04/08/2020
Leserbrief Ruhr-Nachrichten vom 07. Juli 2020
Jakobskreuzkraut
Jetzt ist es wieder soweit.
Wie jedes Jahr blüht es gelb. Pferde und Rinder im gelben Blütenmeer, ein herrliches Fotomotiv, nur schade, dass diese Pflanzen für die Tiere hochgiftig sind.
Wie jedes Jahr, werde ich es schaffen meine Pferde- / Heuwiesen Jakobskreuzkrautfrei zu halten. Das gelingt mir, indem ich sofort nach Sichtung einer Pflanze aktiv werde, meine Handschuhe anziehe, (denn die Giftstoffe werden auch über Haut aufgenommen) und Sie mit Wurzeln ausgrabe und meine Restmülltonne damit vollstopfe (denn die Giftstoffe gehen auch nicht bei einer normalen Kompostierung nicht verloren). Eine Vorgehensweise, die ich jedem Halter von Weidetieren nahelegen möchte.
Wie jedes Jahr wird diese Gefahr für die Tiere von der Stadtverwaltung verharmlost. Schon vor 10 Jahren wurde mir vom damaligen Bürgermeister lapidar versichert: "Die Dierken fressen dat nich, das wird immer weniger". Eine Aussage, die seit dem immer wieder in schöner Regelmäßigkeit verbreitet wird. Wenn ich jetzt nach vielen Jahren über die Steverauen schaue, kann ich einen bemerkenswerten Rückgang leider immer noch nicht feststellen.
Ein Antrag der UWG zur Bekämpfung des Kreuzkrautes wurde im August 2015 mehrheitlich abgelehnt. (Die Tiere fressen dass nicht, es wird immer weniger...) Der in derselben Sitzung von der Verwaltung eingebrachte und einstimmig angenommene Kompromissantrag, das ein Gutachten zum Thema erstellt werden soll ist bis zum heutigen Tag leider immer noch nicht umgesetzt.
Gibt man das Suchwort Jakobskreuzkraut in eine Browser ein, erscheinen unendlich viele Seiten u.a. auch die Landwirtschaftskammer und das Bundesamt für Risikobewertung, die vor dem Kraut warnen. Bisher habe ich noch keine wissenschaftliche Arbeit gefunden, die die These der Stadt, das sich das Problem ohne Habitatsveränderung von alleine löst, gefunden.
Fachzeitschriften wie z.B. von Pferdeverbänden (VFD) aber auch das Landwirtschaftliche Wochenblatt Ausg. 26/2020 greifen immer wieder nicht ohne Grund auf dieses Thema auf. Laut Wochenblatt gilt nach heutigen Kenntnisstand 1 Pflanze je Ar (100m²) als äußerste Grenze der Verunkrautung mit JKK.
Die tödliche Aufnahmemenge eines Pferdes liegt bei 40 - 80g je kg Körpergewicht. das hört sich bei hochgerechnet 24 - 48 kg für ein 600 kg Tier (Die Konikpferde der Steveraue dürften ca. 400 kg wiegen) erst mal viel an. Trotzdem möge man bedenken das schon 10 Triebe ca 1 kg wiegen. Das tückische ist, das sich die Giftstoffe der Pflanze in der Leber der Tiere anreichert und nicht abgebaut wird! Zumal variieren die Bitterstoffe in der Pflanze im Laufe der verschiedenen Vegetationsstadien. Im Klartext, im getrockneten Zustand (Heu) verliert die Pflanze die Bitterkeit und wird von den Tieren gefressen.
Im Tierschutzgesetz § 3 Abs. 9 steht: "Es ist verboten, einem Tier Futter darzureichen, das dem Tier erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden bereitet." Das sollte m.E. auch für Naturschutzflächen gelten. Ich bin mir sicher, wenn ich meine Pferde auf so einer verkrauteten Weide stellen würde hätte ich in kürzester Zeit zu Recht das Veterinäramt auf den Hof.
Die Aussage in dem Zeitungsartikel dass bisher "noch nichts nachweislich passiert" ist, wirft die Frage auf, ob die verendeten Tiere wirklich obduziert worden sind um eine Vergiftung nachweislich auszuschließen.
Interessant ist auch die Theorie, dass die Pflanze viele Nährstoffe benötigt und deshalb nicht lange auf einen Standort wachsen würden. Tatsache ist, dass sich die Pflanze besonders auf extensiven, nähstoffarmen Boden ( z.B. Steveraue) wohl fühlt.
Ich bin schon gespannt auf das kommende Jahr, denn dann wird die Pflanze bestimmt immer weniger werden, und außerdem, Sie wissen schon, die Tiere fressen sie ja nicht....