14/08/2026
Historisches Foto gibt seine Geschichte preis
Das Rätsel um den Trauerzug in der alten Mühlgasse ist gelöst. Zahlreiche Hinweise zu einem möglichen Todesopfer erreichten die Arbeitsgruppe „Historisches Rülzheim“. Mithilfe dieser Hinweise und weiterer Recherchen konnte das Geheimnis vermutlich aufgeklärt werden.
Am 28. Oktober 1944 wollten alliierte Bomber den Rülzheimer Bahnhof angreifen. Die Bomben verfehlten jedoch ihr Ziel und trafen stattdessen ein Wohnhaus in der Alten Mühlgasse. Dabei verloren drei Rülzheimer ihr Leben. Es handelte sich um das Haus gegenüber der heutigen Einmündung in Richtung Obermühle/Klingbach, damals Hausnummer 38 ½, heute Hausnummer 57. Dort lebte die Familie Josef Brust. Sein Sohn Josef Brust schildert die Ereignisse im Buch von Karl Geeck „VERDRÄNGT, VERLOREN, VERGESSEN, nein Rülzheim erinnert sich“.
Um 11:30 Uhr gab es überraschend Fliegeralarm. Ein Jagdbomber aus Richtung Bellheim warf zwei Bomben ab. Eine Bombe schlug in das Haus von Josef Hitschler II. ein und machte es dem Erdboden gleich. Die andere traf das Hinterhaus der Familie Brust. Josef Brust befand sich zu diesem Zeitpunkt im Garten und wurde durch die Explosion tödlich getroffen. Auch andere Personen, die früher in der Nähe wohnten, berichteten davon: „Meine Eltern haben mir erzählt, er sei regelrecht in Stücke gerissen worden. Man fand einen Arm und weitere Körperteile verstreut in der Umgebung.“
Maria, die 21-jährige Tochter, erlag noch vor Ort ihren inneren Verletzungen. Auch Katharina Johann, die sich ebenfalls im Haus befand, kam bei diesem Angriff ums Leben. Seine Frau entging der Katastrophe, da sie zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause war. Dennoch traf sie das Unglück schwer: Sie verlor ihren Mann und ihre Tochter. Entsprechend groß war die Anteilnahme im ganzen Ort.
Die vorliegenden Fotos lassen anhand der uniformierten Personen und der mitgetragenen Fahne darauf schließen, dass die Aufnahmen aus den 1930er- oder 1940er-Jahren stammen. Auf den Bildern sind nur zwei Särge zu erkennen. Vermutlich handelt es sich bei dem weißen Sarg, um den Sarg der Tochter Maria. Wie berichtet wurde, legte man auch die aufgefundenen sterblichen Überreste von Josef Brust zu seiner Tochter in den Sarg.
Der Historische Arbeitskreis bedankt sich für die zahlreichen Hinweise, insbesondere auch für weitere Fotos, die ein Bewohner aus der Alten Mühlgasse beigesteuert hat. Zudem liegen uns Luftaufnahmen vom März 1945 aus dem US National Archives vor, die den Bombeneinschlag dokumentieren.
Sollten auch Sie noch alte Aufnahmen besitzen, insbesondere zur Mittleren Ortsstraße, würden wir uns freuen, wenn Sie uns diese zur Digitalisierung zur Verfügung stellen könnten. Die Originalaufnahmen erhalten Sie selbstverständlich zurück. Gerne können Sie sich hierzu an Andrea Haag, Tel. 0176 55114246, wenden.