26/09/2025
7. Oktober 1949
Aus der DDR darf nichts werden, sonst steht die Existenz des Kapitalismus auf dem Spiel
Von Adenauer stammen die Worte: Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb. Daran hielten sich dann auch die Politiker im Westen, sie spalteten Deutschland. Zuerst wurde eine separate Währung eingeführt. Dann wurde der Spalterstaat BRD ins Leben gerufen. Hinter verschlossenen Türen ein sogenanntes Grundgesetz erlassen. Ursache war die Furcht der Herrschenden aus Industrie, Banken und Militär das es mit ihrer Gesellschaft zu Ende geht.
Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 entstand erstmals auf deutschen Boden ein Staat der sich auf einer sozialistischen Bahn entwickeln wollte. Der Ausbeutergesellschaft sollte der Garaus gemacht werden.
Hinter der Fr**ze der bürgerlichen Demokratie
"Die erhebliche Bevorzugung der Jugend in der Deutschen Demokratischen Republik mit raschen Aufstiegsmöglichkeiten in betrieblichen, kommunalen und politischen Berufen verfehlt - wie die Wanderung von West nach Ost beweist - ihre Wirkung nicht," schrieb der "Rheinische Merkur" am 27. Juli 1951. Verzweifelt suchten die westdeutsche Regierung, ihre Parteiführer und Zeitungen nach Mitteln und Wege, um die Jugend, die ihnen nicht entglitten ist, weil sie nie ihrer habhaft werden konnte, an sich zu ketten. "Bei uns stehen die ältesten Jahrgänge dem Staat am nächsten und die jüngsten am fernsten", so das "Hamburger Abendblatt" (5.8.1951)
Was war das für ein Staat, der die Jugend anzog?
Es war die DDR. Ein Staat, der Lehren aus der Vergangenheit gezogen hat. Eine Ordnung, die den Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital aufheben will und die daraus resultierenden Widersprüche, wie Krisen und Krieg. Zweimal in diesem Jahrhundert stürzten die Herrschenden das Volk in einen Weltkrieg. Für die Krupps, Thyssen, Siemens und die Banken, für deren Profit wollte die Jugend Westdeutschlands nicht noch einmal sterben. Die Restauration der alten Gesellschaft im Westen bot der Jugend keine Perspektive. Am 1.Juli 1951 schrieb die Stuttgarter "Deutsche Zeitung & Wirtschaftszeitung": "Der westdeutschen Jugend stehen die Gefängnisse offen, aber die Zukunft ist ihnen verschlossen". Des Weiteren: "700 000 Jugendliche in Westdeutschland arbeitslos!" Und so kam es dazu, dass Anfang der Fünfziger Jahre überwiegend Jugendliche von West nach Ost übersiedelten.
Wie sehr die Anziehungskraft der jungen DDR war zeigten die Ereignisse zum Deutschlandtreffen der Jugend 1950:
"In der Nacht zum 31. Mai überschritten mehr als 6000 westdeutsche junge Friedenskämpfer, die am Treffen in Berlin teilgenommen hatten, auf dem Rückweg in ihre Heimatorte die Zonengrenze in der Gegend von Lübeck-Herrenburg. Auf der westdeutschen Seite der Zonengrenze stießen die Jugendlichen auf eine Sperrkette, bestehend aus Stacheldraht und Fallgruben, die mit der gesamten Kasernierten Polizei Nordwestdeutschlands (...) und mit hunderten Polizeihunden besetzt waren. Die Jugendlichen sollten in ein Konzentrationslager eingeliefert werden, um dort festgehalten und registriert zu werden. Unter einmütigem Protest lehnten alle Jugendlichen dies ab (...) Die Polizei ging mit außerordentlicher Rohheit gegen die Jugendlichen vor, Zollbeamte schlugen mit Karabiner auf die Friedenskämpfer ein."
