11/06/2026
Sonne, Sommer, hohe Temperaturen – was für viele angenehm klingt, kann schnell zur gesundheitlichen Belastung werden. Auch in Norddeutschland treten Hitzetage immer häufiger auf. Doch was bedeutet das konkret für den Alltag und wie kann man sich schützen? Darüber haben wir mit Svenja Friedrich vom Gesundheitsamt Wismar gesprochen, die sich intensiv mit den gesundheitlichen Folgen von Hitze beschäftigt.
❓Hitze gehört zum Sommer dazu – aber wann wird sie eigentlich zum Gesundheitsrisiko?
✅Hitze wird zum Gesundheitsrisiko, wenn der Körper seine Temperatur nicht mehr ausreichend regulieren kann. Dafür gibt es jedoch keinen festen Grenzwert, die gesundheitliche Belastung hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen die Intensität der Hitze, ihre Dauer sowie individuelle Voraussetzungen wie das Alter oder Vorerkrankungen. Kann der Körper seine Temperatur nicht regulieren, kann es zu Beschwerden wie Hitzestress oder Hitzschlag kommen. Die Sterblichkeit steigt nach Angaben des RKI in diesen Phasen messbar an. Zusätzlich können Begleitfaktoren die Belastung verstärken. Starke UV-Strahlung erhöht das Risiko für Haut- und Augenschäden, Luftverschmutzungen können die Atemwege reizen und auch Allergene wie Pollen können bei Hitze stärker wirken.
❓Ab wann wird Hitze aus Ihrer Sicht wirklich gefährlich, und wie sollten sich Bürgerinnen und Bürger dann verhalten?
✅Gefährlich wird es vor allem dann, wenn hohe Temperaturen über mehrere Tage anhalten, auch nachts nicht deutlich sinken und der Körper dadurch dauerhaft belastet ist. Für die Bevölkerung bedeutet das, das eigene Verhalten anzupassen. Hilfreich sind beispielsweise Maßnahmen wie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, das Vermeiden körperlicher Anstrengung in der Mittagsh*tze, das Verlegen von Aktivitäten in die kühleren Morgen- und Abendstunden sowie das Kühlen von Innenräumen und der Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung.
Dabei gilt jedoch: Diese Empfehlungen müssen individuell angepasst werden. So kann zum Beispiel die empfohlene Trinkmenge bei bestimmten Vorerkrankungen nicht beliebig gesteigert werden. Personen mit Vorerkrankungen sollten diesbezüglich mit ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin sprechen. Zusätzlich ist es wichtig, Warnzeichen für hitzebedingte Erkrankungen sowohl bei sich selbst als auch bei Personen im sozialen Umfeld wahrzunehmen, um bei Bedarf frühzeitig Unterstützung und Hilfe leisten zu können.
❓Also steigen die gesundheitlichen Risiken vor allem bei anhaltender Hitze. Woran merke ich denn konkret, dass Hitze meinem Körper nicht mehr guttut?
✅Typische Anzeichen für gesundheitliche Belastungen sind unter anderem Schwindel, Kopfschmerzen, starke Müdigkeit, Übelkeit oder Kreislaufprobleme. Auch Konzentrationsschwierigkeiten, ungewöhnliche Unruhe oder Verwirrtheit können Hinweise auf eine Hitzebelastung sein. Besonders ernst zu nehmen sind Symptome wie trockene, heiße Haut, ein sehr schneller Puls oder Bewusstseinsstörungen – diese können auf Hitzeerkrankungen wie einen Hitzschlag hinweisen und erfordern umgehend medizinische Hilfe.
❓Wen trifft Hitze besonders stark – und woran liegt das?
✅Risikogruppen sind beispielsweise Senioren, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder sowie chronisch erkrankte Personen. Grund dafür ist eine eingeschränkte Thermoregulation. Bei älteren Menschen ist die Fähigkeit der Wärmeabgabe sowie das Durstempfinden häufig reduziert. Kinder hingegen haben eine noch nicht vollständig entwickelte Temperaturregulation. Bei chronisch erkrankten Personen, z. B. mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ist der Organismus bereits vorbelastet, zudem können bestimmte Medikamente den Flüssigkeitshaushalt oder die Kreislaufreaktion beeinflussen. Schwangere sind durch die physiologischen Veränderungen ihres Körpers besonders hitzeempfindlich.
Auch soziale Faktoren spielen eine Rolle. Menschen, die alleine leben oder sozial isoliert sind, sind ebenfalls stärker gefährdet, da Warnzeichen oft später erkannt werden und Unterstützung fehlt. Auch pflegebedürftige Personen können einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein, insbesondere wenn sie in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder nicht ausreichend betreut werden. Darüber hinaus sind auch Personen gefährdet, welche im Freien arbeiten oder keinen festen Wohnsitz haben und der Hitze dadurch häufiger ausgesetzt sind.
❓Beim Thema Hitze hört man oft: viel trinken. Was heißt das konkret – und welche Fehler werden häufig gemacht?
✅„Viel trinken“ bedeutet, regelmäßig und über den Tag verteilt Flüssigkeit zu sich zu nehmen und nicht erst bei starkem Durst zu reagieren. Der Bedarf steigt bei Hitze an, lässt sich jedoch nicht pauschal beziffern, da er von Faktoren wie Körpergewicht, Aktivität und Gesundheitszustand abhängt. Geeignet sind Wasser, Kräuter- und Früchtetees ohne Zucker sowie Saftschorlen. Diese sollten bestenfalls lauwarm oder leicht gekühlt, nicht jedoch eiskalt zu sich genommen werden. Stark zuckerhaltige sowie alkoholische Getränke sollten bei Hitze vermieden werden. Hilfreich ist es außerdem, wasserreiche Lebensmittel wie Obst und Gemüse zu sich zu nehmen, da sie zusätzlich zur Flüssigkeitsversorgung beitragen können.
❓Sie sagen, die Räume sollten möglichst kühl gehalten werden. Wie kann man Wohnräume auch ohne aufwendige Technik möglichst kühl halten?
✅Wichtig ist, früh morgens oder nachts zu lüften und tagsüber Fenster und Vorhänge geschlossen zu halten. Rollläden oder Jalousien helfen zusätzlich, die Hitze draußen zu halten. Elektrische Geräte sollten möglichst reduziert genutzt werden, da sie zusätzliche Wärme erzeugen.
❓Sie haben das Projekt „Cool bleiben!“ gestartet – was steckt dahinter?
✅Das Projekt hat das Ziel, den Menschen im Landkreis Nordwestmecklenburg an heißen Tagen einen einfachen Zugang zu Abkühlungsmöglichkeiten zu bieten. Dafür machen wir bestehende Angebote wie öffentliche Trinkwasserbrunnen oder schattige Plätze sichtbar, schaffen in Kooperation mit lokalen Einrichtungen, Städten und Gemeinden jedoch auch neue Angebote für Trinkwasser und kühle Räumlichkeiten. Zu finden sind die Orte auf unserer Online-Karte und anhand von Aufklebern vor Ort, welche die teilnehmenden Einrichtungen kennzeichnen.
Mit dem Projekt möchten wir einen Beitrag zum kommunalen Hitzeschutz leisten und die Bevölkerung dabei unterstützen, gut und sicher durch die heißen Tage zu kommen. Das Projekt ist außerdem langfristig angelegt, da anzunehmen ist, dass die Anzahl der heißen Tage in Zukunft weiter zunehmen wird.