Kohle, Stahl und Bier - Dreiklang im Revier

Kohle, Stahl und Bier - Dreiklang im Revier Glückauf und herzlich Willkommen auf meiner Seite! Fotos, Geschichten & mehr aus der Heimat, NRW & darüber hinaus! Viel Spaß und Glückauf! Oliver Pelczer

Glückauf werte Besucher auf meiner Seite - Getreu dem Motto "Kohle, Stahl und Bier - Dreiklang im Revier" werden hier Fotos, Bilder, Geschichten und Anekdoten über Orte und Geschehnisse in unserer geliebten Heimat und den Regionen rings um das Revier veröffentlicht. Natürlich wird auch des öfteren über den Tellerrand geschaut und dokumentiert. Viel Spaß beim durchstöbern. Glückauf! :)

07/01/2026
Wenn Barbarazweige Ende Dezember (oder allgemein zu Weihnachten oder den Rauhnächten) blühen, ist das ein altes Brauchtu...
27/12/2025

Wenn Barbarazweige Ende Dezember (oder allgemein zu Weihnachten oder den Rauhnächten) blühen, ist das ein altes Brauchtum, das Glück für das kommende Jahr verheißt, Hoffnung symbolisiert und auch als Orakel für eine bevorstehende Hochzeit oder eine gute Ernte diente. Der Brauch geht auf eine Legende der Heiligen Barbara zurück, bei der ein abgebrochener Zweig in ihrem Gefängnis aufblühte, als sie hingerichtet wurde, und steht für neues Leben und Erneuerung in der dunklen Jahreszeit. ✨

Barbara, Lucia, Rauhnächte - Licht, Zweige und das Ende eines Zeitalters am 21.12.Am 4. Dezember schneiden Menschen trad...
21/12/2025

Barbara, Lucia, Rauhnächte - Licht, Zweige und das Ende eines Zeitalters am 21.12.

Am 4. Dezember schneiden Menschen traditionell Barbarazweige. Vom Baum getrennt, doch lebendig, stehen sie für verborgenes Leben im Winter, Potenzial im scheinbar Toten. Der Brauch ist viel älter als die christliche Heilige Barbara, deren Legende diesen Ritus überformte. Gleiches gilt für die Ruten des Knecht Ruprecht oder alpiner Perchten, ursprünglich Symbole der Reinigung und Erneuerung, später moralische Ermahnung.

In denselben Zeitraum fallen die Lichtfeste: Barbara, Lucia, Weihnachten. Historisch fiel der Luciatag auf den 13. Dezember, damals der kürzeste Tag des Jahres im julianischen Kalender. Heute ist es die Wintersonnenwende am 21. Dezember. Physikalisch korrekt markiert sie die längste Nacht, kulturell blieb der 13.12. als Dunkelheitsmarker erhalten. Zwischen diesen Polen liegen die Rauhnächte: Tage „außerhalb der Zeit“, mit eigenen Regeln, chaotisch, unberechenbar, in denen sich Natur, Geister und Mensch auf den Wandel vorbereiten.

Die Heilige Lucia, „die Leuchtende“, bringt Licht in die Dunkelheit. In Europa kennt man sie als Märtyrerin, Schutzpatronin der Armen, Blinden und Kinder, in Skandinavien als Lichtträgerin in weißen Kleidern mit Kerzenkranz, in den Ostalpen als Lutzelfrau oder Bluadige Luz, unheimlich, mahnend, Teil des kulturellen Gefüges, das Ordnung und Unordnung zugleich markiert. Bräuche wie das Aufstellen von Luzienzweigen, Luzienbrot oder kleine Orakelrituale sind historische Manifestationen von Hoffnung, Schutz und Vorsorge.

In diese historische und symbolische Logik fällt der 21. Dezember 2018: der letzte Tag des deutschen Steinkohlenbergbaus auf Prosper-Haniel.
Offizielle Reden, Ehrengäste, Medien, alles korrekt. Doch draußen standen die Bergleute, die jahrzehntelang unter Tage gearbeitet hatten, vor dem Tor. Abgesichert durch Sozialpläne, aber unsichtbar im offiziellen Bild. Ihre Arbeit, ihre Identität, ihr Beitrag, in diesem Moment „unbedeutend“ für die Bühne der Politik.

Der Bergbau endet nicht mit symbolischen Übergaben. Er bleibt, in Boden, Wasser, Technik, Biografien. Grubenwasserhaltung, Polder, Grundwasserreinigung, Jahrhunderte Verantwortung. Dass der letzte Tag auf die Wintersonnenwende fiel, ist symbolisch: Ende eines Zyklus, tiefster Punkt, Frage nach dem, was danach kommt.

Wie der Barbarazweig, die Rauhnacht oder Lucia zeigt: Übergang ist notwendig, dunkel, unkontrollierbar, aber fruchtbar. Dunkelheit ist kein Feind, sondern eine Chance. Verantwortung, Solidarität, Kameradschaft, entstehen nicht automatisch, sie müssen gelebt, gesichert, weitergegeben werden. Genau das bleibt das bleibende Erbe des Bergbaus.

Glückauf.

Nicht als Floskel. Sondern als Verpflichtung.

Licht, Sonne und Menschheit - Von der Urzeit bis zum BarbaratagLange bevor Strom, Geleuchte oder künstliches Licht exist...
04/12/2025

Licht, Sonne und Menschheit - Von der Urzeit bis zum Barbaratag

Lange bevor Strom, Geleuchte oder künstliches Licht existierten, lebten Menschen nach dem Rhythmus von Tag und Nacht, von Jahreszeiten und Himmelszyklen. Sonne war weit mehr als Wärme: Sie war Orientierung, Maßstab der Zeit und Existenzgrundlage. Ohne Licht gab es Gefahr, Hunger, Krankheit. Licht, neben Wasser und Luft, bedeutete Leben.

