31/05/2026
☕ 𝗔𝘂𝗳 𝗲𝗶𝗻 „𝗧𝗲𝗲-𝗚𝗲𝘀𝗽𝗿ä𝗰𝗵“ 𝗺𝗶𝘁 𝗕ü𝗿𝗴𝗲𝗿𝗺𝗲𝗶𝘀𝘁𝗲𝗿 𝗗𝗶𝗺𝗶𝘁𝗿𝗶𝗼𝘀 𝗔𝘅𝗼𝘂𝗿𝗴𝗼𝘀 – 𝗩𝗼𝗺 𝗚𝗮𝘀𝘁𝗮𝗿𝗯𝗲𝗶𝘁𝗲𝗿𝗸𝗶𝗻𝗱 𝘇𝘂𝗺 𝗕ü𝗿𝗴𝗲𝗿𝗺𝗲𝗶𝘀𝘁𝗲𝗿 𝗱𝗲𝗿 𝗦𝘁𝗮𝗱𝘁 𝗦𝗰𝗵𝘄𝗲𝗿𝘁𝗲
„Herzlich willkommen zurück in Schwerte!“. Mit diesen Worten begrüßte ich unseren Bürgermeister der Stadt Schwerte, Herrn Dimitrios Axourgos. Er war frisch von einer Reise mit einer 20-köpfigen Delegation aus seiner griechischen Geburtsstadt Ioannina zurückgekehrt. Dass ausgerechnet seine Geburtsstadt im Jahr 2022 zur offiziellen Partnerstadt von Schwerte wurde, ist kein Zufall und ist eine enorme kulturelle Bereicherung für unsere Stadtgesellschaft und ein lebendiges Symbol für europäische Freundschaft.
Bei einer heißen Tasse türkischem Tee und traditionellen Leckereien startete dann mein Tee-Gespräch mit unserem Bürgermeister.
Gleich am Anfang fiel uns sofort eine charmante Parallele auf: Die griechische und die türkische Küche sind sich erstaunlich ähnlich! Ob Baklava (griech. Baklavas, süßes Gebäck), Cay (Tsai, Tee),
Börek (Boureki, Blätterteiggebäck), Lokum (Loukoumi, würfelförmige Süßigkeit),
Karpuz (Karpuzi, Wassermelone), Pilav (Pilafi, Reis)
oder Sarma (Dolmadakia, gefüllte Weinblätter, Dolma ist im Türkischen wiederum die gefüllte Paprika): Diese kulinarischen Gemeinsamkeiten wurden für uns schnell zum Symbol für das Verbindende zwischen den verschiedenen Ländern und Kulturen.
Besonders schmunzeln mussten wir aber bei einer weiteren Gemeinsamkeit: der Art, wie türkische und griechische Familien früher in ihre Heimatländer gereist sind.
Herr Axourgos berichtete lächelnd davon, wie man damals mit vollgepacktem Auto und eng zusammengedrängt nach Griechenland gefahren sei, mitsamt Geschenken und Dingen, die es dort eigentlich ebenfalls gab. Und auf dem Rückweg wurde das Auto erneut bis oben hin vollgeladen, diesmal mit Dingen aus Griechenland, die es wiederum auch in Deutschland gab. Genau dieselben Erinnerungen kenne ich aus meiner eigenen Kindheit als Sohn türkischer Gastarbeiter. Auch wir reisten mit bis zum Rand mit Geschenken und Mitbringseln gefüllten Koffern in die Türkei und kamen genauso zurück. Diese kleinen Geschichten zeigen oft mehr Gemeinsamkeiten als viele politische Debatten. In dieser herzlichen Atmosphäre entstand ein persönliches und politisch tiefgehendes Gespräch mit unserem Bürgermeister.
𝗠𝗶𝘁 𝗳ü𝗻𝗳 𝗝𝗮𝗵𝗿𝗲𝗻 𝗻𝗮𝗰𝗵 𝗗𝗲𝘂𝘁𝘀𝗰𝗵𝗹𝗮𝗻𝗱: 𝗘𝗶𝗻 𝗪𝗲𝗴 𝗺𝗶𝘁 𝗸𝗹𝗲𝗶𝗻𝗲𝗻 𝗛𝗲𝗿𝗮𝘂𝘀𝗳𝗼𝗿𝗱𝗲𝗿𝘂𝗻𝗴𝗲𝗻
Herr Axourgos wurde 1983 im griechischen Ioannina geboren und kam im Alter von fünf Jahren nach Deutschland. Aufgewachsen ist er in einer Arbeiterfamilie in Iserlohn-Kalthof. Das Viertel war damals ein Schmelztiegel, in dem er ganz selbstverständlich mit Kindern verschiedenster Herkunftsländer groß wurde. Inmitten dieses Umfelds wurde ihm früh klar: Um wirklich dazuzugehören, muss man die deutsche Sprache perfekt beherrschen. Sie war und ist das entscheidende verbindende Element.
