31/05/2026
BUSEXKURSION AUF DEN SPUREN DES BAUERNKRIEGS 1525
Im elsässischen Saverne (früher: Zabern) kam es im Mai 1525 zur bis dahin größten Schlacht im Deutschen Bauernkrieg. Fast genau 501 Jahre später machte sich in Kooperation mit den Naturfreunde-Saarland ein Bus auf den Weg zu den Stätten dieses bedeutenden Ereignisses in der Deutschen Geschichte.
1525: Nur wenige Jahre nachdem mit Martin Luther die Reformation begann und die unterdrückten Schichten sahen, dass ihre Lebensbedingungen doch nicht „gottgewollt“ sein konnten, kam es zu einem Flächenbrand, bei der Kirche und Adel um ihre angestammten Privilegien bangten.
Immer häufiger lehnten sich Bauern gegen die traditionelle Gesellschaftsordnung auf. Vor allem in den deutschsprachigen Gegenden Thüringen, Schwaben, Tirol, Franken oder dem gesamten Elsass probten sie 1525 mit dem Mut der Verzweiflung einen Aufstand gegen Unterdrückung und Ausbeutung.
Dank Buchdruck und Mundpropaganda verbreiteten sich die Informationen rasend schnell, nämlich immer dort, wo die Lebens- und Arbeitsbedingungen ebenso schlecht waren. Die Kritik an Adel und Kirche machte auch auf viele Menschen in der heutigen Gegend von Saar und Blies Eindruck. Doch diesmal blieb es nicht beim Lamentieren, stattdessen brachen Bauern mit Sensen und Äxte auf und organisierten sich in so genannten Bauernhaufen, um sich dem großen Bauernheer anzuschließen, das bei Saverne auf Verstärkung wartete. Der pure Anblick und die Entschlossenheit der Landleute sollten Feudalherren wie Klerus zum Einlenken bewegen. Diese gingen zunächst auf die Forderungen der Bauernvertreter ein und sicherten zu, die arme Bevölkerung zu entlasten und auch in Religionsfragen Zugeständnisse zu machen.
Doch nachdem das Bauernheer seine Waffen niedergelegt hat, kam es zum brutalsten Gewaltausbruch des Bauernkriegs: Angeführt von Herzog Anton von Lothringen, metzelten Landsknechte etwa 16 bis 18 Tausend Bauern nieder. Das Massaker verdeutlicht das Ausmaß exzessiver Gewalt, das den Deutschen Bauernkrieg von 1525 deutlich von anderen kriegerischen Konflikten der Frühen Neuzeit abhebt.
Nach über 300 Jahre kommt Friedrich Engels bei seiner Betrachtung des Deutschen Bauernkriegs zu der Einschätzung „Die Revolution ist die Lokomotive der Geschichte“ und betont die historische Bedeutung des Bauernkriegs als einen Vorläufer der bürgerlichen Revolutionen und Beweis für das revolutionäre Potenzial der Bauern.
Und die Bauern aus der Gegend von Saar und Blies? Gerüchte besagen, dass sie recht spät auf Zabern gezogen sind. Die Gründe waren vielfältig wie praktischer Art. In Herbitzheim (bei Sarreguemines) besetzte man zunächst ein Kloster, von dem heute nicht einmal mehr die Grundmauern existieren. Von dort ging es ins Graufthal, wo sie die dortige Benedektinerabtei stürmten und als verhasstes Symbol der Unterdrückung plünderten. Einige Historiker vermuten, dass sich dadurch der Vormarsch auf Saverne – tatsächlich sammelten sich die Bauernheere bei Marmoutier – entscheidend verzögerte. Einen Einfluss auf den Ablauf hatte dies nicht. Zu gewaltig war die Übermacht der in „Kriegshandwerk“ geübten Landsknechte.
Die Busgruppe machte daher zunächst Station im Graufthal und ließ sich von Vertreter*innen der lokalen Archäologen-Initiative den Stand der Ausgrabungen auf dem ehemaligen Klostergelände erklären, wo erst ein Bruchteil des Areals in den letzten zehn Jahren erforscht werden konnte.
Weiter ging es nach Marmoutier mit seiner die dörfliche Silhouette beherrschenden romanisch-gotische Klosterkirche. Nach einem stärkenden Mittagessen, besuchte die Gruppe in Lupstein das Gebeinhaus, mit Überresten der vor 500 Jahren Gefallenen. In dieser Form ein einmaliges und ergreifendes Zeugnis der damaligen Ereignisse.
Anschließend führte Herr David Peter von der Gesellschaft für Geschichte und Archäologie von Saverne und Umgebung (Société d'histoire et d'archéologie de Saverne et environs) die Teilnehmer*innen "Auf den Spuren des Bauernkriegs 1525". Die im 16. Jahrhundert bedeutende Stadt an der „Zaberner Steige“, einem wichtigen Verbindungsweg in Richtung Metz/Paris öffnete vielen Bauern die Tore, was jedoch am Verlauf der Handlungen nichts mehr änderte.
So grausam und so tiefgreifend die Niederlage der Bauerbewegung, spätestens bei der französischen Revolution rund 250 Jahre später haben die Bauern ihre Naivität abgelegt und konnten durch ihre Geschlossenheit den Feudalismus abschütteln und einen tiefgreifenden persönlichen und gesellschaftlichen Wandel herbeiführen.