04/09/2026
https://www.zdf.de/play/magazine/phoenix-collection-phoenix-1080805-1610/phoenix-krise-bei-vw-ministerpraesident-olaf-lies-zur-abstimmung-des-aufsichtsrats-100
Die aktuellen Entwicklungen bei Volkswagen betreffen unsere gesamte Region. Unser Vorsitzender Jörg Jäkle, selbst geschäftsführender Gesellschafter eines regionalen Unternehmens mit rund 30 Beschäftigten, ordnet die Situation ein:
„Ja, das ist noch nicht der große Wurf. Aber es ist ebenso wenig der Untergang des Abendlandes. Vor allem ist es eine Chance – und die müssen wir jetzt gemeinsam nutzen.
Wir müssen der Realität ins Auge sehen: Die chinesischen Hersteller entwickeln schnell und haben derzeit einen guten Lauf. Wir hatten viele erfolgreiche Jahre und dabei Strukturen und einen Verwaltungsapparat aufgebaut, die uns heute teilweise lähmen. Entscheidungen dauern zu lange, Einsparmöglichkeiten werden nur schleppend umgesetzt.
Volkswagen muss deshalb schlanker, schneller und entschlossener werden und lieb gewonnene Strukturen ehrlich hinterfragen. Der angekündigte Stellenabbau ist für viele Beschäftigte und ihre Familien ein schwerer Schlag. Der demografische Wandel kann jedoch helfen, einen Teil davon sozialverträglich zu gestalten – etwa durch Altersteilzeit und natürliche Fluktuation.
Entscheidend ist ein klares Ziel: Die deutschen Werke dürfen nicht aufgegeben werden. Sie müssen wettbewerbsfähig aufgestellt und mit Fahrzeugmodellen ausgelastet werden. Gerade Zwickau hat bewiesen, dass es effizient arbeiten und große Veränderungen bewältigen kann. Der Standort braucht deshalb eine echte Zukunftsperspektive.
Die Unsicherheit trifft nicht nur Volkswagen, sondern auch Zulieferer, Dienstleister und zahlreiche mittelständische Betriebe mit ihren Beschäftigten und Familien.
Jetzt braucht es Motivation, Mut und schnellere Entscheidungen. Vorstand, Beschäftigte, Politik und unsere gesamte Region müssen gemeinsam handeln. Wenn die Automobilproduktion in Zwickau erhalten und neue Modelle ins Werk geholt werden, gibt es eine reale Chance.
Wir dürfen die Lage weder schönreden noch unseren Standort vorschnell abschreiben. Jetzt heißt es: Ärmel hochkrempeln und gemeinsam Gas geben.“
Pressestatement von Olaf Lies (SPD, Ministerpräsident Niedersachsen, Mitglied von Präsidium und Aufsichtsrat der Volkswagen AG) zur VW-Krise in phoenix vor ort am 04.09.2026 um 12:00 Uhr