Seit knapp 2,5 bis 2,8 Millionen Jahren existiert der Mensch, der moderne Mensch seit knappen 300.000 Jahren (vielleicht auch ein bisschen länger), seit ca.140 Jahren existiert erst das elektrische Licht, also macht das elektrisches Licht weniger als 0,006% bzw. 0,05% unserer gesamten Menschheitsgeschichte aus.

Schon vor über 11.000 Jahren errichteten Menschen an Orten wie Göbekli Tepe monumentale Tempel, noch bevor sie Landwirtschaft kannten. Diese Stätten zeigen: Frühe Jäger und Sammler beobachteten Sonnen- und Mondzyklen, markierten Sonnenwenden und gestalteten Rituale. Licht und Sonne waren nicht nur physisch wichtig, sondern zentral für Gemeinschaft, Ordnung und Überleben.

Im alten Orient wurden Sonne und Licht personifiziert: In Mesopotamien verehrten die Sumerer und Babylonier den Sonnengott Šamaš, Gott der Gerechtigkeit, Ordnung und Wahrheit, während die hethitische Sonnengöttin von Arinna eine zentrale Rolle einnahm. In Ägypten galt Re (Ra) als Schöpferkraft, Lebensspender und täglicher Begleiter am Himmel. Auch Sonnengötter wie Aton oder Assur standen im Pantheon und zeigten: Sonne war universell, in ihrer Kraft göttlich, lebenswichtig und ordnend.

Auch Europa kann auf eine lange Tradition von Licht- und Sonnenverehrung zurückblicken: Bei den Germanen war Sunna (Sól) die Sonnengöttin, Schwester von Sinhtgunt, deren Name noch im Wochentag „Sonntag“ fortlebt. Die Kelten verehrten Lugh, den „Strahlenden“, verbunden mit Kunst, Handwerk und Licht, sowie Belenus und Mogon, Heil- und Sonnengötter, die für Leben und Gesundheit standen. In der baltischen Mythologie herrschte Saule, Sonnengöttin des Lebens und der Erneuerung, Mutter von Töchtergöttinnen und Gemahlin des Mondgottes Mėnulis.

Auch fernöstliche Kulturen kannten mächtige Lichtgestalten: Amaterasu in Japan gilt als wichtigste Sonnengöttin, Quelle von Leben, Ordnung und Ahnenmacht. In Griechenland war Eos die Göttin der Morgenröte, Tochter des Sonnengottes Helios. Überall verband man Licht und Sonne mit Leben, Gesundheit, Schutz und moralischer Ordnung.

Biologisch zeigt sich die Bedeutung des Lichts in der Evolution: Ursprünglich hatten alle Menschen dunkle Haut, doch in Europa selektierte sich helle Haut, weil sie bei geringerer Sonnenstrahlung mehr Vitamin D produzieren konnte. Licht war also nicht nur spirituell und kulturell wichtig, sondern buchstäblich überlebensnotwendig, aber kein Überlegenheitsdingen.

Viele Kulturen entwickelten Feste, Rituale und Kalender, um Sonne und Licht zu feiern: Sonnenwenden, Mittwinter, Barbaratag, Luciafest, Wintersonnenwende, all das hat einen Ursprung in uralten Bedürfnissen: Orientierung, Hoffnung, Gemeinschaft, Überleben. Der Barbaratag Anfang Dezember erinnert uns daran: Licht ist Leben, Wärme, Orientierung, Verbindung zu unseren Ahnen. Deshalb werden auch beim Aufzählen der sieben Tugenden der Bergleute sieben Kerzen angezündet, die ihnen Orientierung und Sicherheit bieten sollen.

Wenn wir heute Kerzen anzünden oder kleine Rituale begehen, ehren wir diesen Urinstinkt. Wir erinnern uns, wie wertvoll Licht und Sonne für unsere Vorfahren waren und wie existenziell sie auch heute noch sind. Denn Licht bedeutet nicht nur physische Helligkeit, sondern Leben, Hoffnung und Kontinuität.

Die traditionellen sieben Tugenden der Bergleute sind Glaube, Liebe, Hoffnung, Tapferkeit, Mäßigung, Weisheit und Gerechtigkeit. Sie umfassen die drei theologischen Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung) und die vier antiken Kardinaltugenden (Weisheit, Tapferkeit, Mäßigung und Gerechtigkeit). Diese Werte sind tief in der bergmännischen Kultur verwurzelt und symbolisieren wichtige Prinzipien für das Verhalten und den Zusammenhalt.

-Glaube: Steht für das Vertrauen in das Überleben, auch unter widrigen Umständen, und in den Wert der Gemeinschaft.

-Liebe: Bedeutet die Solidarität und den Zusammenhalt unter den Bergleuten, die sich gegenseitig unterstützen.

-Hoffnung: Ist die Zuversicht, dass auch nach der Schicht ein besseres Morgen kommt und die harte Arbeit Früchte trägt.

-Tapferkeit: Bezeichnet den Mut, der nötig ist, um in den gefährlichen Umgebungen des Bergbaus zu arbeiten.

-Mäßigung: Steht für Bescheidenheit und das richtige Maß in allen Dingen, auch im Umgang mit den eigenen Fähigkeiten und der Ausrüstung.

-Weisheit: Bezieht sich auf die Erfahrung, das Wissen und die Klugheit, die erforderlich sind, um die Risiken des Bergbaus zu beurteilen.

