24/06/2026
Die Idee der Selbstbestimmung setzt voraus, dass Menschen über ihr eigenes Leben entscheiden dürfen. Dazu gehört zwangsläufig auch die Frage, welcher politischen Ordnung sie angehören möchten.
Wird Menschen oder Gemeinschaften das Recht abgesprochen, sich friedlich von einer bestehenden politischen Ordnung zu lösen und mit anderen Freiwilligen eine eigene zu bilden, stößt die Selbstbestimmung an eine unüberwindbare Grenze. Damit entsteht ein Widerspruch: Entweder umfasst Selbstbestimmung auch die Entscheidung über die politische Zugehörigkeit, oder sie ist keine Selbstbestimmung im eigentlichen Sinne.
Wer Selbstbestimmung bejaht, Sezession jedoch grundsätzlich ablehnt, muss erklären, worin die Selbstbestimmung dann noch bestehen soll. Denn wenn selbst die friedliche Lossagung von einer politischen Herrschaft unzulässig ist, verbleibt die letztliche Entscheidungsgewalt nicht beim Einzelnen oder bei der Gemeinschaft, sondern bei der Herrschaft selbst. Eine politische Ordnung, die nicht verlassen werden darf, beruht dann nicht auf fortdauernder Zustimmung, sondern auf einem Anspruch, der unabhängig von dieser Zustimmung fortbesteht.
Gegen das NS-Regime begehrte die Antifa, die mit der heutigen kaum noch etwas gemein hat entschlossen auf. Organisationen wie die Weiße Rose gaben ihr Leben dafür, Flugblätter verteilt und Plakate aufgehängt zu haben. Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst waren damit die ersten Opfer der modernen Art von Cancel Culture, deren Nachfolger heute in Brüssel, Berlin und London sitzen.
Die Antifa, aber auch viele andere Linke, würden selbstverständlich niemals gegen eine Regierung aufbegehren, die von Linken getragen wird. Genau diejenigen, die sich von Montag bis Sonntag mit Begriffen wie „Selbstbestimmung“ und „Widerstand“ schmücken, würden sich sofort und ohne darüber nachzudenken zu Steigbügelhaltern machen, wenn die von ihnen Gewünschten das Messer schwingen. Dass überhaupt jemand das Messer schwingt, war nämlich nie das Problem.
Das zentrale Problem besteht vielmehr darin, dass diese Menschen es als selbstverständlich ansehen, dass all jene mitmachen müssen, die nicht nach ihren Regeln leben wollen, da dies hier schließlich eine „Demokratie“ sei.
Wer von Selbstbestimmung spricht, aber Sezession ablehnt, hat nie an Selbstbestimmung geglaubt. Er glaubt lediglich, dass andere seinem Willen gehorchen sollen.