03/05/2026
🔴 Heute Freigabe, morgen Vollsperrung: Was das Land mit unserer Region macht
Morgen, 4. Mai, 10:30 Uhr: Die B5 zwischen Tönning und Rothenspieker wird freigegeben. Drei Spuren, endlich freie Fahrt. Eine echte gute Nachricht, und wir freuen uns darüber.
Doch die Erleichterung währt kurz. Ab Juni kommt die nächste Vollsperrung der B5 zwischen A23 und Hemme. Die B202 zwischen Bütteleck und Friedrichstadt folgt. Und ab 2027 droht das Nächste: eine mehrjährige Baustelle an der Eiderbrücke, mit wiederholten Vollsperrungen und massiven Einschränkungen für unsere gesamte Region.
Diese Brücke ist die Lebensader zwischen Nordfriesland und Dithmarschen. 156.000 Menschen im Einzugsgebiet. Pendler, Familien, Schüler, Rettungsdienste, Unternehmer, alle betroffen. Die IHK Flensburg, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland, der Verein Infrastruktur Westküste und der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste haben gemeinsam das Gutachten bezahlt, das der LBV nie erstellt hat. Das Ergebnis: monatlich über 200.000 Euro Mindestschaden, allein durch Energie- und Lohnmehrkosten. Tourismusverluste, Einzelhandelsschäden, Planungsunsicherheit, all das ist noch nicht einmal eingerechnet.
👉 Das vollständige CIMA-Gutachten der IHK:
https://www.ihk.de/blueprint/servlet/resource/blob/6935192/28453b143b302f9a374fab4f28ffd4ab/eiderbrueckengutachten-bf-data.pdf
Wir als AWT- und SSW-Fraktion haben gemeinsam einen Antrag in der Stadtvertretung Tönning eingebracht: Keine Vollsperrung ohne ernsthaft geprüfte Alternativen. Das Land muss Lösungen liefern, keine Ausreden.
Was bekommen wir stattdessen? In der Stadtvertretung wurde uns von der Bürgermeisterin der Stadt Tönning eine ministerielle juristische Stellungnahme vorgestellt, vier Seiten, die erklären, warum angeblich nichts geht. Natura-2000, EU-Recht, Bundesrecht, alles wird vorgeschoben. Diese Stellungnahme ist keine unabhängige Expertise. Sie ist die Einschätzung einer Landesbehörde über sich selbst. Und sie schließt an keiner einzigen Stelle aus, dass eine Behelfsbrücke nach ordentlicher Prüfung genehmigungsfähig wäre.
Gleichzeitig hat dasselbe Land im selben Schutzgebiet gerade ein 9,2-Millionen-Euro-Ottergehege gebaut, genehmigt, gefördert mit EU-Mitteln, eingeweiht vom Umweltminister persönlich. Wenn der Staat will, geht im Schutzgebiet offenbar sehr wohl etwas.
Eine echte Machbarkeitsstudie für eine Behelfsbrücke? Hat der LBV augenscheinlich wohl nie in Auftrag gegeben.
Wir stehen einer Landesbehörde gegenüber, die Gründe sucht, warum es keine Lösung im Sinne der Region geben kann. Das ist keine Verwaltung, die für die Menschen arbeitet.
Und noch etwas, das uns wirklich fassungslos macht: Die Eiderbrücke ist von 1972. Dass sie irgendwann ersetzt werden muss, war seit Jahrzehnten absehbar. Warum hat niemand rechtzeitig und mit Weitsicht einen Ersatzneubau geplant? Warum wurden die komplexen Genehmigungswege über EU- und Bundesrecht nicht von langer Hand vorbereitet, als noch Zeit war? Stattdessen steht die Region jetzt vor vollendeten Tatsachen und einer Behörde, die vier Seiten lang erklärt, warum nichts geht. Das ist kein Schicksal. Das ist das Ergebnis jahrelanger Planlosigkeit.
Wir lassen das nicht stillschweigend geschehen. Aber wir können das nicht alleine.
Unternehmer, Pendler, Familien, Gastronomen, Hoteliers, auf beiden Seiten der Eider. Diese Brücke gehört uns allen. Teilt diesen Post. Redet darüber. Schreibt euren Abgeordneten in Kiel und Berlin. Macht Druck, gemeinsam.
Und ein letzter Hinweis an den LBV: Wer selbst sagt, dass Planungs- und Genehmigungsverfahren zehn Jahre und länger dauern, der muss einen Ersatzneubau der Eiderbrücke heute in Auftrag geben. Sonst steht die Region in 30 Jahren vor demselben Problem. Nur schlimmer.