24/04/2026
Alarmmeldung für die Rettungskräfte der Feuerwehr Niedenstein+Wichdorf.
Die Meldung H KLEMM 2 Y, bedeutet verunfalltes Fahrzeug oder mehrere Fahrzeuge mit min. 2 eingeklemmten Personen.
Doch an diesem Abend führte der Einsatz nicht zu einer Unfallstelle irgendwo in der Ortslage oder dem Straßennetz in oder um Niedenstein, es war ein Fortbildungstermin direkt am Standort.
Organisiert von Dominik Ott und Bastian Jäger vom Ausbildungsteam, erwartete die Einsatzkräfte ein besonderes Highlight: das Weber Rescue Team war zu Gast. Unter der Anleitung von Instructor Torsten Weber erhielten die Feuerwehrleute eine praxisnahe Schulung mit modernsten technischen Rettungsgeräten.
Im Fokus standen zentrale Fragen der technischen Hilfeleistung: Welche Geräte stehen zur Verfügung? Welche Kräfte wirken bei ihrem Einsatz? Wie wird eine Einsatzlage richtig beurteilt? Und worauf kommt es beim sicheren Umgang mit hydraulischer Rettungsschere, Spreizer, Rettungszylindern, Säbelsäge und beim Glasmanagement an?
Für die praktische Ausbildung wurde die Mannschaft in zwei Gruppen aufgeteilt. An zwei Unfallfahrzeugen, jeweils mit einer Dummy-Puppe als eingeklemmte Person, trainieren die Einsatzkräfte parallel verschieden Szenarien.
Zu Beginn stand die strukturierte Erkundung nach der „A U T O“ Regel:
A – Austretende Betriebsstoffe: Hören, Riechen, Sehen (Kraftstoff, Öl, Bremsflüssigkeit, Kühlwasser).
U – Unterboden erkunden: Kontrolle auf Gastanks, Akkus, orangene Kabel (Hochvolt) oder Personen unter dem Fahrzeug.
T – Tankdeckel öffnen: Prüfung auf Mehrfachtankdeckel (CNG/LPG) oder QR-Codes für Rettungskarten.
O – Oberfläche/Aufkleber: Suche nach Hinweisen auf alternative Antriebe (HV-Komponenten, Schriftzüge).
Anschließend folgte die Lagebeurteilung: Steht das Fahrzeug auf den Rädern oder liegt es auf der Seite? Entsprechend wurden Sicherungsmaßnahmen durchgeführt.
Beurteilen der Fahrzeug Deformation und daraus resultierende Öffnungen mit wenig Aufwand schaffen.
Besonderes Augenmerk lag auf einem möglichst schonenden Vorgehen: Ziel war es, mit minimalem Einsatz von Schneid- und Spreiztechnik schnell Rettungsöffnungen zu schaffen. So wurde beispielsweise bei einem stark deformierten Fahrzeugdach zunächst ein hydraulischer Zylinder eingesetzt, um das Dach der Fahrgastzelle anzuheben. Danach ließ sich die Tür mit vergleichsweise geringem Kraftaufwand öffnen.
Im Verlauf des Abends wurden verschiedene Rettungstechniken geübt – darunter auch die sogenannte „dritte Tür“. Dabei handelt es sich um eine taktische Maßnahme, bei der durch das Entfernen der B-Säule eine großflächige Seitenöffnung geschaffen wird, um den Patienten optimal zu erreichen.
Auch komplexere Szenarien wie die Tunnelrettung oder die achsengerechte Rettung standen auf dem Ausbildungsplan. Hierfür wurden an beiden Fahrzeugen die Dächer teilweise entfernt. Voraussetzung dafür sind gezielte Entlastungsschnitte mit Schere oder Säbelsäge, bevor das Dach kontrolliert weggeklappt werden kann.
Ein Fahrzeug wurde dabei vom Heck bis zur A-Säule geöffnet, während beim zweiten Fahrzeug die A-, B- und C-Säule auf der Fahrerseite durchtrennt wurden. Mithilfe eines hydraulischen Zylinders ließ sich das Dach anschließend wie eine „Fischdose“ aufklappen.
Deutlich wurde dabei auch die enorme Kraft moderner Rettungsgeräte: Bei Drücken von bis zu 700 Bar entwickeln Schere und Spreizer Kräfte, denen manuell kaum etwas entgegenzusetzen ist. Umso wichtiger ist es, gezielt stabile Anschlagpunkte zu schaffen, an denen die Geräte sicher angesetzt werden können.
Der Ausbildungsdienst zeigte eindrucksvoll, wie wichtig regelmäßige Schulungen und der Umgang mit moderner Technik für die Feuerwehr sind. Ein Abend, der nicht nur neues Wissen vermittelte, sondern auch die Sicherheit für Einsatzkräfte und Verunfallte nachhaltig erhöht.
Vielen Dank an Torsten Weber von WEBER RESCUE SYSTEMS für diesen lehrreichen Ausbildungsdienst 💯👌