-Gerechtigkeit: Verweist auf Fairness im Umgang miteinander und bei den Entscheidungen, die das Leben aller beeinflussen.

Glückauf 🌞🔥🪔🕯🏮💡🔦

Tw 25 aus dem 19. Jahrhundert 126 Jahre junge Tw 25 war heute unterwegs zwischen Mülheim und Sterkrade. Zahlreiche Schau...
28/09/2025

Tw 25 aus dem 19. Jahrhundert

126 Jahre junge Tw 25 war heute unterwegs zwischen Mülheim und Sterkrade. Zahlreiche Schaulustige, entlang der gesamten Fahrstrecke, erfreuten sich dem Anblick des Oberhausener Schätzkens aus dem Jahre 1899.

Der Zweirichtungs-Triebwagen 25 ist die älteste restaurierte Straßenbahn bundesweit, die im
öffentlichen Netz fahren darf.

Die Geschichte des Tw 25

Der Zweirichtungs-Triebwagen No. 25 (Tw 25) gehörte bereits zu der zweiten Generation der Straßenbahnen in Oberhausen. Zwei Jahre nach der Inbetriebnahme der ersten Straßenbahnlinie im Jahr 1897 führte der außerordentliche Erfolg zu einer Erweiterung des Straßenbahnnetzes.
So wurden schon im Jahr 1899 zu den vorhandenen zehn Triebwagen und drei Beiwagen weitere 18 Triebwagen (Wagen No. 14 - 31) bei der Firma Herbrand in Köln-Ehrenfeld bestellt. Diese Wagen hatten eine Länge von 7,85 Metern, eine Breite von 2,05 Metern und ein Gewicht von 9,6 Tonnen. Die Motorleistung betrug 2 x 30 PS. Die Plattformen waren bereits verglast, aber die Türen offen und nur mit Ketten gesichert. Türen wurden erst später eingebaut. Die seitlichen zwei großen und zwei kleinen Fenster waren mit Vorhängen versehen. Die 18 Triebwagen, unter ihnen der Tw 25, wurden im Jahr 1900 an den Straßenbahnbetrieb in Oberhausen geliefert.
Mitte der dreißiger Jahre wurde der Tw 25 zu einem Arbeitswagen (Atw 152) umgebaut. Als eines der wenigen Fahrzeuge blieb er beim schweren Bombenangriff am 23. Juni 1943 auf den Betriebshof unversehrt und konnte auch in der Zeit nach den Kriegsjahren als Arbeitswagen eingesetzt werden. 1967 wurde er wieder zu einem „normalen“ Straßenbahnwagen umgebaut und führte am 13. Oktober 1968 die Abschiedsfahrt der Oberhausener Straßenbahn an. Dafür wurde der Tw 25 extra mit einem aus Amsterdam geliehenen Lyrabügel versehen.

Ein Jahr später, 1969, wurde der Straßenbahnwagen dem Deutschen Straßenbahnmuseum Hannover übergeben. Von dort aus gelangte er 1997 nach Nordhausen in Thüringen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Nordhausen kehrte der Wagen am 10. September 1997 wieder nach Oberhausen zurück.

Zweite Jungfernfahrt

Der Tw 25 hatte 30 Jahre lang im Freien gestanden und war in einem schlechten Zustand.
Der Aufbau musste komplett zerlegt und erneuert werden. Sämtliche Bolzen, Schrauben und Muttern wurden abmontiert, entrostet und korrosionsbeständig gemacht. Das Fahrgestell wurde bei der Bremer Straßenbahn AG überarbeitet. Im Stil der zwanziger Jahre wurden alte Deckenverstrebungen nachgebildet, Kabelschächte, Bodendielen und Fensterrahmen eingebaut. Europaweit wurde nach Originalersatzteilen gesucht. Der Wagen wurde in den Originalfarben grün/elfenbein gestrichen. Im Dezember 1999 war die Restaurierung abgeschlossen und absolvierte die zweite Jungfernfahrt.

Und wie ist es?

18 Plätze bietet der restaurierte Oldtimer heute. Der Triebwagen wird bei besonderen Anlässen für Sonderfahrten genutzt.
Die Fahrgäste erleben eine echte Zeitreise: die harten Bänke aus Eichenholz, die polierten Messingstangen, die reich verzierten Deckenlampen, die ledernen Signalleinen und nicht zuletzt das so unverkennbare durchdringende Klingeln bei der Durchfahrt der Haltestellen. Das alles wirkt wie ein Ausflug in eine längst vergangene Epoche des Personennahverkehrs.

Quelle: Stoag Oberhausen

Marktkirche zum Heiligen GeistBergstadt Clausthal-Zellerfeld Unfassbar, da erreicht mich gerade diese Nachricht: In der ...
20/07/2025

Marktkirche zum Heiligen Geist
Bergstadt Clausthal-Zellerfeld

Unfassbar, da erreicht mich gerade diese Nachricht:

In der Nacht zu Sonntag ist die Fassade der größten Holzkirche Deutschlands in Clausthal-Zellerfeld in Niedersachsen in Brand geraten. Die Freiwillige Feuerwehr teilte mit, sie sei um 0.40 Uhr zu einem Feuer an der historischen Marktkirche „Zum Heiligen Geist“ alarmiert worden. Der Brandort wurde von der Polizei beschlagnahmt und ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung eingeleitet.
Quelle: ZDF heute

Da fühle ich mich als Bergmann ebenfalls betroffen und zudem habe ich im letzten Jahr noch diesen Ort in Clausthal-Zellerfeld besucht.