Seine Eltern arbeiteten im harten Drei-Schicht-Betrieb: die Mutter bei Kirchhoff in Sümmern, der Vater bei den Kettenwerken Thiele. „Wir haben uns zu Hause teilweise die Klinke in die Hand gedrückt“, erinnert sich Herr Axourgos. Weil die Eltern so viel arbeiteten, übernahm er schon früh Verantwortung und kümmerte sich oft um seinen jüngeren Bruder.
𝗗𝗲𝗿 𝗞𝗮𝗺𝗽𝗳 𝘂𝗺 𝗕𝗶𝗹𝗱𝘂𝗻𝗴𝘀- 𝘂𝗻𝗱 𝗖𝗵𝗮𝗻𝗰𝗲𝗻𝗴𝗲𝗿𝗲𝗰𝗵𝘁𝗶𝗴𝗸𝗲𝗶𝘁
Wie tief die Hürden im Bildungssystem teilweise verankert sind, zeigt sein schulischer Werdegang. Beim Übergang zur weiterführenden Schule stand Herr Axourgos auf einem soliden Zweier- bis Dreierschnitt. Seine eigene Einschätzung und die seiner Familie war damals klar: Er würde das Gymnasium schaffen. Doch die Grundschule sah das anders.
„Sie empfahl mich auf die Realschule mit der ausdrücklichen Begründung, dass meine Eltern mir aufgrund der fehlenden Sprache und der fehlenden Bildung zu Hause schlichtweg nicht helfen könnten“, schildert Herr Axourgos die damalige Empfehlung der Lehrerin. In der Erprobungsstufe bewies er jedoch sein wahres Potenzial und schaffte nach der 6. Klasse den seltenen Sprung aufs Gymnasium. Das habe ich selbst persönlich noch nie erlebt, dass das überhaupt möglich ist. Dafür gebührt Herrn Axourgos meine absolute Anerkennung!
Diese Geschichte erinnert mich aber auch an meine eigene Biografie. Bei meinem Schulwechsel hieß es seitens der Lehrerin, ich solle auf die Hauptschule gehen. Die merkwürdige Begründung damals: „Da sind viele deiner Landsleute, da wirst du dich wohler fühlen.“ In diesem Moment hat meine Mutter ausdrücklich ihren Wunsch geäußert, dass ich auf eine Realschule komme. Nur durch ihr Einschreiten wurde bewirkt, dass ich auf die Realschule geschickt wurde. Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat und für die ich ihr bis heute dankbar bin.
In diesem Kontext sprach der Bürgermeister auch über das Ehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci, die Gründer von BioNTech.
„Das hat vielen Menschen in ganz Deutschland schwarz auf weiß vor Augen geführt, dass aus klassischen Gastarbeiterfamilien auch hochgebildete Kinder hervorgehen können, die heute Spitzenforschung betreiben, Vorbilder für viele junge Menschen werden und der gesamten Gesellschaft einen unschätzbaren Dienst erweisen können“, betonte Herr Axourgos im Gespräch.
Als Bürgermeister mit Einwanderungsgeschichte und eigener Aufsteigergeschichte ist er selbst ein solches starkes Vorbild, das junge Menschen motiviert, groß zu denken.
Im Nachgang fällt mir eine interessante Parallele ein: Uğur Şahin hat in der Öffentlichkeit ebenfalls über seine eigenen Erlebnisse in der Schule gesprochen. Auch bei ihm verhinderte damals nur das couragierte Einschreiten eines deutschen Nachbarn, dass er auf die Hauptschule geschickt wurde, und ermöglichte ihm den Weg aufs Gymnasium.
Diese drei Beispiele zeigen ein strukturelles Problem: Kinder werden aufgrund ihres Migrationshintergrunds oder ihrer sozialen Herkunft oft systematisch unterschätzt. Fleiß und Wille können Barrieren brechen, aber Bildungschancen dürfen in einer gerechten Gesellschaft nicht vom Kampfgeist der Eltern oder vom puren Zufall abhängen.
