26/04/2023
Wir protestieren gegen den Auftritt des umstrittenen Bürgermeisters Demchenko vor der BVV Neukölln
Für Pressefreiheit und gegen Einschüchterung von kritischen Journalist:innen!
Vor einer Woche wurden die Fraktionen der BVV Neukölln informiert, dass der Bürgermeister der Stadt Pervomaisk in der BVV sprechen wird.
Die Linksfraktion hat daraufhin kurz zu Oleg Demchenko recherchiert und wir stießen auf Berichte der ukrainischen NGO Institute for Mass Information, dass Herr Demchenko Journalist*innen bedroht und bedrängt, sowie in einem Fall antisemitisch und homophob beleidigt habe. Letzteres hat der Bürgermeister auch zugegeben und sich entschuldigt, auch wenn er behauptet, der Kontext sei nicht die Berichterstattung über die Erhöhung seiner Bezüge gewesen.
Wir haben daraufhin am vergangenen Donnerstag den BVV-Vorsteher angeschrieben und mitgeteilt, dass die Fraktion DIE LINKE eine Rede von Herrn Demchenko in der BVV als unangemessen empfindet. Wir haben außerdem erbeten, dass eine Stellungnahme des Bezirksamts eingeholt wird.
Bis gestern Abend gab es keine Reaktion, auch nicht von den anderen Fraktionen.
Im gestrigen Ältestenrat ließ sich unser Bezirksbürgermeister Martin Hikel dann zu einer Positionierung herab.
Und wir müssen sagen, wir sind ziemlich entsetzt.
Herr Hikel vertrat den Standpunkt, dass in der Ukraine andere Maßstäbe gelten würden und man das eben hinnehmen müsse.
Diese Erklärung zeugt von Überheblichkeit gegenüber den Ukrainerinnen und Ukrainern.
Selbstverständlich setzen sich auch in der Ukraine Menschen ein für Pressefreiheit, und gegen Korruption, Antisemitismus und Homphobie.
Es war eine ukrainische NGO, die die Übergriffigkeiten des Bürgermeisters kritisiert hat. Das kann man nicht so einfach wegwischen.
Es ist natürlich sehr zu begrüßen, wenn Spenden gesammelt werden für die Ukraine. Wenn jedoch überhebliche chauvinistische Erklärungsmuster bemüht werden, nur damit das Bezirksamt seine PR-Show durchziehen kann, dann können wir das als Fraktion nicht umkommentiert lassen.