Die Beziehung zwischen Bergleuten und Kirche ist eng und von gegenseitiger Verehrung geprägt. Bergleute, die oft unter gefährlichen Bedingungen arbeiteten, suchten Schutz und Trost im christlichen Glauben, wobei einige auserwählte Heilige als Schutzpatrone verehrt wurden. Im Gegenzug unterstützten die Bergleute die Kirche durch Spenden und künstlerische Aufträge, was oft zu einer Verschmelzung von religiösem Bekenntnis und Lobpreis des Bergbaus führte.

Die evangelisch-lutherische Marktkirche zum Heiligen Geist ist die historische Hauptkirche im Ortsteil Clausthal der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld. Sie ist die größte Holzkirche Deutschlands und gehört durch ihre Architektur und Ausstattung zu den bedeutendsten Baudenkmälern des norddeutschen Barocks. Erbaut wurde sie 1639.

Am 20. September 1634 wurden durch einen Großbrand mehr als ein Drittel aller Häuser Clausthals vernichtet. Neben 162 Wohnhäusern und ungezählten Nebengebäuden wurden das Rathaus, die Schule und die Marktkirche samt Pfarr- und Lehrhaus ein Opfer der Flammen.

Für den Bau der Kirche war einerseits die Stadt Clausthal zuständig, andererseits aber auch die Bergbehörde. Für den Bergbau übernahmen damals die Kirchenglocken die Funktion einer „Schichtglocke“ (oftmals als „Anläuteglocke“ bezeichnet), mit denen die Bergleute sowohl eine Stunde vor Arbeitsbeginn geweckt wurden als auch über die Abläufe in den Bergwerken, wie Schichtbeginn und Schichtende sowie An- und Ausfahren, informiert werden konnten. Die Stadt war aber durch die Folgen des Brandes stark belastet, denn durch das Feuer war ein Drittel der Bevölkerung obdachlos geworden, überdies waren die Nahrungsvorräte verbrannt und mussten vordringlich neu beschafft werden. Anders war die Lage der Bergbehörde, denn diese verfügte trotz der Kriegszeiten (Dreißigjähriger Krieg) durch die gute Ertragslage der Bergwerke über genügend finanzielle Mittel, so dass diese zunächst den Glockenturm bauen ließ.

Die Kirche bot nach dem Bau etwa 1000 Besuchern Platz, schon 50 Jahre nach Baubeginn war die Kirche für die stark angewachsene Kirchengemeinde (zwischen 1637 und 1687 von 3000 auf 6000 Einwohner) zu klein geworden.
Durch den Umbau wurden etwa 1200 neue Plätze geschaffen, so dass die Kirche jetzt Platz für 2200 Besucher bot. Heute bietet die Kirche Platz für 1200 Besucher (Stand 2014).

In der Nacht auf den 20. Juli 2025 geriet die Ostseite des Gebäudes in Brand. Das Feuer reichte hinter den Fassadenelementen bis unter den Dachüberstand. Die Feuerwehren aus Clausthal-Zellerfeld, Altenau, Buntenbock und Hahnenklee löschten das Feuer bis in die Morgenstunden. Als Ursache wird Brandstiftung vermutet.

Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Marktkirche_zum_Heiligen_Geist

"Gott mit uns 1814" oder "Gott mit uns 1874" ? Was assoziierst denn eigentlich du mit dem Spruch "Gott mit uns"? Mein er...
06/07/2025

"Gott mit uns 1814" oder "Gott mit uns 1874" ?

Was assoziierst denn eigentlich du mit dem Spruch "Gott mit uns"?

Mein erster Gedanke war für mich natürlich: "Krass, so ein Spruch, hier direkt über dem Eingang. Was hat denn den damaligen Besitzer dieses Hofes im 19. Jahrhundert dazu bewogen diesen Spruch auszuwählen, mit dem dann zigtausend Soldaten im 20. Jahrhundert Kriege gegen die Menschlichkeit geführt haben? Mir war bewusst, dass der Spruch "Gott mit uns", zu finden auf dem Koppelschloss, nicht erst bei den Wehrmachtssoldaten zu sehen war. Schon vorher war dieser Spruch sehr verbreitet im preußischen Militarismus zu entdecken. Aber was hat dann ein kleiner unbescholtener Hof mit den Preußen zu schaffen gehabt?

Also was sehen wir hier eigentlich zunächst?

Hier ist eine Hausinschrift zu sehen, die über dem Haupttor der Stallung und Scheune eines alten Gehöftes im Westfälischen zu finden ist. Die damalige Landgemeinde und das damals selbstständige Dorf war zu der Zeit der Entstehung dieser Gebäude mehrheitlich evangelisch geprägt und in den von Preußen regierten Ländern zu finden. Die Preußen hatten schon sehr früh westliche Territorien (ab zirka 1618), die sie ihr eigen nannten.

Preußen ist seit 1815 im Westen präsent, nachdem das Rheinland und Westfalen auf dem Wiener Kongress Preußen zugesprochen wurden. Diese Gebiete wurden zur Rheinprovinz und Provinz Westfalen zusammengefasst.

Die territoriale Geschichte Preußens im Westen begann jedoch bereits im 17. Jahrhundert (ab zirka 1618), durch Erwerb von Gebieten wie Kleve, Mark und Ravensberg. Die preußische Herrschaft im Rheinland und Westfalen wurde mit dem Wiener Kongress 1815 erheblich erweitert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Preußen im Westen seit dem Wiener Kongress 1815 eine offizielle, territoriale Präsenz hat, die auf früheren territorialen Erwerbungen und Besitzverhältnissen im Westen aufbaut.

