KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg Ulm

KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg Ulm ehem. Konzentrationslager des Landes Württemberg im Fort Oberer Kuberg (November 1933 bis Juli 1935)

Buchpräsentation und Gespräch mit den Herausgeber*innen des Sammelbandes "Durchsetzung der Diktatur. Frühe Konzentration...
18/06/2026

Buchpräsentation und Gespräch mit den Herausgeber*innen des Sammelbandes "Durchsetzung der Diktatur. Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus" am 22. Juni 2026, um 19.00 Uhr in der vh Ulm, Club Orange

Der neu erschienene Sammelband „Durchsetzung der Diktatur – Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“ beleuchtet die Entstehung und Funktion der frühen nationalsozialistischen Konzentrationslager im reichsweiten Vergleich. Die ersten Konzentrationslager waren das zentrale Terrorinstrument bei der Durchsetzung und Machtsicherung der NS-Herrschaft. Über 100 von ihnen entstanden ab 1933 im Deutschen Reich, darunter auch das KZ Oberer Kuhberg in Ulm.
Der Band entstand als Gemeinschaftswerk der Arbeitsgemeinschaft „Gedenkstätten an Orten früher Konzentrationslager“. 19 Einrichtungen aus 12 Bundesländern steuerten Beiträge bei, um die Geschichte der „Frühen Lager“ auf neuestem Forschungsstand darzustellen.

Zur Buchpräsentation führen die Herausgeber*innen und Autor*innen zunächst in die historischen Hintergründe ein. Danach werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der frühen Konzentrationslager an konkreten Beispielen aus Brauweiler (bei Köln), Osthofen, Oranienburg und Ulm diskutiert. Anschließend bleibt Zeit für eine Diskussion zur vergleichenden Betrachtung.

Der Eintritt ist frei. Die Publikation kann vor Ort für 28,00 € erworben werden.

📷 DZOK Archiv

Nach Kriegsende wurden die Baracken im Lager Roter Berg als Notunterkünfte in der Regel für ausgebombte Ulmer Familien, ...
03/06/2026

Nach Kriegsende wurden die Baracken im Lager Roter Berg als Notunterkünfte in der Regel für ausgebombte Ulmer Familien, später möglicherweise auch für heimatvertriebene Familien genutzt.

Theoretisch waren die Baracken, zumindest teilweise, Eigentum der Unternehmen, die dort im Nationalsozialismus die ihnen zugewiesenen Zwangsarbeiter:innen untergebracht hatten, und den Bau zu finanzieren hatten. Dies führte dazu, dass einige Firmen ihre Baracken auch abbauten, oder dies zumindest angestrebt hatten, um diese für ihre eigenen Firmenareale zu nutzen, die durch Kriegseinwirkungen beschädigt waren.

Die allermeisten der Holzbaracken verblieben aber zunächst vor Ort, und gelangten in Besitz und Zuständigkeit der Stadtverwaltung.

In dieser Zeit waren einige der dort wohnenden Familien bestrebt, ihre jeweilige Baracke zu erwerben. Entweder um sie vor Ort als Wohnraum weiter zu nutzen, oder aber abzubauen, und sich damit an anderer Stelle ein Behelfsheim zu errichten.

Überliefert sind auch Berichte über die zunehmende Baufälligkeit der einzelnen Behausungen. Dies führte oftmals zum städtisch angeordneten Abbruch der Gebäude.

Heute kann man im Bereich des alten Lagers vor allem ablesen, dass die Straßenzüge sich an den alten Erschließungswegen orientieren. Auch die Häuserfluchten decken sich teilweise mit der Lagerbebauung.



