10/04/2024
Polizeiliche Kriminalstatistik 2023 des Bundes – 4.130 Straftaten gegen Feuerwehr- und Rettungsdienstangehörige in der Bundesrepublik im Jahr 2023!
Die Innenministerin führte im Rahmen der Vorstellung der Kriminalstatistik 2023 des Bundes aus: "Es ist erschütternd, dass im vergangenen Jahr Polizistinnen und Polizisten über 106.000 Mal im Dienst angegriffen wurden. Das sind täglich fast 300 Übergriffe gegen Polizeibeamte – und ein Anstieg um 10 Prozent."
In der Vorwoche wurde die Kriminalstatistik Nordrhein-Westfalen vorgestellt: dem Delikt „Widerstand und Angriff gegen/auf Staatsgewalt“ konnten 2023 genau 9.922 Fälle zugeordnet werden (+3,3 Prozent). Im Zehnjahresvergleich ist das eine Zunahme um 56,3 Prozent.
Im Bundeslagebild 2022 gab es unter 2.4 einen „Exkurs: Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf Feuerwehr und sonstige Rettungsdienste“. Hierin hieß es, dass 2022 sowohl die Anzahl der Fälle als auch der Opfer bei Feuerwehrkräften auf bedeutend höherem Niveau als im Vorjahr lagen. Auch bei Sonstigen Rettungsdienstkräften (Rettungsdienst, THW, Bergwacht, Wasserrettung, usw.) erhöhten sich die Fall- und Opferzahlen und erreichten den höchsten Wert seit 2018.
Das Bundeslagebild und damit eine Ausarbeitung der vielen Tabellen aus der PKS 2023 erscheint erst im Herbst diesen Jahres. Ebenso eine Ausarbeitung in Bezug auf Feuerwehr und Rettungsdienst für NRW im Laufe diesen Jahres.
Betrachtet man jedoch vorab die mit der PKS 2023 des Bundes zur Verfügung gestellten Auswertungen, so ergibt sich folgendes Bild:
4.130 Straftaten insgesamt mit Opfererfassung gegen Feuerwehr- und Rettungsdienstangehörige in Deutschland. Im Vorjahr waren es noch 3.775 Straftaten gegen diese Einsatzkräfte. Im Bereich der Feuerwehr wurden 1.113 Straftaten verzeichnet; im Vorjahr 985. Im Bereich Rettungsdienst 3.017. Im Vorjahr 2.790. Anstieg im Bereich Feuerwehr beim tätlichen Angriff von 530 auf 641 Fälle. Körperverletzung von 213 auf 217 Fälle. Bedrohung von 121 auf 140. Gewaltkriminalität von 80 auf 95 Straftaten.
Zahlen, die betrachtet werden müssen, um Maßnahmen abzuleiten. Bei der Vielzahl der Einsätze tagtäglich in der Bundesrepublik verschwindend gering. Jedoch sind 11 Straftaten in Deutschland gegen Helfer von Feuerwehr und Rettungsdienst pro Tag nicht hinnehmbar.
Hier bedarf es weiterer Ausarbeitungen und Analysen der vorliegenden Zahlen. So ist es auch interessant, dass entgegen der weitläufigen Meinung, dass Jugendliche den höchsten Anteil an den 2.218 Tatverdächtigen bei Straftaten gegen die Feuerwehr im Jahr 2023 hätten, diese jedoch mit nur 4% Anteil erfasst sind. Auch sind die Heranwachsenden mit 5% und die Tatverdächtige Erwachsene unter 25 Jahren mit 9% Anteil nicht die Mehrheit in der Statistik zum Tatverdächtigenalter bei Straftaten gegen Feuerwehrangehörige. Erwachsene ab 25 stellen mit 82% die Mehrheit (994 männlich, 825 weiblich). Umgerechnet auf die Straftaten gegen die Feuerwehr, werden pro Fall somit auch mehrere Tatverdächtige erfasst.
Ohne eine ganzheitliche Betrachtungsweise und einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz wird sich die Lage nicht entspannen. Es muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass die Achtung vor der Durchsetzung der rechtmäßigen Staatsgewalt einen Eckpfeiler unserer Demokratie und unseres Rechtsstaates darstellt. Umso unverständlicher ist es, dass Einsatzkräfte der Feuerwehr oder anderer Rettungsdienste Gewalt erfahren müssen, obwohl sich diese in der Regel in keinem konfrontativen, sondern helfenden Einsatz, der nicht mit Grundrechtseinschränkungen verbunden ist, befinden. Dies trifft aber auch auf die „Freunde und Helfer“ der Polizei in unterstützenden Einsätzen zu.
Es ist unabdingbar, dass wir uns jeden Tag dafür einsetzen, dass die Attacken auf unsere Einsatzkräfte der Blaulichtfamilie gestoppt werden. Die Präsenz dieses Sachverhalts ist elementar; diese Zahlen zu erkennen, darüber in der Gesellschaft zu sprechen und in den Organisationen und darüber hinaus Maßnahmen abzuleiten ist elementar, denn es wird Situationen geben, in denen wiederum Einsatzkräfte mit mangelndem Respekt und gegen sie gerichtete Gewalt konfrontiert werden. Hier gilt es vorbereitet zu sein.
Quellen:
https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherheit/pks-2023.pdf?__blob=publicationFile&v=3
https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2023/Bund/Opfer/BU-O-16-T943-Beruf-Taetigkeit-2_xls.xlsx?__blob=publicationFile&v=3
https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2023/Bund/Tatverdaechtige/BU-TV-11-T232-TV-Alter-Vollstreckung-Rettung_csv.html
Deutscher Feuerwehrverband land.nrw VdF NRW