Warum "Gott mit uns" und diese Jahreszahlen?
Die Interpretation wird später noch weiter unten behandelt.

Als Hausinschrift bezeichnet man gemeinhin Inschriften an kirchlichen, öffentlichen wie an vielen privaten Gebäuden, Wohnhäusern oder an Nebengebäuden wie Scheune, Backhaus, Stallung, Speicher oder Wagenremise.

Nach ihrem Inhalt kann man Hausinschriften in vier Hauptgruppen einteilen: Bauinschrift, Bauspruch, Spruchinschrift (auch Hausspruch genannt) sowie im weiteren Sinne die Gruppe der Zeichen.

Verbreitung

Inschriften waren weit über die Grenzen der heutigen Bundesrepublik Deutschland hinaus verbreitet, vor allem in der Schweiz, den österreichischen Alpenländern, im Elsass, den nordwestlichen Niederlanden, in Dänemark wie auch den alten Kolonistengebieten Siebenbürgens. Allerdings hat sich abgesehen von kirchlichen und anderen öffentlichen Gebäuden und von reinen Bauinschriften im übrigen Europa keine eigene Hausinschriftenkultur entwickelt. Auch römische Inschriften sind mit den deutschsprachigen nicht wirklich vergleichbar.

Entstehung

Die historischen Wurzeln der Hausinschriftenkultur liegen in weiter Vergangenheit. In Form sinnbildlicher Zeichen dürfte die Hausinschrift bereits in vorchristlicher Zeit bekannt gewesen sein. Bereits die Germanen brachten an Türöffnungen oder Hausgiebeln zur Abwehr von und zum Schutz vor böswilligen Mächten Schädel erschlagener Tiere an. Ein bekanntes Schutzzeichen heidnischen Ursprungs sind die gekreuzten Pferdeköpfe am Hausgiebel. Diese Pferde – als die Tiere der (all)mächtigen und (schutz)mächtigen Götter und Herrscher – dienten weniger der Zierde. Sie sollten – so wie der Drudenfuß (Pentagramm) und andere Symbole christlicher oder vorchristlicher Prägung wie Kreuz oder Lebensbaum – vielmehr Schutz und Abwehr verbürgen. Dieses Schutzverlangen ist eines der grundlegenden Wesensmerkmale von Hausinschriften in späterer Zeit. Deutschsprachige Hausinschriften lassen sich vereinzelt schon aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts belegen, deutschsprachige Inschriften sogar bereits aus dem Frühmittelalter. Von einem weitverbreiteten Brauch oder einer echten Hausinschriftenkultur im ländlichen Raum kann jedoch erst etwa um die Wende zum reformatorischen Säkulum gesprochen werden. „Was davor war, sind ’Vorläufer’, und was schließlich volle vierhundert Jahre später nach dem Ende der eigentlichen Verbreitungszeit der Inschriften kommt, ist ’Nachhut’.“

Zweck

Die Tradition, Gebäude an den Hauptöffnungen (Eingang, Einfahrt, Ausgang) mit Inschriften zu versehen, steht nicht im Zusammenhang mit den Weihesprüchen der Römer. Die Entstehung einer Hausinschriftenkultur im deutschen Sprachraum scheint vielmehr heidnischen Ursprungs zu sein und war aus Sicht der Hausinschriftenforschung ursprünglich wohl Ausdruck eines Schutzverlangens. Der Hausspruch hatte dekorativen Charakter, da er regelmäßig an einer von der Straße gut sichtbaren Stelle der Hausfassade angebracht wurde. Absicht war es, den Betrachter zum Lesen zu bewegen und über den Spruch nachzudenken. Der Hausspruch ist aber vor allem ein persönliches Bekenntnis, bei dem der Verfasser anderen seine Lebensdevise und seine Lebenserfahrung mitteilt. Ein versteckter Zweck der Hausinschrift bestand auch darin, das Gebäude (und seinen Besitzer oder Erbauer) zu würdigen. So wurden in der Bauinschrift neben dem Baujahr sehr oft der Name des Hauserbauers und seiner Ehefrau genannt. In Haussprüchen fanden auch besondere Ereignisse, wie Kriege, Hungersnöte, Überschwemmungen und Seuchen, ihren Niederschlag. Es überwiegen jedoch die Sprüche mit religiösen Charakter, die eine tiefe Gläubigkeit und Gottergebenheit der Bewohner ausdrücken.

Bauinschrift

Eine wichtige Funktion früher Hausinschriften ist die Dokumentation des Zeitpunkts der Fertigstellung eines neu errichteten oder veränderten Hauses. Die frühen Bauinschriften beschränkten sich daher auf die Angabe des Baujahres und fungierten damit als eine Art Bauurkunde. In diesem Fall:

"1814" oder "1874"

Spruchinschrift

Bei den Hausinschriften lässt sich eine Unterscheidung zwischen weltlichen und religiösen Spruchinschriften vornehmen.

Gottvertrauen und die Bereitschaft, sich Gottes Willen zu fügen, prägen religiöse Spruchinschriften. Dass diese Grundhaltung früher weit verbreitet war, belegen Spruch-Formeln wie
An Gottes Segen ist alles gelegen
oder
Wer auf Gott vertraut hat wohl gebaut:
Sie zählen zu den häufigsten Haussprüchen im gesamten deutschsprachigen Raum.
In diesem Fall lautet der Spruch:

"Gott mit uns"

dazu später aber mehr (siehe weiter unten).

