08/04/2026
Integrationsarbeit seit 2016 bis heute
Von Joachim Delekat, Frank H. Nierath und Markus Launer
Unterstützt von der Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung
Das Sofortprogramm 2016
Das Institut für gemeinnützige Dienstleistungen gGmbH bietet seit 2016 mit Unterstützung der Niedersächsischen Lotto Sport Stiftung E Learning Programme für Flüchtlinge und Migranten an. Zunächst wurde das Projekt über die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften organisiert. Seit 2018 arbeitet das Institut als eigenständige gemeinnützige Organisation mit Sitz in Suderburg.
Mit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 rückte das Thema interkulturelle Integration in Deutschland stark in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Über eine Million Flüchtlinge kamen damals nach Deutschland, vor allem junge Männer aus Syrien, Irak und Afghanistan. Die Herausforderung bestand dabei weniger in der reinen Zahl der Menschen als in den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, religiösen Traditionen und gesellschaftlichen Prägungen. Gleichzeitig war Deutschland organisatorisch auf diese Situation nur unzureichend vorbereitet.
Die Integrationsarbeit gewann besonders während der Flüchtlingskrise 2015 an Bedeutung. Noch nie zuvor hatte Deutschland in so kurzer Zeit eine derart große Integrationsaufgabe zu bewältigen. Viele freiwillige Helfer unterstützten damals die Ankunft der Flüchtlinge, insbesondere auch in der Region Uelzen.
Erste Phase der Integrationsarbeit 2015 bis 2017
Trotz dieser historischen Erfahrungen war die Lage im Jahr 2015 in vielerlei Hinsicht neu. Tausende freiwillige Helfer engagierten sich spontan. Schnell wurde jedoch deutlich, dass Integration nicht nur aus gutem Willen bestehen kann, sondern organisiert, professionell begleitet und langfristig angelegt werden muss. Genau an diesem Punkt setzte die Arbeit des Instituts an.
Die erste Phase war durch Soforthilfe geprägt. Im Landkreis Uelzen wurde diese Arbeit maßgeblich durch Frau zum Felde, Integrationsbeauftragte in Uelzen, initiiert und vom damaligen Landrat Dr. Heiko Blume unterstützt. Gemeinsam mit Spezialistinnen im Bereich Soziologie und interkulturelle Integration wurden Flüchtlingshelfer in kurzer Zeit zu Multiplikatoren ausgebildet.
In dieser ersten Phase lag der Schwerpunkt auf der unmittelbaren Integration der neu angekommenen Menschen. In Uelzen entstanden erste Integrationskurse. Die Projektleiter Prof. Dr. Markus Launer und Dipl. Volkswirt Joachim Delekat unterstützten das Aufnahmeprogramm vor Ort. Es ging darum, möglichst schnell eine tragfähige Struktur aufzubauen, die sowohl den ehrenamtlichen Helfern als auch den Flüchtlingen Orientierung geben konnte.
Für die Ausbildung der Integrationshelfer wurden mehrere Experten eingebunden. Dr. Noeme Hermeking übernahm das Grundlagentraining zur interkulturellen Integration. Pari Niemann vermittelte praktische Kenntnisse der interkulturellen Kommunikation. Bachir Yzidi vom Ausländeramt Uelzen erklärte rechtliche Grundlagen des Asylrechts und die praktischen Abläufe in der Verwaltung. Diese Inhalte waren für die Helfer besonders wichtig, da die praktische Integrationsarbeit nicht nur menschliches Einfühlungsvermögen erforderte, sondern auch Kenntnisse über Behörden, Verfahren und Rechtsgrundlagen.
Im Laufe der Jahre wurden über dieses Portal mehr als 100 Online Kurse angeboten. Beteiligt waren Spezialistinnen und Spezialisten wie Dr. Frithiof Svenson, Dr. Noeme Hermeking, Dr. Anne Kathrin Auer, Dr. Alexandra von Ilsemann, OStR Frank Nierath, Dipl. Phys. Dirk Schneider, Joachim Delekat als Projektleiter, Pari Niemann, Bachir Yzidi, Julia Nohns, Katrin Gildner, Devonry Legarte und Clara Böse. Diese große Zahl an Dozierenden zeigt, wie breit das Themenspektrum des Programms von Beginn an angelegt war. Die Inhalte reichten von interkultureller Kommunikation über Asylrecht und Verwaltung bis hin zu Geschichte, Identität, Motivation, Arbeitsmarktintegration und Sprachförderung. Für den Zeitraum 2015 bis 2020 wurde hierzu eine eigene Dokumentation erstellt.
