26/06/2025
CDU zwingt OB Burghardt (CDU) zur Haushaltskonsolidierung
Gestern brachte Oberbürgermeister Burghardt den Entwurf seines Haushaltsplans 2025 ins Stadtparlament ein. Ein Haushaltsplan sollte eigentlich genehmigungsfähig sein. Mit einem Defizit von 85,4 Mio ist er allerdings weit davon entfernt. Es muss zusätzlich ein Haushalts-Sicherungskonzept her, das merkliche Belastungen der Bürger mit sich bringen wird. Auch ein detaillierter Investitionsplan für die nächsten Jahre wäre erforderlich. Gerade wenn die Investitionen in Schulen, Straßen und weitere Infrastruktur zusammengestrichen werden, muss man sorgfältig planen und abwägen, was überhaupt noch gebaut wird. Während der Haushaltsberatungen bis Ende September sollen nun noch Konsolidierungsvorschläge, der detaillierte Investitionsplan und das HH-Sicherungskonzept nachgereicht werden.
Durch das allmähliche Eintröpfeln schlechter Haushaltsnachrichten bringt OB Burghardt seine eigene Partei in größte Schwierigkeiten. Anstatt harte Einschnitte und neue Steuerbelastungen am Anfang seiner Amtszeit (Januar 2024) anzukündigen und zu erläutern, verschleppt er diese Aufgabe bis September 2025. Dann sind es noch 6 Monate bis zur Kommunalwahl. Folgt die CDU dieser Strategie, wird sie bei den Wahlen dezimiert. Geht sie auf Opposition zu ihm, wird dies ihre bürgerliche Wählerklientel genauso erschüttern.
Sicherlich deshalb hat die CDU-Fraktion gestern plötzlich ein eigenes Konsolidierungskonzept eingebracht, das eine Mehrheit im Parlament unverändert angenommen hat. In diesem Konzept steckt so viel Arbeit, dass eine angemessene Würdigung sicherlich einen extra Blogbeitrag erfordert. Ich will hier nur die spektakulärste Entscheidung herausgreifen: Das Stadttheater soll „vorerst“ nicht umfassend saniert werden. Würde dies tatsächlich umgesetzt, liefe dies meines Erachtens auf das Ende des Stadttheaters im jetzigen Gebäude hinaus. Ich halte es durchaus für problematisch, solche weitreichenden Entscheidungen zu treffen ohne vorherige Beratung mit den Betroffenen und mit der Stadtgesellschaft. Die Beratung über die Grundlinien der Politik hätte unmittelbar mit dem Amtsantritt des Oberbürgermeisters beginnen müssen.
Die Annahme ihres Konzepts wird die CDU wohl dazu beflügeln, jetzt noch die „Vervollkommnung“ durch die rückwirkende Grundsteuererhöhung anzustreben. Damit würde sie demonstrieren, dass sie ab jetzt wieder den Schulterschluss mit ihrem OB übt. Von solchen parteitaktischen Überlegungen halte ich allerdings gar nichts. Richtig wäre, jetzt zu warten bis die Konsolidierungsvorschläge im Zahlenwerk des Haushalts stehen. Dann kann man sehen, ob die Belastungen gerecht verteilt sind und ob eine Perspektive erkennbar ist, wie die Stadt in einigen Jahren wieder nachhaltig von ihren Schulden herunterkommen kann. Abstimmung also erst, wenn ein nachhaltiges Gesamtkonzept auf dem Tisch liegt.
Allerdings bröselt aktuell auch bei der SPD der Wille, eine vorauseilende Grundsteuererhöhung abzulehnen. War die SPD bisher treibende Kraft, zuerst ein Gesamtkonzept sehen zu wollen, hat sie jetzt wieder „Beratungsbedarf“. Sie hat durchgesetzt, dass sich die Stadtverordneten am nächsten Montag (30. Juni) nur zum Thema Grundsteuer nochmals treffen, damit die SPD bis dahin
weiter tagen kann. Was dabei herauskommt, kann man sich vorstellen, denn die SPD berät mit OB Burghardt, dem wesentlichen Protagonisten der vorauseilenden Grundsteuererhöhung.
Sollte die Grundsteuer noch am 30 Juni erhöht werden, so gilt sie rückwirkend ab 1. Januar. Ich meine, eine rückwirkende Steuererhöhung müsste verhindert werden und der Druck auf den OB und Kämmerer müsste aufrecht erhalten werden, einen nachhaltig konsolidierten Etat vorzulegen.