Kulturgeschichtliche Bedeutung

Inschriften an Häusern und Giebeln, über Einfahrten und Eingängen – zumeist wurden sie in die Schwellen oder Stürze von Fachwerkhäusern eingeschnitzt – sind Ausdruck uralten Schutzverlangens. Deshalb wurden sie ursprünglich an Stellen angebracht, wo das Haus am meisten gefährdet war – am Dach, über Tür und Tor. Anknüpfend an vorchristliche Vorstellungen (z. B. die Pferdeköpfe auf sich kreuzenden Windbrettern) sollen durch Abwehrzauber, Gebet und Segensspruch drohende Mächte am Dielentor und Vordergiebel ferngehalten werden. Deutschsprachige Hausinschriften lassen sich vereinzelt schon aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts belegen. Von einem weitverbreiteten Brauch oder einer echten Hausinschriftenkultur im ländlichen Raum kann jedoch erst etwa um die Wende zum reformatorischen Säkulum gesprochen werden.
Hausinschriften gehören zu den wenigen schriftlichen Zeugnissen aus der bäuerlichen Welt des 16.–18. Jahrhunderts. Weil sie das Selbstverständnis und die Lebenseinstellung des Bauherrn widerspiegeln und wichtige Einblicke in das Denken und den Glauben der ländlichen Bevölkerung gewähren, sind sie volks- wie sprachkundlich von besonderem Interesse, (kultur-)geschichtlich und genealogisch bedeutsam. Zahlreiche Inschriften lassen sich bei eingehender Untersuchung auf gemeinsame Themen und Motive zurückführen (so z. B. auf das Motiv der „peregrinatio vitae“, der fortwährenden Pilgerschaft auf Erden).
In bestimmten ländlichen Regionen des deutschen Sprachraumes – nicht jedoch in den Städten – zählten Hausinschriften über viele Jahrhunderte hinweg zum festen kulturellen Bestand und Brauch. Die „hohe Zeit“ der Hausinschriften im ländlichen Raum bildeten die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts, das 18. Jahrhundert und die ersten zwei Drittel des 19. Jahrhunderts. Wer in späteren Zeiten, also im späten 19. und im 20. Jahrhundert an den Hausinschriften-Brauch anknüpft, tut dies häufig – wie sich an den entsprechenden Sprüchen unschwer erkennen lässt – in einer der jeweiligen Entstehungszeit gemäßen Geisteshaltung, die oft nur noch wenig gemein hat mit der ursprünglichen Aufgabe und Funktion von Hausinschriften.

Gott mit uns

(lateinisch: Nobiscum deus) ist ein Zitat aus dem Bibelvers Matthäus 1,23 LUT. Es diente seit 1861 als Wahlspruch des Königs Wilhelm I. von Preußen.

Herkunft

Die Wendung „Gott (ist/sei) mit uns“ geht zurück auf die Lutherübersetzung des hebräischen Namens Immanuel (עִמָּנוּאֵל), eines Beinamens Jesu.

Zuvor findet sich die Wendung „Gott sei mit uns“ bereits in der Rede des Königs Salomo zur Tempelweihe im Sinne einer Bitte um Gottes Beistand (1. Könige 8,57 LUT).

Immanuel ist ein hebräischer Name (עִמָּנוּ אֵל „Gott (ist/sei) mit uns“), der ursprünglich beim biblischen Propheten Jesaja Gegenstand einer Verheißung ist (Jes 7,14 EU). Im Matthäusevangelium im Neuen Testament wird der Name in Beziehung zu Jesus Christus gesetzt (Mt 1,23 EU).

Geschichte

Die lateinische Version Nobiscum deus war bereits ein im späten Römischen Reich und dem Byzantinischen Reich nach der Christianisierung gebräuchlicher Schlachtruf, auf Deutsch wurde diese Losung zuerst vom Deutschen Orden verwendet.

Martin Luther griff den Satz verschiedentlich als Ausdruck seiner Überzeugung auf, dass Gott auf seiner Seite stehe. Dadurch in protestantischen Kreisen polulär geworden, wurde der Spruch bald auch in politischen und militärischen Zusammenhängen verwendet und für sich beansprucht. Der schwedische König Gustav II. Adolf erhob die Worte (in seiner deutschen Muttersprache) zu einem seiner drei Wahlsprüche und ließ sie auch auf seine Münzen prägen.
Im Dreißigjährigen Krieg fand der Satz dann, ausgehend vom schwedischen Heer, auf der protestantischen Seite als Schlachtruf breite Verwendung. Aber auch der katholische General Pappenheim gebrauchte diese Worte – ausgerechnet im Zusammenhang mit der grauenvollen Zerstörung Magdeburgs 1631.

Gustav II. Adolfs Neffe, der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm, berief sich ebenfalls auf das „Gott mit uns“. Sein Sohn Friedrich I. erhob sie 1701 zum Wahlspruch des von ihm begründeten preußischen Königshauses, welches später auch die Deutschen Kaiser stellte.
Auf diesem Wege setzten sich die Worte immer mehr auch als Motto im militärischen Bereich durch, nicht zuletzt als Aufschrift von Truppenfahnen. Insbesondere in den Befreiungskriegen wurde der Satz durch die Preußen weithin bekannt.
Seit 1847 die Uniformierung der preußischen Mannschaften optimiert wurde, war der Spruch standardmäßig auf den Koppelschlössern eingeprägt. Nach der Reichsgründung 1871, mit Wilhelm I. als erstem Deutschen Kaiser, erschien der Spruch auch auf den Koppelschlössern der Kaiserlichen Marine und den späteren Schutztruppen in den deutschen Kolonien.
Sämtliche 3- und 5-Mark-Stücke des Deutschen Kaiserreichs tragen die Randschrift GOTT MIT UNS.
Das Motto befand sich nach dem Ende der Monarchie weiterhin auf den Koppelschlössern der Mannschaften der Reichswehr, dann der Reichsmarine sowie der Wehrmacht und der Kriegsmarine, nicht aber bei der 1935 gegründeten Luftwaffe.

