Bündnis 90/Die Grünen Seeheim-Jugenheim

Bündnis 90/Die Grünen Seeheim-Jugenheim Seit über 40 Jahren stehen wir GRÜNEN in Seeheim-Jugenheim für Natur- und Klimaschutz, soziale Politik und hohe Lebensqualität.

Wir treiben die Energiewende voran, fordern Transparenz, nachhaltige Finanzen und erarbeiten Lösungen gegen lokale Klimafolgen.

Mit der 5. Kerb, der Balkhäuser Kerb, geht die Kerbsaison in Seeheim-Jugenheim zu Ende. Auch in Balkhausen waren wir GRÜ...
14/09/2026

Mit der 5. Kerb, der Balkhäuser Kerb, geht die Kerbsaison in Seeheim-Jugenheim zu Ende.
Auch in Balkhausen waren wir GRÜNEN dabei und hatten viel Spaß. Der aktuelle Kerwevadder hat seine Redd am Sonntag gehalten und weil's die 50. in Balkhausen war, haben auch Ehemalige aus ihren früheren Reden vortragen. Es gab auch schon eine Kerwemudder in Balkhausen.
In den einzelnen Ortsteilen stärkt die jeweilige Kerb, oder ein anderes Fest, den Zusammenhalt und das soziale Miteinander. Und für die ganze Gemeinde ist jede einzelne Kerb ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens.
Die GRÜNEN danken deshalb allen Kerwemädscher und Kerweborschen für die Organisation der Feste, ebenso allen Vereinen sowie Einzelpersonen, die mitgemacht und geholfen haben.
Vielen Dank auch für die netten Begegnungen und Gespräche.
Bis zur nächsten Kerbsaison in Seeheim-Jugenheim.

Wir haben nur eine NaturDieser Beitrag ist mir wichtig. Denn am Ende geht es nicht um Jagd, Forstwirtschaft oder Klimasc...
12/09/2026

Wir haben nur eine Natur

Dieser Beitrag ist mir wichtig. Denn am Ende geht es nicht um Jagd, Forstwirtschaft oder Klimaschutz allein. Es geht um unsere gemeinsame Lebensgrundlage. Ich bitte um Unterstützung (Lesezeit ca. 6 Min.)

Wenn Eingriffe weitere Eingriffe rechtfertigen

Zitat: „Guido, ich war über 40 Jahre da draußen in großer Verantwortung aktiv. Erst durch dein Buch Kulturlandschaft habe ich verstanden, dass wir nur eine Natur haben.“

Dieser Satz stammt von einem pensionierten Oberforstamtsrat. Von einem Menschen also, der sein gesamtes Berufsleben im Wald verbracht hat. Förster, auch Jäger, später Nachsuchenführer. Gerade deshalb hat er mich nicht mehr losgelassen.

Für mich beschreibt er ein Grundproblem unserer Zeit. Wir glauben, Natur zu schützen, nutzen aber Natur, regulieren Natur, kompensieren Naturverluste und pflanzen Natur vermeintlich sogar neu. Doch dabei verlieren wir zunehmend aus dem Blick, was Natur überhaupt bedeutet.

Dieser Beitrag soll deshalb keine weitere Debatte über Jagd, Forstwirtschaft, Landwirtschaft oder Klimaschutz führen. Er soll zeigen, dass hinter all diesen Themen dieselbe Frage steht. Wie viel Raum sind wir bereit, der Natur selbst zu überlassen, wenn sie nicht unseren wirtschaftlichen Zielen, unseren Vorstellungen und unserem Bedürfnis nach Kontrolle folgen soll?

Denn wir haben tatsächlich nur eine Natur. Und vielleicht müssen wir zunächst wieder lernen, sie von dem zu unterscheiden, was wir Menschen aus ihr gemacht haben.

Wir sprechen von Wald und Landwirtschaft, von Naturschutz und Jagd, von Fischerei, Rohstoffgewinnung und Infrastruktur, als würden all diese Bereiche jeweils auf ihre eigene Natur zugreifen. Doch es gibt keine forstwirtschaftliche Natur, keine landwirtschaftliche Natur, keine jagdliche Natur und daneben noch irgendwo die eigentliche Natur. Wir haben nur eine. Und um genau diese eine Natur konkurrieren inzwischen nahezu alle unsere Nutzungsinteressen.