📸 1: Stadtarchiv Ulm
📸 2: Stadtarchiv Ulm und Geodatenportal Ulm, Umsetzung: Lioba Geggerle

Das NS-Regime verschleppte im Zweiten Weltkrieg Millionen Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter*innen zur Aufrechter...
02/06/2026

Das NS-Regime verschleppte im Zweiten Weltkrieg Millionen Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter*innen zur Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft ins Deutsche Reich. In Ulm wurde zu deren Unterbringung u.a. am Roten Berg ein umzäuntes und bewachtes Lager errichtet, das für 2.200 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen ausgelegt war. Insgesamt lebten dort von 1941 bis 1945 schätzungsweise 5.000 Menschen unter unwürdigen Bedingungen. Das Lager befand sich auf städtischem Grund, wurde durch die Ulmer Industrie- und Handelskammer (IHK) verwaltet und von der Deutschen Arbeitsfront bewirtschaftet.

Die Unterkünfte am Roten Berg waren schlecht gedämmt, überfüllt und hygienisch völlig unzureichend. Viele ehemalige Zwangsarbeiter*innen berichteten später, sie hätten im „KZ Roter Berg“ gewohnt. Hunger, Kälte und Krankheiten prägten den Alltag; immer wieder kam es zu Fleckfieberepidemien. Die Versorgung war knapp bemessen, die Arbeit hart und ausbeuterisch.

Zwangsarbeiter*innen wurden in Ulm in nahezu allen Bereichen eingesetzt: Industrie, Handwerk, Landwirtschaft, Verwaltung und in privilegierten Privathaushalten. Die größten Arbeitgeber waren KHD-Magirus (in den Quellen nachweisbar ca. 3.000, mutmaßlich bis zu 5.000), die Reichsbahn (1.800), Telefunken (1.500), Wieland (1.400), Eberhardt (750) und Kässbohrer (550).

Zwangsarbeit war während des Zweiten Weltkriegs ein flächendeckendes, für alle sichtbares Verbrechen. Insgesamt mussten im Deutschen Reich rund 13 Millionen Menschen Zwangsarbeit leisten.



📸 1: Stadtarchiv Ulm
📸 2: Stadtarchiv Ulm

13. Stolpersteinverlegung in UlmAm Mittwoch, den 20. Mai 2026 werden von 14 Uhr bis 16.15 Uhr durch den Kölner Künstler ...
18/05/2026

13. Stolpersteinverlegung in Ulm

Am Mittwoch, den 20. Mai 2026 werden von 14 Uhr bis 16.15 Uhr durch den Kölner Künstler Gunter Demnig und die Ulmer Stolpersteininitiative weitere 7 Stolpersteine in Ulm verlegt.

Alle interessierten Bürger*innen sind herzlich zu den fünf Verlegungsorten eingeladen:

14.00 Uhr Verlegung für Robert Weigele: Löfflerstraße 2

14.40 Uhr Verlegung für Hermann Deibler: Elisabethenstraße 46

15.05 Uhr Verlegung für Familie Brumlik: Wagnerstraße 5

15.35 Uhr Verlegung für Bertha Bianka Hirsch: Neue Straße 70

15.55 Uhr Verlegung für Mathilde Prinzing: Judenhof 1

Für die Fahrt zu den Verlegungsorten steht ein Bus zur Verfügung, er fährt von der Touristenbushaltestelle (Glöcklerstraße/Neue Straße) um 13.45 Uhr ab und direkt zum ersten Verlegungsort.

Weitere Informationen und der Flyer als PDF sind auf der Webseite der Stolpersteininitiative Ulm abrufbar.

📷 Archiv DZOK

Am Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, dem 8. Mai, wurden am Roten Berg/Ecke Kellerhalde unter großer öffentliche...
13/05/2026

Am Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, dem 8. Mai, wurden am Roten Berg/Ecke Kellerhalde unter großer öffentlicher Anteilnahme drei Erinnerungsstelen eingeweiht.

Sie veranschaulichen die Geschichte dieses Ortes und erinnern zugleich an die Siedlung für sozial Ausgegrenzte, das größte Zwangsarbeiterlager Ulms sowie
an die besondere Gefährdung von Zwangsarbeiterinnen in der NS-Zeit.