Einen Tag später kapitulierte Adenauers Polizei: 10.000 Westdeutsche Jungen und Mädels erzwangen den Einmarsch: "Unter dem Gesang des Liedes `Dem Morgenrot entgegen` zogen sie in Lübeck ein. Die Hochrufe auf die DDR, auf ihren Präsidenten Wilhelm Pieck wollten kein Ende nehmen." (Zitiert nach dem "Neuen Deutschland", einer SED-Zeitung, die lange Jahre in Westdeutschland verboten war)
Für die Herrschenden stand ihre Existenz auf dem Spiel. Mit allen Mitteln musste dieser Staat DDR liquidiert werden. Allein mit legalen Mitteln konnte das nicht geschehen. Mittels Geheimdienst, Zersetzung, Propaganda und Terror sollte dies geschehen.
Eine der vielen Terrorgruppen: Die „Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit- KGU“
Von Anbeginn spielte Berlin eine besondere Rolle im Kampf gegen die DDR. "Es geht um die Zurückdrängung eines Systems, das Deutschland und Europa gefährdet. Für die Zurückdämmung dieses Systems ist Berlin in diesem geschichtlichen Augenblick der Angelpunkt geworden", so Jakob Kaiser (CDU) am 28. August 1949 und Ernst Reuter (SPD) sprach davon "unsere Landsleute im Osten endgültig zu befreien" (RIAS, 5.5. 1949)
Westberlin wurde zum "vorgeschobenen Brückenkopf", in dem sich vielerlei lichtscheues Gesindel sammelte und unter direkter Anleitung und Unterstützung der Westmächte und ihrer Geheimdienste sich zu Agenten-, Spionage- und Terrororganisationen zusammenschlossen. Um das "Gesicht zu wahren" tarnten sich diese Untergrundorganisationen mit "humanitären Aufgaben". So richtete Anfang des Jahres 1948 ein Mann namens Rainer Hildebrandt, ehemaliger SS-Sturmbandführer, in seiner Wohnung einen "Suchdienst" ein und entwickelte dabei einen umfangreichen Schriftverkehr. Wen wollte dieser selbsternannte "Doktor" eigentlich suchen? Jedenfalls niemand der im Chaos der letzten Kriegsmonate von seinen Angehörigen getrennt wurde. Der "Suchdienst" Hildebrandts hatte die Aufgabe, Voraussetzungen für den Aufbau einer Agentenzentrale zu schaffen. In einer KGU-Broschüre von 1952 heißt es unumwunden über die Suchziele der KGU: "Aus den Kreisen dieser Entlassenen (gemeint sind die von der sowjetischen Besatzungsbehörde entlassenen ehemals aktiven Faschisten) kamen die ersten Mitarbeiter der KGU". Ende 1948 wurde offizielle der Verein "Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit e.V." gegründet, als eine "humanitäre Einrichtung".
Recht schnell begann der KGU seine Arbeit. Er erhielt seine Aufträge von den Alliierten Geheimdiensten. Eine Hauptaufgabe des KGU war es die DDR mit einem Spionagenetz zu überziehen. Unter "Flüchtlingen" warb der KGU nicht nur Jugendliche zur Agentenarbeit, sondern er verschleppte auch Jugendliche. Um den Aufbau in der DDR zu stören und die volkseigenen Betriebe an der Planerfüllung zu hindern, wurde systematisch versucht Angehörige der Intelligenz und Facharbeiter in den Westen abzuwerben. Hierbei ging man auch zu individuellen Terror über.
Gleichzeitig ging man dazu über Sabotage zu betreiben. Es wurden Sprengstoffanschläge auf Eisenbahnbrücken, Werkanlagen, Kanalschleusen und auf das Energienetz organisiert. Das "chemisch-technische Laboratorium" der KGU hatte nicht nur Fälschungen vorzunehmen und Sprengmittel, Brandbomben und Thermitsätze zu produzieren, sondern auch Gift herzustellen. Ein Überläufer berichtet auf einer Pressekonferenz am 20. Oktober 1955 in Berlin: "Mitte 1952 entwarf Baitz den verbrecherischen Plan, leitende Personen des öffentlichen Lebens, bekannte Persönlichkeiten und Regierungsmitglieder der DDR durch Gift zu beseitigen. Zu diesem Zweck ließ er im Labor ein Kontaktgift herstellen. Dieses Gift hat die Eigenschaft, bereits durch das Berühren mit den Fingerspitzen gesundheitliche Störungen hervorzurufen, die sich steigern und durch Beschädigung des Rückenmarks zu Bewusstseinsstörungen und schließlich zum Tode führen. Zur Anwendung dieses Giftes waren bereits alle Vorkehrungen getroffen worden. Mit diesem Kontaktgift versehene Schreiben, Bittgesuche und Eingaben lagen bereit, um an führende Personen des öffentlichen Lebens und an Regierungsmitglieder verschickt zu werden."
