Forschungsstelle für fränkische Volksmusik

Forschungsstelle für fränkische Volksmusik Forschungsstelle für fränkische Volksmusik Willkommen auf der Fan-Seite der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik. Sie besteht seit 1981.

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en und Unterfranken. Wir sammeln Zeugnisse popularen Musizierens, Singens und Tanzens, archivieren und interpretieren sie. Welcome to the Fan Page of the Forschungsstelle fuer fraenkische Volksmusik. Our institution founded in 1981 collects, archives and interprets evidence of traditional popular music, singing and dancing. Allgemeine Informationen
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Forschungsstelle für fränkische Volksmusik
Schloßstraße 3
97215 Uffenheim

Tel.: 09842 / 936 94 90

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Mit dem Postkartenmotiv von „Ellmanns Original oberbaierische Sänger- u. Tänzer-Truppe“ starten wir in eine neue Woche. ...
15/06/2026

Mit dem Postkartenmotiv von „Ellmanns Original oberbaierische Sänger- u. Tänzer-Truppe“ starten wir in eine neue Woche. Sehr kleinfüßig und in scheinbar Miniaturgestalt tanzen und musizieren Ellmanns Originale – was 1904 schon ging, nennen wir heute eine kunstvolle Collage oder schlicht Fotobastelei. Abgebildet sind
links zwei Frauen und ein Mann, die um einen Tisch herum musizieren. Eine Kontragitarre und eine Zither begleiten hierbei den Gesang der stehenden Frau in der Mitte, wobei die Haltung der Instrumentalisten sehr viel mehr gestellt wirkt, als sie es bestimmt hätte tun sollen. Eher rechts im Motiv sind zwei Tanzpaare während ihrer Tanzfiguren abgebildet. Musikanten wie Tänzer sind in Trachten gekleidet. Die Männer tragen kurze Lederhosen und Westen mit lyraförmigem Ausschnitt, wobei der Musiker auch einen Hut mit Adlerflaum auf dem Kopf trägt. Die Frauen sind in Dirndln mit hellen Schürzen und hellen Schultertüchern mit Fransen zu sehen, ihre Haare sind geflochten. Die Tänzerinnen tragen langärmelige schwarze Mieder, während die Musikerinnen mit hellen Puffärmeln und langärmeliger, heller Bluse und flachen Hüten mit Adlerflaum sich optisch etwas von den Tänzerinnen unterscheiden. Dargestellt ist diese Szene in einem Gasthaus, an dessen Wänden Bilder und Fotos hängen, Pflanzen das Fensterbrett zieren und eine Pendeluhr vermutlich einen anderen Schlag abgibt als es die Musiker in ihrem Rhythmus vorgeben. In der Nachricht, die Clara im Juni 1904 in Weimar an Ernst in Tambach verfasste, berichtet Clara, sie sei gestern „im Tivoli zum Concert“ gewesen – wohl bei den Ellmanns Originalen. Im Motiv markierte Clara nämlich die Sängerin und die rechte Tänzerin und schrieb den Kommentar: „Die kann schön singen, die kann gut tanzen“.

Das Datum für den Welttag des Tagebuchs wurde in Gedenken an die, heute wohl bekannteste, Tagebuchschreiberin Anne Frank...
12/06/2026

Das Datum für den Welttag des Tagebuchs wurde in Gedenken an die, heute wohl bekannteste, Tagebuchschreiberin Anne Frank ausgesucht, die am 12. Juni 1929 geboren wurde und 13 Jahre später zum Geburtstag ein rot kariertes Tagebuch bekam in dem sie die Geschichte ihres Lebens, im Versteck vor den Nationalsozialisten, festhielt.
Viele berühmte historische Personen notierten sich Geschichten aus ihrem Alltag, die kleinen und großen Momente, Eindrücke und Emotionen.
Egal ob Schriftsteller wie Kafka oder Virginia Woolf, Künstlerinnen wie Frida Kahlo, Wissenschaftlern wie Darwin oder Marie Skłodowska Curie, deren Tagebücher noch immer so radioaktiv sind, dass sie in einem Blei-Behältnis aufbewahrt werden müssen, oder den „Ehetagebüchern“ die von dem Komponistenpaar Clara und Robert Schumann verfasst wurden.
Und natürlich den Memoiren der „einfachen“ Leute. Wobei das nicht so leicht zu sagen ist, da viele Tagebuchschreiber, erst nach ihrem Tod, durch diese Bekanntheit erlangen.
In der Forschung sind die Informationen, die aus Tagebüchern hervorgehen kostbar und wichtig, um Zusammenhänge, Abläufe und Kontexte nachvollziehen zu können.
So haben wir zum Beispiel in unserem Archiv ein Tagebuch von Otto Mittenberger, der für den 26. August 1883 schrieb:

... früh 6 1/2 Uhr wurde am Residenzplatz abmarschiert durch Rottendorf, Biebelrieden und Repperndorf, um 11 1/2 Uhr kommen wir nach Kitzingen, wo wir einquartiert werden. Ich kam mit [noch] 2 Mann in ein sehr feines und gu[tes] Quartier, habe Zither gespielt und haben zu dritt 16 Flaschen Bier getrunken ...

Sicher zu sagen ist das es sich lohnt, sich ein paar Notizen zum eigenen Leben zu machen, ob für einen selbst oder die Nachwelt.

Muss’ i denn’ Muss’ i denn’ / zum Städtle hinaus, und du mein Schatz bleibst hier, /Wenn i Komm’ Wenn i Komm’ Wenn i wie...
11/06/2026

Muss’ i denn’ Muss’ i denn’ /
zum Städtle hinaus, und du mein Schatz bleibst hier, /
Wenn i Komm’ Wenn i Komm’ Wenn i wiederum Komm’ /
Kehr’ i ein mein Schatz bei dir.

So lautet die erste Strophe des bekannten Volkslieds, das allgemein als „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ bekannt ist, das von, dem Komponisten und Liedersammler, Friedlich Silcher erstmals 1827 publiziert wurde.
Woher exakt die Melodie kommt ist nicht bekannt, es handelt sich aber vermutlich um das Baden-Württemberger Remstal.
Auch der originale Text dazu ist nicht erhalten, die 2. und 3. Strophe schrieb Silchers Freund, der Dichter, Heinrich Wagner und der Verfasser der ersten Strophe ist unbekannt.
Auch über den Titel des Liedes kann man sich streiten, so benennt Silcher es „Abschied“ und Wagner „Der wandernde Liebhaber“.
Inhalt des Textes ist der Abschied eines Mädchen von ihrem wandernden Liebhaber, der ihr verspricht wiederzukommen, treu zu bleiben und, falls sie ihn denn, „wenn me Träuble schneid’t“, zur nächsten Saison noch immer liebt, heiraten möchte.
Ein schönes und angenehmes Lied, das man noch heute so ziemlich überall da hört wo Volksmusik gespielt wird.
Anlass für die Postkarte gaben Geburtstagswünsche und Geschenke von einer Frau an ihre, vermutlichen, Enkelkinder. Geschrieben ist die Karte von ihrem Sohn, der verspricht ihr bald noch einen ausführlicheren Brief zu schreiben.
Auf dem Bild sind die Protagonisten des Lieds, das Mädchen und der Wandersmann, bei ihrem Lebewohl zu sehen, die Szene wirkt rührend und mit dem von Efeu überzogenen Torbogen und den weißen Tauben schon geradezu märchenhaft.

Vergangenen Samstag hieß es im mittelfränkischen Neustadt an der Aisch wieder ,,O'gschdochn is!"Erstmals wurde die Kirch...
10/06/2026

Vergangenen Samstag hieß es im mittelfränkischen Neustadt an der Aisch wieder ,,O'gschdochn is!"
Erstmals wurde die Kirchweih wohl 1557 gefeiert als die St.-Johannes-Kirche am zweiten Sonntag nach Pfingsten wiedergeweiht wurde, nachdem sie zu vor im 2. Markgrafenkrieg stark beschädigt wurde.
Seit dem findet die Festivität jährlich, nach Pfingsten gerichtet, statt und wurde nur in Kriegszeiten und der Coronapandemie unterbrochen.
Die Postkarte die wir Ihnen heute präsentieren stammt aus dem Jahr 1900 und zeigt das schon damals rege Treiben auf dem Festplatz, der nördlich von den Herrenbergen und südlich von der Aisch begrenzt wird.
Die bunten Karusselle und der Duft von gebrannten Mandeln ziehen damals wie heute Menschen von nah und fern an.
Zusätzlich wird das Spektakel natürlich von Bands, den Lautsprechern der Fahrgeschäfte und den Klängen fränkischer Blaskapellen musikalisch untermalt.
Früher wie heute sind die Schieß- und Losbuden, wie z.B. das vom Roten Kreuz, das Ketten- und Kinderkarussell und der Auto-Scooter besonders beliebt bei den kleinen Besuchern während die, die schon ein wenig älter sind eher am Ausschank oder - tanzend - auf einer Bierbank zu finden sind.
Für Leute jeden Alters gibt es aber die schier riesige Auswahl an Essen, welche sich heute lang nicht mehr nur auf die fränkische Küche beschränkt und definitiv dafür sorgt, dass ein jeder satt wird.
Am Kirchweih-Mittwoch, also heute, findet Abends das große Feuerwerk auf der Aischwiese statt und die Nachkirchweih geht noch bis Sonntag.
Also noch genügend Zeit um der "Neischdädder Kerwa" einen Besuch abzustatten!

Ein Blümchen auf der Wiese standIn sich gebückt und unerkanntEs war ein kleines VeilchenDa kam ein’ junge SchäferinMit l...
08/06/2026

Ein Blümchen auf der Wiese stand
In sich gebückt und unerkannt
Es war ein kleines Veilchen
Da kam ein’ junge Schäferin
Mit leichtem Schritt und munterm Sinn
Daher, daher; die Wiese her und sang

Ach, denkt das Veilchen, wär ich nur
Die schönste Blume der Natur
Ach nur ein kleines Weilchen
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und mich am Busen mattgedrückt
/: Ach nur :/ ein Viertelstündchen nur

Ach, aber ach, das Mädchen kam
Und nicht in acht das Veilchen nahm
Ertrats mit ihren Füßen
Es sank und starb und freut sich noch
Und sterb ich denn, so sterb ich doch
Durch sie, durch sie, zu ihren Füßen doch

Veilchen gelten als Symbol für romantische Liebe zwischen Frauen, und das schon seit der griechischen Antike und der Dichterin Sappho, die als zehnte Muse bezeichnet wurde, welche auf der Insel Le**os junge Frauen um sich scharrte um ihnen Musik, Tanz und Mythen zu lehren.
Die Poetin lebte etwa zwischen 630 und 512 vor Christus und schrieb vor allem über Sehnsucht und Liebe, sie beschreibt in einem ihrer Texte Veilchen, die in das Haar ihrer Geliebten geflochten waren.
Im 19. und 20. Jahrhundert bedienten sich queere Personen oft der geheimen Floriografie, der Sprache der Blumen, um sich an Gleichgesinnte zu vermitteln.
Lesbische Frauen trugen also Veilchen.
1926 werden im Theaterstück „The Captive“ zwischen den gleichgeschlechtlich liebenden Veilchen ausgetauscht und auch heute noch findet sich diese Blumensymbolik in queerer Kunst.
Ob dieses Volkslied queere Intentionen hat ist natürlich unklar, doch könnte man denn nicht die Beziehung von Schäferin und Veilchen romantisch deuten? Als eine Geschichte, die zwar kein gutes Ende nimmt, in der es aber trotzdem zählt, dass Liebe da war; auch wenn sie nichts retten konnte, war sie dennoch da?
Hier kann wohl jeder frei interpretieren, wichtig ist jedoch queere Geschichte sichtbar zu machen, der Juni der als „Pridemonth“ gefeiert wird, also als Monat in dem queere Personen mit Stolz auf ihre Geschichte reflektieren, eignet sich gut um auf die Motive hinzuweisen mit denen still und leise Liebe ausgedrückt wurde, als es gefährlich war, diese als solche zu bennen.

Bild: pixabay: Hans

Brücken Sie heute auch über? Wie wär‘s dann mit einem Ausflug ins Quelltal im Wildbad Burgbernheim – Wanderungen und Spa...
05/06/2026

Brücken Sie heute auch über? Wie wär‘s dann mit einem Ausflug ins Quelltal im Wildbad Burgbernheim – Wanderungen und Spaziergänge sind dort empfehlenswert. Das abgebildete Foto des Kurhauses Wildbad können Sie sich dann nochmal live und in Farbe ansehen. Die durch eine Brücke miteinander verbundenen Fachwerkhäuser stehen im historischen Quelltal. Das Kurhaus zählte im 18. Jahrhundert zu den bedeutendsten Kurbädern in Europa. Kur- und Erholungsort war er auch den Ansbacher Markgrafen, aus dessen Zeit das Kurhaus mit den beiden Verbindungsgängen zu den Wildbadstuben und zum Markgrafenbau erhalten sind. Erst 1814 erwarb die Marktgemeinde Burgbernheim das Schloss, 1864 wurde das Badehaus neu gebaut. 1945 wurde das Wildbad von den Amerikanern erobert. 1950 erlangte das Wildbad mit dem Kneippbecken wieder einen guten Ruf, jedoch wurde schon 18 Jahre später der Kurbetrieb eingestellt. 1980 ging das Wildbad dann in Privatbesitz über.
Die Quellen im Quelltal fließen noch immer: Heilquellen im Quelltal sind schon seit um 800 bekannt. Heute springen auf einer Länge von etwa 100 Metern sieben Quellen aus dem Schilfsandstein der Frankenhöhe, welche hier europäische Wasser- und Wetterscheide ist. Die größte und stärkste Trinkquelle war und ist der Doktor-Brunnen.
Wenn Sie mehr über die Quellen und ihre heilende Wirkung lesen möchten, schauen Sie doch mal auf der Homepage des Wildbads vorbei. Dort gibt es auch die Geschichte des Kurhauses etwas ausführlicherer: https://waldgasthof-wildbad.de/

🎶😌🎶 Wir freuen uns auf interessante Gespräche und rätselfreudige Gäste! 🎶🧐🤓🎶
04/06/2026

🎶😌🎶 Wir freuen uns auf interessante Gespräche und rätselfreudige Gäste! 🎶🧐🤓🎶

Instrumente, Schellackplatten, Notenhefte, ... bei uns gibt es Musikgeschichte direkt zum Anfassen am Tag der Franken am 5. Juli 2026 in Treuchtlingen. 🎸 🥁 🎻 🎺

Egal ob du dir jetzt denkst „Was es nicht alles gibt?“ oder Volksmusik das A und O in deinem Leben ist: an unserem Stand der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik ist jeder willkommen, Neues zu lernen, Altes zu entdecken und sein Wissen im Musikinstrumente-Quiz zu testen. 📝

Wir freuen uns auf dich! 😊

In vielen Orten Frankens wird in den nächsten Wochen Kirchweih gefeiert. Kerwa, Kirba, Kerm oder Kirmes – das Fest heißt...
03/06/2026

In vielen Orten Frankens wird in den nächsten Wochen Kirchweih gefeiert. Kerwa, Kirba, Kerm oder Kirmes – das Fest heißt überall ein bisschen anders, die Bräuche unterscheiden sich und die häufig dort anzutreffenden gesungenen Vierzeiler werden als Verschli, Gstanzl, Liedli oder ganz anders bezeichnet. Sie stehen – definitiv nicht unbegründet – im Generalverdacht, frauenfeindlich, sexistisch, sogar rassistisch und antisemitisch zu sein. Freilich, die Grenzen dessen, was jede und jeder für sich persönlich als verletzend empfindet, sind fließend und die Kirchweih ist ein Ausnahmezustand, der gewisse Grenzverletzungen duldet. Doch sind wir ausdrücklich davon überzeugt, dass es auch ohne die massiv derben bis menschenverachtenden Zeilen geht.
Zum Welttag des Fahrrads und als Ansporn, das eigene Repertoire mit neuen alten Vierzeilern zu erweitern, präsentieren wir heute einen Vierzeiler, den Dagmar Held 1990 beim Singstammtisch im Wirtshaus in Schweindorf im Kesseltal von Jakob Weinberger (*1920), Xaver Reiter (*1902) und anderen Gästen aufgezeichnet hat:

Und 's Hundle hat gschissa
ans Fahrradle na,
jetzt freit sie der Dreck,
weil er radfahra ka.

Quelle:
Held, Dagmar; Bayerischer Landesverein für Heimatpflege (Hgg.): Lieder aus dem Kesseltal : Ergebnisse neuerer Feldforschung zwischen Donau und Ries. München: Bayerischer Landesverein für Heimatpflege 1990 (= Lied, Musik und Tanz in Bayern 35), Nr. 85.