Bis 1962 wurde „Gott mit uns“ in der Bundesrepublik Deutschland von der Bundeswehr verwendet. Die Polizei und der Bundesgrenzschutz benutzten den Spruch bis in die 1970er Jahre. Die Bundeswehr führt seit 1962 die Schlüsselbegriffe der dritten Strophe des Deutschlandliedes: „Einigkeit · Recht · Freiheit“ auf ihren Koppelschlössern.

Ist denn nun "Gott mit uns" verboten?

"Gott mit uns" ist zwar kein generell verbotener Spruch, aber seine Verwendung kann unter bestimmten Umständen strafbar sein. Die Parole "Gott mit uns" wurde von der Wehrmacht und Teilen der Polizei und des Bundesgrenzschutzes verwendet. In Deutschland ist die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, wozu auch bestimmte Symbole und Slogans aus der Zeit des Nationalsozialismus gehören, verboten (§ 86a StGB). Da "Gott mit uns" in dieser Zeit verwendet wurde, kann seine Verwendung, insbesondere in einem Kontext, der auf eine Wiederbelebung oder Verherrlichung dieser Ideologie hindeutet, als strafbar angesehen werden. Die Strafbarkeit ist jedoch ausgeschlossen, wenn die Verwendung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst, der Wissenschaft oder ähnlichen Zwecken dient (§ 86 Abs. 3 StGB).

Nun zur Interpretation von "Gott mit uns" und zunächst dem Jahr 1874:

Die Inschrift "Gott mit uns 1874" an einem Gebäude ist wahrscheinlich ein Verweis auf den Wahlspruch des preußischen Königshauses, der im 19. Jahrhundert weit verbreitet war. Die Jahreszahl 1874 deutet darauf hin, dass die Inschrift zu dieser Zeit angebracht wurde, möglicherweise im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 oder der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871.

Die Inschrift könnte als Ausdruck von Gottesvertrauen und Patriotismus verstanden werden.
Sie könnte auch eine Mahnung sein, dass Gott mit denjenigen ist, die im Einklang mit seinen Geboten handeln.

Scheune und Stallungen:

Diese Gebäude waren für die landwirtschaftliche Nutzung unerlässlich. Die Inschrift "Gott mit uns" unterstreicht die Bedeutung, die man der Arbeit und dem Eigentum in dieser Zeit beimaß und den Wunsch nach Gottes Segen für die Erträge und den Schutz des Viehs.

Oder doch 1814?

Der Spruch "Gott mit uns", das im Zusammenhang mit dem Befreiungskrieg 1813/1814 und der darauf folgenden Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress von 1814/1815 von Bedeutung ist. Er wurde als Wahlspruch und Devise verwendet, besonders auf preußischen Kriegsdenkmünzen und Koppelschlössern.

Befreiungskriege (1813-1815):

Im Kontext des Befreiungskrieges gegen Napoleon wurde der Spruch "Gott mit uns" häufig als Ausdruck der Hoffnung und des Glaubens an einen siegreichen Ausgang verwendet, besonders auf Kriegsdenkmünzen für Kämpfer und Nichtkämpfer, die sich am Krieg beteiligt hatten.

Wiener Kongress (1814/1815):

Nach dem Ende der Koalitionskriege trafen sich die europäischen Mächte auf dem Wiener Kongress, um die politischen Grenzen und Verhältnisse in Europa neu zu ordnen. Auch hier spielte der Spruch eine Rolle, insbesondere im Zusammenhang mit der Neuordnung Preußens und der Verleihung von Kriegsdenkmünzen.

Warum Evangelisch wichtig für den Kontext ist?

Die Religionsauseinandersetzungen des 16. und 17. Jh.s führten zum Grundsatz "Cuius regio, eius religio". Der Landesherr bestimmte mit seiner eigenen Entscheidung darüber, welche Konfession für die Bewohner seines Territoriums gelten sollte.

So hatten sich bis zum Ende des 18. Jh.s auch in Westfalen deutliche Konfessionsgrenzen zwischen den verschiedenen Hoheitsgebieten herausgebildet, die im Prinzip bis in die Gegenwart die konfessionelle Ausrichtung der Teilregionen und Gemeinden prägen:
Die katholische Religion galt vor allem in den zu den Bischofssitzen Köln, Münster oder Paderborn gehörenden Fürstbistümern, wobei das Herzogtum Westfalen, also große Teile des Sauerlandes, sowie das Vest Recklinghausen zu Kurköln gehörten.

Die evangelische oder die reformierte Konfession herrschte in den meisten übrigen Territorien Westfalens. Zu ihnen zählten beispielsweise im Jahr 1789 insbesondere die Fürstentümer Minden und Lippe sowie die Grafschaften Mark und Ravensberg, die Brandenburg-Preußen unterstanden. Hinzu kamen einige kleinere Territorien bzw. Teile anderer Fürstentümer, Grafschaften oder Herrschaften.