Am 23. Oktober 1952 veröffentlichte der Westberliner "Tagesspiegel" einen Artikel von Ernst Tillich, Nachfolger Hildebrandts: "Wir müssen heute den Mut aufbringen, uns einzugestehen, dass sich in dem gegenwärtigen Stadium kommunistischer Machtkonsolidierung die Sowjetzone nicht aus eigener Kraft befreien kann." Knapp ein Jahr später benutzte auch Adenauer diesen Begriff. Am 7. September 1953 erklärte er: "Unser Ziel ist die Befreiung unserer 18 Millionen Brüder und Schwestern in den Ostgebieten. Bis jetzt hat man immer von der Wiedervereinigung Deutschlands gesprochen. Wir sollten aber lieber sagen: Befreiung."
Was diese "Befreiung" bedeutete, hat der Vizepräsident des Bonner Bundestages, Dr. Jäger (CDU), auf dem Deutschlandtag der "Jungen Union" 1956 mit beispiellosem Zynismus dargelegt. Auf die Frage wie die "Befreiung" vonstattengeht und das es da zu Gewaltanwendung käme, antwortete Jäger: "In einem Krieg kann man nicht danach fragen, wer einem gegenübersteht. Hier gilt es zu kämpfen und zu schießen!" Und die KGU, eine der vielen Stoßtrupps einer 5. Kolonne, hatte ihre Aufgabe an der "Befreiung" mitzuwirken.
SPD-Terroristenboss Tillich
Unter Tillichs Leitung begann die KGU mit der systematischen Organisierung von Verbrechen aller Art gegen die DDR. Tillich selber war der Prototyp eines Karrieristen. Aus der Vielzahl von zum Teil recht einträglichen Posten, die er seit 1950 bekleidete, hier einige:
-Abteilungsleiter der Westberliner "Hochschule für Politik",
-Mitarbeiter des Evangelischen Hilfswerks,
-Vorstandsmitglied des West-Ost-Hilfswerkes,
-Mitarbeiter des Bundes Religiöser Sozialisten,
-Mitherausgeber der Zeitschriften "Das Sozialistische Jahrhundert" und "Publizistisches Zentrum",
-Kommentator beim RIAS und
Mitglied des sogenannten Forschungsbeirates beim Ministerium für Gesamtdeutsche Fragen der Bonner Regierung.
Um den Aufwand für seinen hemmungslosen Lebenswandel und seine ehebrecherischen Beziehungen zu bestreiten, unterschlug Tillich verschiedene Gelder. Für die SPD, deren Mitglied Tillich war, bedeutete das ihn auszuschließen.
Bis zum Ausschluss aus der SPD verstand es Tillich, sich die Protektion solcher sozialdemokratischer Führer wie Ernst Reuter, Luise Schröder, Franz Neumann und W***y Brandt zu sichern.
Die Entlarvung Tillichs als Organisator von Terror- und Diversantenbanden durch das Oberste Gericht der DDR, sowie die Geldunterschlagungen Tillichs veranlassten den amerikanischen Geheimdienst Tillich durch den SPD-Spitzenfunktionär W***y Brandt zu ersetzen. Zumindest wurde der Agent des amerikanischen Geheimdienstes, W. Brandt, in Erwägung gezogen.
Pikant: Brandt als Terroristenchef. Späterhin wurde er Bundeskanzler.
Wer war Brandt eigentlich?
