30/03/2026
Von lechts und rinks und von von Lucke
Lichtung
manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein llltum
(Ernst Jandl, 1966)
Interview im Main-Spitzen-Echo (Ableger der Mainzer Allgemeinen) vom 28.3.2026 mit Albrecht von Lucke (siehe Bild):
Frage (Interviewer Christopher Hechler, vrm): sollte die SPD eher nach links oder stärker in Richtung Mitte?
Nach rechts kommt als Möglichkeit für die SPD nicht vor – oder?
Bei der Asylrechtsverschärfung auf europäischer (GEAS [1]) und deutscher Ebene [2] :
SPD trottet CDU/CSU und AfD hinterher
Bürgergeldhetze: SPD trottet CDU/CSU und AfD hinterher [3]
Rentenkürzungen: SPD trottet CDU/CSU und FDP hinterher [4]
Klimapolitik: SPD trottet CDU/CSU und AfD hinterher [5]
Kriegstüchtigmachung: SPD marschiert CDU/CSU und AfD vorneweg
Von Albrecht von Lucke kein Wort zum verbalen Wegfall der Rechten und rechter Politik. Stattdessen konstruiert er eine Zerrissenheit der gequälten SPD zwischen „Juso-Sehnsucht“ nach Umverteilung und der Abwanderung zur AfD. Es gab und könnte weitergeben also nach dieser Darstellung eine Abwanderung zur AfD wegen zuviel Umverteilung von den Reichen zu den nicht so reichen Menschen? Ein paar Sätze weiter allerdings der Rat an Lars Klingbeil und Bärbel Bas mittlere und niedrige Einkommen zu entlasten – Logik, Konsistenz der Argumente?
Zur Rente meint er, dass nach neuen Reformplänen manche Menschen länger arbeiten müssen und das Rentenniveau von 48% noch einmal gesenkt werden könnte. Das würde zwar „bei den vorwiegend älteren Wählern von Union und SPD nicht gut ankommen“, trotzdem müsse eine Rentenreform kommen.
Die käme dann aber einer Umverteilung von den Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen zu den vermögenden Kapitaleignern gleich – Logik, Konsistenz der Argumente?
Der Interviewer Hechler meint feststellen zu können: „Der Hype um den Klimaschutz ist vorbei“ – dazu kein Widerspruch durch von Lucke, dass es sich bei den Studien, Gutachten, Debatten, Klimakonferenzen, Maßnahmen zum Klimawandel nicht um einen „Hype“ handelte, sondern um eine - weiterhin unzureichende - Reaktion auf eine extrem bedrohliche Entwicklung. Immerhin stellt er dann auch fest, dass die Bedeutung der ökologischen Frage wieder wichtiger werden wird.
In der Nummer 10/2025 der „Blätter für deutsche und internationale Politik“, deren Redakteur er ist, zeigte er in seinem Leitartikel bereits, dass ihm auch vor dem Wegfall historischer Fakten nicht graust. Schon die Überschrift „Die Rückkehr der Machtpolitik“ ruft die Frage hervor, wo diese sich denn in den vergangenen Jahrzehnten verkrochen hatte. Nach von Lucke erleben wir durch Trump (und Putin und Xi sowieso) neben der Rückkehr „brutaler Machtpolitik das Ende eines 80jährigen historischen Ausnahmezustandes in Europa: das Ende der Jalta-Welt, in der die Vereinigten Staaten die Sicherheit des demokratischen (West-)Europas garantierten und mit ihrer Unterstützung für die Vereinten Nationen auch den Multilateralismus und eine regelbasierte Weltordnung.“ So wurde nach klassischen Putschregeln 1953 der iranische Premierminister Mossadegh in einer multilateralen Operation von CIA und MI6 und dem Schah weggeputscht, von 1955 bis 1975 Vietnam und seine Menschen multilateral (deutsches Geld und politische Unterstützung waren auch dabei) mit Na**lm, Bombenteppichen, hochgiftigem Dioxin und Massakern regelrecht „in die Steinzeit zurückgebombt“ [6], 1961 Patrice Lumumba, der Premierminister der DR Kongo in einer bilateralen Aktion von USA/CIA und Belgien ermordet, 1973 in Chile der gewählte Präsident Allende und seine Regierung vom CIA, Seite an Seite mit großen Teilen des chilenischen Militärs und der deutschen Siedlung „Colonia Dignidad“ mit Verbindungen zum BND, blutig gestürzt und durch eine mörderische Militärdiktatur, ökonomisch angeleitet durch die neoliberalen „Chicago Boys“, ersetzt. Die US-Militärinvasion 1983 auf der kleinen Insel Grenada erfolgte unilateral, aber die auf den gängigen militärischen Regeln basierenden Kriege gegen Irak, Jugoslawien, Libyen, Afghanistan … erfolgten dann wieder multilateral mit einigen willigen Mitvollstreckern der USA.
Fast identisch vergesslich-lückenhaft geht es im Artikel „Das Zeitalter des neuen Imperialismus“ von Prof. em. Ulrich Menzel, Politikwissenschaftler wie von Lucke, in den „Blättern“ 02/2026 zu. Dort wird den Leser*innen die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts - mit Fortsetzung bis zur „Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro“ als „fundamentale historische Zäsur“ – als geprägt von der Tradition der Vereinigten Staaten als benevolenter, das Völkerrecht achtender Hegemon vorgestellt. Ach ja, die benevolenten (wohlwollenden, gütigen, gutmütigen) Putsche, Morde, Terrorregime, Bombenteppiche …
Ob von Lucke den Herrn Professor für diesen Artikel gewonnen hat, weiß ich natürlich nicht. Aber da wuchs zusammen, was zusammengehört.
+ + +
[1] https://www.proasyl.de/.../faq-zur-europaeischen.../
[2] https://www.proasyl.de/.../rueckschrittskoalition.../
[3] https://www.sovd.de/.../reform-der-grundsicherung...
[4] https://www.fdp.de/rentenpaket-zeigt-reformunfaehigkeit...
[5] https://presseportal.greenpeace.de/263709-greenpeace-zum.../
[6] US-General Curtis LeMay wörtlich: "das Land auf ein steinzeitliches Niveau zurückzuwerfen"