05/09/2026
Mensch mit Tier – das rat ich Dir
…so oder ähnlich empfinden das mindestens die 94 Zweibeiner, die für drei tierisch tolle Tage den Hund in den Mittelpunkt eines lebendigen Miteinanders stellen.
Die 94 wird seziert: 46 Teilnehmer haben sich angemeldet, um mit ihren Tieren von Freitag bis Sonntag bei der SV-Bundessiegerprüfung für Spezialhunde dabei zu sein. 48 Helfer sind seit Monaten im Einsatz, um diese Veranstaltung vorzubereiten, zu organisieren und während der Wettkampftage professionell zu betreuen.
Gerald Claus (67), Rochlitzer, der Leiter der Veranstaltung, weiß: „Dass die Anzahl Helfer die der Teilnehmer übersteigt, beweist, wie viel den Menschen an so einem Treffen liegt. Es ist aber auch jede Menge Arbeit, die anfällt, um allen Anforderungen gerecht zu werden.“
Am Freitag ereilte die Organisatoren eine äußerst unangenehme Botschaft. Claus erklärt: „Wir mussten die Prüfungen zur Wasserrettung absagen, die im Bieserner See abgehalten werden sollten. Es hatten sich dort Blaualgen gebildet, die wir aus gesundheitlichen Gründen für Tier und Mensch nicht ignorieren konnten.“
Ein Berg von Arbeit, der bewältigt worden war, stürzte ein, um sich als Lawine der Enttäuschung Abgang zu verschaffen. Die Rettungsboote waren terminiert, die Wasserwirtschaft und die Angelvereine waren informiert – der Aufwand blieb ohne Erlebnislohn, weil sich die Cyanobakterien im Bieserner Wasser ausgebreitet hatten.
Eine Ausweichvariante gab es leider nicht. Im Stadtbad wäre ein tierisches Eintauchen unmöglich, solange der offizielle Badbetrieb noch läuft (bis 13. September). Und auch eine Wasserrettung in der Mulde konnte keine Möglichkeit darstellen. Claus: „Weil wir in fließenden Gewässern prinzipiell nicht mit den Tieren arbeiten dürfen.“
Claus ist nicht nur Leiter der Prüfungstage, er ist auch Teilnehmer und Züchter. Er verrät: „Ich konnte das damals bei meinen Eltern durchsetzen, ich hatte erstmals mit 13 Jahren Kontakt zum Hundesport. Mein erster Schäferhund hieß Aldo vom Haus Birkenhof.“ In Rochlitz ist Claus mit der sechsjährigen Grimhild vom Hochzeitspalast am Start. Die Schäferhündin wird mit weiteren acht Vierbeinern in der Klasse SGP 2 B – steht für Spezialgebrauchshundeprüfung für Spürhunde – bewertet. Claus kennt einen Faktor für Erfolg: "Mensch und Tier müssen für die gemeinsame Arbeit in Harmonie und Freude verbunden sein."
Es gibt zig Sprichworte, in denen auch der Hund bellt. Eines wird leider immer wieder falsch verwendet. Man hört, man liest, es sei jemand „auf den Hund gekommen“, wenn sich ein Mensch für einen Hund entschieden hat. Das Sprichwort meint etwas anderes. Aufklärung hier und jetzt, Claus: „Es wird damit ausgedrückt, dass jemand sehr arm geworden ist. Früher gab es auf dem Grund von Geldkassetten und Truhen oft Motive von Hunden. Konnte man die sehen, war Kassette oder Truhe leer, das Vermögen aufgebraucht.“
Claus züchtet seit den 80er Jahren. Er führt akribisch Buch und erklärt: „Ich bin aktuell im dritten Alphabet unterwegs.“ Das bedeutet, dass aus Claus Züchtung bisher über zweimal 26, ergo mehr als 52 Würfe hervorgegangen sind. Jeder Wurf wird mit einem Buchstaben aus dem Alphabet versehen, mit dem die Hunde dann den Anfangsbuchstaben ihres Vornamens erhalten. Klingt fachtierisch, ist auch wissenschaftlich angelegt und wird von Züchtern sehr ernst genommen.