Geboren wurde er 1913. Sein richtiger Name lautete: Herbert Frahm. (Übrigens sein Kumpan Herbert Wehner, heisst richtig: Kurt Funke)
1933 ging Brandt nach Norwegen, schloss sich den Trotzkisten an. 1937 in Barcelona (Spanien) betätigt sich dort als einer der Organisatoren des Aufstandes der trotzkistischen POUM gegen die spanische Republik. In dieser Zeit verriet er zahlreiche Mitglieder der SPD an den Gestapoagenten Eugen Schever. 1940 arbeitet Brandt gegen den Norwegischen Widerstand. In Norwegen führt er dem amerikanischen Geheimdienst deutsche Emigranten als Agenten zu. Nach 1945 taucht Brandt in Berlin als sogenannter norwegischer Presseoffizier auf, betätigt sich als Zigarettenschieber und versuchte Arbeiterfunktionäre zu korrumpieren. Er war von seiner Biographie her bestens geeignet diesen verbrecherischen Dienst zu leisten. Freilich es kam anders.
Knapp einen Monat, nachdem Ernst Tillich aus der SPD ausgeschlossen worden war sandte Kanzler Adenauer an Tillich ein Telegramm, in dem er diesen "herzlichst zu seinen Leistungen beglückwünschte". Nur so ist es zu verstehen das er weiterhin seinen Posten behielt und Brandt auf andrem Gebiet seine Leistung brachte.
Die Administrative Störstelle
Dazu gehören: Das Archiv und der technische Apparat.
Alle bei der Operativen Abteilung und im KGU-Stammhaus einlaufenden Spionageunterlagen und -nachrichten, die sich für die Anfertigung von Fälschungen verwenden lassen, werden in einem besonderen Archiv gesammelt. In der Fälscherwerkstatt wurden u.a. gefälschte Lebensmittelkarten, Konsumrabattmarken, Beitragsmarken, Briefmarken, Formulare und Briefbögen von Ministerien usw. entworfen und von bestimmten Firmen gedruckt.
Im chemisch-technischen Laboratorium wurden Stinkbomben, Phosphorampullen und verschiedenen metallzerstörende Brandtsätze gefertigt. Es wurden aber auch Sprengkörper hergestellt, die auf dem amerikanischen Manövergelände Berlin-Grunewald überprüft wurden.
Sabotage
Die KGU weist ihre Agenten, die sich in staatliche Verwaltungen, in Betriebe und andere gesellschaftliche Institutionen eingeschlichen haben, an, ihre Funktionen in vielfältigster Form zur Sabotagetätigkeit zu missbrauchen. Diese Agenten werden beauftragt, durch überspitzte und buchstabenmäßige Auslegung gesetzlicher Bestimmungen Fehlplanungen zu verursachen, künstliche Defizite zu schaffen, die Fertigstellung von Bauten durch falsche Anweisungen zu verzögern u.a.m. Es gab kaum ein Gebiet des gesellschaftlichen Lebens in der DDR, dessen Entwicklung die KGU nicht durch die von ihr organisierte Sabotagearbeit zu hindern oder zu stören versucht.
Systematisch wurde z.B. seit 1951 versucht die Verwaltungsarbeit von Behörden und Betrieben mittels fingierter Dienstanweisungen, die durch Post oder Agenten in den Geschäftsgang geschleust wurden, zu stören. Über den Zweck plauderte Tillich einmal: "...Wir machen den Gegner unsicher beispielsweise dadurch, dass wir seinen Apparat übermäßig beanspruchen und ihn zu nutzlosem Einsatz zwingen... Diese Bindung der Kräfte ... muss das Prinzip solcher Arbeit bleiben."
Durch Fälschungen aller Art versuchte die KGU auch die Versorgung der Bevölkerung zu stören. Mittels gefälschter Berechtigungsnachweise zum Bezug bewirtschafteter Waren oder gefälschter Lebensmittelkarten, Kohlenkarten, Benzinmarken u.a.m. sollte dies bewerkstelligt werden.
