24/01/2023
Stellungnahme der sozialdemokratischen Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker
Der Bildungsgipfel ist mindestens enttäuschend. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommen wir bei Betrachtung der vorliegenden Ergebnisse.
Selbstverständlich gibt es auch sehr gute Nachrichten, allen voran die bessere Bezahlung der Grundschullehrkräfte. Hier danken wir ausdrücklich der Koalition. Aber dieses Ergebnis verblasst im Angesicht der verpflichtenden zusätzlichen Unterrichtsstunde. Schon allein der Zeitpunkt dieser Nachricht ist vollkommen unangebracht. Der Bildungsgipfel ist aufgrund der Vielzahl an negativen Schlagzeilen ins Leben gerufen wurden. Diesen dann zum Anlass zu nehmen und eine weitere negative Schlagzeile hinzuzufügen ist ein ungeschicktes Verhalten. Wenn dann noch erklärt wird, dass dies „nur zeitlich“ befristet erfolgt und der Ministerpräsident in der Pressekonferenz aber klarstellt, dass dies für die 2020er Jahre gelten soll, dann ist es tatsächlich eine dauerhafte Anordnung.
Zudem ist dies auch keine Lösung. Die aktuelle Situation wird durch den Vorschlag des Ministerpräsidenten und der Ministerin für Bildung verschlimmert. In vielerlei Hinsicht:
• Bei der schwierigen Werbung um Lehrkräfte verlieren wir ein Argument für Sachsen-Anhalt.
• Durch Vor- und Nachbereitung der Unterrichtsstunden erhöht sich die Arbeitszeit um mehr als nur 45 Minuten. Im Hinblick darauf sei auch erwähnt, dass eine aktuelle Erhebung des Deutschen Schulportals der Robert Bosch Stiftung auf eine durchschnittliche Arbeitszeit von 46:38 Stunden kommt.
• Die Lehrkräfte müssen, durch Ausreizung der Mehrzeit, aktuell schon bis zu vier Stunden pro Woche mehr leisten.
• Die großen Veränderungen in unserer Gesellschaft, von Digitalisierung bis zur stärkeren Individualisierung spiegeln sich auch in den Schulen wieder und bedeuten bereits jetzt ein Mehr an erzieherischer Arbeit.
• Die früher gültige maximale Klassenstärke von 28 Schülerinnen und Schüler wird bereits überschritten.
Die hohe Belastung ist ablesbar an der sehr hohen Anzahl an Langzeiterkrankten. Wenn bekannt ist, dass die Hälfte aller langzeiterkrankten Landesbediensteten Lehrkräfte sind, dann sollte im Sinne eines modernen Betrieblichen Gesundheitsmanagement die Belastung reduziert werden. Anstelle eines Aufwuchses an Unterrichtsstunden, wäre eine grundsätzliche Erhöhung der Stellen im Bereich der multiprofessionellen Teams wünschenswert.
Begrüßenswert ist, dass auch im Bereich des Studiums an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg endlich Bewegung kommt, der Lokalpatriotismus überwunden wird und hinsichtlich der Ausbildung der Lehrkräfte das ganze Bundesland Sachsen-Anhalt in Blick genommen wird. Im Hinblick auf den höheren Praxisanteil darf es aber nicht passieren, dass angehende Lehrkräfte zur Schönung der Unterrichtsversorgung eingesetzt werden. Zudem dürfen die Schulen hierbei nicht allein gelassen werden. Mehr Praxisanteil ist auch für die Schulen zunächst erstmal ein Mehr an Arbeit.
Wir erwarten, dass die Landesregierung die geplante Unterrichtsstunde wieder streicht und dass diese tatsächlich erkennt, welche Belastungen auf Schulen und Ihr Personal lasten. Eine Entlastung kommt der Schulqualität zugute. Dies ist auch das, was wir den Schülerinnen und Schüler schuldig sind.
Arbeitsgemeinschaft für Bildung der SPD Sachsen-Anhalt