In unseren Naturschutzgebieten wird häufig nicht die Natur als Ganzes geschützt, sondern nur ein Tier, vielleicht eine Pflanze, oder eine Artengemeinschaft, vielleicht ein bestimmtes Areal. Natur aber ist viel mehr. Sie ist die unaufhörliche Dynamik von Werden und Vergehen, Anpassung, Konkurrenz, Kooperation, Fortpflanzung, Zerfall und Neubeginn. Natur existiert in Beziehungen, Wechselwirkungen, eigendynamischer Entfaltung und fortwährender Evolution. Sie ist kein Zustand, den wir herstellen oder nach unseren Vorstellungen regulieren können, sondern ein lebendiger Prozess, der nur dort wirklich Natur bleiben kann, wo wir ihm Raum lassen.

Natur zu respektieren heißt auch, ihre Härte anzuerkennen. Hunger, Krankheit, Konkurrenz und Tod sind keine Fehler, die der Mensch jagdlich korrigieren oder durch vermeintliche Erlösung beseitigen müsste. Sie sind wichtige Bestandteile natürlicher Auslese, Anpassung und fortwährender Evolution. Wer Wildtiere entnimmt, Leid bewertet und Lebensprozesse nach menschlichem Ermessen beendet, greift tief in dieses Geflecht aus Flora, Fauna und ihren Beziehungen ein. Der Natur zuliebe müssen wir deshalb nicht jeden Prozess beherrschen, aber wieder lernen, natürliche Prozesse auszuhalten und zuzulassen.

Das Narrativ der dicht besiedelten Kulturlandschaft

Deutschland sei nun einmal eine dicht besiedelte Kulturlandschaft. Deshalb müsse der Mensch regulieren, steuern, nutzen und kontrollieren. Kaum eine Begründung begegnet mir häufiger als diese. Dieser Satz klingt zunächst sogar nachvollziehbar, fast logisch. Bei genauerem Hinsehen beschreibt er jedoch lediglich den Zustand, den wir selbst geschaffen haben und der mit Natur nur noch wenig gemeinsam hat.

50,2 Prozent der deutschen Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Weitere 29,9 Prozent sind Wald. 14,6 Prozent entfallen auf Siedlung und Verkehr. Doch auch unsere grünen Flächen sind keineswegs automatisch Naturflächen. Flüsse sind begradigt, Moore entwässert, Landschaften durch Autobahnen zerschnitten und Wälder bewirtschaftet. Selbst Schutzgebiete sind von Straßen, Landwirtschaft und Forstwirtschaft umgeben oder bleiben innerhalb ihrer Grenzen menschlichen Nutzungen und Eingriffen bis hin zur flora- und faunenverfälschenden Hobbyjagd ausgesetzt.

Das Narrativ der Kulturlandschaft funktioniert deshalb häufig in einer bemerkenswerten Richtung. Weil wir bereits überall eingreifen, wird daraus die Notwendigkeit weiterer Eingriffe abgeleitet. Wir müssen diesen Gedanken umdrehen. Gerade weil Deutschland so dicht besiedelt, intensiv genutzt und zerschnitten ist, brauchen wir Räume, in denen Natur Vorrang vor Nutzung und Kontrolle hat.

Natur ist kein Luxus auf Restflächen, sondern unsere Lebensgrundlage. Natürliche Ökosysteme sichern sauberes Wasser, tragen zu sauberer Luft und fruchtbaren Böden bei, ermöglichen Bestäubung, regulieren das Klima und erbringen zahlreiche weitere Leistungen, auf die wir Menschen essenziell angewiesen sind. Diese Leistungen entstehen nicht durch Nutzung, sondern durch funktionierende natürliche Prozesse. Deshalb müssen wir der Natur wieder Raum für ihre eigenen Prozesse geben.

Das Bundesamt für Naturschutz beziffert den Anteil großflächiger Wildnisgebiete in Deutschland auf gerade einmal rund 0,6 Prozent der Landfläche. Auch die terrestrischen Nationalparke nehmen nur etwa 0,6 Prozent ein. Das BfN bezeichnet diesen Anteil selbst als im europäischen Vergleich sehr gering. Wie weit Deutschland gerade beim strengen Schutz zurückliegt, zeigte auch eine europaweite Auswertung aus dem Jahr 2023. Bei der Ausweisung streng geschützter Gebiete lag Deutschland mit 0,6 Prozent auf Platz 25 von 27 EU-Staaten. Nur Belgien und Dänemark lagen noch dahinter.