Diversion
Diversionsakte sind verbrecherische Handlungen zu dem Zweck, die Volkswirtschaft und die Verteidigungskraft der DDR zu untergraben. Objekte sind Maschinen, technische Anlagen, Bauten, Brücken, Transport- und Verkehrsmittel u.a.m.. Sie sollen durch Feuer, Sprengstoff, Säuren u.a.m.. beschädigt oder unbrauchbar gemacht werden.
In der KGU-Anweisung "Amerikanische Panzer auf Rügen" werden genaue Hinweise gegeben:
"Zucker in den Benzin tun, in die Ölbuchsen für Öle und Fette bei Maschinen Sand werfen, über die Trafodrähte einen Bindfaden (besser: Draht) zweimal überwerfen und befestigen, Bunatreibstoffe mit Leuna vermischen usw. ...seitlich liegende Signaldrähte bei der Eisenbahn durchkneifen."
Sprengstoffanschläge
Die gemeingefährlichste Form der Diversion sind Sprengstoffanschläge. Durch Verwendung hochbrisanter Sprengstoffe soll die völlige Zerstörung von Brücken, Talsperren, Betrieben, Kraftwerken und andern technischen Anlagen erreicht werden.
So sprengte der KGU-Mann Albrecht Geßler aus Lübs mit Druckminen auf verschiedenen Eisenbahnstrecken in Sachsen-Anhalt Gleisanlagen. Dabei entgleiste auf der Strecke Magdeburg-Dessau die Lokomotive eines Personenzuges.
Der hauptamtliche KGU-Mitarbeiter G. Bruhn plante die Sprengung der Brücke bei Löcknitz und erkundete Möglichkeiten der Sprengung ausländischer Schiffe, die DDR-Häfen anliefen.
Zwei Bitterfelder Agenten planten, den größten Schornstein der Filmfabrik Wolfen zu sprengen. Ihr Ziel: die Produktion des Werkes stillzulegen.
Eine Agentengruppe füllte Säure in die Motoren der Lastwagen des Böhlener Kombinats "Otto Grotewohl", und zwar am Abend vor dem Ersten Mai. Am nächsten Morgen sollten die Lastwagen mit den Arbeitern, die zur Demonstration fuhren, in die Luft fliegen.
Der Agent Lemke übernahm den Auftrag, einen Mast der Starkstromleitung zu sprengen, die das Kraftwerk Zschornewitz mit dem Stickstoffwerk Piesteritz verbindet.
Die Burianek-Bande aus Berlin erhielt den Auftrag die Eisenbahnbrücke bei Erkner zu sprengen. Das Attentat konnte im letzten Moment verhindert werden. Ein anderer Resident, Gerhard Benkowitz, hatte die Aufgabe, die Saaletalsperre, die Sechsbogenbrücke bei Weimar, die Kegelbrücke u.a. Objekte am sogenannten Tag X zu zerstören. Vor Gericht sagte Benkowitz aus, dass er nicht gezögert hätte, auch einen D-Zug oder einen Kinderferienzug in die Luft zu jagen.
Und nicht nur materiell wurde die DDR geschädigt: immer wieder kamen Menschen ums Leben. Am 9. September 1949 jagten Agenten das Nitrierhaus II im Sprengstoffwerk Gaschwitz in die Luft. Zwei Tote wurden aus den Trümmern geborgen. Der Schaden betrug eine halbe Million Mark, und zwei Monate fiel die Produktion aus. Am 17. Dezember kam es gegen 10.30 Uhr in der Sauerwasserstation dieses Werkes zu einer Explosion. Wieder waren drei Tote zu beklagen.
Terror
Der Begriff Terror umschließt sowohl die Drohung mit Gewaltakten als auch die Ausführung von Gewaltakten gegen Einzelpersonen und ganze Bevölkerungskreise, um sie in Furcht und Schrecken zu versetzen und in der gesamten Bevölkerung ein Gefühl der allgemeinen Unsicherheit hervorzurufen. Hauptsächliches Ziel war es, das Vertrauen der Bürger der DDR zur Staatsmacht zu erschüttern, ihren Aufbauwillen zu lähmen. Die Skala dieser von der KGU und ihren Agenten im amerikanischen Auftrag seit Jahren verübten Verbrechen reicht von der Hetze bis zum Mord.
