12/06/2026
KOLUMNE DES BÜRGERMEISTERS
Thema diese Woche:
👉 41. Staufenberger Krämermarkt
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
manchmal braucht es nur ein paar Sonnenstrahlen, um die Welt gleich viel freundlicher erscheinen zu lassen. Das durfte ich in der vergangenen Woche beim STAUFENBERGER KRÄMERMARKT einmal mehr erleben. Zugegeben: Der Auftakt ließ zunächst wenig Raum für überschwängliche Begeisterung. Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet und der Regen schien fest entschlossen, unser traditionsreiches Markttreiben in ein Freischwimmabzeichen für Hartgesottene zu verwandeln. Entsprechend überschaubar war zunächst die Zahl der Besucherinnen und Besucher auf dem Hof des Heimatmuseums.
Doch wie so oft im Leben gilt auch beim Wetter: Es kommt auf die zweite Halbzeit an.
Kaum hatten sich die dunklen Wolken verzogen, füllte sich der Markt mit Leben. Menschen strömten aus allen Richtungen herbei, die Plätze wurden voller, die Gespräche lauter und die Stimmung von Minute zu Minute besser. Ob dies nun tatsächlich den musikalischen Qualitäten unseres Musikzuges zu verdanken war, wie dessen stellvertretender Dirigent Hartmut Reyl augenzwinkernd vermutete, oder doch eher dem plötzlich freundlichen Wetter, darüber mögen Historiker eines Tages streiten. Sicher ist jedoch: Mit den Besucherinnen und Besuchern kehrte auch das zurück, was unseren Krämermarkt jedes Jahr so besonders macht – fröhliches Lachen, lebhafte Gespräche und das unverwechselbare Gefühl, gemeinsam etwas Schönes zu erleben.
Dazu gesellte sich ein Duft, der wohl jedem Ernährungsberater die Schweißperlen auf die Stirn treiben würde: ungarische Spezialitäten, portugiesische Köstlichkeiten und deutsche Klassiker konkurrierten um die Aufmerksamkeit der Gäste. Wer über den Markt schlenderte, konnte sich fast wie auf einer kleinen kulinarischen Europareise fühlen – ganz ohne Reisepass, dafür aber mit langen Warteschlangen wie am Flughafen.
Besonders gefreut hat mich eine Premiere, die eindrucksvoll gezeigt hat, wie lebendig unsere Städtepartnerschaften sind. Erstmals hatten unsere Freunde aus der tschechischen Partnerstadt Mährisch-Trübau eine Tanzgruppe mit nach Staufenberg gebracht. Bereits beim Fassanstich am Vorabend konnten die Tänzerinnen und Tänzer ihr Können zeigen. Am Markttag folgte dann ein gemeinsamer Auftritt mit der Tanzgarde des TV Mainzlar.
Was daraus entstand, war weit mehr als eine Tanzvorführung. Unter der Leitung unserer Ersten Stadträtin Bianka de Waal-Schneider, die selbst mittanzte, präsentierten beide Gruppen gemeinsam mehrere Tänze und begeisterten das Publikum. Besonders bemerkenswert dabei: Die Gruppen hatten nicht etwa wochenlang zusammen geprobt, sondern eher spontan zueinander gefunden. Dennoch wirkte alles harmonisch und selbstverständlich. Zwei Polkas und eine Zugabe später war klar: Europa kann manchmal ganz einfach sein. Menschen begegnen sich, haben Freude miteinander und schaffen gemeinsam etwas, das in Erinnerung bleibt.
Auch der Nachwuchs bewies eindrucksvoll, dass Begeisterung keine Frage des Alters ist. Die Kindertanzgruppe „Minis“ des TV Mainzlar zeigte mit ihren vier- bis siebenjährigen Tänzerinnen und Tänzern, dass man mit Rhythmusgefühl und Freude gar nicht früh genug anfangen kann. Wer die leuchtenden Augen der Kinder sah, wusste sofort: Hier wächst die nächste Generation für unsere Vereine heran.
Natürlich durfte auch die Tradition nicht zu kurz kommen. Marktleiter Stefan Bastian verlas die historische Marktrechtsurkunde aus dem Jahr 1680, die Landgräfin Elisabeth Dorothea von Hessen unserer Stadt einst verliehen hatte. Damit wurde einmal mehr deutlich, dass unser Krämermarkt nicht nur ein geselliges Fest, sondern auch ein Stück gelebter Stadtgeschichte ist.
Wer sich für die Vergangenheit interessierte, konnte zudem das Heimatmuseum in der Roten Schule besuchen. Auf dem Hof der ehemaligen Goetheschule sorgte Kinderschminken für bunte Gesichter und strahlende Kinderaugen. Musikalisch war ohnehin den ganzen Tag über einiges geboten. Die „Tarjaner Spitzbuam“ bewiesen einmal mehr ihre Qualitäten als Stimmungsgaranten. Am Stadtturm sorgten „Die Zwei“ und später das Trio „Toolboxx – Die Tanzband“ dafür, dass niemand lange stillstehen musste.
Bereits am Vorabend hatte sich rund um den Peter-Kurzeck-Platz gezeigt, dass der Krämermarkt weit mehr ist als ein klassischer Markt. Beim traditionellen Fassbieranstich herrschte ausgelassene Stimmung. Besonders die jüngeren Besucherinnen und Besucher feierten bis in die frühen Morgenstunden hinein und machten deutlich: Tradition und Lebensfreude schließen sich keineswegs aus.
Ein besonderer Moment war der Auftritt von Constanze Faulenbach, die erstmals „Heimat“ von Johannes Oerding sang. Spätestens bei „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros wurde dann kräftig mitgesungen. Solche Augenblicke zeigen, dass Musik Menschen verbindet – unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebensgeschichte.
Zum Krämermarkt konnten wir zudem Gäste aus unseren Partnerstädten Tarjan in Ungarn und Mährisch-Trübau in Tschechien begrüßen. Gerade in Zeiten, in denen oft über Trennendes gesprochen wird, sind solche Begegnungen wichtiger denn je. Sie erinnern uns daran, dass Freundschaft und gegenseitiger Respekt keine abstrakten Begriffe sind, sondern durch persönliche Kontakte mit Leben gefüllt werden.
Was unseren Krämermarkt auszeichnet, ist das Gemeinschaftsgefühl, das Jahr für Jahr neu entsteht. Zahlreiche Vereine aus allen vier Stadtteilen haben mit großem Engagement dazu beigetragen, dass alles reibungslos funktioniert hat. Dafür gilt allen Helferinnen und Helfern mein herzlicher Dank. Ebenso danke ich den Anwohnerinnen und Anwohnern, die die mit dem Markt verbundenen Einschränkungen stets mit bemerkenswerter Geduld tragen.
Vielleicht liegt diese Gelassenheit auch daran, dass viele Menschen den Krämermarkt längst als ihr eigenes Fest betrachten. Er gehört zu Staufenberg wie die Burg auf dem Berg und die Lumda im Tal. Hier begegnet man Nachbarn, alten Bekannten und manchmal sogar Menschen, die man seit Jahren nicht mehr gesehen hat.
Gerade in einer Welt, die immer schneller, größer und unübersichtlicher wird, wächst die Sehnsucht nach Orten, an denen man sich zu Hause fühlt. Heimat entsteht nicht durch Straßenschilder oder Verwaltungsgrenzen. Heimat entsteht dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, wo man mitgestalten kann und wo man spürt, dazuzugehören.
Der Krämermarkt ist genau ein solcher Ort. Er bringt Menschen zusammen, die sich im Alltag vielleicht nie begegnen würden. Es wird geredet, gelacht, gefeiert und manchmal auch diskutiert. Und genau darin liegt seine Stärke. Gemeinschaft entsteht nicht von selbst – sie wächst durch Begegnungen.
Ich hoffe daher, dass Sie beim diesjährigen Krämermarkt viele schöne Stunden erleben konnten, nette Gespräche geführt haben und vielleicht sogar mit dem einen oder anderen neuen Eindruck nach Hause gegangen sind. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf das kommende Jahr.
Denn eines steht fest: Unser Krämermarkt ist weit mehr als nur ein Markt. Er ist ein Stück gelebte Heimat – und damit etwas, das man gar nicht hoch genug schätzen kann.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Peter Gefeller
Bürgermeister