06/06/2026
Wer eine „Oma gegen Rechts“ angreift, der entlarvt nicht nur sich selbst. Der zeigt auch, was hinter dieser ganzen rechten Bürgerdialog-Fassade steckt: Einschüchterung, Drohkulisse, Gewaltbereitschaft.
In Berlin-Pankow-Blankenburg wurde vor dem AfD-Büro, das vor Ort nicht zufällig „Braunes Haus“ genannt wird, gegen eine AfD-Veranstaltung protestiert. Kein Aufmarsch mit Gewalt, kein Angriff, kein „linker Mob“, sondern antifaschistischer Gegenprotest. Menschen, die sagen: Hier wird rechter Hetze nicht widerspruchslos der Raum überlassen. Unter ihnen Maja Wiens von den „Omas gegen Rechts“. Laut taz wurde sie von einem Sympathisanten der Rechtsextremen geschlagen; die Polizei bestätigte zwei Strafanzeigen, wegen versuchter Körperverletzung und Beleidigung.
Und genau daran sieht man wieder, wie verlogen dieses rechte Gerede von „Meinungsfreiheit“ ist. Wenn die AfD redet, soll angeblich Demokratie sein. Wenn Menschen widersprechen, heißt es plötzlich „Zecken“, Drohung, Einschüchterung. Laut taz berichtete ein Augenzeuge der VVN-BdA sogar von Zurufen wie „Zecke, peng peng, ich schieß euch ab“. Das ist keine normale politische Auseinandersetzung mehr. Das ist eine Sprache der Entmenschlichung. Eine Sprache, die in Deutschland verdammt noch mal historisch belastet ist.
Als alter Linker sage ich: Man muss diese Omas nicht romantisieren. Man muss sie ernst nehmen. Diese Frauen stehen dort, wo viele andere längst wegschauen. Sie stehen vor AfD-Büros, bei Wind, Regen, Drohungen und Beschimpfungen. Und sie machen etwas sehr Einfaches, aber sehr Wichtiges: Sie halten die demokratische und antifaschistische Öffentlichkeit aufrecht. Nicht mit Pathos, sondern mit Anwesenheit.
Der Angriff auf eine „Oma gegen Rechts“ ist deshalb mehr als ein einzelner Vorfall. Er ist ein politisches Signal. Rechte Gewalt will nicht nur verletzen. Sie will abschrecken. Sie will sagen: Bleibt zu Hause. Haltet den Mund. Überlasst uns die Straße, die Plätze, die Sprache, die Erinnerung. Genau deshalb darf die Antwort nicht Rückzug sein, sondern Solidarität.
Denn Faschismus beginnt nicht erst mit Uniformen und Marschmusik. Er beginnt dort, wo Menschen eingeschüchtert werden, weil sie widersprechen. Dort, wo rechte Räume normalisiert werden. Dort, wo Drohungen als „Emotionen“ kleingeredet werden. Dort, wo ein Schlag gegen eine alte Frau am Ende nur als „Handgemenge“ verschwindet.
Nein. Das war kein Ausrutscher im luftleeren Raum. Das passiert in einem Klima, das seit Jahren produziert wird: durch Hetze gegen Linke, gegen Migrantinnen und Migranten, gegen Journalistinnen, gegen Antifaschisten, gegen alle, die nicht in das rechte Weltbild passen. Wer ständig Feindbilder baut, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann jemand zuschlägt.
Die Antwort darauf kann nur heißen: mehr Öffentlichkeit, mehr Gegenprotest, mehr Solidarität. Nicht heroisch. Nicht machohaft. Sondern organisiert, wachsam, standfest.
Wer Omas angreift, entlarvt sich.
Wer Antifaschisten bedroht, zeigt, wovor er Angst hat.
Und wer glaubt, uns damit von der Straße zu bekommen, hat Geschichte nicht verstanden.
Antifaschistische Solidarität mit Maja Wiens und den Omas gegen Rechts.
Nie wieder Faschismus — nicht als Floskel, sondern als Auftrag.
https://taz.de/Protest-gegen-die-AfD/!6184524/