12/09/2026
JA zum Bürgerentscheid! (Rathauszeitung 8. September 2026)
Am kommenden Donnerstag wird der Stadtrat über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens „Kein Windrad im Stadtwald“ entscheiden, das von mehr als 4200 Trierern unterstützt worden ist. Aufgrund eines Gutachtens des Rechtsamtes empfiehlt Dezernent Dr. Becker dem Rat, den beantragten Bürgerentscheid abzulehnen. Dem stehen gleich zwei Rechtsgutachten der Vertreter des Bürgerbegehrens entgegen, die dessen Zulässigkeit bestätigen.
Nach sorgfältiger Prüfung halten wir die Position des Rechtsamtes zum Teil für substanzlos und zum Teil für nicht zwingend. So hat sich der Vorwurf einer falschen Vertreterzahl für das Begehren dadurch erledigt, dass bei Einreichung die von der Gemeindeordnung vorgeschriebenen drei Personen als vertretungsberechtigt angegeben wurden. Die Forderung nach einer neutralen Begründung auf dem verwendeten Unterschriftenblatt geht an den durch Gerichtsurteile bestätigten rechtlichen Vorgaben vorbei.
Die Bedenken hinsichtlich §11b EEG und einer mutmaßlichen Verhinderung der Bauleitplanung sind ernst zu nehmen. Sie sind aber nicht hinreichend, die Unzulässigkeit des Begehrens mit Sicherheit zu begründen. So umfasst die Duldungspflicht nach §11b lediglich die zumutbare Ertüchtigung und Nutzung von Zuwegungen für den Bau von Windkraftanlagen, nicht jedoch deren dauerhafte Erschließung. Und eine mittelbare Verhinderung des Flächennutzungsplans liegt schon deshalb nicht vor, weil das Begehren sich nur auf einen Teil der dort dargestellten Flächen bezieht und zudem die Zuwegungen weder Bestandteil des Bauleitplans noch der erteilten Genehmigungen sind.
Angesichts der vorliegenden konkurrierenden Rechtsauffassungen sehen wir einen ausreichenden Ermessensspielraum für den Rat, den Bürgerentscheid zuzulassen, ohne gegen geltendes Recht zu verstoßen. Gleichzeitig würde er damit dem Wunsch tausender Bürger nach einer direktdemokratischen Entscheidung gerecht. Wir werden daher am 10. September für die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens stimmen. Dabei geht es nicht um eine Abstimmung für oder gegen Erneuerbare Energien, sondern ausschließlich darum, eine das Bild unserer Weltkulturerbe-Stadt auf Jahrzehnte hinaus prägende Entscheidung den Trierern selbst zu überlassen.
Seit langem erleben wir eine wachsende Politikverdrossenheit in unserer Gesellschaft. Immer mehr Menschen haben das Vertrauen in den Staat, manche sogar in die Demokratie verloren, weil sie sich mit ihrer Meinung nicht mehr wahrgenommen fühlen. Auch deshalb sollten wir den Weg für eine selbstbestimmte Entscheidung aller Bürger frei machen.
DIE DEMOKRATEN