29/03/2026
Stadtverordnete stimmen für das Bahnhofsquartier "Am Schlangenhorst"
Manchmal sind Entscheidungen nicht das Ende einer Diskussion, sondern der Moment, in dem sie eigentlich erst richtig beginnt. Über das Bahnhofsquartier wurde in den letzten Wochen viel diskutiert, abgewogen und auch gestritten.
Viele Menschen haben sich eingebracht, haben Fragen gestellt, Sorgen geäußert und sich mit großem Engagement für ihre Sicht auf die Dinge eingesetzt. Die gespaltenen Meinungen über den knappen Ausgang der Abstimmung (15:13) zugunsten des städtebaulichen Vertrages am vergangenen Mittwoch in der Stadtverordnetenversammlung sind daher gut nachvollziehbar.
Es zeigt aber auch, wie unterschiedlich die Perspektiven auf dieses Projekt sind und, dass es keine einfachen Antworten gibt. Mit der Entscheidung in der Stadtverordnetenversammlung ist dabei kein fertiges Stadtbild beschlossen worden. Es wurde ein Rahmen gesetzt, innerhalb dessen sich dieses Quartier entwickeln kann.Dieser Rahmen beinhaltet auch konkrete Vereinbarungen:
Es werden über eine Million Euro für zusätzliche Grundschulplätze bereitgestellt.
10% der Wohnfläche wird zu vergünstigten Konditionen vorrangig an Nauenerinnen und Nauenern vermietet.
Zudem verpflichtet sich der Vorhabenträger zur Errichtung einer etwa 250 Quadratmeter großen Erdgeschosseinheit, die – je nach Bedarf der Stadt – für eine Kita oder eine andere Gemeinbedarfseinrichtung genutzt werden kann und anschließend in das Eigentum der Stadt übergeht.
Darüber hinaus sind konkrete Beiträge für Infrastruktur vorgesehen: Ein Baukostenzuschuss von 250.000 Euro für einen geplanten Kreisverkehr,
sowie 100.000 Euro zur Aufwertung des Bürgerparks.
Auch die vollständige Sanierung der Altlasten, die Übernahme der Planungs- und Erschließungskosten sowie der notwendigen naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen liegt beim Vorhabenträger.
Gleichzeitig wurden Anliegen aus der Anwohnerschaft aufgenommen. Themen wie ein Radweg auf der Ludwig-Jahn-Straße, Tempo 30 oder Parkregelungen werden in die weitere Planung einfließen. Unabhängig von diesem konkreten Projekt steht Nauen vor einer grundsätzlichen Aufgabe: Die Stadt entwickelt sich weiter, denn Nauen hat als Mittelzentrum die Rolle, Wachstum insbesondere dort aufzunehmen, wo Infrastruktur bereits vorhanden ist, wie rund um den Bahnhof. Stadtentwicklung bedeutet immer, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen.
Verständlicherweise spielt das eigene direkte Umfeld dabei eine große Rolle. Es geht aber auch um das größere Ganze. Den Blick darauf, wie sich eine Stadt insgesamt entwickelt und welche Perspektive sie für die Zukunft hat, sollten wir bei all den individuellen Interessen und Sorgen nicht verlieren. Für mich persönlich gehört genau diese Abwägung dazu.
Deshalb wäre meine Entscheidung an dieser Stelle ebenfalls gewesen, dem städtebaulichen Vertrag zuzustimmen, weil ich davon überzeugt bin, dass Entwicklung gestaltet werden muss. Und ich glaube, dass mit guter Planung und einer offenen Zusammenarbeit ein Quartier entstehen kann, von dem am Ende nicht nur die neuen Bewohnerinnen und Bewohner profitieren, sondern die Stadt insgesamt. Die erste Entscheidung ist gefallen.
Ich wünsche mir für die Zukunft weniger gegeneinander, mehr miteinander.
Josephine Paulsen