Bild von SitX auf Pixabay

Fritz W. aus Schwabach war unterwegs in Hamburg. Genauer in St. Pauli am Spielbudenplatz, auch unter dem Namen Reeperbah...
02/06/2026

Fritz W. aus Schwabach war unterwegs in Hamburg. Genauer in St. Pauli am Spielbudenplatz, auch unter dem Namen Reeperbahn bekannt, und ganz genau in der Wilhelmshalle, einem bekannten Vergnügungsetablissement in dem auch uns bekannte Oberlandlerkapellen auftraten. Fritz war nicht allein unterwegs. Die Grüße, die er seinen lieben Eltern „in feuchtfröhlicher Stimmung“ sandte, haben mehrere Personen unterschrieben. Und Fritz war in Begleitung seiner „Logismutter“, also seiner Herbergsmutter oder Zimmervermieterin. Die Gesellschaft hatte offensichtlich alkoholischen Getränken fleißig zugesprochen. Auf der Karte ist der (Bier-)Gartenbereich der Wilhelmshalle abgebildet, auf einer großen überdachten Bühne in der linken Ecke ist eine Kapelle zu sehen – rund 15 Männer in blauen Hosen und roten Jacken mit Tschakos, der Dirigent mit schwarzer Jacke –, bei der es sich um eine Militärkapelle handeln könnte. Leider schieb Fritz nichts über musikalische Themen. Auch ist unklar, warum die Karte am 2. Juni 1914 in Kleinflottbek gestempelt wurde, rund zwei Stunden Fußweg vom Spielbudenplatz entfernt. Vielleicht befand sich dort Fritzens Logis.

Hoppla  – hat da der Schriftsetzer die Wechstaben verbuxelt oder steht die Welt auf dem Kopf? Sogenannte Lügenlieder fei...
01/06/2026

Hoppla – hat da der Schriftsetzer die Wechstaben verbuxelt oder steht die Welt auf dem Kopf? Sogenannte Lügenlieder feierten offensichtlich schon im 16. Jahrhundert fröhliche Urständ. Dieses hier wurde um 1530 auf einem Flugblatt aus Nürnberg veröffentlicht. Die Melodie dürfen Sie sich selbst ausdenken.

Lügenlied (Bauernspaß)

1. Ein Dorf in einem Bauren saß, Der gerne Milch und Löffel aß Mit einem großen Wecke. Vier Wägen spannt er für ein Pferd, Sein Küch stund mitten in dem Herd, Vier Häuser hat sein Ecke. Umb seien Zaun da gieng ein Hof, Aus Käs macht er gut Milich, In sein Brot schoß er den Backof, Sein Sippen was von Zwilich, Mitten in seinem Ofen stund die Stuben, Feld grub er aus den Ruben, Vol Städel lag sein Heu, Aß zwei Bad nach eim Ei.

2. Sechs Ställ hätt er in einem Rind, Zwölf Weib hatt er mit einem Kind, Drasch auf Waiz seiner Tennen. Vor seinem Hund hieng ein bös Haus, Viel Katzen fieng sein starke Maus, Voll Mist lof sein Hennen. Mit dem Acker fuhr er gen Pflug, Drasch mit Koren sein Flegel, Den Wald er aus dem Brennholz zug, Klobt mit Scheiten sein Schlegel; Viel schöner Gärten hätt er in sein Baumen, Mäst mit Säuen sein Pflaumen, Voll Wiesen stund sein Gras, Vol Kast sein Koren was.

3. Ein Dorf in einer Kirchweih ward, Sein Ars steckt er auf die Spitzbart, Nahm den Ruck auf den Spieße Und trat gar freisam auf den Tanz. Sein Hut war ihm auf seinem Kranz, Der Jäckel ihn erstieße. Da schlug er ihm das Maul ins Faust. Der Leder zog vom Jäckel. Mit dem Baueren den Messer lauft, Zwen Schulthes nahm ein Häckel; Neun Platz wurden auf diesem Mann erschlagen, Den Kirchhof auf sie tragen; Die Klag die Freud verzehrt: Das hinder fürher kehrt.

Quelle: Erk/Böhme: Deutscher Liederhort Bd 3, 1893, Nr. 1102.

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