16/06/2026
In der gestrigen 2. Sitzung der Gemeindevertretung Nentershausen wurden mehrere wichtige Anpassungen fast ausschließlich einstimmig beschlossen. Dazu zählen insbesondere:
• Erhöhung des Grundsteuerhebesatzes rückwirkend zum 01.01.2026 von 330 Punkte auf 450 Punkte
• Anpassung der Friedhofsgebührenordnung um ca. 15%
• Anpassungen der Hundesteuersatzung rückwirkend zum 01.01.2026
• Rechtliche Anpassungen der Feuerwehrgebührenordnung nach externer Prüfung
• Anpassung der Gebühren für die Nutzung der Kleinbusse der Gemeinde
Das vollständige Protokoll kann in den nächsten Tagen unter folgendem Link eingesehen werden:
https://www.nentershausen.de/seite/378330/ris.html?href_6e22aeb0-657d9859-487fb872-2b3c2a90=%2Fcouncilservice%2Fsession%2Fdocuments&href_6e22aeb0-657d9859-487fb872-2b3c2a90_query=range%3Dall_past #/councilservice/session/list/document
Nachfolgend finden Sie außerdem die Fraktionsrede unserer Wählergruppe „Wir“ im Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr Vorsitzender,sehr geehrter Herr Bürgermeister,werte Kolleginnen und Kollegen,sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
wer die heutige Tagesordnung sieht, könnte denken: Die neue Gemeindevertretung ist nur hier, um Gebühren zu erhöhen. Aber darum geht es uns nicht.
Wir sind heute hier, um offen über die finanzielle Lage unserer Gemeinde zu sprechen.
Unser Ziel ist eine tragbare Lösung und die Handlungsfähigkeit Nentershausens langfristig zu sichern.
Dabei werden wir nicht nur über Einnahmen reden, sondern genauso über Ausgaben. Eine Gemeinde saniert ihren Haushalt nicht durch immer neue Belastungen der Bürger, sondern durch verantwortungsvolles Wirtschaften, klare Prioritäten und den Mut zu unbequemen Entscheidungen.
Meine Damen und Herren, die finanzielle Lage ist ernst.
Wir haben einen Haushalt übernommen mit einem Defizit von rund 600.000 Euro. Die Kommunalaufsicht erwartet kurzfristige Maßnahmen. Ohne genehmigten Haushalt können wir keine Investitionen tätigen und keine strukturellen Entscheidungen treffen.
Diese Situation ist nicht plötzlich entstanden. Sie ist das Ergebnis einer Entwicklung über viele Jahre. Gebühren wurden nicht angepasst, Hebesätze nicht überprüft, Strukturreformen nicht umgesetzt. Statt rechtzeitig gegenzusteuern, wurde die Verantwortung an die Zukunft weitergereicht – Jahr für Jahr, Wahlperiode für Wahlperiode.
Besonders kritisch: In den letzten Monaten vor der Kommunalwahl, als die Probleme längst bekannt waren, wurde keine einzige entscheidende Maßnahme mehr auf den Weg gebracht. Man hat das Problem einfach uns überlassen.
Die schwierigen Entscheidungen von heute wären in dieser Form möglicherweise gar nicht nötig, wenn man sich bereits vor Jahren konsequent mit den Finanzen beschäftigt hätte.
Wir als Fraktion WIR sind erst seit kurzer Zeit in der Verantwortung.
Niemand kann uns für die Versäumnisse der Vergangenheit verantwortlich machen. Aber wir haben uns bewusst entschieden, Verantwortung zu übernehmen. Und Verantwortung bedeutet: Probleme anerkennen, Lösungen erarbeiten – und manchmal Entscheidungen treffen, die niemand gerne trifft.
Deshalb werden wir den Anpassungen zustimmen. Nicht weil wir höhere Gebühren gut finden – sondern weil die finanzielle Situation uns kaum eine andere Wahl lässt.
Wer heute gegen diese Maßnahmen stimmt, muss den Bürgern erklären, wie die geforderten Verbesserungen im Haushalt kurzfristig erreicht werden sollen. Wir sind nicht bereit, den Menschen etwas vorzumachen. Es gibt keine einfachen Lösungen.
Gleichzeitig sage ich genauso deutlich: Für uns endet die Diskussion heute nicht. Sie beginnt erst.
Wer glaubt, ein Defizit von 600.000 Euro allein durch höhere Steuern und Gebühren lösen zu können, macht es sich zu einfach. Die heutigen Maßnahmen verschaffen uns Zeit – mehr nicht.
Als Fraktion WIR werden wir deshalb in den kommenden Monaten sämtliche Ausgabenbereiche der Gemeinde kritisch betrachten. Wir werden bestehende Strukturen überprüfen. Wir werden laufende Kosten analysieren. Wir werden Investitionen hinterfragen. Wir werden Einsparpotenziale suchen. Wir werden Prozesse auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüfen. Und wir werden dabei keine Denkverbote zulassen. Es darf künftig keine Bereiche mehr geben, die allein deshalb unangetastet bleiben, weil man sie schon immer so gemacht hat. Jede Ausgabe muss sich rechtfertigen können. Jeder Euro muss einen Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger haben. Und jede Entscheidung muss dem Ziel dienen, unsere Gemeinde langfristig finanziell zu stabilisieren.
Dabei geht es nicht darum, Leistungen abzubauen oder unsere Gemeinde kaputtzusparen. Es geht um Prioritäten, Effizienz und verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern. Denn die Schulden von heute sind die Belastungen von morgen. Das dürfen wir nicht zulassen.
Meine Damen und Herren,
die Bürger erwarten von uns Ehrlichkeit. Keine Schönfärberei, keine Ausreden. Sie erwarten, dass wir Verantwortung übernehmen.
Genau das tun wir heute.
Unser Ziel ist klar:
Wir wollen einen ausgeglichenen Haushalt.
Wir wollen eine handlungsfähige Gemeinde.
Wir wollen finanzielle Stabilität.
Wir wollen verantwortungsvoll mit Steuergeldern umgehen.
Und wir wollen, dass Nentershausen auch in Zukunft eine lebenswerte Gemeinde bleibt.
Dafür werden wir arbeiten.
Dafür werden wir Verantwortung übernehmen. Und dafür werden wir auch weiterhin unbequeme Fragen stellen und notwendige Veränderungen anstoßen.
Denn Wegschauen hat uns in die heutige Situation geführt.
Verantwortungsvolles Handeln wird uns wieder herausführen.
Vielen Dank."