In ihrer Rede wies Dr. Nicola Wenge vom DZOK daraufhin, dass „die Geschichte des Roten Bergs uns daran erinnert, wie schnell und umfassend Menschen aus der Gesellschaft ausgegrenzt, entrechtet und verfolgt werden können. Und dass gerade die schwächsten Gruppen in Krisen- und Kriegszeiten besonders gefährdet sind.
Das gilt für die Geschichte ebenso wie für die Vergangenheit.“

Oberbürgermeister Martin Ansbacher betonte, „dass Freiheit und Menschenwürde nicht selbstverständlich sind. Die Gedenkstelen erinnern uns daran, dass wir menschliche und politische Verantwortung tragen – für die Konsequenzen unserer Wahlentscheidungen, für unser Gemeinwesen, in der jeder Mensch zählt, seinen Wert und seine Würde hat, unabhängig von Herkunft, Status oder Lebenssituation.“

Mark Tritsch von der Stolpersteininitiative Ulm informierte anschaulich über die Hintergründe der Siedlung am Roten Berg und die Verfolgung und Ermordung der Sinti Familie Eckstein.

Bei strahlendem Sonnenschein füllten die 150 Besucher*innen, darunter zahlreiche Anwohner*innen, nicht nur die offizielle Veranstaltung mit Leben, sondern verblieben noch lange bei informellen Gesprächen vor Ort.

Weitere Informationen unter:
https://dzok-ulm.de/erinnerungsstelen-am-roten-berg/

📷 DZOK Archiv

Einladung zur Einweihung der Gedenkstelen am Roten BergZur Einweihung der drei Erinnerungsstelen am Roten Berg/Ecke Kell...
07/05/2026

Einladung zur Einweihung der Gedenkstelen am Roten Berg

Zur Einweihung der drei Erinnerungsstelen am Roten Berg/Ecke Kellerhalde am 08. Mai um 11 Uhr möchten wir Euch ganz herzlich einladen.

Der Rote Berg westlich von Söflingen war in der NS-Zeit ein Ort der Ausgrenzung, an dem als „asozial“ stigmatisierte Menschen, Sinti und Roma, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen unter menschenunwürdigen Bedingungen leben mussten. Zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai werden dort drei Gedenkstelen eingeweiht, die neue Forschungsergebnisse sichtbar machen und gemeinsam vom DZOK, der Stolpersteininitiative sowie den Stadtarchiven Ulm und Neu-Ulm erarbeitet wurden.

Oberbürgermeister Martin Ansbacher, Mark Tritsch (Stolpersteininitiative) und Nicola Wenge (DZOK) liefern Hintergrundinformationen und bieten Anknüpfungspunkte zur Gegenwart. Ihre Reden werden musikalisch von Markus Munzer-Dorn umrahmt. Nach der offiziellen Einweihung gibt es – gerade auch für die Anwohner*innen – die Möglichkeit zum informellen Gespräch.

Hier eine kurze Wegbeschreibung:
Mit der Straßenbahnlinie 1 Richtung Söflingen bis zur Haltestelle Sonnenstraße, Umstieg in die Buslinie 9 Richtung Roter Berg, Ausstieg an der Haltestelle Roter Berg, von dort aus ca. 1 Minute Fußweg (27m) zur Ecke Kellerhalde/Roter Berg.



📷 Entwurf der Erinnerungsstelen von Gestaltungsbüro Braun Engels

Die Tradition, den 1. Mai eines jeden Jahres als „Tag der Arbeit“ zu begehen stammt ursprünglich aus der nordamerikanisc...
01/05/2026

Die Tradition, den 1. Mai eines jeden Jahres als „Tag der Arbeit“ zu begehen stammt ursprünglich aus der nordamerikanischen Arbeiterbewegung. Hier wurde der 1. Mai als Tag des Generalstreiks zur Erkämpfung des Achtstundentages ausgerufen.

Nachdem der 1. Mai auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationalen, einem Zusammenschluss sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien, als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen wurde, fanden an diesem Tag erstmals 1890 auf der ganzen Welt Streiks und Demonstrationen statt. Damit ist der 1. Mai traditionell ein Tag der Arbeiterbewegung, die historisch stark von sozialistischen Strömungen geprägt war.

