Ökumenisches ambulantes Hospiz Korbach e.V.

Ökumenisches ambulantes Hospiz Korbach e.V. Wir kommen- wenn wir gerufen und erwünscht sind. Wir unterstützen Betroffene, Angehörige und Pflegende.

Wir möchten die Angst vor Schmerzen und Einsamkeit mindern. Wir kommen ehrenamtlich, kostenlos, unabhängig von Religion und Nationalität. Das Team des ökumenischen ambulanten Hospiz in Korbach hat es sich zur Aufgabe gemacht Betroffene, Angehörige und Pflegende zu unterstützen. Wir haben Zeit für Gespräche, zum Zuhören, Vorlesen, Beten, Schweigen,.....
Unser Angebot ist unabhängig von Glaubensübe

rzeugung und Nationalität. Wir sind kein Pflegedienst, verstehen uns jedoch als eine Ergänzung dazu. Aus diesem Grund arbeiten wir mit sozialen Diensten, Ärzteschaft, Pflegediensten und Seelsorgern zusammen. Wir sind an die Schweigepflicht gebunden, unser Dienst ist ehrenamtlich und kostenfrei. Auch bieten wir Gesprächsmöglichkeiten für trauernde Angehörige und Hinterbliebene an. Sollten Sie für Ihr Unternehmen Update-Schulungen im Palliativbereich wünschen oder Interesse an Letzte Hilfe Kursen/Letzte Hilfe Kids Kursen haben, wenden Sie sich gerne an unsere Koordinatorinnen.

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.Meine Antwort ist dann, dass wir sehr vi...
11/06/2026

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.
Meine Antwort ist dann, dass wir sehr viele Aufgaben übernehmen können.
Darum erzähle ich künftig immer wieder aus Begleitungen.
Heute von dieser:

Sie war Ende fünfzig. Drei Kinder allein großgezogen, ein Leben voller Klarheit, Humor und Verantwortung. Als wir sie kennenlernten, war sie schwer krank – und gleichzeitig sortiert wie kaum jemand sonst.

Sie hatte alles vorbereitet: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Testament, Beerdigung, Hausverkauf. Sogar eine Liste mit Passwörtern, Verträgen und Ansprechpartnern lag bereit.
Aus Fürsorge.

Ihre Kinder lebten weit verstreut. Sie kamen, so oft es ging – und wussten doch: Ihre Mutter hatte ihnen den schwersten Teil abgenommen. Nicht das Abschiednehmen. Aber das Chaos, das sonst so oft entsteht.

Eine ehrenamtliche Hospizbegleiterin war an ihrer Seite: regelmäßige Besuche, Gespräche, Stille aushalten, ein kleines Lachen zwischendurch. Sie war da, wenn Entscheidungen anstanden, wenn Struktur gebraucht wurde, wenn die Kinder Fragen hatten.

So mussten die Kinder nicht organisieren, nicht sortieren, nicht kämpfen.
Sie konnten einfach Tochter und Sohn sein.

Das ist ambulante Hospizarbeit.

Veröffentlicht mit dem Einverständnis der Hinterbliebenen.

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.Meine Antwort ist dann, dass wir sehr vi...
21/05/2026

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.
Meine Antwort ist dann, dass wir sehr viele Aufgaben übernehmen können.
Darum erzähle ich künftig immer wieder aus Begleitungen.
Heute von dieser:

Er war 48. Alleinstehend. Metastasiertes Magenkarzinom.
Er blieb bis zuletzt im Modus „Darum kümmere ich mich später.“
Wie jemand, der innerlich die Tür nicht aufmacht, obwohl längst klar ist, wer davorsteht.

Wir waren trotzdem an seiner Seite.
Regelmäßig. Verlässlich.
Er ließ das alles zu, aber nicht wirklich hinein.
Er wollte funktionieren, wollte stark bleiben, wollte „später“ darüber reden und Entscheidungen treffen.
Nur dass es dieses später irgendwann nicht mehr gab.

In einer der letzten Nächte sagte er:

„Ich hab zu lange so getan, als wäre das hier nicht echt. Jetzt kann ich das, was ich wollen würde, nicht mehr machen.“

Eine Aussage, die hängen bleibt, weil sie so menschlich ist.

Diese Begleitung zeigte uns:
Hospizarbeit heißt nicht, Menschen zu einem „guten Abschied“ zu bewegen.
Sondern ihnen Raum zu geben – auch dann, wenn sie nicht ankommen können.
Auch dann, wenn Reue bleibt.
Auch dann, wenn das Leben sich anders anfühlt, als man es sich gewünscht hätte.

