleiert, dass es in dieser Gesellschaft nie um die tatsächliche Befriedigung der eigenen Bedürfnisse oder Entfaltung der individuellen Fähigkeiten geht, was das das einzig Vernünftige wäre. Und dass Herkunft darüber entscheidet, ob man ein halbwegs erträgliches Leben führen kann oder ob es überhaupt einen interessiert, ob man im Mittelmeer ertrinkt oder nicht. Von diesem Standpunkt aus ist es kein weiter Weg und es benötigt nicht erst das Einreißen einer „Brandmauer“, um autoritär vorzugehen gegen alle, die einem nicht passen, sie zu verfolgen oder zu vernichten. Sicherlich, wir leben nicht im Faschismus und die CDU oder FDP ist nicht die AfD, doch wer nicht erkennt, dass Konservative und Neoliberale kein Teil eines antifaschistischen Konsens sein können, weil sie den Faschisten viel näher stehen als sie selbst begreifen, der hat auch nicht viel begriffen und muss sich noch wundern über Kemmerich und Mohring. Wir finden, da gibt es nichts zu wundern: Die Vorstellung, man teile irgendwelche Werte mit diesem Menschen, entpuppte sich nicht erst letzte Woche als Irrglaube, sondern sie offenbart sich täglich als naive Illusion. Wer wie die Neoliberalen davon ausgeht, dass Menschen von Natur aus nicht über Vernunft verfügen, für den braucht es aristokratische Eliten, die die Massen anführen. Der Neoliberalismus ist selbst autoritär. Ihren angeblichen Feinden von der AfD sind die Vertreter*innen der FDP damit viel näher als sie behaupten.

Wir wollen hier auch nicht falsch verstanden werden: Auch jede andere Alternative bei einer Wahl ist eine schlechte, denn regiert zu werden, egal von wem, verstetigt die Unmündigkeit, in der wir in dieser Gesellschaft leben, einer Gesellschaft, in der man nicht über sich selbst verfügt, in der man seine Arbeitskraft und einen Großteil seiner Lebenszeit verkauft, um etwas zu Essen zu haben und eine Wohnung. Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der es möglich ist, diese Unmündigkeit zu überwinden.

Wir sind also heute nicht auf dieser Demo, weil wir empört sind über die Politiker*innen der FDP oder über die CDU. Wir sind auch nicht hier, um uns in dem wohligen Gefühl zu baden, einmal mit mehr als den gewohnten 400 Leuten in Erfurt auf einer antifaschistischen Demonstration zu stehen und uns einzureden, wir wären mehr. Wir fühlen uns auch keinesfalls allen Organisationen, die an dieser Demonstration teilnehmen, „unteilbar“ verbunden oder stimmen in allem überein. Wir sind nicht hier, weil wir glauben, unser Leben würde tatsächlich zu einem lebenswerten mit Bodo Ramelow als Ministerpräsidenten. Wir sind hier, weil rechte Politik unser aller Leben noch beschissener machen wird. Und weil wir darauf aufmerksam machen wollen, dass es die durch die Bürgerinnen und Bürger geschaffenen Mehrheitsverhältnisse in diesem Land sind, die sowohl eine faschistische Partei mit über 20% der Stimmen ins Parlament geholt haben und dazu auch noch ihre verständnislosen Lakaien aus FDP und CDU mit einem Stimmanteil, der dieses überhaupt Debakel möglich gemacht hat, das hinter uns liegt. Dass also der Faschismus eine Gefahr ist, die nicht von irgendwelchen unfähigen politischen Funktionären ausgeht, sondern in erster Linie von einem großen Teil der hiesigen Bevölkerung, die ihre beschissene Lage nicht den Verhältnissen, sondern den Ausländern und Juden anlastet und ernsthaft glaubt, eine rechte Regierung könnte ihre Probleme lösen. Es kann nur unser Ziel sein, uns all diesen Leuten entgegenzustellen, überall und nicht nur im Parlament und zu versuchen, ihr Reden zu kritisieren, wo immer es geht. Zu verstehen und zu handeln und uns zusammenzutun, um die Freiheit zu erkämpfen, die die FDP nicht denken kann."

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