In Deutschland wurde der 1. Mai erst unter den Nationalsozialisten zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Der „Tag der nationalen Arbeit“ wurde für nationalsozialistische Zwecke umgedeutet. Es ging nicht darum, die Rechte der Arbeiter*innen zu stärken, sondern Arbeiter*innenverbände zu entmachten und die Mitglieder der „Volksgemeinschaft“ auf Zugehörigkeit einzustimmen. Die Gewerkschaften als eigentliche Vertreter der deutschen Arbeiterschaft wurden unmittelbar nach den 1. Mai-Feierlichkeiten 1933 zerschlagen oder gleichgeschaltet, einflussreiche Gewerkschaftsfunktionäre verfolgt und in die Frühen KZ gesperrt – so auch am Heuberg und später am Oberen Kuhberg in Ulm.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der 1. Mai in der BRD und der DDR als gesetzlicher Feiertag beibehalten. Die Deutungshoheit über den 1. Mai, als Tag der Arbeiterschaft und Arbeiter*innenrechte, hat sich die Arbeiterschaft seit Ende des Nationalsozialismus zurückerobert. Gewerkschaften und soziale Bewegungen prägen bis heute die Ausgestaltung des Maifeiertags.

Die offizielle Anerkennung der Sinti und Roma als Opfer des Nationalsozialismus durch den Bundestag erfolgte am 7. Novem...
26/04/2026

Die offizielle Anerkennung der Sinti und Roma als Opfer des Nationalsozialismus durch den Bundestag erfolgte am 7. November 1985. Dem vorangegangen war ein jahrzehntelanger Kampf um Anerkennung. Die systematische Verfolgung und Ermordung von bis zu 500.000 europäischer Sinti und Roma wurde in der Bundesrepublik lange Zeit nicht offiziell anerkannt.

Auch in Ulm verlief der Prozess des Erinnerns an die Verfolgung von Sinti und Roma schleppend.

Erste (Gedenk-)veranstaltungen in Ulm, die auch auf Kontinuitäten der Verfolgung nach 1945 hinwiesen, fanden zwar schon auf Initiative des DZOK und des Historikers Dr. Walter Wuttke in den 1970er/1980er Jahren statt. In einem Vortrag an der Ulmer vh berichtete Wuttke etwa, dass der Ulmer Bürgermeister Walter Hailer noch 1954 "Maßnahmen zur Einschränkung der Zigeunerplage" gefordert habe.

Doch erst 2009 wurde, wieder auf Betreiben Wuttkes, für den ermordeten Willi Eckstein eine Straße in Ulm umbenannt.

Im Jahr 2023 würdigte die Stadt den Ulmer Sinto und Bürgerrechtsaktivisten Ranco Brantner mit einer Gedenktafel an der Wengenkirche. Diesmal war die Initiative vom Zentralrat der Sinti und Roma und dem DZOK ausgegangen.

2024 entdeckten Mitglieder der Stolperstein-Initiative anhand von Fotos und einem Lageplan der früheren Ziegelei aus dem Stadtarchiv den tatsächlichen damaligen Standort der Bahnwagonsiedlung. Am 21. Mai 2024 wurden Stolpersteine für die Ecksteins am Roten Berg unter einem Kastanienbaum mit Blick auf den früheren Standort unter Beteiligung von Anwohner*innen und Unterstützer*innen verlegt. Sie sollen auch an die Verfolgung anderer, bisher unbekannten Sinti Familien erinnern.



