01/11/2025
„Die verschandeln unsere Natur“
Bürger wehren sich mit Petition gegen weitere Windräder in Nienhagen und Börgerende-Rethwisch
(Quelle: OstseeZeitung / Julia Kliefoth, 31.10.2025)
Windkraft spielt weltweit eine zentrale Rolle in der Energiewende. Kritiker sehen das Landschaftsbild gestört und warnen vor negativen Auswirkungen. In den Gemeinden Nienhagen und Börgerende-Rethwisch fürchten Bürger nun den Bau weiterer Windkraftanlagen und haben eine Petition dagegen gestartet.
Nienhagen. Das Thema Windkraft spaltet die Gemüter: Einerseits gilt sie als wichtiger Baustein in der Energiewende, anderseits werden negative Auswirkungen auf die Umwelt sowie Lärmbelästigung kritisiert.
Auch in den Gemeinden Börgerende-Rethwisch und Nienhagen (Landkreis Rostock) gibt es derzeit eine Debatte um das Thema. Denn in einem Entwurf des Planungsverbandes Rostock sind die beiden Gemeinden als Vorranggebiet für Windenergieanlagen ausgewiesen.
„Das bedeutet, dass hier zukünftig weitere Windkraftanlagen gebaut werden dürfen“, erklärt Horst Hagemeister, Bürgermeister der Gemeinde Börgerende-Rethwisch, und ergänzt: „Momentan haben wir drei Windräder und dabei soll es auch bleiben.“
Negative Auswirkungen auf Tourismus befürchtet
Er befürchtet durch den Bau weiterer Anlagen negative Auswirkungen auf den Tourismus. „Wir haben hier viele Feriengäste. Wenn nun mehrere und vor allem über 200 Meter hohe Windräder gebaut werden, dann stört das einfach unser schönes Landschaftsbild.“
Auch der Bürgermeister der benachbarten Gemeinde Nienhagen, Peter Zemelka, spricht sich gegen den Bau weiterer Windkraftanlagen aus. „Die verschandeln unsere Landschaft“, betont das Gemeindeoberhaupt.
"Die Windräder verschandeln unsere Landschaft."
(Peter Zemelka, Bürgermeister von Nienhagen)
Anwohner Hans Baranski lebt schon seit vielen Jahren in Rethwisch und blickt von seinem Haus direkt auf die Windräder: „Ehrlich gesagt würde es mich stören, wenn weitere dazukämen. Was hat das für mich für einen Nutzen?“
Seine Nachbarin, die namentlich nicht genannt werden möchte, hat hingegen nichts gegen den Bau von Windrädern: „Alle reden vom Klimawandel, dann müssen wir auch was dafür tun.“
Hans Baranski lebt seit vielen Jahren in Rethwisch. Hinter seinem Haus sind drei Windräder. Weitere fände er nicht gut.
Bianka Worpitz aus Nienhagen sieht den Bau weiterer Windräder hingegen kritisch: „Nicht nur, dass der Anblick nicht schön ist, ich denke auch an den Schutz von Vö**ln vor diesen Ungetümen. Ganz abgesehen von der Lärmbelästigung.“
Bianka Worpitz aus Nienhagen ist gegen den Bau weiterer Windräder in ihrer Gemeinde.
Sie und ihr Sohn Nic sind regelmäßig im Gespensterwald unterwegs und finden: „Unsere schöne Natur an der Ostsee muss erhalten bleiben. Und dazu zählen keine weiteren Windräder.“
Einmalige Steilküste in Nienhagen
Frank Hosang aus Stäbelow ist regelmäßig in Nienhagen am Strand und genießt dort die Ruhe und die Natur: „Die Steilküste ist einmalig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort in der Nähe Windräder entstehen sollen. Das wäre furchtbar.“
Der Urlauber Jörg Gerbatsch aus Thüringen ist das erste Mal an der Steilküste von Nienhagen und fasziniert von der Umgebung. Er selbst arbeitet seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft und ist aus Prinzip gegen den Bau von Windkraftanlagen: „Ich finde, es ist eine Belastung für die Natur, die Zerstörung ist enorm.“
Auf dem Weg an die Ostseeküste habe er viele Windkraftanlagen gesehen. „Bei dem Sturm, der gerade herrscht, schalten die sich sowieso ab, um Schäden zu vermeiden“, meint der Experte. „Ich halte davon also nichts.“
Unterschriften gegen Windkraftanlagen gesammelt
Keine Windräder direkt an der Steilküste von Börgerende und am Gespensterwald Nienhagen fordert daher Dr. Lutz Baumbach, der eine Petition zu dem Thema gestartet hat. Unter www.change.org sammelt der Mediziner gerade Unterschriften. Anfang Dezember sollen diese dann dem Planungsverband Rostock übergeben werden.
„Eine mögliche Bebauung von 250 Meter hohen Anlagen würde nicht nur das Natur- und Landschaftsbild enorm schädigen, es hätte auch negative Auswirkungen auf viele Bürger und unseren Tourismus“, betont Lutz Baumbach. „Und davon leben unsere Gemeinden nun mal.“
Die beiden Bürgermeister befürworten die Petition: „Das ist eine gute Sache“, betont Peter Zemelka und Horst Hagemeister fügt hinzu: „Am 19. November wird in Bad Doberan der Regionalplan vorgestellt, dann sehen wir weiter.“
OZ
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