Die KGU leitet z.B. die aus Spionageinformationen erhaltenen Angaben über Bürger der DDR an das amerikanische Agentenzentrum RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor) weiter. Der RIAS verwendet diese Angaben für sogenannte Warnsendungen, mit denen er versucht, vor allem bekannte Funktionäre zu terrorisieren und sie von der Bevölkerung zu isolieren.
Weitere Beispiele: Der KGU-Agent G. Heyder verschickte Drohbriefe an verschiedene Funktionäre. U.a. fertigte er auch "Trauerkarten" an und verschickte sie an die Ehefrauen. Mit der Morddrohung "Herzliches Beileid zum baldigen Ableben ihres Ehegatten", versuchte er, Frauen und Kinder zu erschrecken und einzuschüchtern. Unter Missbrauch der Namen von Ehefrauen, deren Männer im öffentlichen Leben stehen, ließ er in den Bezirkszeitungen Traueranzeigen veröffentlichen.
Aber auch im Westen wurde die KGU aktiv. So ließ sie im Juli 1952 an Wohnungstüren von Westberliner Bürger, die gegen den Generalkriegsvertrag auftraten, gelbe Zettel mit der Aufschrift "Schlagt sie tot!" kleben.
Eines der gebräuchlichsten Mittel des von der KGU organisierten Massenterrors sind Lügen und Hetze gegen die DDR. (Gierig griffen die Medien diese Lügen auf. Insbesondere der RIAS)
Häufig werden Falschmeldungen über die Versorgungslage verbreitet, mit denen Preiserhöhungen und eintretende Warenknappheit bei verschiedenen Industriewaren angekündigt werden. Dadurch soll ein Teil der Bevölkerung zu Angsteinkäufen veranlasst werden. Mit der Lüge von einer bevorstehenden Währungsreform in der DDR sollte die Bevölkerung veranlasst werden, ihre Spareinlagen bei den Banken und Sparkassen zu kündigen, womit man erreichen wollte, dass der Bargeldumlauf schlagartig anstieg, die Nachfrage nach Waren bei weitem das Angebot überwiegt und so die Finanzplanung sowie die Versorgung in der DDR gestört werden.
Ähnliche Wirkungen sollten die über das ganze Gebiet der DDR gestreuten Flugblätter erzielen. Diese wurden teilweise mit Ballonaktionen abgeworfen. Allein im Jahre 1954 wurden insgesamt über 100 Millionen Hetzflugblätter und Hetzschriften durch die KGU vertrieben, von denen ca. 68 Millionen die KGU selbst hergestellt hatte.
Weitere Terroraktionen waren: Überfälle auf Büros und Heime, deren Ausraubung und Zerstörung.
In den verschiedenen Städten der DDR terrorisierte die KGU die Bevölkerung durch Werfen von Stinkbomben. So in HO-Warenhäuser, großen Restaurants, bei Versammlungen und Kundgebungen, in Kinos, Theatern usw. Das Ziel war, Panik unter der Menschenmenge zu erzeugen, die Bevölkerung zu verärgern und sie vom Besuch von Veranstaltungen jeglicher Art fernzuhalten.
Störungen der Handelsbeziehungen
Für den weiteren wirtschaftlichen Aufstieg der DDR ist der Außenhandel von großer Bedeutung. Darüber hinaus trägt er auch zur Herstellung freundschaftlicher Beziehungen mit anderen Staaten wesentlich bei und ist ein wichtiger Faktor zur Erhöhung des Ansehens der DDR.
Im Rahmen der gegen die DDR und ihre Handelspartner gerichteten Störversuche der USA fällt der KGU eine besondere Rolle zu. Als wichtigstes Mittel zur Störung des Handels benutzte sie gefälschte Schriftstücke, die sowohl das Vertrauen der ausländischen Handelspartner erschüttern als auch den Export der DDR beeinträchtigen sollen.