𝗗𝗲𝗿 𝗪𝗲𝗴 𝗮𝗹𝘀 𝗘𝗿𝘀𝘁𝗮𝗸𝗮𝗱𝗲𝗺𝗶𝗸𝗲𝗿: 𝗩𝗼𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗨𝗻𝗶 𝗮𝗻𝘀 𝗦𝗰𝗵𝘄𝗲𝗿𝘁𝗲𝗿 𝗚𝘆𝗺𝗻𝗮𝘀𝗶𝘂𝗺
Nach dem Abitur wollte Herr Axourgos studieren. Für seine Eltern eine völlig fremde Welt, da für sie der sichere Weg über eine Ausbildung der Standard war. Als Erster in seiner Familie schlug er dennoch die akademische Laufbahn ein, wurde Lehrer und unterrichtete später am Friedrich-Bährens-Gymnasium hier in Schwerte.
𝗗𝗶𝗲 „𝟭𝟬 𝗣𝗿𝗼𝘇𝗲𝗻𝘁 𝗺𝗲𝗵𝗿“ – 𝗘𝗶𝗻 𝗴𝗲𝘀𝗮𝗺𝘁𝗴𝗲𝘀𝗲𝗹𝗹𝘀𝗰𝗵𝗮𝗳𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲𝘀 𝗣𝗿𝗼𝗯𝗹𝗲𝗺
Im Gespräch sprach der Bürgermeister auch über ein weit verbreitetes Bauchgefühl: „Viele Menschen mit Migrationshintergrund haben das Gefühl, man muss im Leben oft noch eine Schippe mehr drauflegen, man müsse 10 % mehr leisten als andere, um überhaupt die gleichen Chancen zu bekommen.“ Dieses Gefühl kennen tatsächlich sehr viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte, auch ich. Studien bestätigen regelmäßig, dass Menschen mit internationaler Geschichte bei gleicher Qualifikation auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt oftmals benachteiligt werden.
Dennoch stellen wir beide fest: Wir leben gerne in Deutschland, sehen die positiven Entwicklungen und möchten unseren Beitrag für eine starke und gerechte Gesellschaft weiterhin leisten. Deutschland ist ein lebens- und liebenswertes Land, für uns beide und für sehr viele andere Menschen auch.
𝗗𝗶𝗲 𝗽𝗼𝗹𝗶𝘁𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲 𝗟𝗮𝘂𝗳𝗯𝗮𝗵𝗻: 𝗪𝗶𝗲 𝗲𝗶𝗻 𝗭𝘂𝗳𝗮𝗹𝗹𝘀𝘁𝗿𝗲𝗳𝗳𝗲𝗻 𝗦𝗰𝗵𝘄𝗲𝗿𝘁𝗲𝘀 𝗭𝘂𝗸𝘂𝗻𝗳𝘁 𝗽𝗿ä𝗴𝘁𝗲
Seine politische Erfahrung erwarb Herr Axourgos unter anderem während seiner 14-jährigen Arbeit im Stadtrat von Iserlohn. 2017 ergab sich bei einem überregionalen SPD-Treffen im Siegerland ein Zufall: Aufgrund seiner erfolgreichen Arbeit wurde er von Schwerter Parteikollegen gefragt, ob er sich eine Bürgermeisterkandidatur in Schwerte vorstellen könne. Nach kurzer Bedenkzeit sagte er zu, auch weil bis zu den nächsten Bürgermeisterwahlen noch ausreichend Vorbereitungszeit bestand.
Da der damalige Bürgermeister Heinrich Böckelühr vorzeitig sein Amt niederlegte, beschleunigte sich der Prozess unerwartet. 2018 kandidierte Herr Axourgos für das Bürgermeisteramt und wurde bereits im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit gewählt.
𝗩𝗶𝗲𝗹𝗳ä𝗹𝘁𝗶𝗴𝗲 𝗚𝗲𝘀𝗲𝗹𝗹𝘀𝗰𝗵𝗮𝗳𝘁 - 𝘃𝗶𝗲𝗹𝗳ä𝗹𝘁𝗶𝗴𝗲 𝗣𝗼𝗹𝗶𝘁𝗶𝗸
Wir sprachen auch darüber, wie man die Beteiligung von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in der Politik erhöhen könnte. „Diese Menschen müssen ermutigt werden, auf Parteien zuzugehen, aber Parteien müssen diese Gruppe auch gezielt ansprechen und für sie sichtbarer werden“, führt Herr Axourgos aus.
Dass Sichtbarkeit etwas verändert, das kann auch ich bestätigen:
Als Herr Axourgos 2018 Bürgermeister wurde, war das für mich rückblickend vielleicht der Anstoß, selbst politisch aktiv zu werden. Bis dahin erschien es mir als Mensch mit Einwanderungsgeschichte schwierig, in der eigenen Stadt politisch aktiv zu werden.