Wald ist nicht automatisch Natur

Ähnlich verhält es sich mit dem Wald. Wald kann Lebensraum sein, Kohlenstoff speichern, Wasser zurückhalten und enorme biologische Vielfalt tragen. Er kann aber ebenso Produktionsfläche oder Holzplantage sein. Allein 2025 wurden in Deutschland 57,3 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen. Nach den FAO-Daten für 2024 gehörte das vergleichsweise kleine Deutschland zudem zu den weltweit größten Exporteuren von Industrie-Rundholz sowie Holz- und Papierprodukten und belegte dabei jeweils Platz 2. Selbstverständlich brauchen wir Holz und Forstwirtschaft, aber es geht um die zu gewaltigen Dimensionen der Nutzung.

Gepflanzte Bäume machen noch keinen Wald im ökologischen Sinne. Gleichaltrige Bestände aus wenigen wirtschaftlich interessanten Baumarten können Holz produzieren und Kohlenstoff binden, bleiben aber dennoch weit von einem natürlichen Waldökosystem und damit von funktionierender Natur entfernt.

Ein sich selbst entwickelnder Wald lebt dagegen von Vielfalt und Veränderung. Bäume werden alt, sterben und bleiben liegen. Totholz entsteht, Pilze, Insekten und Vögel nutzen es, Böden entwickeln sich, Wasser wird gespeichert und neue Lebensräume entstehen. Wald ist nicht die Summe seiner Bäume, sondern das Geflecht aus Arten, Strukturen und natürlichen Prozessen.

Freiwillige CO₂-Kompensation und die Frage, wann aus Bäumen Wald wird

Genau an dieser Stelle wird ein weiteres Thema interessant, die freiwillige CO₂-Kompensation. Unternehmen können Klimaschutzprojekte finanzieren und damit rechnerisch einen Teil ihrer eigenen Treibhausgasemissionen ausgleichen. Viele Unternehmen entscheiden sich dafür, weil sich Emissionen trotz eigener Reduktionsmaßnahmen derzeit nicht vollständig vermeiden lassen und sie zugleich selbst gesetzte oder vertraglich vereinbarte Klimaziele erreichen wollen.

Unterstützt werden beispielsweise erneuerbare Energien, Moorprojekte, Waldschutz, Wiederaufforstung oder das Pflanzen von Bäumen, was jedoch keineswegs automatisch bedeutet, Wald in seiner ökologischen Vielfalt entstehen zu lassen.

Die Grundidee ist nachvollziehbar. Emissionen sollen zunächst vermieden und reduziert und erst verbleibende Emissionen kompensiert werden. Umgangssprachlich könnte man durchaus von einer Art „Freikaufen“ sprechen. Ein Unternehmen verursacht weiterhin CO₂ und finanziert dafür an anderer Stelle Maßnahmen, die diese Emissionen rechnerisch ausgleichen sollen.

Das muss keineswegs grundsätzlich schlecht sein. Problematisch wird es dort, wo CO₂-Kompensation automatisch zu Naturschutz erklärt wird, nur weil beispielsweise Bäume gepflanzt werden, obwohl davon am Ende vor allem die Forstwirtschaft profitieren kann, ohne dass damit zwangsläufig auch Natur entsteht. Denn ein gepflanzter Baum ist zunächst einmal ein gepflanzter Baum. Ob daraus Natur entsteht, entscheidet nicht die Zahl der Setzlinge, sondern das, was sich auf der Fläche entwickeln darf. Ob Natur in jenem umfassenden Sinne wirken darf, wie zu Beginn dieses Beitrags beschrieben, oder ob Bäume gleicher Art und gleichen Alters nahezu steril in Reihen stehen, macht einen gewaltigen Unterschied. Ein Klimaprojekt kann klimapolitisch sinnvoll und trotzdem ökologisch ausgesprochen arm sein.
Von der Kompensation zum Klimabeitrag

