09/05/2021
Warum wir den Haushalt der Stadt Krefeld abgelehnt haben!
Im Vorwort des Kämmerers zum Haushalt heißt es:
Die Stadt Krefeld steht vor großen Herausforderungen. Die finanziellen Rahmenbedingungen bleiben weiterhin schwierig, und die Krefelder Bürgerinnen und Bürger erwarten in zunehmendem Maße ein bürgerorientiertes, flexibles und zukunftsorientiertes Dienstleistungsunternehmen.
So sehen wir das auch.
Man darf also erwarten, dass der eingebrachte Haushalt diesem Ziel, ein bürgerorientiertes, flexibles und zukunftsorientiertes Dienstleistungsunternehmen zu werden, möglichst nahekommen will.
Wir erwarten zu Recht
- eine zügige Bearbeitung unserer Anliegen und Bearbeitung von Anträgen
- dass Gehwege, Radwege und Straßen nicht zu Stolperfallen verkommen
- dass unsere Kinder in ordentlichen Schulen lernen können mit digitalem Zugang. Wir erwarten - dass alle Sportstätten den gleichen Standard haben wie in den umliegenden Dörfern
- dass nicht Wildkräuter meterhoch aus dem Rinnstein wachsen
- dass Parks überall in Krefeld ein Mindestmaß an Pflege aufweist
- dass Stadtbild ein Mindestmaß an Sauberkeit aufweist
- dass sich um sozial Schwache gekümmert wird
- dass bezahlbarer Wohnraum entsteht
- dass alle Vorkehrungen getroffen werden, die Folgen des Klima-wandels abzumildern.
Von einer sozialdemokratisch geführten Mehrheit und einem sozialdemokratischen Oberbürgermeister erwarten wir, dass es nicht nur Ankündigungen gibt, sondern Taten folgen. Ja es wurde Geld bereitgestellt, aber es scheint nicht klar zu sein, dass diese Maßnahmen nicht umgesetzt werden können, wenn das Personal für die Umsetzung fehlt.
Wir fragen uns, warum so viele Versprechungen gemacht werden. Es gibt doch gar nicht genug Personal, um die ganzen tollen Projekte zu realisieren. Es ist für alle besser, wenn erst einmal wenigstens zwei, drei Dinge in dieser Stadt zu Ende gebracht werden bevor neue Luftschlösser gebaut werden.
Der Personalmangel zieht sich durch alle Fachbereiche. Bei den Angestellten beispielsweise sind laut Stellenplan 20 % der Stellen nicht besetzt. Bei Beamten in den unteren Besoldungsgruppen sind 15 % der Stellen nicht besetzt.
Mehrere Hundert Stellen sind nicht besetzt, hinzu kommt noch der Krankenstand und Erziehungszeiten.
Da wundert es nicht,
- dass Bezirksvertretungen geschlossen bleiben
- im Ausländeramt Chaos herrscht
- die Bearbeitung von Anträgen 6 Monate und länger dauert
- die Führerscheinstelle geschlossen wird.
- Fälle von Sozialbetrug können nicht aufgeklärt werden, weil kein Personal da ist.
Das alles geht nicht nur zu Lasten des Haushaltes, es geht vor allem zu Lasten der Mitarbeiter, die krank werden, ausfallen und den Personalmangel noch verstärken.
Und es geht zu Lasten der Bürger, die zu Recht ein bürgerorientiertes, flexibles und zukunftsorientiertes Dienstleistungsunternehmen erwarten.
Nirgendwo im Haushalt ist auch nur ansatzweise zu erkennen wie diese Missstände bekämpfen wollen soll.
Ja schlimmer noch, allein bei den Angestellten sind 70 Stellen mit „kann wegfallen“ vermerkt.
Der Oberbürgermeister und die Koalition aus SPD, Bündnis 90 und FDP glaubt allen Ernstes, mit noch weniger Personal wird diese Verwaltung ein bürgerorientiertes, flexibles und zukunftsorientiertes Dienstleistungsunternehmen.
Unser Anspruch ist, dass die Bürger dieser Stadt sich hier wohl fühlen,
- weil Gehwege überall begehbar sind
- weil Radwege überall fahrradfreundlich sind
- weil Straßen überall befahrbar sind
- weil Bürger nicht Monate auf die Bearbeitung von Anträgen oder Reisepass warten müssen
- weil nirgendwo Wildkräuter im Rinnstein wachsen
- weil Schulen und Sportstätten alle den gleichen Standard vorweisen können.
Wenn das erreicht ist, dann können neue Projekte angegangen werden.
Wer diesem Haushalt zustimmt gibt ein Signal an die Verwaltung, alles ist gut, wir sind zufrieden, macht weiter so.
Wir geben uns nicht zufrieden. So lange man in Schlaglöcher fällt, die Nutzung von Geh- und Radwegen gefährlich ist, so lange Antragsbearbeitungen Monate dauern, Angestellte der Verwaltung zu Recht von Überlastung klagen, bezahlbarer Wohnraum fehlt und wir von einer digitalen Zukunft Jahrhunderte entfernt sind.
Der verabschiedete Haushalt ist eine sozialpolitische und organisatorische Bankrotterklärung und zwar nicht, weil kein Geld bereitgestellt wird, sondern weil niemand da ist, der das Geld zielführend einsetzt.
Von einem bürgerorientierten, flexiblen und zukunftsorientierten Dienstleistungsunternehmen ist die Stadt mit diesem Haushalt so weit weg wie der Mond von der Erde.
Die guten Ansätze zum Klimaschutz im Haushalt reichen leider nicht aus, um diesem Haushalt eine Zustimmung zu geben.
Deshalb haben wir gegen den Haushalt gestimmt.