Viele der Flüchtlinge waren junge Männer, die nicht nur Schutz suchten, sondern auch langfristig berufliche Perspektiven in Deutschland entwickeln wollten. Dadurch wurde früh klar, dass Integration nicht bei der Erstaufnahme enden durfte, sondern auf Bildung, Sprache, soziale Orientierung und später auch Arbeitsmarktintegration ausgerichtet sein musste.
Das Multiplikatorenmodell
Um möglichst viele Helfer schnell auszubilden, entwickelte das Institut ein sogenanntes Train the Trainer Modell. Zunächst wurden zehn Integrationshelfer über E Learning geschult. Diese wurden zu Multiplikatoren und bildeten jeweils weitere Helfer aus.
Die Struktur entwickelte sich wie folgt: Zehn Trainer bildeten einhundert Integratoren aus. Diese wiederum betreuten jeweils etwa zehn Flüchtlinge. Zwischen 2016 und 2017 wurden auf diese Weise etwa einhundert Multiplikatoren ausgebildet. Daraus entstanden rund eintausend qualifizierte Integrationshelfer, die insgesamt etwa zehntausend Flüchtlinge unterstützten.
Dieses Modell war deshalb besonders wirkungsvoll, weil es Wissen nicht zentral bündelte, sondern schnell in die Fläche brachte. Gerade in einer Situation, in der akuter Handlungsbedarf bestand und professionelle Integrationsstrukturen vielerorts noch nicht aufgebaut waren, ermöglichte das Multiplikatorenmodell eine schnelle und zugleich relativ qualifizierte Unterstützung.
Integration in den Arbeitsmarkt
Ab dem Jahr 2018 verlagerte sich der Schwerpunkt der Arbeit auf die Integration in den Arbeitsmarkt. Nachdem sich die allgemeine Flüchtlingshilfe in Deutschland verbessert hatte, unterstützte ein neues Team um Prof. Dr. Markus Launer gezielt den nächsten wichtigen Schritt, nämlich die berufliche Integration.
Mit Personalspezialistinnen und Personalspezialisten wie Dr. Anne Kathrin Auer und Joachim Delekat wurden rechtliche, integrative, motivationale und prozessuale Unterstützungsangebote entwickelt. Markus Launer hielt Vorlesungen zu internationalem und interkulturellem Management. Dr. Anne Kathrin Auer führte Personaltrainings für Unternehmen durch. Joachim Delekat betreute die Geflüchteten individuell und bereitete sie auf Bewerbungsgespräche, Bewerbungsunterlagen und den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt vor.
In dieser Phase wurde deutlich, dass Integration in den Arbeitsmarkt mehr bedeutet als die Vermittlung eines Jobs. Es ging auch um Erwartungen, berufliche Kultur, Kommunikation im Unternehmen, Motivation und das Verständnis formaler Abläufe. Deshalb wurden Unternehmen ebenso einbezogen wie die Flüchtlinge selbst.
In einer weiteren Phase wurden Flüchtlingen und Bedürftigen Unterstützungsangebote auch direkt angeboten, zum Beispiel bei der Integration in Deutschland im Alltag. Insbesondere Dr. Alexandra von Ilsemann und OStR Frank Nierath boten Integrationsvorlesungen online an, unter anderem zu Geschichte, Kultur und Identität. Damit wurde der Fokus noch stärker auf gesellschaftliche Orientierung, kulturelles Verständnis und Zugehörigkeit gelegt.
Gleichzeitig wurden über die Sprachschule LinguaTV Sprachangebote an berufsbildenden Schulen ermöglicht. Auch hierzu wurde eine Dokumentation in Form eines YouTube Videos erstellt. Die Verbindung aus Sprachförderung, Kulturvermittlung und arbeitsmarktbezogener Unterstützung machte das Programm zunehmend breiter und praxisnäher.
Frank Nierath entwickelte parallel einen Kurs zur deutschen Kultur. Daraus entstand später der Kurs Leben in Deutschland. Ergänzend bot Dr. Alexandra von Ilsemann Veranstaltungen zur deutschen Geschichte an. Diese Kurse zielten darauf ab, das Verständnis für deutsche Gesellschaft, demokratische Werte, historische Entwicklungen und kulturelle Gepflogenheiten zu fördern.
Neue Bildungsprogramme seit 2020
Seit dem Jahr 2020 bietet das Institut ein standardisiertes Integrationsprogramm an. Die Angebote wurden dabei nicht nur verstetigt, sondern auch fachlich weiterentwickelt. Zusätzlich entstanden spezielle Formate, darunter Kurse zu deutscher und österreichischer Musik und Liedtexten sowie der Kurs Leben in Deutschland, der zugleich eine Vorbereitung auf die Einbürgerung darstellt.