Wir begleiten, ohne zu drängen.
Wir halten aus, ohne zu bewerten.
Wir bleiben da, auch wenn jemand sich selbst nicht erreicht.

Ich liebe, dass wir im Kontakt sind – wirklich im Kontakt.Erster Vorsitzender, Koordination und Teile der Hospizbegleite...
17/05/2026

Ich liebe, dass wir im Kontakt sind – wirklich im Kontakt.

Erster Vorsitzender, Koordination und Teile der Hospizbegleiter unseres Hospizdienstes haben gemeinsam am 16. Nordhessischen Hospizforum teilgenommen, und genau das zeigt, was uns ausmacht: Leadership auf Augenhöhe.
Und auch im Thema der Tagung, in der Auseinandersetzung mit Ethik am Lebensende, braucht es keine Hierarchien, sondern Haltung.
Keine Einzelstimmen, sondern Resonanzräume.
Und genau das entsteht, wenn Menschen mit unterschiedlichen Rollen, Erfahrungen und Verantwortungen sich gemeinsam an einen Tisch setzen.
Diese Form von multiprofessionellem Leadership ist für mich ein echtes Qualitätsmerkmal unseres Dienstes, strategische Perspektiven, fachliche Expertise und die gelebte Erfahrung der Ehrenamtlichen verbinden sich zu einem gemeinsamen ethischen und hospizlichem Kompass.

So entsteht Orientierung.
So entsteht Vertrauen.
So entsteht Zukunft in der hospizlichen Begleitung.

Ich bin dankbar für dieses Miteinander – und für ein Team, das zeigt, wie kraftvoll und wertschätzend Augenhöhe sein kann.

Oasennachmittag für Schönheit & Pflege – eine Fortsetzung unserer OasentageNach den berührenden Rückmeldungen zu unseren...
12/05/2026

Oasennachmittag für Schönheit & Pflege – eine Fortsetzung unserer Oasentage

Nach den berührenden Rückmeldungen zu unseren früheren Oasentagen freuen wir uns sehr, gemeinsam mit der Parfümerie Becker erneut einen geschützten Raum für Wohlbefinden, Selbstfürsorge und Stärkung anbieten zu können.

Am 27. Juni 2026 lädt die Parfümerie Becker in Kooperation mit dem Ökumenischen ambulanten Hospiz Korbach e.V. zu einem kostenfreien Workshop für Krebspatientinnen ein. Im Mittelpunkt stehen pflegende Kosmetik, Make‑up‑Techniken und ein achtsamer Nachmittag, der Körper und Seele gleichermaßen gut tun darf.

Diese Veranstaltung ist eine Nachfolgeveranstaltung unserer Oasentage und der Oasenreise, die vielen Frauen bereits Momente der Entlastung, Schönheit und Zugewandtheit geschenkt haben.
Dass wir erneut ein solches Format anbieten können, verdanken wir dem außergewöhnlichen Engagement der Parfümerie Becker und ihrer Mitarbeitenden – für uns ein Beispiel gelebter Solidarität in der Region.

DANKE an das gesamte Team der Parfümerie Becker für Herz, Zeit, Expertise und die Bereitschaft, Frauen in herausfordernden Lebenssituationen so wertschätzend zu begleiten.

👉 Anmeldung ausschließlich über das Ökumenische ambulante Hospiz Korbach e.V.
📧 [email protected]
📞 05631‑5061900
Bitte unter Angabe von Mailadresse und Telefonnummer.
Die Plätze sind auf 6 begrenzt. Bei sehr großer Nachfrage wird ein Folgetermin überlegt werden.

Wir freuen uns auf einen Nachmittag, der stärkt, verbindet und gut tut.

Sollten Sie dieses Angebot unterstützen wollen, freuen wir uns über zweckgebundene Spenden auf das Spendenkonto des
Ökumenischen ambulanten Hospiz Korbach e.V.

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.Meine Antwort ist dann, dass wir sehr vi...
29/04/2026

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.
Meine Antwort ist dann, dass wir sehr viele Aufgaben übernehmen können.
Darum erzähle ich künftig immer wieder aus Begleitungen.
Heute von dieser:

Er war erst Mitte dreißig, im Endstadium der Erkrankung und schon länger ehrenamtlich begleitet. Nun hatte er bewusst entschieden, die erhaltenden Therapien nicht weiterzuführen. Er wollte gut begleitet sterben.