Über Jahre funktionierte das Modell für viele Unternehmen vergleichsweise einfach. Emissionen wurden berechnet, Zertifikate gekauft und Produkte anschließend mit Begriffen wie „klimaneutral“ beworben. Kritisiert wurde daran zunehmend, dass ein Unternehmen seine eigenen Emissionen dabei nicht zwingend entsprechend reduzieren musste. Die rechnerische Klimawirkung konnte stattdessen durch Projekte an anderer Stelle entstehen. Damit rückte immer stärker die Frage in den Mittelpunkt, ob ein Produkt tatsächlich klimafreundlicher geworden war oder lediglich seine verbleibenden Emissionen bilanziell ausgeglichen wurden. Dieses Modell ist inzwischen erheblich unter Druck geraten.

Der Bundesgerichtshof stellte 2024 klar, dass die Reduktion eigener Emissionen und deren nachträgliche Kompensation keine gleichwertigen Maßnahmen sind und die Reduktion Vorrang hat. Ab dem 27. September 2026 gehen auch die europäischen Regelungen deutlich weiter. Produkte dürfen dann nicht mehr als „klimaneutral“, „CO₂-neutral“ oder mit vergleichbaren Aussagen beworben werden, wenn diese Wirkung lediglich auf der Kompensation von Treibhausgasen außerhalb ihrer Wertschöpfungskette beruht.

Die Finanzierung von Klimaschutzprojekten bleibt jedoch weiter möglich. Unternehmen können weiterhin in Waldschutz, Moore, Wiederaufforstung oder andere Klimaprojekte investieren und darüber berichten, ohne daraus die Behauptung abzuleiten, ihr eigenes Produkt sei dadurch klimaneutral.

Auch der freiwillige Zertifikatemarkt hat sich verändert. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden 2024 weltweit rund 25 Prozent weniger freiwillige CO₂-Zertifikate gehandelt als im Vorjahr. Der frühere Gedanke „Emission hier, Zertifikat dort, damit klimaneutral“ verliert damit deutlich an Bedeutung.

Wie Unternehmen heute stattdessen vorgehen

Im Vordergrund steht zunehmend das eigene Klimamanagement. Unternehmen erfassen ihre Emissionen, setzen Reduktionsziele und versuchen, den Ausstoß innerhalb der eigenen Produktion und Wertschöpfungskette zu senken. Freiwillige Zahlungen für Klimaschutzprojekte können zusätzlich erfolgen und werden heute häufig als Klimabeitrag bezeichnet.

Doch auch der neue Begriff löst das ökologische Problem nicht automatisch. Ein Klimabeitrag sagt zunächst nur, dass ein Unternehmen zusätzlich Geld für eine Klimaschutzmaßnahme bereitstellt. Er sagt noch nichts darüber aus, welche Art von Landschaft dadurch entsteht.

Gerade bei Wald- und Aufforstungsprojekten wird dieser Unterschied besonders deutlich. In Brasilien gibt es Klimaprojekte, bei denen auf riesigen Flächen Eukalyptusplantagen angelegt werden. Diese Bäume binden zweifellos Kohlenstoff. Doch sie werden nicht gepflanzt, damit dort über Jahrzehnte oder Jahrhunderte ein vielfältiges Waldökosystem mit alten Bäumen, Totholz, natürlicher Verjüngung und komplexen Artengemeinschaften entsteht. Sie sind Teil einer forstwirtschaftlichen Produktion, werden als Rohstoff genutzt und nach festgelegten Zeiträumen wieder geerntet.

Besonders widersprüchlich wird dieses Modell vor dem Hintergrund, dass in Brasilien natürliche Wälder und ursprüngliche Vegetation in der Vergangenheit nachweislich auch durch Plantagenflächen ersetzt wurden. Ausgerechnet in einem Land, in dem hochkomplexe natürliche Ökosysteme verschwinden, können andernorts industrielle Baumplantagen entstehen, deren Kohlenstoffbindung anschließend als Klimaleistung vermarktet wird. Bei einzelnen Eukalyptusprojekten wurden zudem Vorwürfe erhoben, dass natürliche Cerrado-Vegetation beseitigt und anschließend durch Eukalyptusbestände ersetzt wurde. Selbst dort, wo heutige Projekte auf bereits degradierten Flächen entstehen, bleibt der grundlegende Unterschied bestehen. Eine Kohlenstoffplantage ist kein Ersatz für das zuvor verlorene natürliche Ökosystem.

