Ökumenisches ambulantes Hospiz Korbach e.V.

Ökumenisches ambulantes Hospiz Korbach e.V. Wir kommen- wenn wir gerufen und erwünscht sind. Wir unterstützen Betroffene, Angehörige und Pflegende.

Wir möchten die Angst vor Schmerzen und Einsamkeit mindern. Wir kommen ehrenamtlich, kostenlos, unabhängig von Religion und Nationalität. Das Team des ökumenischen ambulanten Hospiz in Korbach hat es sich zur Aufgabe gemacht Betroffene, Angehörige und Pflegende zu unterstützen. Wir haben Zeit für Gespräche, zum Zuhören, Vorlesen, Beten, Schweigen,.....
Unser Angebot ist unabhängig von Glaubensüberzeugung und Nationalität. Wir sind kein Pflegedienst, verstehen uns jedoch als eine Ergänzung dazu. Aus diesem Grund arbeiten wir mit sozialen Diensten, Ärzteschaft, Pflegediensten und Seelsorgern zusammen. Wir sind an die Schweigepflicht gebunden, unser Dienst ist ehrenamtlich und kostenfrei. Auch bieten wir Gesprächsmöglichkeiten für trauernde Angehörige und Hinterbliebene an. Sollten Sie für Ihr Unternehmen Update-Schulungen im Palliativbereich wünschen oder Interesse an Letzte Hilfe Kursen/Letzte Hilfe Kids Kursen haben, wenden Sie sich gerne an unsere Koordinatorinnen.

Es gibt Begleitungen, Geschichten, die nicht nur berühren, sondern etwas in uns verschieben – weil sie zeigen, wie verle...
15/09/2026

Es gibt Begleitungen,
Geschichten, die nicht nur berühren, sondern etwas in uns verschieben – weil sie zeigen, wie verletzlich Nähe ist und wie sehr wir Menschen brauchen, wenn das Leben bricht.

Eine Frau, deren Sohn in den frühen Monaten der COVID‑Pandemie starb, kam letzte Woche zu mir.
In einer Zeit, in der niemand wusste, wie infektiös Verstorbene sind, verlor sie ihren jung erwachsenen Sohn.
In einer Zeit, in der Türen geschlossen wurden, in der Krankenhäuser Besuchsverbote aussprachen, in der Rettungswagen zu Grenzlinien wurden – und Angehörige draußen stehen mussten.

Ihr letzter Blick auf ihren Sohn war der Moment, als er in den RTW geschoben wurde.
Ein kurzer Augenblick, in dem damals noch niemand wusste, dass er der letzte sein würde.
Danach: Stille.
Kein Besuch im Krankenhaus.
Kein Abschied am Bett.
Kein letzter Blick ins Gesicht.
Nur eine Urne, die sie Wochen später in den Händen hielt.

Wir wissen heute, was diese Form der Trennung mit Menschen macht.
Die Forschung ist eindeutig: Wenn Angehörige ihre Sterbenden nicht sehen dürfen, steigt die Belastung durch Trauer signifikant – messbar, langfristig, tief.
Studien aus Deutschland zeigen, dass fehlende Abschiednahme die Trauer intensiviert, Schuldgefühle verstärkt und die Verarbeitung erschwert.
Die frühen Pandemie‑Monate waren geprägt von strikten Besuchsverboten, Isolation, Unsicherheit und massiven Einschränkungen in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und bei Beisetzungen.
Für viele bedeutete das: kein Abschied, keine Berührung, kein letzter Moment.

Für diese Mutter hat der fehlende Abschied eine offene Wunde hinterlassen.
Bis heute – Jahre später – ringt sie mit Bildern, die fehlen.
Mit Fragen, die niemand beantworten kann.
Mit einer Form von Trauer, die sich nicht an die Zeit hält und die sich immer wieder neu bemerkbar macht: in Momenten, in denen andere Mütter ihre erwachsenen Kinder umarmen; in Nächten, in denen das eigene Herz zu laut wird; in Gesprächen, in denen die Welt weitergeht, obwohl die eigene stehen geblieben ist.