Doch seine letzten Tage waren schwer. Sein Körper rang, obwohl sein Wille längst losgelassen hatte. Agonie ist ein Wort, das man erst versteht, wenn man daneben sitzt und mit-aushält.

Seine Familie hielt seine Hände, sprach leise, blieb. Wir begleiteten, gaben Halt, wo Worte nicht mehr reichten. Und mitten im Sterbekampf öffnete er noch einmal kurz die Augen – ein Blick, der sagte: Ich weiß, dass ihr da seid.

Als der Kampf nachließ, wurde der Raum leichter. Sein Gesicht weich. Sein Abschied still.

Er wollte gut begleitet sterben. Das haben wir ermöglicht.
Ein „gutes“ Sterben war es, in unserem Gefühl, nicht.
Trotzdem kam vor kurzem die Rückmeldung der Familie, dass es gut war wie es war, weil sie nicht alleine waren.

Das ist ambulante Hospizarbeit.

Veröffentlicht mit dem Einverständnis der Hinterbliebenen

Da es so viele Nachfragen gibt…Manchmal braucht ein Herzensprojekt eine Pause.Die Oasentage für Frauen mit und nach Kreb...
24/04/2026

Da es so viele Nachfragen gibt…

Manchmal braucht ein Herzensprojekt eine Pause.
Die Oasentage für Frauen mit und nach Krebs können in diesem Jahr nicht stattfinden.

Unsere vier Mitstreiterinnen, die dieses Angebot über Jahre ehrenamtlich und mit so viel Hingabe getragen haben, stehen gerade vor eigenen Herausforderungen. Dies benötigt ihre volle Kraft, Zeit und Raum.
Ob dies eine Pause ist oder ein Abschied, wissen wir noch nicht.

Was wir aber wissen:
Der Hospizdienst Korbach wäre nicht der Hospizdienst Korbach – und ich nicht ich –, wenn nicht längst neue Ideen wachsen würden.
Wir sind bereits in Gesprächen, suchen aktiv nach Unterstützer*innen und prüfen, welche Formen der Angebote künftig möglich und verantwortungsvoll sind.

Und wir möchten euch einladen:
Wenn jemand in seinem Arbeitsfeld eine Idee hat, wie man Menschen mit schwersten, lebensverkürzenden Erkrankungen etwas Gutes tun kann – sei es ein Projekt, ein Angebot, ein Impuls – meldet euch gerne.
Ihr wisst, wir sind auch immer für Crossover und verrückte Sachen zu haben.
Für die direkte Begleitarbeit braucht es einen Qualifizierungskurs, den wir im nächsten Jahr wieder anbieten.
Für Projektarbeit hingegen braucht es vor allem Herz, Zeit und eine gute Idee.

Wichtig ist uns auch:
Unsere Projekte, die Trauerarbeit und ein Teil unserer täglichen Arbeiten werden komplett aus Spenden finanziert. Ohne diese Unterstützung wäre vieles nicht möglich.
Wir sind dankbar für jede Form der Hilfe – ideell, praktisch oder finanziell.

Eines bleibt unverändert:
Wenn wir wieder Oasentage anbieten, dann nur so, dass wir die Frauen mit und nach Krebs wirklich halten, stärken und begleiten können – mit ganzer Kraft und echter Präsenz.

Danke für euer Verständnis, eure Verbundenheit und euer Vertrauen.

Immer wieder werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit machen.Meine Antwort ist, dass wir viele Aufgaben...
23/04/2026

Immer wieder werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit machen.
Meine Antwort ist, dass wir viele Aufgaben übernehmen können, deshalb schreibe ich zukünftig immer mal wieder aus Begleitungen.

Heute aus dieser:

Wir begleiteten einen Klienten, der uns als Team an die Grenze dessen brachte, was wir aushalten konnten. Schwersterkrankt, gefangen in einem chronischen Schmerzsyndrom. Keine Dosis, keine Kombination brachte Linderung. Und er lehnte alles ab: Schmerzmedizin, Psychoonkologie, Physiotherapie, Seelsorge, alternative Methoden.

Über allem lag der Verdacht eines Rezidivs, der sich nie bestätigte. Seine Willensbekundungen wechselten im Stundentakt. Am Morgen bat er uns mit aller Klarheit und Vehemenz um Hilfe beim Sterben. Am Nachmittag plante er mit seiner Frau den Urlaub. Diese Ambivalenz zerriss nicht nur ihn. Sie zerriss das gesamte System.

