30/04/2026
Offener Brief zur aktuellen Ratsentscheidung bzgl. OHG-Erweiterungsbau und Aula-Neubau
Sehr geehrter Herr Gronauer, sehr geehrter Herr Schumacher, sehr geehrte Frau Lorenz, sehr geehrte Fraktionsmitglieder von CDU, SPD und Bündnis 90/Grüne,
mit großem Unverständnis und erheblicher Verärgerung haben wir als Schulleitung des OHG den Verlauf der gestrigen Ratssitzung sowie die kurzfristige Einrichtung eines Prüfauftrags bei gleichzeitiger Aussetzung des Baubeschlusses zur Kenntnis nehmen müssen. Es ist aus unserer Sicht in keiner Weise nachvollziehbar, warum wir als unmittelbar Betroffene im Vorfeld weder informiert noch angehört wurden. Stattdessen wurden wir mit einer Entscheidung von erheblicher Tragweite während der laufenden Sitzung konfrontiert.
Vor diesem Hintergrund fordern wir Sie auf, uns umgehend und vollständig über Inhalt, Zielsetzung und Reichweite des formulierten Prüfauftrags zu informieren. Nach unserem Kenntnisstand ist dieser bislang nicht im Ratsinformationssystem eingestellt worden, da er offenbar kurzfristig eingebracht wurde.
Von zentraler Bedeutung ist für uns dabei die Klärung, ob sich der von Ihren Fraktionen gestellte Prüfauftrag ausschließlich auf mögliche wirtschaftlichere Umsetzungsvarianten der bereits definierten Bedarfe bezieht – oder ob darüber hinaus sogar die fachlich fundierten und über Jahre entwickelten Bedarfe aus unserem Raumfunktionsbuch grundsätzlich geprüft bzw. infrage gestellt werden sollen. Letzteres befürchten wir nach Verfolgen der Diskussion und dies wäre aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Es würde nicht nur die Expertise unserer Schulgremien missachten, sondern auch den umfangreichen Planungsprozess seit 2019 ignorieren, der zahlreiche Variantenprüfungen und Abwägungen umfasste.
Die wiederholten Verweise in der Ratssitzung auf eine Sanierung der bestehenden Aula lassen zudem erahnen, dass zentrale fachliche Erkenntnisse im Rat entweder nicht bekannt sind oder bewusst ausgeblendet werden. Eine Sanierung im Bestand kann die für uns notwendigen Anforderungen – insbesondere vor dem Hintergrund dann aktueller Brandschutzvorgaben und der daraus resultierenden notwendigen Kapazitätsreduzierung – nachweislich nicht erfüllen.
Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Komplexität der bisherigen Planungen sowie die vorhandenen baulichen und funktionalen Grenzen der aktuellen Bestandsgebäude (insbesondere Statik) nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Bereits in der Vergangenheit wurde intensiv geprüft, ob eine Sanierung der Aula bei gleichzeitiger Erweiterung der benötigten Raumkapazitäten möglich ist. Diese Option wurde aus nachvollziehbaren fachlichen Gründen verworfen und resultierte im Sommer 2025 in einer kombinierten „Aula-Neubau plus Erweiterungsbau“-Lösung, die unsere Bedarfe voll erfüllt. Eine erneute Prüfung derselben Fragestellung ohne neue Rahmenbedingungen erscheint uns weder zielführend noch verantwortbar. Eine solche Vorgehensweise führt absehbar lediglich zu weiteren Verzögerungen, steigenden Kosten und wachsender Unsicherheit für die gesamte Schulgemeinschaft. Dies ist aus unserer Sicht weder pädagogisch noch planerisch zu rechtfertigen, denn es fehlen uns bereits ab kommenden Schuljahr bei dann vollem G9-Ausbau mit rund 1700 Schülerinnen und Schüler die an die UHG abzugebenden Biologie-Räume sowie die benötigten Kapazitäten weiterer Unterrichts- und Fachräume (z.B. Musik, Informatik). Eine nochmalige Verzögerung ist für uns nicht hinnehmbar und führt zu unnötigen weiteren Einschränkungen in der fachlichen Arbeit gerade auch im Hinblick auf Abitur-Vorbereitung.
Darüber hinaus möchten wir betonen, dass der pädagogische Wert einer ausreichend dimensionierten Aula aus unserer Sicht überhaupt nicht gewürdigt wird. Eine moderne Aula ist weit mehr als ein Veranstaltungsraum. Sie ist ein zentraler Ort schulischen Lebens und ermöglicht vielfältige Bildungsangebote sowohl anknüpfend an den Fachunterricht (externe Vorträge, Prüfungen, Theateraufführungen) als auch jenseits des Fachunterrichts – immer mit der Maßgabe möglichst viele Schülerinnen und Schüler gleichzeitig zu erreichen und dies im normalen Stundenraster unterzubringen ohne anderen Unterricht ausfallen lassen zu müssen.
Wichtig sind auch: 1. die Kooperation mit der Musikschule bezüglich der Orchesterarbeit, 2. die Möglichkeit für schulische Stufen-Versammlungen (komplette Mittelstufe umfasst z.B. 800 Schülerinnen und Schüler), 3. Formate der politischen Bildung wie Podiumsdiskussionen, 4. Wettbewerbe (Mathematik, Englisch, Schach) mit sehr großer Teilnehmerzahl.
All dies trägt maßgeblich zur Persönlichkeitsentwicklung, zur Förderung sozialer Kompetenzen und zur Stärkung demokratischer Prozesse bei. Eine Reduzierung der Kapazitäten würde diese wichtigen Elemente unserer sehr erfolgreichen Bildungsarbeit erheblich einschränken.
Zudem ist eine Reduzierung der Anmeldezahlen in den nächsten Jahren nicht zu erwarten, so dass es bei Siebenzügigkeit mit rund 180-200 Schülerinnen und Schülern pro Jahrgang am OHG bleiben wird. Darüber hinaus nutzt auch die Ulla-Hahn-Gesamtschule weiterhin mehrfach im Jahr die Aula (z. B. Musicalklasse, Vollversammlungen etc.), deren diesbezügliche Bedarfe bislang überhaupt nicht in den Blick genommen wurden.
Wir erwarten daher eine kurzfristige, klare und verbindliche Stellungnahme Ihrerseits sowie die vollständige Offenlegung des Prüfauftrags. Gleichzeitig erwarten wir, dass die fachliche Expertise der Schule im weiteren Verfahren angemessen berücksichtigt und aktiv einbezogen wird.
Für einen konstruktiven Austausch stehen wir gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Kaiser, OStD
Oliver Drechsel, StD