Gerade diese kulturell orientierten Programme zeigen, dass Integration nicht nur durch Verwaltung, Sprache und Beruf gelingt, sondern auch durch ein besseres Verständnis der kulturellen Identität des Aufnahmelandes. Musik, Geschichte, Werte, Symbole und gesellschaftliche Erfahrungen wurden deshalb bewusst als Bildungsinhalte aufgenommen.
Eine deutsche Staatsbürgerschaft kann in der Regel nach sechs bis acht Jahren Aufenthalt beantragt werden, bei einer Ehe mit einem deutschen Staatsbürger bereits nach drei Jahren. Der Kurs Leben in Deutschland wurde deshalb auch als praktische Orientierung für Menschen entwickelt, die dauerhaft in Deutschland leben und später möglicherweise die Einbürgerung anstreben.
2020 und 2021 im laufenden Integrationsbetrieb
In den Jahren 2020 und 2021 lief die Integrationsarbeit des Instituts trotz der veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen weitgehend im kontinuierlichen Betrieb weiter. Vorlesungen, Seminare und Online-Angebote wurden weiterhin regelmäßig durchgeführt und bildeten einen wichtigen Bestandteil der Bildungs- und Integrationsarbeit. Prof. Dr. Markus Launer lehrte Themen der interkulturellen Integration sowie internationales und interkulturelles Management. Dabei ging es insbesondere darum, Flüchtlingen und internationalen Teilnehmern ein Verständnis für kulturelle Unterschiede, Kommunikationsformen und Arbeitsweisen in einer globalisierten Wirtschaft zu vermitteln. Gleichzeitig wurde deutlich gemacht, wie interkulturelle Kompetenz im Berufsleben, in Organisationen und im gesellschaftlichen Alltag eine wichtige Rolle spielt.
Joachim Delekat vermittelte Inhalte aus der Verwaltungswissenschaft sowie den Kurs „Leben in Deutschland“, in dem grundlegende Kenntnisse über staatliche Strukturen, Verwaltung, Rechtsordnung und gesellschaftliche Regeln behandelt wurden. Ein wichtiger Bestandteil war die Einführung in das politische System Deutschlands, etwa die Funktionsweise von Wahlen, die Rolle von Bundestag und Bundesrat sowie die Bedeutung der kommunalen Politik für das tägliche Leben der Bürger. Ebenso wurde das Grundgesetz als zentrale Grundlage des deutschen Staates erläutert, insbesondere seine Prinzipien wie Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Darüber hinaus wurden gesellschaftliche Grundwerte thematisiert, darunter Gleichstellung von Frauen und Männern, Frauenrechte, Religionsfreiheit sowie das Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft. Diese Veranstaltungen halfen den Teilnehmern, das politische und institutionelle System Deutschlands besser zu verstehen und sich im Alltag sowie im gesellschaftlichen Leben sicherer zu orientieren.
OStR Frank Nierath startete darüber hinaus einen Vorbereitungskurs für junge Flüchtlinge, der sie gezielt auf das deutsche Abitur vorbereiten sollte. Ziel war es, motivierten Jugendlichen eine Perspektive auf höhere Bildungsabschlüsse und ein mögliches Studium zu eröffnen. Viele Teilnehmer verfügten bereits über schulische Vorkenntnisse aus ihren Herkunftsländern, mussten sich jedoch zunächst an Sprache, Lernmethoden und Anforderungen des deutschen Bildungssystems anpassen. Daher standen der Ausbau der Deutschkenntnisse sowie Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens im Mittelpunkt, etwa strukturiertes Schreiben, Referate und der Umgang mit Quellen. Ergänzend wurden Inhalte der Betriebswirtschaftslehre vermittelt, um wirtschaftliche Zusammenhänge und unternehmerisches Denken kennenzulernen. Ein weiterer Bestandteil war die Beschäftigung mit deutscher Kultur, Literatur und gesellschaftlichen Traditionen, um das Verständnis für das kulturelle Umfeld in Deutschland zu vertiefen.
Dr. Frithiof Svenson widmete sich insbesondere den Themen Inklusion und Entrepreneurship für Flüchtlinge. In seinen Veranstaltungen wurde vermittelt, wie gesellschaftliche Teilhabe gelingen kann und welche Möglichkeiten es gibt, durch unternehmerisches Denken, Eigeninitiative und wirtschaftliche Aktivitäten neue Perspektiven zu entwickeln. Insgesamt setzte das Institut damit auch in den Jahren 2020 und 2021 seine Arbeit im Bereich Bildung, Integration und gesellschaftlicher Teilhabe kontinuierlich fort und hielt seine vielfältigen Angebote für Flüchtlinge und internationale Teilnehmer aufrecht.
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