03/02/2018
Nordkurier, Strelitzer Zeitung, 03.02.2018, Seite 19
Neustrelitz will keinen Sand im Schloss-Keller
Fast geschlossen haben sich die Stadtvertreter gegen die Pläne des Landes gestellt, den Schlosskeller zu verfüllen und dann das Areal darüber zu gestalten. Sie fordern eine Beräumung der Räume und eine Bestandsaufnahme.
Beitrag und Foto: Susanne Böhm
Neustrelitz. Diskussionsbedarf gab es nicht, als das Thema Schlossbergareal am Donnerstagabend bei der Neustrelitzer Stadtvertretersitzung an der Reihe war. Die Stadtvertreter waren sich weitgehend einig und beauftragten mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung den Bürgermeister, gegenüber dem Finanzministerium darauf hinzuwirken, dass auf das Verfüllen der Kellerräume verzichtet wird. Der Keller solle lediglich unter Schonung von Wänden, Decken und Böden beräumt werden. In Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege solle dann eine Bestandsaufnahme durchgeführt werden, auf deren Grundlage eine zukünftige Nutzung erarbeitet werden könne.
„Vonseiten der Stadt Neustrelitz wird es gut geheißen, dass sich das Land als Eigentümerin des Schlossbergs um eine Aufwertung des Grundstückes bemüht“, heißt es in der von allen Fraktionen eingereichten Beschlussvorlage. „Das Fehlen des Schlosses stellt eine erhebliche Narbe im Stadtbild dar. Ihm kommen aber eine große Bedeutung für die Geschichte der Stadt und das ehemalige Großherzogtum zu. Die touristische Bedeutung ist nicht zu unterschätzen.“
Das Vorhaben des Landes, den Keller von Unrat und Schadstoffen zu beräumen und ihn dann mit Fließsand zu verfüllen, habe jedoch zu „erheblichen Diskussionen in der Bevölkerung“ geführt. „Denkmalschützer und Baufachleute“ hätten kritisiert, dass die Verfüllung nicht oder nur mit erheblichen Kosten rückgängig zu machen sei. Feuchtigkeit und Salz würden die Mauern zerstören. Dann seien die Kellerräume nicht mehr nutzbar. „Aufgabe von Denkmalschutz und Denkmalpflege ist nach Paragraf 1 im Denkmalschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommerns, die Denkmale zu schützen, zu pflegen, wissenschaftlich zu erforschen und auf eine sinnvolle Nutzung hinzuwirken. Stattdessen wird hier ein Denkmal zerstört und Geschichte zugeschüttet“, heißt es weiter in der Beschlussvorlage. „Des Bürgers Wunsch erfüllen, ist besser als verfüllen.“
Bürgermeister Andreas Grund (parteilos) zeigte sich mit seinem neuen Auftrag einverstanden und kritisierte die Vorgehensweise des Schweriner Finanzministerium als unfair. Er zitierte aus einer Zeitung aus dem Jahr 1998, in der angekündigt wurde, der Schlossberg bekomme in den nächsten Jahren ein neues Gesicht. „Das ist 20 Jahre her. Es wird Zeit, dass der Schandfleck endlich beseitigt und die Wunde geschlossen wird“, sagte er. Der Beschluss sei „mit Fingerspitzengefühl formuliert“ worden und führe hoffentlich zu einem „Dialog auf Augenhöhe mit dem Land“. „Nun kann keiner mehr behaupten, wir sagen nur, was wir nicht wollen“, so Stadtpräsident Christoph Poland (CDU).
Keinen Hehl aus seinem Ärger über die Haltung von Finanzministers Mathias Brodkorb machte Stadtvertreter Ernst August von der Wense. „Der Umgang der Landesregierung mit den Bürgern des eigenen Landes ist erschreckend. Wie schon im Rahmen der Theaterdiskussion ist es erneut Minister Brodkorb, der offensichtlich seine Machtposition angegriffen fühlt und auf dem demokratischen Ohr taub ist.“
Die „Arroganz“ des Ministers habe sich auch darin gezeigt, dass er sich und seinen Mitarbeitern die Teilnahme am Gedankenaustausch zum Schlossareal am Montag in Neustrelitz verweigert hatte. „Mit diesem Beschlussvorschlag reichen wir ihm die Hand, fordern aber unmissverständlich, uns nicht den Rest unseres Schlosses zu nehmen.“