11/06/2026
Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.
Meine Antwort ist dann, dass wir sehr viele Aufgaben übernehmen können.
Darum erzähle ich künftig immer wieder aus Begleitungen.
Heute von dieser:
Sie war Ende fünfzig. Drei Kinder allein großgezogen, ein Leben voller Klarheit, Humor und Verantwortung. Als wir sie kennenlernten, war sie schwer krank – und gleichzeitig sortiert wie kaum jemand sonst.
Sie hatte alles vorbereitet: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Testament, Beerdigung, Hausverkauf. Sogar eine Liste mit Passwörtern, Verträgen und Ansprechpartnern lag bereit.
Aus Fürsorge.
Ihre Kinder lebten weit verstreut. Sie kamen, so oft es ging – und wussten doch: Ihre Mutter hatte ihnen den schwersten Teil abgenommen. Nicht das Abschiednehmen. Aber das Chaos, das sonst so oft entsteht.
Eine ehrenamtliche Hospizbegleiterin war an ihrer Seite: regelmäßige Besuche, Gespräche, Stille aushalten, ein kleines Lachen zwischendurch. Sie war da, wenn Entscheidungen anstanden, wenn Struktur gebraucht wurde, wenn die Kinder Fragen hatten.
So mussten die Kinder nicht organisieren, nicht sortieren, nicht kämpfen.
Sie konnten einfach Tochter und Sohn sein.
Das ist ambulante Hospizarbeit.
Veröffentlicht mit dem Einverständnis der Hinterbliebenen.