Genau hier zeigt sich die Schieflage des bisherigen Kompensationsgedankens besonders deutlich. Während in Brasilien gleichförmige Eukalyptusplantagen für wirtschaftliche Zwecke entstehen können, konnten Unternehmen in Deutschland und Europa die daraus errechnete Kohlenstoffbindung über Zertifikate für ihre eigene Klimabilanz nutzen und sich damit bislang sogar als „klimaneutral“ darstellen. Rechnerisch mag CO₂ gebunden worden sein. Aber aus einer industriell genutzten Baumplantage wird deshalb noch lange kein Wald und aus Klimakompensation noch lange kein Naturschutz.

Das ist der Unterschied, um den es hier geht. Entscheidend darf nicht allein sein, wie viele Tonnen CO₂ eine Fläche rechnerisch bindet, sondern auch, was auf dieser Fläche tatsächlich entsteht. Eine Plantage kann eine Klimaleistung erbringen und zugleich ökologisch ausgesprochen arm bleiben. Wer solche Projekte als Beitrag zu Nachhaltigkeit finanziert, sollte deshalb wissen, ob mit seinem Geld Natur entstehen darf oder lediglich ein weiterer wirtschaftlich nutzbarer Holzbestand.

Wenn sich Naturschutz plötzlich in Baumzahlen messen lassen soll

Wie schnell dieser Unterschied selbst in der Naturschutzpolitik verloren gehen kann, zeigt die europäische Biodiversitätsstrategie. In einer frühen technischen Ausarbeitung zum Zehn-Prozent-Ziel für streng geschützte Flächen waren Bergbau, Fischerei, Jagd und Forstwirtschaft mit diesem Schutzniveau ausdrücklich nicht vereinbar. Zehn Prozent der europäischen Land- und Meeresflächen sollten damit Räume werden, in denen natürliche Prozesse weitgehend Vorrang vor menschlicher Nutzung erhalten.

Das wäre ein grundlegend anderer Ansatz gewesen. Nicht immer genauer steuern, bewirtschaften und regulieren, sondern auf einem begrenzten Teil unserer Landschaft tatsächlich zurücktreten. Das Zehn-Prozent-Ziel besteht weiterhin, doch die spätere Auslegung lässt auch aktives Management und unter bestimmten Bedingungen Eingriffe zu. Aus einem sehr klaren Gedanken des Nichteingreifens wurde damit ein deutlich weiter interpretierbarer Begriff von „strengem Schutz“.

Drei Milliarden Bäume klingen besser als zehn Prozent Nichtnutzung

Parallel dazu trat ein anderes, hervorragend kommunizierbares Ziel in den Vordergrund. Bis 2030 sollen in der Europäischen Union mindestens drei Milliarden zusätzliche Bäume gepflanzt werden und wachsen. Drei Milliarden lassen sich zählen, fotografieren und in politische Programme oder Nachhaltigkeitsberichte schreiben.

Nur sind drei Milliarden Bäume noch keine drei Milliarden Bausteine funktionierender Natur. Auch die EU betont, dass neue Bäume den Schutz bestehender Wälder nicht ersetzen können. Bäume lassen sich pflanzen und zählen, Ökosysteme aber lassen sich nicht auf Stückzahlen reduzieren. Mit zehntausend Setzlingen entstehen noch keine alten Wälder, gewachsenen Böden, Totholzstrukturen, Pilznetzwerke und natürlichen Nahrungsnetze.

Wir brauchen nicht nur mehr Bäume

Wir brauchen wieder mehr Wald, der Wald sein darf. Ausreichend große Räume, in denen Bäume alt werden, sterben und liegen bleiben, in denen Prädatoren und Pflanzenfresser wirken, Populationen schwanken und natürliche Prozesse ihre eigene Dynamik entfalten. Wälder, deren Zukunft nicht bereits beim Pflanzen durch einen späteren Erntetermin festgelegt ist.