📸 1: Stolpersteine Ulm
📸 2: Stolpersteine Ulm
📸 3: DZOK Ulm

Als Notunterkunft für Menschen ohne Wohnung gedacht, lebten am Roten Berg in Söflingen bis weit in die 1930er Jahren auc...
24/04/2026

Als Notunterkunft für Menschen ohne Wohnung gedacht, lebten am Roten Berg in Söflingen bis weit in die 1930er Jahren auch Sinti-Familien auf der Durchreise oder für längere Zeit. Am 10. Mai 1932 wurde im Hauptregister der Geburten in Ulm die Geburt eines Kindes mit Namen Willi angezeigt, „von der Helene Eckstein geb. Köhler, Ehefrau des Musikers Karl Eckstein, beide ohne festen Wohnsitz, zur Zeit wohnhaft beim Roten Berg in Söflingen, vorübergehend auf der Durchreise“. Die Ecksteins waren eng verbunden mit anderen Sinti-Musikerfamilien. Laut der Auschwitz-Überlebenden Philomena Franz, Karls Nichte, zogen sie gemeinsam mit dem Wohnwagen umher und wohnten freiwillig oder unfreiwillig längere Zeit im Wohnwagen an bestimmten Orten. Am Roten Berg haben sie sicherlich öfter Halt gemacht oder sind auch länger geblieben.

Nach dem im Dezember 1938 von Reichsführer SS Heinrich Himmler verfügten Runderlass zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“, der auf die vollständige Erfassung und spätere Aussonderung der Betroffenen abzielte, wurde das Reisen für Sinti zunehmend gefährlich. Anfang der 1940er Jahren lebten die Ecksteins an verschiedenen Adressen in Heilbronn. Philomena Franz berichtete, dass Helene Eckstein schon 1941 deportiert wurde. Im März 1943 wurde dann die ganze Familie nach Auschwitz verschleppt. In der Zeit zwischen August und Dezember wurden sie dort ermordet.

Insgesamt fielen geschätzte 220.000 bis 500.000 Sinti und Roma dem Rassenwahn der Nationalsozialisten und dem an ihnen systematisch geplanten Völkermord zum Opfer.



📸 1: Stadtarchiv Ulm mit Markierungen der Stolpersteine Ulm
📸 2: Stadtarchiv Ulm

Am westlichen Stadtrand von Ulm befindet sich heute das Wohngebiet Roter Berg. In den 1920er und 1930er Jahren lag diese...
21/04/2026

Am westlichen Stadtrand von Ulm befindet sich heute das Wohngebiet Roter Berg. In den 1920er und 1930er Jahren lag dieses Gelände noch außerhalb der Stadt und war ein Ort der Ausgrenzung und Isolation.

Die Krisenjahre nach dem Ersten Weltkrieg führten im ganzen Land zu sozialer Not und extremer Armut in der Bevölkerung – so auch in Ulm. Auf die daraus resultierende Gefahr von Obdachlosigkeit reagierte der Ulmer Gemeinderat mit Plänen zur Errichtung von „Wohnbaracken“. Am 10. November 1926 fasste die bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat – gegen die Stimmen der linken Opposition – den Beschluss, am Roten Berg eine Wohnsiedlung für Obdachlose, sozial Benachteiligte und Ausgegrenzte zu errichten. Anstelle der zunächst angedachten „Wohnbaracken“ wurden noch günstigere, ausrangierte Eisenbahnwagons als Unterkünfte aufgestellt. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung lebten dort unter menschenunwürdigen Bedingungen. Im Volksmund hieß die Siedlung nach dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Emil Schwammberger rasch abwertend „Schwammberghausen“.

Der Standort fernab jeglicher Nachbarschaft am Stadtrand war absichtlich gewählt. Die als „asozial“ Stigmatisierten sollten aus der Innenstadt ferngehalten und die Kontrolle durch Polizei und Sozialbehörden erleichtert werden. Die Einrichtung derartiger Siedlungen stellte in der Weimarer Republik ein weit verbreitetes Instrument der Sozial- und Wohnungspolitik dar. Im Nationalsozialismus wurden Ausgrenzung und Verfolgung weiter verschärft und „Asoziale“ auch in Ulm als „gemeinschaftsfremd“ stigmatisiert und teils in Arbeits- und Konzentrationslager deportiert. 1944 löste die Stadt die Siedlung auf.

📷 1: Stadtarchiv Ulm

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Am Hochsträß 1
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+4973121312

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