Trauer braucht Beziehung.
Trauer braucht Wirklichkeit.
Trauer braucht einen letzten Blick.
Trauer braucht Begreifen.

Wenn all das fehlt, bleibt etwas zurück, das wir in der Trauerarbeit immer wieder sehen:
Trauer, die nicht heilen kann, weil der Abschied nie stattfinden durfte.

Diese Geschichte erinnert uns daran, wie wichtig es ist, Angehörige nicht zu verbannen – selbst in Krisen.
Sie erinnert uns daran, dass Schutz nicht bedeuten darf, Menschen voneinander fernzuhalten, wenn Nähe das Einzige ist, was bleibt.
Und sie erinnert uns daran, dass wir als Gesellschaft Verantwortung tragen für diejenigen, die ihre Liebsten an den Tod verlieren.

Es bleibt ein Auftrag:
Hinschauen.
Anerkennen.
Begleiten.
Und die Geschichten derer sichtbar machen, deren Trauer durch die Pandemie nicht nur entstanden ist – sondern durch die Umstände vertieft wurde.

Ambulante Hospizarbeit ist Suizidprävention – ganz konkret, jeden einzelnen Tag.Und am deutlichsten zeigt sich das Begle...
10/09/2026

Ambulante Hospizarbeit ist Suizidprävention – ganz konkret, jeden einzelnen Tag.
Und am deutlichsten zeigt sich das Begleitverläufen.

Ich denke an eine Begleitung, die über Monate ging. Ein Mensch mit komplexem Symptomdruck, erschöpft, ambivalent, manchmal mit dem Wunsch „einfach nicht mehr aufzuwachen“.
Was sich veränderte, war nicht die Prognose.
Es war die Beziehung.

Regelmäßige Besuche, verlässliche Präsenz, ein gemeinsamer Blick auf Symptome, Belastungen und Ressourcen.
Dazu eine Palliativversorgung, die Atemnot, Schmerzen und Angst ernst nahm – und behandelte.
Genau diese Kombination ist wissenschaftlich belegt: Studien aus der Palliativforschung zeigen, dass gut eingestellte Symptome, psychosoziale Stabilität und kontinuierliche Beziehung Sterbewünsche reduzieren.
Und dass sie gleichzeitig Nachsterbewünsche bei Angehörigen vorbeugen, weil Überforderung, Schuldgefühle und traumatische Verläufe sinken.

In dieser Begleitung war es spürbar:
Je stabiler die Symptomkontrolle, desto leiser wurden die suizidalen Gedanken.
Je klarer die Orientierung, desto weniger Fallhöhe.
Je mehr Raum für Spiritualität, Biografie und Selbstwirksamkeit, desto mehr Lebenswille – nicht im Sinne von „kämpfen“, sondern im Sinne von getragen sein.

Ambulante Hospizarbeit wirkt, weil sie Menschen nicht allein lässt.
Sie schafft Beziehung, Struktur, Entlastung und Sinn – alles Faktoren, die in der Suizidprävention als hochwirksam gelten.
Und sie tut es dort, wo die Verletzlichkeit am größten ist: im letzten Lebensabschnitt, zwischen Angst, Abschied und dem Wunsch, niemandem zur Last zu fallen.

Ambulante Hospizarbeit ist evidenzbasierte, alltagsnahe Prävention – im Zusammenspiel von Hospizdienst, Hausärzten und Palliativversorgung.