Die Unterlagen für ihre Fälschungen beschafft sich die KGU durch Spionage. Die KGU beschafft sich auch Informationen über die Handelsbeziehungen der DDR, indem sie die für die DDR bestimmte Post aus Westberlin, Westdeutschland und dem Ausland, die über Westberliner Postämter läuft, durch Postangestellte überwachen lässt, die KGU-Agenten sind.
Die von der KGU gestohlenen Briefe ausländischer Firmen, die bereits im Geschäftsverkehr mit der DDR stehen, werden von der Fälscherzentrale als Unterlagen zu Fälschungen benutzt. Diese Fälschungen reichen von der "Bitte um Hinausschiebungen der vereinbarten Liefertermine" bis zum "Kündigen von Handelsverträgen".
In einem gefälschten Schreiben an das schwedische Außenhandelsministerium in Stockholm, für das die KGU den Kopfbogen und die Unterschriften der leitenden Mitarbeiter dieses Ministeriums nachahmte, wurde das bestehende Warenabkommen Schweden-DDR "aufgekündigt".
Es wurde auch versucht, durch gefälschte Briefe an Betriebe der DDR den Export zu stören und damit Planprojekte zu gefährden. So erhielt das volkseigene Elektromotorenwerk Wernigerode auf einem gefälschten Briefbogen des DIA Invest-Export die Mitteilung, dass die Produktion von Tropenmotoren einzustellen sei.
VES Henry Pels in Erfurt wurde informiert: "Von unserem holländischen Exportpartner sind infolge unüberbrückbarer Verrechnungsschwierigkeiten die Verträge über Lieferung von Tafelscheren rückgängig gemacht worden. Da wir z.Zt. noch nicht überblicken können, ob wir für diesen Auftrag einen neuen Exportpartner finden, ist die Fertigung von Tafelscheren zugunsten anderer wichtiger Aufträge zu stoppen."
1954 erhielt das türkische Wirtschaftsministerium einen Brief des Deutschen Innen- und Außenhandels: "Die beabsichtigte Errichtung eines IFA-Kraftfahrzeug-Großhandelswerkes müssen wir wegen Devisen- und Rohstoffschwierigkeiten leider bis zum Jahre 1956/57 zurückstellen." Eine glatte Fälschung.
Aufgrund dieser Fälschungen haben wiederholt ausländische Handelspartner der DDR bei den Außenhandelsorganen in Berlin gegen die angeblichen Änderungen von Handelsvereinbarungen protestiert, weil sie nicht ahnen konnten, dass sie gemeinen Fälschungen zum Opfer gefallen waren.
Weitere Banden der Fünften Kolonne
Mitnichten waren die Verbrecher der Kampfgruppe die einzigen, die gegen den Aufbau der DDR mit allen Mitteln kämpften. Da waren einmal die sogenannten Ostbüros der Parteien des Westens.
Tausende Agenten arbeiteten für die Ostbüros der SPD, CDU und FDP. Sie sollten "im politischen Widerstand, den Boden bereiten für eine Wiedervereinigung", heißt es heute lapidar. (Spiegel, 25/90) In einer Dissertation "Das Ostbüro der SPD 1946-58" stellt der Autor Wolfgang Buschfort fest: Das Ostbüro arbeitete "im konspirativen Bereich stark" mit den deutschen und westlichen Geheimdiensten zusammen; sammelte Informationen über drei Millionen DDR-Bürger, um nach einer Wiedervereinigung (oder besser "Befreiung") ein "besseres Nürnberg" zu ermöglichen - die radikale Bestrafung stalinistischer Helfer; schickte Kuriere und V-Leute in den illegalen Propagandakampf gegen das Ulbricht-Regime - Hunderte wurden gefasst und zu hohen Haftstrafen verurteilt. (Der Spiegel, 25/90)
In seiner Broschüre "Kuriere-Spitzel-Spione" (Dietz Verlag, 1949) berichtet der ehemalige Leiter der Berliner Filiale des Ostbüros Heinz Kühne über den Spitzel- und Spionageapparat der SPD. "Mein ständiger Umgang mit führenden Funktionären der SPD in Hannover und Berlin sowie meine Tätigkeit in ihrem Auftrag, ein illegales Netz für Spionagezwecke in der sowjetischen Besatzungszone zu schaffen, haben mich endgültig davon überzeugt, dass die Politik der heutigen Sozialdemokratie den Interessen der deutschen Arbeiterschaft und darüber hinaus aller in Deutschland von ihrer Arbeit lebenden Menschen nicht dient."
