08/12/2025
Eine schwierige finanzielle Situation geht häufig einher mit Frustrationen und Verunsicherung. Das zeigt der neue Verteilungsbericht unseres WSI.
Das spiegelt sich in der Identifikation mit staatlichen und demokratischen Institutionen, in der politischen Beteiligung und bei Wahlentscheidungen wider. Es zeigen sich „deutliche Bruchlinien zwischen den Einkommensgruppen“, sagt die WSI-Forscherin Dorothee Spannagel.
Ein klarer Zusammenhang zur wirtschaftlichen Situation zeigt sich etwa beim Misstrauen gegenüber der Polizei: Knapp 24 Prozent der Menschen in Armut misstrauen der Polizei, während es bei den Menschen in einkommensreichen Haushalten nur knapp 9 Prozent sind. Rund 32 Prozent der Armen setzen kein oder nur geringes Vertrauen in Gerichte, unter den Reichen gilt das für gut 11 Prozent. Misstrauisch gegenüber den öffentlich-rechtlichen Medien sind rund die Hälfte der Armen und gut 31 Prozent der Reichen. Kein oder nur wenig Vertrauen in die Bundesregierung hatten im März 61 beziehungsweise 32 Prozent.
Die Wahlbeteiligung sinkt ebenfalls mit dem Einkommen. Allerdings hat sich die Lücke bei der Bundestagswahl 2025 gegenüber dem Urnengang 2021 deutlich verkleinert. Dabei kam erheblich gestiegene Beteiligung von ärmeren Menschen vor allem AfD und Linken zugute. Die beiden Parteien finden bei Personen am unteren Ende der Einkommensverteilung mehr Zuspruch als bei denjenigen am oberen Ende.
Die Daten zeigten, dass bei beschleunigt wachsender Ungleichheit „gesellschaftliche Spannungslinien stärker hervortreten“, warnt Spannagel. Um Ungleichheit, Armut und politischer Polarisierung entgegenzuwirken, müsse zum einen gute Erwerbsarbeit gestärkt werden. Dazu beitragen könnten mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mit Tarifvertrag, eine passgenaue Qualifizierung und maßgeschneiderte Beratung von Menschen an den prekären Rändern des Arbeitsmarktes sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.