Wir würden uns sehr freuen, wenn möglichst viele uns mit ihrer täglichen Stimme unterstützen würden 🙏
05/09/2026

Wir würden uns sehr freuen, wenn möglichst viele uns mit ihrer täglichen Stimme unterstützen würden 🙏

Welthospiztag 2026Wir als ambulanter Hospizdienst möchten unsere Haltung zeigen – gemeinsam für Würde, Nähe und Aufkläru...
26/08/2026

Welthospiztag 2026
Wir als ambulanter Hospizdienst möchten unsere Haltung zeigen – gemeinsam für Würde, Nähe und Aufklärung

Als Ökumenischer ambulanter Hospizdienst Korbach e.V. gestalten wir rund um den Welthospiztag 2026 eine Veranstaltungsreihe, die zeigt, wofür wir stehen:
für Menschlichkeit,
für Begleitung,
für Aufklärung,
für eine Region, die Verantwortung füreinander übernimmt.
Wir möchten Menschen ermutigen, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die uns alle betreffen, und gleichzeitig sichtbar machen, was ambulante Hospizarbeit in Korbach und Umgebung bedeutet.

01.09.–25.09.2026 – dm‑Aktion „Lust an Zukunft“
Wir freuen uns über jede Stimme, die unseren Hospizdienst unterstützt – in den dm‑Märkten oder online. Diese Aktion zeigt, wie sehr unsere Arbeit in der Region getragen wird.
Sollten wir dadurch Anrecht auf eine finanzielle Unterstützung bekommen, werden wir das Geld für die Trauerarbeit verwenden.

11.09.2026 – Vortrag mit Dr. Matthias Thöns in Medebach
Unter dem Titel „Wenn Heilung unmöglich ist, begleiten statt beenden?“ sprechen wir gemeinsam mit Dr. Thöns über die Unterschiede zwischen ambulanter Hospizarbeit, Palliativmedizin und assistiertem Suizid. Wir möchten Orientierung geben, Fragen zulassen und Menschen in einer oft emotional aufgeladenen Debatte stärken.
Diese Veranstaltung ist eine Kooperation der Vereine aus Korbach, Winterberg-Hallenberg und Frankenberg.
Eintritt frei – Spenden willkommen.

19.09.2026 – Letzte‑Hilfe‑Kurs in der FeG Flechtdorf
Sandra Voß und Victoria Jaeger vermitteln Grundlagen der Begleitung am Lebensende. Sie zeigen, wie viel Sicherheit entsteht, wenn Menschen wissen, was sie tun können – und dass Sterbebegleitung kein Expertenthema ist, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe.

29.10.2026 – Kinoabend im CineK Korbach
Mit dem Film „Ich sterbe, kommst du?“ öffnen wir einen niedrigschwelligen Zugang zu einem Thema, das oft gemieden wird.
Anschließend laden wir zu Austausch und Gesprächen ein – bei Getränken und Knabberzeug.

31.10.2026 – Letzte‑Hilfe‑Kurs in Korbach
Im Krankenhaus Korbach bieten wir einen weiteren Kurs an. Viele Menschen nutzen diese Möglichkeit, um Ängste abzubauen und sich für die Begleitung im eigenen Umfeld zu stärken.

💛 Was ambulante Hospizarbeit für uns bedeutet

Wir begleiten schwerkranke und sterbende Menschen dort, wo sie leben – zu Hause, im Pflegeheim, im Krankenhaus oder in Einrichtungen.
Unsere Haltung ist klar:
Würde, Selbstbestimmung und Menschlichkeit stehen im Mittelpunkt.

Ambulante Hospizarbeit heißt für uns:

• Begleitung – Wir hören zu, bleiben da, halten Krisen aus und geben Orientierung.
• Entlastung – Angehörige tragen oft über lange Zeit. Wir stehen an ihrer Seite.
• Koordination – Wir vernetzen Pflege, Ärztinnen und Ärzte, Palliativteams und soziale Dienste.
• Aufklärung – Wir vermitteln Wissen über Sterbeprozesse, Entscheidungen und Möglichkeiten.
• Ehrenamt – Unsere Ehrenamtlichen schenken Zeit, Nähe und Menschlichkeit.