Dass ein solcher Richtungswechsel selbst in stark ausgebeuteten Kulturlandschaften möglich ist, zeigt Schottland. Über Jahrhunderte wurden dort Wälder zurückgedrängt, Landschaften intensiv beweidet, für jagdliche Interessen geprägt und später großflächig forstwirtschaftlich genutzt. Heute gehört gerade dieses naturverarmte Land zu jenen, die politisch besonders ambitioniert über die großflächige Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme nachdenken. Bis 2030 sollen mindestens 30 Prozent von Land und Meer für die Natur geschützt oder erhalten, geschädigte Ökosysteme wiederhergestellt und Naturgebiete stärker miteinander verbunden werden.

Die Scottish Rewilding Alliance geht noch weiter und fordert, Schottland zur weltweit ersten „Rewilding Nation“ zu erklären und 30 Prozent seiner Land- und Meeresflächen nach Rewilding-Prinzipien wiederherzustellen. Noch ist das kein erreichter Zustand. Aber der Perspektivwechsel ist bemerkenswert. Ein Land, dessen Natur über Jahrhunderte intensiv genutzt, verändert und ausgebeutet wurde, beginnt daraus nicht die Notwendigkeit immer weiterer Eingriffe abzuleiten, sondern die gegenteilige Konsequenz daraus zu ziehen und natürlichen Prozessen wieder mehr Raum zu geben.

Genau darum geht es auch bei uns. Selbstverständlich brauchen wir Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Siedlungen, Straßen und Rohstoffe. Aber Natur und Nutzung können nicht auf jedem Quadratmeter gleichzeitig Vorrang haben. Gerade weil wir nahezu unsere gesamte Landschaft nutzen, brauchen wir ausreichend große, zusammenhängende Räume, in denen Jagd, Forstwirtschaft, Fischerei und andere wirtschaftliche Nutzungen tatsächlich ruhen. Nicht überall. Aber wenigstens dort, wo Natur ausdrücklich Vorrang haben soll und wieder nach ihren eigenen Regeln funktionieren darf.

Mehr Raum, weniger Kontrolle

Genau hier liegt ein Grundproblem unseres modernen Nachhaltigkeitsverständnisses. Wir beschreiben schwer messbare Natur zunehmend durch leicht messbare Größen. Tonnen CO₂, Zertifikate, Hektar Aufforstung oder die Zahl gepflanzter Bäume lassen sich erfassen und in Tabellen schreiben. Natur funktioniert jedoch nicht in Stückzahlen.

Man kann Millionen Bäume pflanzen und trotzdem kein funktionierendes Waldökosystem schaffen. Man kann Schutzgebiete ausweisen, aber nicht gleichzeitig Forstwirtschaft, Jagd und andere Eingriffe zulassen und diese Flächen als weitgehend geschützte Natur darstellen. Und man kann auch nicht auf fast 30 Prozent Waldfläche verweisen, wenn nur ein winziger Teil unserer Landschaft tatsächlich seiner eigenen Entwicklung überlassen bleibt.

Deshalb sollten Unternehmen bei ihren Klimabeiträgen nicht nur fragen, wie viel CO₂ ein Projekt rechnerisch bindet, sondern was mit ihrem Geld tatsächlich entsteht. Ein Holzbestand, eine Produktionsfläche, oder ein Wald der sich wieder nach seinen eigenen Regeln entwickeln darf?

Und genau hier liegt unsere Chance. Natur braucht nicht mehr Kontrolle, sondern wieder mehr Raum. Mindestens zehn Prozent der deutschen Gesamtfläche sollten wir deshalb als echte Prozessschutzräume ausweisen und dort natürliche Entwicklung konsequent zulassen.

Moderner Naturschutz beginnt nicht mit der nächsten Maßnahme, sondern mit dem Mut, Natur endlich in Ruhe zu lassen.

Drei Milliarden Bäume kann man pflanzen. Einen Wald muss man entstehen und wirken lassen.
Mit Quellen und Anlagen auf neiner Homepage naturdigital.online

Stricken, Häkeln, Vernetzen!Hast du Lust auf eine kreative Auszeit in guter Gesellschaft? Unser offener Strick- und Hand...
12/09/2026

Stricken, Häkeln, Vernetzen!
Hast du Lust auf eine kreative Auszeit in guter Gesellschaft? Unser offener Strick- und Handarbeitskreis trifft sich wieder!
Wann? Freitag, 18. September um 17 Uhr (immer am 3. Freitag im Monat) Wo? Im Grünen Büro in Seeheim
Egal, ob du erfahren bist oder noch nie eine Nadel in der Hand hattest – bei uns sind alle willkommen! Seit 2,5 Jahren entstehen hier schon die tollsten Projekte.
Besonders stolz sind wir auf unsere Aktion im August: Gemeinsam haben wir grüne Socken gestrickt, um Frauen mit Unterleibskrebs ein Zeichen der Hoffnung zu senden. Komm vorbei, bring dein Projekt mit oder lerne es bei uns. Wir freuen uns auf dich!

