19/06/2026
In der Kapelle von Schloss Rheda hängt ein Gemälde, das auf den ersten Blick wie eine Huldigung der Tempelherren wirkt: ein Ritter im weißen Mantel mit rotem Kreuz, daneben eine lange Inschrift in Latein und Deutsch. Wer den Text genauer liest, stößt jedoch auf einen anderen Ton. Die Tempelherren erscheinen nicht als Helden, sondern als Beispiel. Gegründet zum Schutz der Pilger in Jerusalem, endet ihre Geschichte mit Verhaftung, Verurteilung und Untergang.
Im Bibliotheksturm befindet sich eine zweite Darstellung. Wieder erscheint der Ritter mit weißem Mantel und rotem Kreuz, diesmal in voller Rüstung und mit gesenktem Schwert. Beide Bilder dürften unter Graf Moritz entstanden sein, in einer Zeit, die noch von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges geprägt war.
Bemerkenswert ist die Verbindung zu Rheda selbst. Die Inschrift behauptet, die Tempelherren hätten hier einen quadratischen Turm aus Quadersteinen errichtet. Gemeint sein könnte jener Turm, der auf dem Merian-Stich von 1647 erscheint und später als Tempelherrenturm bezeichnet wurde. Zur Entstehungszeit der Gemälde war dieser Turm jedoch bereits Vergangenheit oder zumindest nur noch Erinnerung.
Die Bilder bewahren deshalb weniger das Andenken eines Ritterordens als eine Deutung der Geschichte. Die Botschaft richtet sich kaum an einen Orden, der seit Jahrhunderten nicht mehr existierte. Sie richtet sich vielmehr an die Zeit des Grafen Moritz und an eine Generation, die Krieg, Konfessionskonflikte und Verwüstung erlebt hatte.
In the chapel of Schloss Rheda hangs a painting that at first glance appears to honour the Knights Templar: a knight in a white mantle bearing a red cross, accompanied by a long inscription in Latin and German. A closer reading reveals a different message. The Templars do not appear as heroes but as an example. Founded to protect pilgrims in Jerusalem, their story ends with arrest, condemnation and destruction.