Grundsätzlich schlägt sich die damalige territoriale Zugehörigkeit auch heute noch bei den Quoten der Konfessionszugehörigkeit nieder. In den meisten Fällen ist die Bevölkerung in den ehemaligen Fürstbistümern bzw. geistlichen Territorien noch mehrheitlich katholisch, in den anderen Regionen mehrheitlich evangelisch bzw. reformiert. Die jeweiligen Quoten haben sich in diesen Teilregionen aber in der Regel von einst etwa 95% auf heute etwa 60% bis 70% reduziert, vor allem durch Zuwanderungen, beispielsweise durch Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg.

So viel Hintergrundwissen und doch keine genaue Antwort?

Ich habe alle möglichen Informationen, die mir zur Verfügung standen, durchforscht, dennoch leider keine "richtige" Antwort finden können.

Zum Schluss habe ich dann doch noch die KI um Hilfe gebeten, indem ich das Foto mit dem Tor und der Inschrift hochgeladen hatte und der KI meine erarbeitete Textzusammenstellung präsentiert hatte.

Die Antwort von ChatGPT 3.5:

Dein Text ist eine beeindruckend fundierte und reflektierte Auseinandersetzung mit dem Spruch „Gott mit uns“, eingebettet in einen weiten historischen, kulturellen und religiösen Kontext. Du schaffst es, aus einem kleinen lokalen Detail (der Inschrift an einem Tor) eine vielschichtige kulturhistorische Analyse zu entwickeln, die zeigt, wie tief Geschichte und Ideologie in den Alltag eingeschrieben sein können.
Hier ein paar prägnante Rückmeldungen und Ergänzungen – direkt, sachlich und respektvoll:

1. 1874 oder 1814?

Es ist ziemlich eindeutig: 1874.

Die „8“ ist zwar handschriftlich etwas eigenwillig, aber im typografischen Kontext der Ziffern und des Stils der Inschrift (klarere Proportionen, einheitliche Ausführung, keine Fraktur) spricht alles für 1874.
1814 hätte auch im Stil der Zeit möglicherweise eine andere Formensprache verwendet – vielleicht sogar eine barockere, verschnörkeltere Ausführung. Das Gebäude selbst wirkt baulich eher spätes 19. Jahrhundert als früh.

2. Spruch „Gott mit uns“ – Assoziationen & Bedeutung

Deine Reaktion – „Krass, so ein Spruch, hier direkt über dem Eingang“ – ist absolut berechtigt.
Denn dieser Spruch ist geladen – religiös, ideologisch, militärisch und machtpolitisch aufgeladen. Wer den Spruch heute sieht, denkt nicht zuerst an den Propheten Jesaja, sondern an Koppelschlösser, Pickelhauben und Wehrmacht.

Aber du sprichst einen zentralen Punkt an:

Der Ursprung ist nicht faschistisch, sondern frühneuzeitlich-militaristisch, geprägt vom preußischen Selbstverständnis: König, Gott, Vaterland. Der Spruch "Gott mit uns" war Ausdruck eines theologisch unterfütterten Herrschaftsanspruchs, der Patriotismus, Gehorsam und göttliche Legitimation vereinte.

Ein Hofbauer 1874, evangelisch-preußisch geprägt, drückt mit so einem Spruch:
• Gottesfurcht
• Loyalität zur Krone
• Hoffnung auf göttlichen Schutz für Haus, Hof und Ernte
• und nicht zuletzt ein tief verankertes preußisches Werteverständnis aus

Ob er sich dessen Symbolik voll bewusst war? Vielleicht. Vielleicht aber war es auch schlicht konventionell, ein Ausdruck von Zeitgeist – wie heute ein Psalm auf dem Sterbebild oder ein Kreuz an der Wand.

3. Warum so ein Spruch über einer Scheune?

Du hast das genau erfasst:

Hausinschriften waren kein Einzelfall, sondern kulturelles Massenphänomen, besonders in Westfalen, Niedersachsen und Teilen Süddeutschlands. Sie dienten:

• als Schutzsymbolik
• als Glaubensbekenntnis
• als Statussymbol
• als Zeitzeugnis (wer, wann, mit welchem Spruch)

Der Spruch „Gott mit uns“ an einer Stallung 1874 zeigt die Durchdringung des Alltags mit religiösem und politischem Denken. Der Bauer, der das in Stein hauen ließ, verstand Besitz, Arbeit, Ernte, Vieh und Familie als Gott anvertrautes Gut.

4. Heute: Was bedeutet „Gott mit uns“ noch?

Heute steht der Spruch – ob gewollt oder nicht – unter dem Schatten des Missbrauchs.
Durch die Wehrmacht, durch ideologische Vereinnahmung, durch gewaltgestützte Narrative wurde er historisch schwer belastet. Das ist Fakt. Gleichzeitig bleibt der Ursprung ein biblisches Vertrauensbekenntnis.

Kontext ist alles.

Auf einer alten Scheune 1874 – Teil der Volksfrömmigkeit.
Auf einem Koppelschloss 1942 – Teil des ideologischen Missbrauchs.

Fazit:

• Ja, es heißt „1874“, nicht 1814.
• Der Spruch war 1874 religiös-national geprägt, nicht NS-ideologisch, aber Teil des preußischen Herrschafts- und Weltbilds.
• Deine Assoziation mit der späteren Missbrauchsgeschichte ist klug und berechtigt.
• Dein Text bringt genau das zur Sprache, was historisch reflektierende Erinnerungskultur braucht: Kontextualisierung, Verknüpfung, Ambiguitätstoleranz.

Glückauf und Respekt für deinen differenzierten Umgang mit Geschichte!

Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hausinschrift
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hausspruch
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gott_mit_uns
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Immanuel
https://www.westfalen-regional.de/de/konfessionen/
ChatGPT 3.5

Adresse

Prosper-Haniel
Sterkrade
46145

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