12/09/2026
Nie wieder ist jetzt! Heute waren wir um 19:33 in Darmstadt. Gemeinsam mit so vielen tollen anderen Menschen - wir lasse...
07/09/2026

Nie wieder ist jetzt!
Heute waren wir um 19:33 in Darmstadt.
Gemeinsam mit so vielen tollen anderen Menschen - wir lassen uns nicht entmutigen und stehen klar und laut zusammen.

07/09/2026

Genug trübe Nachrichten? Lust dich für unsere Demokratie stark zu machen und gemeinsam etwas zu bewegen?

Heute ist ein guter Tag um Mitglied bei den Grünen zu werden! Zum Mitgliedsantrag kommst du über den QR-Code oder schreib uns gerne eine Nachricht.

Gemeinsam sind wir mehr.

💚Wir freuen uns auf dich 💚

🎉 Gemeinsam auf der Kerb in Malchen!Wir waren gestern mittendrin und haben die tolle Stimmung genossen. Dass wir erst he...
05/09/2026

🎉 Gemeinsam auf der Kerb in Malchen!

Wir waren gestern mittendrin und haben die tolle Stimmung genossen. Dass wir erst heute posten? Wir waren so begeistert von der Stimmung, dass wir erst jetzt wieder im Hier und Jetzt gelandet sind! 🎡💚

Das war unser Programm:
🍎 Äpfel und Windrädchen an die Zuschauer*innen verteilt
💬 spannende Gespräche mit euch
🎈 gemeinsam gefeiert

Wir setzen uns ein: für lebendige Gemeinschaft vor Ort und regionale Freude. 💚

04/09/2026

🚲 Einladung zur Frühschoppentour: Ausblicke in den Odenwald und die Rheinebene! ☀️

Wir laden euch herzlich zu unserer gemeinsamen Radtour ein. Wir starten in Seeheim und genießen die Strecke entlang der Mühlen Richtung Ober-Ramstadt. Ein Highlight wird der Stopp im Biergarten des Naturfreundehauses mit einem fantastischen Ausblick auf den Otzberg und in den Odenwald.

Danach geht es über Frankenhausen und die Neutsche Höhe über Steigerts entspannt bergab nach Jugenheim.

Alle Details im Überblick:
🗓 Wann? Sonntag, 06.09.2026 um 10:30 Uhr
📍 Wo? Start vor dem Forum am Rathaus in Seeheim
🚴 Strecke: Insgesamt etwa 30 km.

Bitte beachtet, dass die Tour aufgrund von zwei kurzen, steilen Anstiegen anspruchsvoller ist – ein Fahrrad mit Schaltung ist daher notwendig.

Wir freuen uns auf einen sportlichen Vormittag, gute Gespräche und eine tolle Gemeinschaft! 💚

Kinder verdienen Schutz – auch vor der Hitze. ☀️Heute haben wir unseren Änderungsantrag zum SPD-Antrag eingebracht: Wir ...
01/09/2026

Kinder verdienen Schutz – auch vor der Hitze. ☀️

Heute haben wir unseren Änderungsantrag zum SPD-Antrag eingebracht: Wir fordern zusätzlich zur Klimatisierung von Gebäuden, dass Maßnahmen des passiven und baulichen Hitzeschutzes wie Verschattung, Begrünung, Dämmung, außenliegender Sonnenschutz geprüft werden sollen.

Sonnensegel, Bäume, begrünte Pergolen – bauliche und natürliche Lösungen, die sofort spürbar helfen. Kinder verbringen viel Zeit im Freien. Das muss auch bei 35 Grad sicher möglich sein.

Adresse

Seeheim-Jugenheim
64342

Webseite

,https://www.gruene-sj.de/wp-content/uploads/2026/01/Wahlprogramm.pdf,

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