Für die Angehörigen wurde der Ausnahmezustand zum Dauerzustand. Dieses permanente Schwanken zwischen Hoffen und Abschiednehmen ist wie psychischer Folter.
Die Fachliteratur nennt es Caregiver Burden.
Für uns waren es Gesichter, gezeichnet von Angst, Erschöpfung und dem Gefühl, einem geliebten Menschen beim Untergehen zusehen zu müssen – ohne Halt, ohne Möglichkeit, Trauer beginnen zu dürfen.

Und wir als Team?
Wir hielten aus. Wir kannten die Leitlinien. Wir wussten, was indiziert wäre.
Wir sahen den Weg – und durften ihn nicht gehen. Dieses Nicht‑Dürfen, obwohl man weiß, was helfen könnte, ist ein hoher Moral Distress. Die täglich wechselnden Sterbewünsche brachten uns zusätzlich an die Grenze der Belastbarkeit. Compassion Fatigue war kein theoretischer Begriff mehr. Sie war körperlich spürbar.

In dieser Begleitung wurde mir klar: Sein Nein war kein Trotz. Kein Angriff. Es war das Symptom einer Erkrankung, die ihm die Kraft zum Entscheiden genommen hatte. Der Dauerschmerz hatte seine Exekutivfunktionen lahmgelegt. Hätten wir mit Druck reagiert, hätten wir das letzte Band zerschnitten: Vertrauen.

Hospizarbeit bedeutete:
Dableiben. Aushalten. Angebote machen, auch wenn jedes Nein vorhersehbar war. Den Kontakt zu Fachstellen halten, obwohl klar war, dass er sie nicht aufsuchen würde. In seltenen klaren Momenten prüfen, ob hier der freie Wille spricht – oder der unerträgliche Schmerz.

Diese Begleitung hat mich motiviert, mich zur Ethikberaterin zu qualifizieren. Ich wollte das Handwerkszeug, um mein Team durch solche Begleitungen zu navigieren.

Erfolg bedeutete hier nicht Heilung.
Erfolg bedeutete: Wir haben ihn nicht allein gelassen. Nicht in seinem Leiden. Nicht in seinem konsequenten Nein.

Moral Distress ist kein Befindlichkeitsproblem. Er ist ein Arbeitsrisiko. Und er wird gefährlich, wenn wir ihn tabuisieren.

Das ist ambulante Hospizarbeit!

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.Meine Antwort ist dann, dass wir sehr vi...
17/04/2026

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.
Meine Antwort ist dann, dass wir sehr viele Aufgaben übernehmen können.
Darum erzähle ich künftig immer wieder aus Begleitungen.
Heute von dieser:

Sie waren beide über neunzig. Ein Paar, das ein langes, gutes Leben miteinander geteilt hatte. Von Kriegsgreueln verschont, obwohl die Zeit sie geprägt hatte. Er – der Erste in seiner Familie, der studieren durfte. Sie – die sich in der Hotellerie hochgearbeitet hatte, mit Haltung, Fleiß und einer Freundlichkeit, die man nicht lernen kann. Kinder hatten sie keine, aber sie hatten einander. Und sie hatten dieses kleine Häuschen, das sie Stein für Stein zu einem Zuhause gemacht hatten.

Als er den schweren Schlaganfall bekam, war schnell klar: Kein Krankenhaus. Kein grelles Licht, keine fremden Stimmen.
„Er bleibt hier“, sagte sie.
Die ehrenamtliche Hospizbegleitung kam regelmäßig, hörte zu, hielt Stille aus, half beim Sortieren der kleinen und großen Sorgen. Eine Begleitung, die leise und tragend war – wie ein zusätzliches Paar Hände, das niemand sieht, aber jeder spürt.

Sein Sterben war friedlich. Ein letzter ruhiger Atemzug. Sie saß neben ihm, hielt seine Hand, erzählte ihm noch etwas von früher. Und als er gegangen war, blieb sie einfach sitzen. Ganz ruhig. Ganz bei ihm.

Einige Tage nach der Beisetzung rief eine Nachbarin an. Die Jalousie war unten geblieben. Ungewöhnlich für sie, die jeden Morgen zur gleichen Zeit lüftete, den Tag begrüßte.

Die Nachbarn gingen nachsehen.
Sie fanden sie im Sessel. Die Hände im Schoß.
Und ein Lächeln auf dem Gesicht – ein leises, warmes, wissendes Lächeln.