2020 kandidierte ich zum ersten Mal überhaupt, wurde nachrückendes Mitglied im damaligen Integrationsrat. Nach den Kommunalwahlen 2025 darf ich heute als festes Mitglied und auch als Vorsitzender des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration (ACI) ein Stück weit Verantwortung für Schwerter Bürger und Bürgerinnen übernehmen, und das macht mich glücklich.
𝗗𝗲𝘂𝘁𝘀𝗰𝗵𝗹𝗮𝗻𝗱𝘀 𝗕𝗲𝘀𝗼𝗻𝗱𝗲𝗿𝗵𝗲𝗶𝘁: 𝗣𝗼𝗹𝗶𝘁𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲 𝗧𝗲𝗶𝗹𝗵𝗮𝗯𝗲 𝘃𝗼𝗻 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗺𝗶𝘁 𝗶𝗻𝘁𝗲𝗿𝗻𝗮𝘁𝗶𝗼𝗻𝗮𝗹𝗲𝗿 𝗚𝗲𝘀𝗰𝗵𝗶𝗰𝗵𝘁𝗲
Wir sprachen über die Entwicklung der politischen Teilhabe von Menschen mit internationaler Geschichte in Schwerte. Was einst als „Ausländerbeirat“ begann und später zum Integrationsrat wurde, ist heute als „Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration“ eine unverzichtbare Säule im Rathaus, die den Austausch zwischen den verschiedenen Gremien auf Augenhöhe fördert.
„Mir ist kein anderes Land bekannt, in dem Menschen mit internationaler Geschichte ein offizielles politisches Gremium bilden und kommunalpolitisch unmittelbar mitwirken können“, betonte der Bürgermeister.
Auch ich kenne kein weiteres Land, das Menschen ohne Staatsangehörigkeit des jeweiligen Landes vergleichbare Möglichkeiten politischer Teilhabe auf kommunaler Ebene eröffnet.
Für mich ist das ein starkes Zeichen dafür, dass unsere Gesellschaft Vielfalt nicht nur akzeptiert, sondern politische Mitwirkung ausdrücklich ermöglicht.
In diesem Zusammenhang sprach ich ein für mich besonders wichtiges Thema an: Anders als italienische oder griechische Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten aus EU-Mitgliedstaaten dürfen viele türkischstämmige Bürgerinnen und Bürger ohne EU-Staatsangehörigkeit weiterhin nicht an Kommunalwahlen teilnehmen, obwohl viele dieser Menschen seit über 50 Jahren hier leben.
Bisherige Bemühungen auf Landesebene, das Kommunalwahlrecht entsprechend zu erweitern, blieben bislang erfolglos.
Herr Axourgos erklärte hierzu: „Ich würde ein kommunales Wahlrecht für diese langjährig hier lebenden Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich befürworten, da sie ein fester Teil unserer Stadtgesellschaft sind. Gleichzeitig kann ich aber auch zum Teil die rechtlichen und gesellschaftlichen Bedenken nachvollziehen, die das Wahlrecht bislang an die EU-Staatsbürgerschaft knüpfen.“
𝗪𝗮𝘀 𝗛𝗲𝗿𝗿𝗻 𝗔𝘅𝗼𝘂𝗿𝗴𝗼𝘀 𝘀𝘁𝗼𝗹𝘇 𝗺𝗮𝗰𝗵𝘁 – 𝘂𝗻𝗱 𝘄𝗲𝗹𝗰𝗵𝗲 𝗪𝗶𝗱𝗲𝗿𝘀𝘁ä𝗻𝗱𝗲 𝗲𝘀 𝗴𝗮𝗯
Auf die Frage nach seinen größten politischen Erfolgen antwortete Herr Axourgos sofort: „Die Neubauten und Modernisierungen unserer Schulen“ Infrastrukturprojekte wie der erfolgreich abgeschlossene Neubau der Albert-Schweitzer-Schule, die Erweiterung der Gesamtschule am Gänsewinkel sowie die Modernisierungen am RTG und FBG machen Schwerte zukunftsfähig.
Besonders stolz ist er auf den beschlossenen und inzwischen gestarteten Neubau der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule. „Doch dieser Erfolg war hart umkämpft“, merkte ich an. An gleich zwei potenziellen Standorten in der Stadt hatten sich lautstarke Bürgerinitiativen gebildet, die den Bau in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft verhindern wollten. „Ich hätte niemals damit gerechnet, dass jemand gegen den Bau einer neuen Schule sein könnte“, sagte Herr Axourgos sichtlich verwundert.
Schließlich wurde beschlossen, die Schule am bisherigen Standort vollständig neu zu errichten. Das bedeutet allerdings auch: Das alte Gebäude wird schrittweise abgerissen, während direkt daneben bereits der Neubau entsteht.
Die Kehrseite der Entscheidung ist, dass diese logistische Herausforderung die Kosten erhöht und die Bauzeit verlängert. Zudem verlangt sie den Kindern und Jugendlichen einiges an Geduld ab.
Dennoch bleibt der Bürgermeister optimistisch:
„Die Schule kommt neu und darüber bin ich glücklich.“
𝗠𝗶𝘁 𝗛𝗲𝗿𝘇𝗯𝗹𝘂𝘁 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗞𝗼𝗺𝗺𝘂𝗻𝗲: 𝗗𝗲𝗿 𝗱𝗶𝗿𝗲𝗸𝘁𝗲 𝗞𝗼𝗻𝘁𝗮𝗸𝘁 𝘇𝘂 𝗱𝗲𝗻 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻
Wo sieht sich Herr Axourgos in 10 Jahren, eventuell im Landtag oder Bundestag?
Für viele politische Beobachter in Schwerte wäre ein solcher Schritt durchaus nachvollziehbar.
Obwohl Herr Axourgos in der Vergangenheit sicherlich gute Chancen gehabt hätte und nächstes Jahr auch die Landtagswahlen in NRW anstehen, Karriere auf Landes- oder Bundesebene zu machen, das kommt für ihn derzeit nicht in Frage. „Es sind die ehrlichen Begegnungen mit den Menschen direkt vor Ort, die mir ans Herz gewachsen sind “, erklärte er im Gespräch.
Das erinnert mich an mein Tee-Gespräch mit unserem ehemaligen und langjährigen Bürgermeister Heinrich Böckelühr.
Auf die Frage, was er am meisten vermisse, nannte dieser genau dasselbe: die direkte Begegnung mit den Menschen.
Es ist eine wunderbare, parteiübergreifende Wahrheit: Das Herzstück der kommunalen Arbeit sind die tiefen Einblicke in das Leben der Bürger – ob bei Silberhochzeiten, runden Geburtstagen oder lebendigen Stadtfesten.
𝗘𝗶𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗱𝗿𝗶𝗻𝗴𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲𝗿 𝗔𝗽𝗽𝗲𝗹𝗹: 𝗦𝗼𝗹𝗶𝗱𝗮𝗿𝗴𝗲𝗺𝗲𝗶𝗻𝘀𝗰𝗵𝗮𝗳𝘁 𝗶𝘀𝘁 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗘𝗶𝗻𝗯𝗮𝗵𝗻𝘀𝘁𝗿𝗮ß𝗲
Der Bürgermeister und ich waren uns einig: Die Solidargemeinschaft in Deutschland funktioniert nur als Prinzip von Geben und Nehmen. „Jeder Schutz und jede Hilfe, die nötig wird, muss und wird diese Gesellschaft selbstverständlich leisten“, so die Überzeugung von Herrn Axourgos. Im Gegenzug gibt es aber eine klare Erwartungshaltung an Menschen, die neu zu uns kommen: „Jeder ist ganz persönlich aufgefordert, aktiv mitzumachen, mitzugestalten und sich aufrecht in diese Gesellschaft einzubringen. Integration gelingt nur durch Initiative von beiden Seiten“, führt Herr Axourgos weiter aus.
Diesem eindringlichen Appell kann ich mich nur uneingeschränkt anschließen.
𝗘𝗶𝗻𝗲 𝗮𝘂𝗴𝗲𝗻𝘇𝘄𝗶𝗻𝗸𝗲𝗿𝗻𝗱𝗲 𝗙𝗿𝗮𝗴𝗲 𝘇𝘂𝗺 𝗦𝗰𝗵𝗹𝘂𝘀𝘀
Zum Ende stellte ich eine Frage, die mir mein Sohn mitgegeben hatte:
„Herr Bürgermeister, wird der Dönerpreis in Schwerte jemals wieder auf drei Euro sinken?“
Nach einem herzlichen Schmunzeln musste Herr Axourgos realistisch passen – die Inflation kann eben auch ein Bürgermeister nicht per Dekret stoppen!
Was bleibt, ist das Gefühl eines absolut offenen, respektvollen Treffens.
Zusammenhalt entsteht da, wo wir uns auf Augenhöhe begegnen, vielleicht einen Tee trinken und einander zuhören.
Vielen Dank, Herr Axourgos, für Ihre Zeit und den inspirierenden Austausch!
Bis zum nächsten Tee-Gespräch!
Ein Bericht von Ömer Kars, IPM Schwerte, 21.05.2026