25/11/2024
Heute ist der Tag gegen Gewalt an Frauen!
Anlässlich dazu habe ich der Landesbeauftragten für Frauen- und Gleichstellungspolitik von Sachsen-Anhalt, Sarah Schulze, drei Fragen zum Thema Gewalt an Frauen gestellt.
https://leitstelle-frauen-geschlechtergleichstellung.sachsen-anhalt.de/frauen-und-gleichstellung/landesbeauftragte-fuer-frauen-und-gleichstellung
1. Ist Gewalt an Frauen in Sachsen-Anhalt ein großes Thema und wird es von der Öffentlichkeit so wahrgenommen?
Sarah Schulze:
Gewalt gegen Frauen wird nach wie vor tabuisiert.
Weil sie meist zu Hause hinter verschlossenen Türen stattfindet, wird sie als Privatsache abgetan und verharmlost. Und das, obwohl seit Jahren ein besorgniserregender Anstieg von Gewalt gegen Frauen zu verzeichnen ist. Laut dem in der vorigen Woche erstmals vorgestellten Lagebild geschlechtsspezifische Gewalt findet fast jeden Tag in Deutschland ein Femizid statt. Alle drei Minuten erlebt eine Frau oder ein Mädchen häusliche Gewalt. Jeden Tag werden mehr als 140 Frauen und Mädchen in Deutschland Opfer einer Sexualstraftat.
2. Welche Hilfsangebote gibt es in Sachsen-Anhalt für betroffene Frauen?
Sarah Schulze:
Sachsen-Anhalt stellt ein flächendeckendes Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen und deren mitbetroffene Kinder zur Verfügung. 19 Frauenhäuser sowie zehn ambulante Beratungsstellen bieten Schutz und Beratung. In zwei Opferschutzambulanzen des Instituts für Rechtsmedizin an den Standorten Magdeburg und Halle (Saale) besteht die Möglichkeit der vertraulichen Spurensicherung nach Sexualdelikten. Vier Fachberatungsstellen für Betroffene sexualisierter Gewalt und vier Interventionsstellen komplettieren das Beratungsangebot. Ergänzt wird dieses Beratungssystem durch das „Mobile Team zur psychologischen Betreuung von Frauen und Kindern in Frauenhäusern“, die Fachstelle gegen Frauenhandel und Zwangsverheiratung VERA und die Täter-Beratungsstelle für Jungen und Männer ProMann. Darüber hinaus existiert die Landesintervention und -koordinierung bei häuslicher Gewalt und Stalking. Für gewaltbetroffene Frauen in der speziellen Situation der Flucht und Migration bietet das FlüchtlingsFrauenHaus in Halle (Saale) Flüchtlingsfrauen und deren Kindern einen geschützten Aufenthalts- und Rückzugsraum.
Nähere Angebote zu den einzelnen Einrichtungen finden sich unter https://www.gewaltfreies-sachsen-anhalt.de/.
3. Was muss sich in Zukunft ändern, damit Frauen besser vor Gewalt geschützt werden?
Sarah Schulze:
Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Debatte darüber, dass es sich beim Thema Gewalt gegen Frauen nicht um bedauerliche Einzelfälle, sondern ein strukturelles Problem in unserem Land handelt. Sie hindert Frauen und Mädchen an einer gleichberechtigten und umfassenden Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Gewalt gegen Frauen geht uns alle an! Es ist eine zentrale Aufgabe des Staates, Frauen vor Gewalt zu schützen. Deshalb hoffe ich, dass das Gewalthilfegesetz noch in dieser Legislaturperiode des Bundestages verabschiedet werden kann. Damit soll der bedarfsgerechte Ausbau und die finanzielle Absicherung des Hilfesystems für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder verbessert und ein Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung eingeführt werden. Denn jede Frau hat das Recht auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit.