23/12/2022
Ein Freund von mir ist libanesischer Abstammung, er lebt seit über 30 Jahren in Fürth und ist ein erfolgreicher Unternehmer, und wie die meisten Orientalen liebt er es, in Bildern und Erzählungen zu sprechen.
Im übrigen ist er Christ – was ich früher nicht wußte: der Libanon ist mit 54% Christen-Anteil ein christliches Land. Die Liebe zu den Geschichten und Fabeln ist aber offenbar religionsunabhängig.
Und von ihm habe ich die folgende Geschichte, die ich mit Euch teilen will.
Vom Glück und vom Unglück
In einem Dorf in den Bergen, nicht ganz klein, aber auch nicht groß, lebte ein Bauer – nicht arm, aber auch nicht reich, nicht sehr alt, aber auch nicht mehr jung, und der hatte ein Pferd. Und weil er der einzige Bauer im Dorf war, der ein Pferd hatte, sagten die Leute im Dorf: „Oh, so ein schönes Pferd, hat der ein Glück!“
Der Bauer jedoch sagte: "Es ist kein Glück, es ist kein Pech, es ist was es ist."
Eines ganz normalen Tages, keiner weiß weshalb, brach das Pferd des Bauern aus seiner Koppel aus und lief weg. Der Bauer sah es noch davongaloppieren, aber er konnte es nicht mehr einfangen. Am Abend standen die Leute des Dorfes am Zaun der leeren Koppel, manche grinsten ein bisschen schadenfreudig, und sagten: „Oh der arme Bauer, jetzt ist sein einziges Pferd weggelaufen. Jetzt hat er kein Pferd mehr, der Arme! Was für ein Pech!“
Der Bauer jedoch sagte: "Es ist kein Glück, es ist kein Pech, es ist was es ist."
Ein paar Tage später sah man morgens auf der Koppel des Bauern das schöne Pferd, wie es mit einer wilden Stute im Spiel hin und herjagte: diese war ihm aus den Bergen gefolgt. Gross war der Neid der Nachbarn, die sagten: „Oh, was hat der doch für ein Glück, der Bauer!“
Der Bauer jedoch sagte: "Es ist kein Glück, es ist kein Pech, es ist was es ist."
Da wollte der Sohn des Mannes die Stute zureiten, aber er fiel herunter und brach sich ein Bein.
Die Nachbarn riefen: "Was für ein Pech!"
Der Bauer sagte: "Es ist kein Glück, es ist kein Pech, es ist was es ist."
Bald kamen Reiter, Soldaten des Fürsten, um ein Heer auszuheben, und sie nahmen alle jungen Männer des Dorfes mit. Nur den mit dem gebrochenen Bein liessen sie zurück.
Die Nachbarn riefen: "Alle unsere Söhne haben sie mitgenommen, aber Deinen haben sie verschont. Was für ein Glück!"
Der Bauer sagte: "Es ist kein Glück, es ist kein Pech, es ist was es ist."
Nun stellt sich die Frage, was hat diese Geschichte mit Weihnachten zu tun?
Ich habe diese Geschichte ganz bewusst ausgewählt und mitgebracht, weil sie mir nicht nur sehr angemessen sondern sogar als hilfreich erscheint in diesen Zeiten in denen wir gerade leben und die wir erleben.
Seit nunmehr fast 3 Jahren erleben wir sehr real eine Politik, die uns im günstigeren Fall erstaunt, manchmal erregt und oft genug aber auch an unserem eigenen Verstand zweifeln lässt. Ich persönlich habe verschiedene Phasen der Bewältigung hinter mir – wie Ihr alle wahrscheinlich auch: Von anfänglicher Skepsis über teilweise offenen Widerstand, unterbrochen von Phasen des Ignorierens, vielleicht auch des Wegduckens und dann wieder starker Motivation, „dagegen“ anzugehen.
Wer einmal die Skepsis eingeatmet und den Fehler in der gegenwärtigen Struktur erkannt hat, der kann nicht mehr zurück. Skeptiker zu sein, ist unumkehrbar. Es ist aber auch sehr anstrengend, weil wir nach wie vor nicht nur in der Minderheit sind, sondern gleich eine ganze Reihe von in Stellung gebrachten Institutionen gegen uns wissen. Mir persönlich raubt das manchmal die Kraft, insbesondere in diesem Jahr habe ich meine eigenen Grenzen kennengelernt, was die Motivation und die eigene Leitungsfähigkeit betrifft. So etwas kannte ich vor 2020 nicht.
Und genau deshalb möchte ich aufrufen, das Leben wie der orientalische Bauer zu sehen. Übertragen auf die heutige Zeit heißt das vielleicht, dass der ganze Zirkus, den wir eben erleben mit Impfungen, die nicht wirken, den Klimaklebern, in Windeseile gebauten LNG-Terminals für Fracking-Gas, dem Medikamentenmangel, der Eroberung unserer Parlamente durch absolut unerfahrene, ja inkompetente Menschen, usw. usw. – vielleicht muss das alles mal sein, damit wir als Gesellschaft lernen und damit ein Umbruch stattfinden kann. Offenbar ist unsere Gesellschaftsordnung – immerhin in den Grundzügen über 70 Jahre alt – nicht mehr resilient gegen schädliche Einflüsse. So muss vielleicht erst die Überzeugung der Mehrheit der Bevölkerung ins Wanken geraten, bevor die alte Ordnung überkommen und durch etwas neues, besseres, demokratischeres ersetzt werden kann.
Und mit dieser Betrachtung möchte ich Euch als Weihnachtsbotschaft Mut zusprechen. Wir wissen noch nicht, wofür das alles gut ist. Und es ist auch sehr schwer erkennbar heute. Wozu sterben Menschen in der Ukraine? Warum gibt es immer noch ein Schleppernetzwerk über das Mittelmeer? Wird unsere Regierung den Lastenausgleich durchsetzen und so einen Großteil der Bevölkerung in Armut stürzen? Die Antworten habe ich nicht und die haben wir alle nicht.
Weihnachtlich jedoch erscheint mir, einen friedlichen Blick auf alle diese Fragen zu werfen. So wie der Bauer, dessen Sohn vom Pferd fällt. Ein Beinbruch war noch vor 100 Jahren lebensbedrohlich. Dem Sohn hat er das Leben gerettet.
Und mit der Haltung „Es ist kein Glück, es ist kein Pech, es ist was es ist.“ befreien wir uns auch selbst von Lasten und von Schwere. Wenn wir aufhören, Geschehnisse in menschliche Kategorien einzuordnen und zu bewerten, dann hat das auch etwas sehr christliches, nämlich Vertrauen in Gottes Plan.
Und dass ich Euch alle, die hier nun sitzt getroffen und viele neue Freunde gefunden habe, ist kein Glück und ist kein Pech. Es ist was es ist. Aber freuen tue ich mich trotzdem sehr darüber!
Ich wünsche Euch allen ein Frohes Fest, einen ruhigen und besinnlichen Jahresausklang und einen guten Start in ein hoffentlich für jeden von Euch wunderbares Jahr 2023!
Auszug aus der Weihnachtsansprache unseres Ortsverbandsvorsitzenden Christoph Heine