09/11/2024
"Die Pläne für den Uferweg fallen ins Wasser"
1908 – Kirchenweg - Seeweg
Ein Dankeschön an unseren Ortschronisten Rainer Strohmayer.
Der Mittelpunkt der ehemaligen Herrschaft und auch der Pfarrei Wasserburg war zweifelsohne die Halbinsel mit der St. Georgs Kirche. Zu den Gottesdiensten zogen die Einwohner der einzelnen Ortsteile auf den immer gleichen Wegen Richtung Kirche. Im Volksmund bekamen diese daher den Namen Kirchenweg. Je nach dem woher die Kirchgänger kamen, bekamen die Wege dann die jeweilige Namensergänzung.
Die Selmnauer und Hattnauer etwa zogen auf dem Hattnauer Kirchenweg über das Eichholz und Hege Richtung Halbinsel. Der Hengnauer Kirchenweg führte über den Winterberg nach Wasserburg. Von Reutenen aus führte der Weg die heutige Reutener Straße entlang bis zur Stierwies (heute beim Aquamarin), dann über den Eschbach und entlang des Ufers bis zum Gasthaus Krone auf der Halbinsel.
Der Reutener Kirchenweg ist der Weg, der sich im Laufe der Jahre am prägnantesten entwickelt hat. Das Ufer am Büchele zwischen Eschbachmündung und Halbinsel war bis in die 1870er Jahre im Wesentlichen unbebaut. Da die Leute keinen Umweg nehmen wollten, nahmen sie einen Trampelpfad direkt am Ufer entlang. Mit dem Bau der Villen am Büchele wurde den Kirchgängern dieser Weg verbaut. Die einschneidendsten Bauten waren das 1873 errichtete Hotel Hornstein (dann Villa Gwinner, jetzt Halbinselstr. 53) und die um 1900 gebaute Villa Schnell (dann Villa Primbs, jetzt Halbinselstr. 47). Hier kam den „normalen“ Bürgern dann eine Besonderheit entlang der deutschen Außengrenzen zu Gute. Da die Zöllner entlang der gesamten Grenze immer ein uneingeschränktes Betretungsrecht haben, müssen die Grundstücksbesitzer den sogenannten Grenzpfad für Streifengänge offenhalten. Dazu haben die Eigentümer an den Grundstücksgrenzen Durchgänge zu belassen oder, wenn sie diese mit Türen versperren, den Grenzern Schlüssel zu geben. Nikolaus Gwinner beschreibt in seinen Wasserburger Erinnerungen wie man sich damals dann beholfen hat: „Über einen Weg […] erreichte man den von meinem Großvater Otto und Herrn Primbs angelegten romantischen Seeweg […]. Dieser Seeweg wurde für den Zoll angelegt, damit die Zöllner ihr Recht durch die Grundstücke gehen zu können, nicht mehr benötigten und dadurch die Grundstückseigentümer ungestört blieben“. Als Entstehungsdatum für diesen an der Ufermauer entlang entstandenen Weg nennt Ortschronist Ludwig Zürn das Jahr 1908.
So wurde aus dem alten Kirchweg der Reutener dieser ungewöhnliche Seeweg, der schmal und ohne Geländer zur Halbinsel führt und von den Wasserburgern als eine Besonderheit geschätzt wird, die es zu erhalten gilt.
Quelle: Zürn, Ludwig: Wasserburger Heimatchronik Band I, Seite 32
Gwinner, Nicolaus: Erinnerungen - Halbinselstraße 1950
§ 14 Abs. 2 Zollverwaltungsgesetz (ZollVG)
Fotos:
Archiv der Gemeinde Wasserburg am Bodensee
Bürgerinitiative "Rettet die Halbinsel Wasserburg Bodensee"