Als hätte sie nur gewartet, bis er gut angekommen war.
Als hätte sie dann beschlossen, ihm zu folgen.
Still. So, wie sie gelebt hatten.

Manchmal begleiten wir Menschen nur ein Stück.
Und manchmal dürfen wir Zeugen einer Liebe werden, die selbst im Sterben nicht endet.
Und die uns daran erinnert, warum diese Arbeit so unendlich wertvoll ist.

Das ist ambulante Hospizarbeit.

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.Meine Antwort ist dann häufig, dass wir ...
14/04/2026

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.
Meine Antwort ist dann häufig, dass wir sehr viele Aufgaben übernehmen können.
Darum erzähle ich künftig immer wieder aus Begleitungen.
Heute von dieser – einer, die mich bis heute begleitet.

Sie lag auf dem Palliativzimmer.
Eine Frau, schwer krank, erschöpft.
An ihrer Seite: ihr junger erwachsener Sohn.
Zwei Menschen, die wussten, dass die gemeinsame Zeit sich auf Stunden und Tage verkürzt hatte.

Und dann kam dieser Satz.
Leise, aber mit einer Entschlossenheit, die den Raum veränderte:

„Ich möchte ins Reisebüro. Ich möchte eine Reise auf die Malediven buchen. Für Dienstag.“

Ein Wunsch, der auf den ersten Blick unmöglich schien.
Auf den zweiten Blick den Pflegenden, dem Sohn und der Hospizbegleiterin anzeigten, dass das Ende nahte.
Die Sprache der Sterbenden ist manchmal anders zu verstehen.
In der Hospizarbeit nehmen wir solche Wünsche ernst.
Nicht, weil wir glauben, dass sie sich noch erfüllen lassen.
Sondern weil sie etwas zutiefst Menschliches ausdrücken:
Ich bin noch da. Ich bestimme noch. Ich bleibe Subjekt – bis zuletzt.

Also organisierten wir den Ausflug.
Vom Palliativzimmer ins Auto.
Vom Krankenhausflur in die Stadt.
Vom Ausnahmezustand in einen Moment von Normalität.

Wir weihten das Reisebüro vorher ein.
Die Mitarbeiterinnen reagierten mit einer Wärme, die man nicht planen kann.
Sie spielten mit – nicht aus Mitleid, sondern aus Respekt.
Sie schufen einen Raum, in dem diese Frau nicht Patientin war, sondern Kundin.
Eine Frau, die eine Reise bucht. Punkt.

Sie suchte sich eine Maledivenreise aus.
Mit allem Drum und Dran.
Der Sohn hielt ihre Hand.
Und für einen Moment war alles leicht.
Ein Moment, der größer war als die Realität.
Und uns alle berührte.

Gebucht: Malediven. Abflug Dienstag.

Am Dienstag ist sie tatsächlich gereist.
Nur an einen anderen Ort.
Irgendwie war niemand von uns überrascht, dass sie ihren Abflug so genau getimet hat.
Es gibt eben doch mehr in uns und zwischen Himmel und Erde als wir wissen.

Diese Begleitung zeigt, was Hospizarbeit bedeutet:
Wir begleiten das Sterben.
Wir begleiten das Leben – bis zum letzten Atemzug.
Wir ermöglichen letzte Entscheidungen.
Wir halten Wünsche aus, auch wenn sie verrückt erscheinen.
Wir schaffen Räume, in denen Würde nicht verhandelbar ist.
Wir erinnern uns daran, dass es nie um „große Gesten“ geht, sondern um die kleinen, die alles verändern.

Und manchmal buchen wir eben Reisen, von denen wir wissen, dass sie anders enden.
Aber wir buchen sie trotzdem.
Weil es nicht um das Ziel geht.
Sondern um die Freiheit, es selbst zu wählen.

Das ist ambulante Hospizarbeit.

Veröffentlicht mit Einverständnis des Hinterbliebenen.

08/04/2026

Adresse

Enser Str. 19
Korbach
34497

Öffnungszeiten

Montag 08:00 - 12:00
Dienstag 08:00 - 12:00
Donnerstag 14:30 - 17:00
Freitag 08:00 - 12:00

Telefon

+4956315061900

Benachrichtigungen

Lassen Sie sich von uns eine E-Mail senden und seien Sie der erste der Neuigkeiten und Aktionen von Ökumenisches ambulantes Hospiz Korbach e.V. erfährt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht für andere Zwecke verwendet und Sie können sich jederzeit abmelden.

Teilen