09/06/2026
Als Antwort auf den Artikel über Frauen in der Kommunalpolitik von Pamela Nembach meldet sich unsere Vertreterin im Kreistag, Kerstin Deckenbrock, ebenfalls zu Wort.
Ihre ungekürzte Meinung zu diesem Thema findet ihr - entgegen der Version in der Mainpost - hier:
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Interesse habe ich den Artikel über die Erfahrungen von Pamela Nembach als Frau in der Kommunalpolitik in der Mainpost gelesen.
Selbstverständlich respektiere ich ihre persönlichen Erfahrungen. Gleichzeitig möchte ich jedoch eine andere Perspektive aufzeigen, da der Beitrag aus meiner Sicht ein Bild vermittelt, das auf interessierte Frauen eher abschreckend wirken könnte.
Ich bin inzwischen in meiner zweiten Amtszeit Bürgermeisterin und war zuvor viele Jahre als kaufmännische Leiterin und Personalleiterin tätig. Weder in meinem Berufsleben noch in meiner kommunalpolitischen Arbeit habe ich erlebt, dass ich aufgrund meines Geschlechts ausgegrenzt oder herablassend behandelt wurde. Im Gegenteil: Ich wurde von meinen Kolleginnen und Kollegen stets respektvoll aufgenommen und erlebe die Zusammenarbeit in den kommunalen Gremien als konstruktiv und sachorientiert.
Auch die beschriebenen Grüppchenbildungen oder Männernetzwerke kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung nicht bestätigen. Natürlich gibt es unterschiedliche Meinungen und gelegentlich auch Konflikte, diese sind jedoch aus meiner Sicht kein geschlechtsspezifisches Phänomen, sondern Teil politischer Arbeit.
Die Herausforderungen für Frauen liegen meines Erachtens häufig an anderer Stelle. Gerade im ehrenamtlichen kommunalpolitischen Engagement müssen Familie, Beruf und politische Verantwortung miteinander vereinbart werden. Viele Frauen übernehmen nach wie vor einen großen Teil der Familien- und Betreuungsaufgaben. Das macht ein zusätzliches Ehrenamt oft schwierig.
Gleichzeitig beobachte ich aber auch eine sehr positive Entwicklung. Für die letzte Gemeinderatswahl bestand unsere Liste zur Hälfte aus Frauen. Diese Kandidatinnen mussten nicht überzeugt oder überredet werden, sondern haben sich aus eigenem Interesse an der Kommunalpolitik für eine Kandidatur entschieden. Eine ähnliche Entwicklung habe ich auch bei den Freien Bürgern Triefensteins wahrgenommen. Das zeigt mir, dass das Interesse und der Wille von Frauen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Gemeinde mitzugestalten, durchaus vorhanden sind.
Gerade deshalb halte ich es für wichtig, neben kritischen Erfahrungen auch die vielen positiven Beispiele sichtbar zu machen. Frauen sollten nicht den Eindruck gewinnen, Kommunalpolitik sei vor allem von Ausgrenzung geprägt. Meine Erfahrung ist vielmehr, dass Frauen willkommen sind, Verantwortung übernehmen können und mit ihren Ideen und Fähigkeiten geschätzt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Kerstin Deckenbrock
Erste Bürgermeisterin
Markt Triefenstein