03/07/2023
GewaltSCHUTZ in Leipzig? Massiv in GEFAHR!
In den letzten Jahren hat sich die Situation der von häuslicher Gewalt und Stalking bedrohten und
betroffenen Personen – insbesondere Frauen, inter, nichtbinäre und trans Personen – massiv
verschlechtert. Die gute Zusammenarbeit mit der Polizei Leipzig, den Opferschutzbeauftragten der
Polizeidirektion Leipzig, sowie eine kontinuierliche Sensibilisierung der Gesellschaft zum Thema hat
dazu geführt, dass immer mehr Betroffene an die Hilfsangebote herangeführt werden oder sich selbst
Hilfe holen: Das Dunkelfeld wird zum Hellfeld!!!
Die Anzahl der polizeilichen Meldungen an die Koordinierungs- und Interventionsstelle gegen häusliche
Gewalt und Stalking (KIS) hat sich seit 2021 mehr als verdreifacht. Der Ausbau der Kapazitäten der KIS
hat nicht annähernd in dem notwendigen Umfang stattgefunden.
Aktuell gehen pro Woche 25-30 polizeiliche Meldungen, sowie 10-15 Meldungen von sog.
Selbstmelder*innen in der KIS ein. Allein im Jahr 2023 zählten die Mitarbeitenden der KIS
50 Hochrisikofälle, d.h. 50 erwachsene Betroffene und deren Kinder bei denen die akute Gefahr von
schwerer Verletzung bis hin zu Tötung bestand / besteht (Femizid).
In der Zentralen Sofortaufnahme der Frauen- und Kinderschutzhäuser der Region Leipzig (SofA) – die
zentrale Schutzeinrichtung welche 24/7 Plätze für Betroffene und deren Kinder vorhalten muss -
mussten allein im Jahr 2023 168 Erwachsene und 152 Kinder aufgrund von fehlenden
(Platz-)Kapazitäten abgelehnt werden. Die personelle Ausstattung der SofA ist seit der Eröffnung der
Einrichtung mehr als prekär.
Die Konsequenzen sind:
- JEDE Woche bekommen mind. 25 Betroffene und deren Kinder KEINE ambulante Hilfe, wenn sie sich
in einer gewaltvollen und bedrohlichen Situation in ihrem sozialen Nahraum befinden
- JEDE Woche verbleiben mind. 6 Erwachsene und 6 Kinder in einem gewaltvollen und gefährlichen
Umfeld ohne die Aussicht auf einen Platz in einer Schutzeinrichtung in Leipzig
- JEDE Woche fallen Mitarbeitende in Kriseneinrichtungen, z.B. Schutzhäusern oder
Interventionsstellen wegen überlastungsbedingter Erkrankung aus
- JEDE Woche nehmen die Verantwortlichen das Risiko eines Femizid in Kauf, weil die bestehenden
Hilfsangebote keine Kapazitäten haben, um zeitnah Beratung, Schutz und Sicherheit für Betroffene
und deren Kinder herzustellen
Die Zuständigen in der Stadt Leipzig und im Land Sachsen sind über den drastischen Anstieg an
Betroffenen und die fehlenden Kapazitäten der Hilfsangebote informiert, bleiben aber bisher tatenlos.
Da Gewaltschutz institutionelle und nicht individuelle Aufgabe ist, fordern wir hiermit die Politik
eindringlich auf, sofort Abhilfe zu schaffen:
>> Wir geben die Verantwortung zurück