Überhaupt, die Namensgebung ist für Besucher garantiert von Interesse, welches sie dann vor Ort auch als anerkennendes Amüsement empfinden dürfen: Auf dem Gelände in Rochlitz (Sörnziger Weg) sind am Wochenende Vierbeiner mit klangvollen Namen zu bestaunen, u.a. sind dabei: Amalfi von den Schussengeistern, Lou aus der Wallapampa, Asgard de L´arcane des Loups, Xenophilius vom Räuberberg, Wuran von der Teufelskehle, D´Ava von Ferun´s Signature, Grace von den Hexenjägern.
Die Hunde, die in Rochlitz geführt werden, sind als Spezialisten gekommen. Es werden Prüfungen im Trümmerfeld abgelegt. Es gibt Wertungen bei der Flächen- und Fährtenarbeit. Christine Meischl (63), Schrift- und Presswart in der Landesgruppe Sachsen des Vereins für Deutsche Schäferhunde, beschreibt einen wichtigen Teil der Organisation: „Für die Prüfungen benötigen wir die Einwilligung von Besitzern, dass wir auf deren Feldern und in deren Wäldern arbeiten dürfen.“ Aus Tierliebe und Toleranz hat sich bei den meisten, die angefragt werden, die Kombination als Zustimmung ergeben.
Meischl hat seit ihrem 18. Lebensjahr Hunde, sie kann und will auf so ein Miteinander nicht mehr verzichten. Sie schaut zurück: „Ich war als Kind lange Zeit auf einem Altenburger Hundeausbildungsplatz neugieriger Gast. Als andere in die Disco gegangen sind, hatte ich Hunde im Kopf. Mit 18 Jahren haben es meine Eltern dann endlich erlaubt. Ohne Hund, das gibt es bei mir nicht mehr!“
Es war im vergangenen Jahr in Celle, als sich die Rochlitzer entschieden, so eine Veranstaltung auch einmal als Gastgeber haben zu wollen. Meischl: „Gerald Claus und ich, wir haben uns kurz angesehen. Dann haben wir gesagt, dass wir das auch können. Und wir wollten es auch. Der Landesverband des Vereins musste noch zustimmen, dann liefen die Arbeiten an, an deren Ende wir nun diese wunderschöne Veranstaltung ausrichten dürfen.“
„Aus Respekt zum Hund“ lautet das Motto der Veranstaltung, aus Respekt zu jedem Helfer und Unterstützer heißt der Dank, den Meischl und Claus sehr herzlich an alle richten, die diese drei tollen tierischen Tage ermöglicht haben und noch bis Sonntag ermöglichen werden.
Am Sonnabend und Sonntag beginnen die Wettkämpfe 8 Uhr, die Siegerehrungen am Sonntag sind ab 16 Uhr geplant. Meischl formuliert Hoffnung und Wunsch zugleich: „Wir wollen unsere Prüfungen mit den wunderbaren Tieren und ihren engagierten Besitzern, Hundeführerin und Züchtern sehr gern vor einer Vielzahl von Besuchern ablegen. Es lohnt sich und alle beteiligten Zwei- und Vierbeiner haben jeden neugierigen Blick verdient.“
Text und Foto: Lars Preußer
Bildunterschriften: Gerald Claus mit seiner Grimhild - was das wohl jetzt werden soll? Ein Foto - Blick in die Kamera bitte, danke! Claus an seinem Hundeanhänger, das Telefon immer in der Hand. Auf dem Gelände beobachten Teilnehmer die Prüfungen. Als sogenannte Bringeelemente wurden ein Schuh, eine Bürste, ein Gliedermessstab, ein Schreibetui und eine gebundene Wäscheleine ausgewählt. Christine Meischl arbeitet im Org-Büro. Hundeführerin Fernanda Rothe zeigt mit der Schäferhündin D´Ava von Ferun´s Signature die Arbeit am Element Treppe, mal mit Leine, mal ohne. Die Hündin absolviert die Vorführung mit Bravour. Wichtig für die Hunde: Pausenzeiten zur Erholung, Leyla, eine aus der Rasse Australien Shepherd x Sibirien Husky Mix, genießt hier solche Minuten!
Melden Sie sich für weitere offizielle Informationen hier an https://rochlitz.munipolis.de/registrierung