10/09/2026
Stellungnahme des Lagenser Bündnis gegen Rechts zum Wahlergebnis der Landtagswahlen Sachsen-Anhalt 2026
43,8 % der Wähler:innen in Sachsen-Anhalt haben sich für eine vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei entschieden. Das ist tatsächlich ein Zuspruch, der den demokratischen Parteien schon seit Jahren nicht mehr entgegengebracht wird. Das bedeutet, dass 43,8 % der Wähler:innen ihr Kreuz bereitwillig bei einer Partei gemacht haben, die öffentlich unter anderem zum Austritt aus der EU, zur Rückkehr zur D-Mark, zur Remigration Zigtausender Menschen und zum Abbau demokratischer Strukturen aufruft. Gleichzeitig grenzt sie gezielt Minderheiten wie Migrant:innen, Alleinerziehende oder Homosexuelle aus und stellt deren Platz in unserer Gesellschaft offen infrage. Das ist auf vielen Ebenen erschreckend und kann nicht mehr nur als Protestwahl bezeichnet werden.
Dieses Ergebnis muss hinterfragt werden, und zwar auf Ebene der zur Wahl stehenden Parteien ebenso wie bei den Wähler:innen selbst. Erstere müssen nun endlich verstehen, dass es überhaupt nichts nützt, die radikalen Forderungen der AfD etwas abgemildert selbst zu fordern oder umzusetzen. Ganz im Gegenteil bestätigt das die Meinung ihrer Anhänger:innen und legitimiert die teils unmenschlichen Politikänderungen sogar. Gewählt wird in den meisten Fällen dann trotzdem das Original, welches die demokratischen Parteien auf diese Weise seit Jahren vor sich hertreiben.
Außerdem will die demokratieliebende Mehrheit diese Politik nicht – nicht von der AfD, aber auch nicht von CDU/CSU, SPD, FDP, Grünen, Linken oder BSW. Bundeskanzler Merz wollte mit dieser Taktik, die schon vor ihm nicht funktioniert hat, die AfD halbieren. Zumindest in Sachsen-Anhalt hat er nun die CDU halbiert, nicht die AfD.
Die demokratischen Parteien müssen endlich verstehen, dass die AfD nur besiegbar ist, wenn sie endlich ihrem Auftrag nachkommen: einer sozial gerechten Politik mit Fokus auf der Zukunft und einem Gleichgewicht zwischen Wirtschaft und Umweltschutz. Und einer bürgernahen Politik ohne die Arroganz, die von der aktuellen Regierung häufig ausgestrahlt wird.
Doch auch die Wähler:innen sind zu hinterfragen. Die AfD ist in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft. Die Aussagen vieler AfD-Funktionär:innen sind bekannt und werden lauter. Die Verknüpfungen mit Netzwerken von Reichsbürger:innen, völkischen Gruppen und Neonazis sind bekannt. Niemand kann hier behaupten, nicht zu wissen, wessen Geistes Kind die AfD ist. Hat sie es anfangs zu verstecken versucht, trägt sie diese Haltung inzwischen offensiv nach außen. Die Frage, die sich hier stellt, ist: Warum wählen diese Menschen trotzdem eine solche Partei – trotz des Wissens um unsere gemeinsame deutsche Geschichte?
Es gibt kein „Aber wir haben es doch nicht gewusst!“
Das Problem, das uns Sachsen-Anhalt sehr deutlich aufzeigt, wird exemplarisch für kommende Wahlen sein, wenn nicht endlich etwas passiert.
Deshalb fordern wir als Lagenser Bündnis die demokratischen Parteien, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, sozialen Einrichtungen und Vereine ebenso wie alle Bürger:innen, die für unsere Demokratie einstehen, auf, sich klar gegen die rechtsextremen Tendenzen in Deutschland zu positionieren.