Weitere Agenten- und Terrorzentralen waren:
Der "Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen". Neben Wirtschafts- und Militärspionage, Diversions- und Sabotageakten versuchte er vor allem, Angehörige der Intelligenz nach den Westen zu locken, wobei er mit Versprechungen oder terroristischen Druckmitteln operierte.
Die sogenannte "Vereinigung der Opfer des Stalinismus" (VOS) wurde am 9. Februar 1950 auf Veranlassung englischer Geheimdienstoffiziere gebildet. Die Leitung setzt sich vor allem aus Faschisten zusammen, die von 1933 bis 1945 leitende Funktionen im faschistischen Staats- und Wirtschaftsapparat innehatten, der Gestapo angehörten oder höhere Dienstgrade bei der SS und SA besaßen.
Enge Verbindungen bestanden zwischen KGU zur politischen Polizei Westberlins (Abteilung 1) und zum Amt für Verfassungsschutz und zum militärischen Geheimdienst der BRD.
Unabhängig von den oben genannten Organisationen leisteten die westlichen Geheimdienste ihre eigenständige Arbeit gegen die DDR. So wandten die Amis im Jahre 1950 biologische Waffen gegen die DDR und die Tschechoslowakischen Republik an, indem sie von Flugzeugen aus und durch Bodensabotage gewaltige Mengen von Kartoffelkäfer verstreuten, um die Saaten zu vernichten.
Das Ende der KGU
Brand und Mord, Sabotage und Unruhestiftung - allerdings dauerte das nur einige Jahre. Strategen des "verdeckten Krieges" plädierten dann dafür, die Stoßtrupps der Agentenultras aus der Front zu ziehen. Ihre Wirksamkeit war letzten Endes doch begrenzt, und obendrein wurden oft Agenten erwischt, ehe sie noch ihre Attentate hatten ausführen können. In schlotternder Angst verrieten sie dann alles, was sie wussten, und offenbarten damit, dass der "verdeckte Krieg" jener Tage eine brutale Serie von wüsten Anschlägen war.
Im Bewusstsein vieler Bürger wurde es immer klarer was Organisationen, wie die KGU waren. So erklärte auf einem Treffen der Evangelischen Jugend Westdeutschlands im Oktober 1952 Kirchenpräsident D. Niemöller: "Ich halte diese Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit für eine Verbrechergruppe."
Die Bürger der DDR konnten kaum davon überzeugt werden, dass man für die "Menschlichkeit" und gegen den Kommunismus kämpfen soll.
Eine Reihe von diese Organisationen löste sich Ende der Fünfziger/Anfang der Sechziger Jahre auf.
Nachbetrachtung
Mit der schrittweisen Einstellung der Tätigkeit dieser Spionage- und Terrorzentralen bzw. mit ihrer eingeschränkten Tätigkeit war der Kampf gegen eine weitere sozialistische Entwicklung in der DDR jedoch nicht beendet. Ein weiterer Feind ergriff die Initiative: Der aus den eigenen Reihen, wie Tucholsky sagen würde.
Bürokratismus, die selbstgefällige Arroganz einer Führungsschicht, Bevormundung und Gängelung der arbeitenden Menschen, Kriechertum und Speichelleckerei wurden allesbeherrschend im Leben des Landes. Diese Atmosphäre wirkte sich verheerend aus. Der Elan erlahmte, die Selbsttätigkeit wurde als Gefahr für den Erhalt des Staates gesehen und daher immer mehr eingeschränkt, liess das Interesse am Sozialismus erlahmen. Teile der Bevölkerung übersiedelten in den Westen; für sie wurde die DDR immer unattraktiver. Mit dem Bau der Mauer war dann das endgültige Ende einer sozialistischen Entwicklung der DDR. Auch wenn der Name beibehalten wurde, allein der Inhalt war ein anderer.