01/04/2026
„Früher war mehr Lametta“
Eine gelungene Hommage an den unvergesslichen Loriot (Vicco von Bülow)
Bereits bei der Begrüßung durch Renate Blenk von der Kulturbühne Alte Kirche Schonungen erfuhr man ein paar Einzelheiten über das Leben von Loriot. Genau am 8. März 1976 lief nämlich die 1. Loriot-Sendung im Fernsehen, seine langjährige Sketchpartnerin war Evelyn Hamann, die leider mit 65 Jahren starb (Vicco von Bülow wurde 87 Jahre alt) und dass er nach deren Tod in einer TV-Sendung bei Beckmann über sie sagte: „Liebe Evelyn, dein Timing war immer perfekt. Nur heute hast du die Reihenfolge nicht eingehalten. Na warte!“
Nachdem 2 Tage vorher in Werneck die gleiche Veranstaltung lief, war man seitens der Besucherzahl etwas enttäuscht, was jedoch ganz bestimmt nicht an den Schauspielern Sylvia Ferstl und Christoph Ackermann lag, denn sie gaben wirklich ihr „Allerbestes“, sondern an der entstandenen Terminüberschneidung des Fränkischen Theatersommers.
Das Publikum erlebte eine Vorstellung erster Sahne voller Witz, Nostalgie und Bewunderung für den Meister des feinen Humors, der einer der bekanntesten deutschen Kabarettisten war.
Sehr einfühlsam ließen die Schauspieler das Leben Vicco von Bülows R***e passieren, von der Geburt 1923 bis zu seinem Tod 2011. Durch Auszüge aus seinen Briefen, Cartoons und Rückblenden aus der „Tagesschau“ (das Bühnenbild war unbeschreiblich vielseitig) entstand ein vielschichtiges Bild des Künstlers. Man erfuhr, dass er sich 2006 aus der Öffentlichkeit zurückzog, da er mit den ständig wachsenden Neuerungen in den Medien nicht mehr so gut zurechtkam.
Mit großem Gespür spielten sie Alltagssituationen, in denen das Missverständnis zur Kunstform wird, sorgten für begeistertes Lachen beim – vorwiegend älteren – Publikum.
Durch mehrmaliges Wiederholen eines bestimmten „Interviewsatzes“ kam zum Schluss heraus, dass Loriots Tochter demnächst zusammen mit dem Papst in Wuppertal eine Boutique eröffnen wolle usw. Es wurde nicht nur an Loriots feinen, oft gesellschaftskritischen Humor erinnert, sondern auch an die Nachkriegszeit, in der seine satirischen Beobachtungen die Deutschen zum Nachdenken über ihre bürgerlichen Gewohnheiten anregen sollten. Seine typischen Knollennasenfiguren oder die Serie „Auf den Hund gekommen“ von 1953 waren allerdings zunächst durchaus umstritten. Man erfuhr etwas über gesellschaftliche Debatten bzgl. Gleichberechtigung in den 1970ern oder um Atomkraftwerke in den 1980ern.
Mancher Besucher trällerte dann vergnügt den Ohrwurm „Ich wünsch mir `ne kleine Miezekatze“ mit, erinnerte das Lied doch an die legendäre Fernsehsendung „3 mal 9“ von Wim Thoelke mit den „Hauptdarstellern“ Hund Wum und Elefant Wendelin.
Mit langanhaltendem Applaus wurden die Darsteller für diese unvergessliche Vorstellung vom Publikum „belohnt“ und auch 2. Bürgermeister Jürgen Geist versprach, dass Sylvia Ferstl und Christoph Ackermann nun zwar bereits zum 3. Mal in Schonungen waren, jedoch ganz bestimmt nicht zum letzten Mal.
Renate Blenk verwies dann noch auf die nächste Veranstaltung der Kulturbühne in der Alten Kirche Schonungen, die am 17. Mai 2026, 17 Uhr, stattfindet. Ein mittlerweile erblindeter Tenor aus Mainz (er war bereits 2015 hier und hat seine Wurzeln in Pfändhausen und Abersfeld) präsentiert mit Begleitung am Flügel „Die vergessenen Unvergesslichen“.
Bericht: Renate Blenk
Fotos: Edi Münch und Bettina Geist