13/02/2025
Rezension zur Lesung von Joachim Schwarze in der Stadtbibliothek Naumburg (Saale) am 27.01.2025
Manchmal sind es nicht nur Worte, die einen Raum füllen, sondern die Leben, die sie tragen. Am Abend des 27. Januars 2025 war es genau dies, was die Stadtbibliothek Naumburg erlebte: ein Eintauchen in die tiefen Strömungen eines bewegten Daseins, getragen von der Stimme und Präsenz Joachim Schwarzes.
Bereits der Andrang war ein Zeichen: Mehrere Dutzend zusätzliche Stühle mussten aufgestellt werden, als sich der Raum mit erwartungsvoller Stille füllte. Die Einführung durch Frau Dr. Wahlbuhl-Nitsche, Leiterin der Freien Schule „Jan Hus“, sowie die herzliche Begrüßung durch Frau Sabine Matzner, die Hausherrin der Bibliothek, verliehen dem Abend einen würdigen Rahmen. Doch dann begann Schwarze selbst zu sprechen – und mit ihm entfaltete sich seine Geschichte.
In einem großen Lesesessel sitzend, sanft umhüllt von gedämpftem Licht, nahm er das Publikum mit auf eine Reise in sein Leben. Er sprach von seiner strengen Kindheit, die ihm Disziplin, aber keine Wärme schenkte, von der Härte, die er nach außen trug, um seine innere Unsicherheit zu verbergen. Die Angst, nicht zu genügen, der Mangel an Zugehörigkeit – all das betäubte er mit Alkohol, seinem ständigen Begleiter durch die Jahre. Doch wo Dunkelheit ist, gibt es auch einen Funken Licht: In der Therapie begann er, sich selbst zu hinterfragen, sich mit seiner Vergangenheit zu versöhnen. Diese Reflexion wurde zur Grundlage für sein Buch Der Trümmermann.
Als er schließlich zwei Kapitel daraus vorlas, lag eine besondere Spannung im Raum. Mit einem beeindruckenden Wechsel zwischen erzählerischer Distanz und autobiografischer Tiefe entfaltete Schwarze seine Geschichte – schonungslos, aber nie hoffnungslos. Er schilderte, wie das Rauschmittel ihn einst zum Gefangenen machte, aber auch, wie er sich selbst nach und nach aus diesem Labyrinth befreite. Die Worte waren nicht nur für ihn ein Rückblick, sondern für viele Zuhörer ein Spiegel.
Nach etwa 90 Minuten mündete der Abend in eine ebenso intensive wie ehrliche Fragerunde. Die Zuhörer, längst nicht mehr nur passive Empfänger, suchten den Dialog mit dem Mann, dessen Worte so vieles in ihnen berührt hatten. Joachim Schwarze gab bereitwillig Einblick in sein Innerstes, ohne Pathos, aber mit einer Ehrlichkeit, die Raum ließ für das eigene Nachdenken.
Als sich nach zwei Stunden die Reihen lichteten, war es nicht nur die erworbenen Bücher mit Widmungen, die die Gäste hinaus in die Nacht trugen. Es war eine Nachdenklichkeit, ein Hunger nach weiteren Geschichten – nicht nur den geschriebenen, sondern auch den eigenen, die vielleicht noch erzählt werden müssen. Und so hallte der Abend noch lange nach, nicht nur in den Seiten eines Buches, sondern in den Seelen derer, die ihm lauschten. (ms)
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