Wir arbeiten ökumenisch, professionell und mit einem starken Netzwerk in Korbach und Umgebung.
Unsere Begleitung ist für alle Menschen da – unabhängig von Herkunft, Alter, Religion oder sozialer Lage.

Der Welthospiztag erinnert uns daran, dass Sterben ein Teil des Lebens ist – und dass niemand allein sein sollte, wenn die letzte Lebensphase beginnt. Mit unserer Veranstaltungsreihe schaffen wir Räume für Begegnung, Wissen und Mut. Wir zeigen, dass Hospizarbeit nicht nur eine professionelle Aufgabe ist, sondern eine gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung.

Vom Vortrag über den Kinofilm bis zum Letzte‑Hilfe‑Kurs: Wir möchten Menschen ermutigen, sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die uns alle betreffen – früher oder später.

🕊 „Den Tagen mehr Leben geben“

Der Welthospiztag 2026 ist am 10.10.Wir haben uns in diesem Jahr bewusst für eine Veranstaltungsreihe entschieden – nich...
24/08/2026

Der Welthospiztag 2026 ist am 10.10.

Wir haben uns in diesem Jahr bewusst für eine Veranstaltungsreihe entschieden – nicht für ein großes Einzel‑Event.
So schaffen wir mehr Raum für Begegnung, Wissen, Austausch und echte Nähe.

Gemeinsam leben. Gemeinsam begleiten.
Der Welthospiztag 2026 erinnert uns daran, wie wichtig Haltung, Würde und Fürsorge sind – in jedem einzelnen Moment.

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.Meine Antwort ist dann, dass wir sehr vi...
27/07/2026

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.
Meine Antwort ist dann, dass wir sehr viele Aufgaben übernehmen können.
Darum erzähle ich künftig immer wieder aus Begleitungen.
Heute von dieser:

Ein Mann, 68 Jahre alt. Verheiratet. Vater, Großvater, Ehemann. Ein Mensch mit einem gelebten Leben, voller Erinnerungen, Erfahrungen, Hoffnungen und Pläne.

Dann die Diagnose: Pankreaskarzinom.

Innerhalb weniger Wochen veränderte sich vieles. Das Leben wurde plötzlich in Arzttermine, Therapieentscheidungen und Prognosen eingeteilt. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, wurden kostbar.
Er durfte zu Hause bleiben. Dort, wo er sich am wohlsten fühlte. Seine Ehefrau umsorgte ihn mit einer Liebe und Fürsorge, die mich tief beeindruckte. Auch medizinisch war er bestens versorgt. Das SAPV-Team begleitete ihn kompetent, Beschwerden wurden gelindert, Fragen beantwortet und Unsicherheiten aufgefangen.

Und doch gab es etwas, das weder Medikamente noch medizinische Expertise erreichen konnten.

Die Diagnose hatte ihn in eine tiefe Sinnkrise gestürzt.

Bei meinen Erstbesuch sprach nicht über körperliche Beschwerden. Es beschäftigten ihn andere Fragen:

"Warum muss mein Leben so enden?"
"Habe ich genug aus meinem Leben gemacht?"
"Was bleibt, wenn ich nicht mehr da bin?"
"Wie wird meine Frau ohne mich zurechtkommen?"

Es waren Fragen, die viele Menschen am Lebensende bewegen. Fragen, für die es keine einfachen Antworten gibt.

Eine unserer ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen begann, ihn regelmäßig zu besuchen. Sie brachte keine Lösungen mit. Kein fertiges Konzept. Keine Antworten.

Sie brachte etwas viel Wertvolleres mit:

Zeit. Aufmerksamkeit. Präsenz.

Sie hörte zu, ohne zu bewerten. Sie hielt Stille aus, wenn Worte fehlten. Sie schenkte Raum für Gedanken, die sonst oft keinen Platz finden.

Mit der Zeit entstanden Gespräche über sein Leben. Über seine Kindheit. Über seine erste große Liebe. Über den Aufbau seines Hauses. Über berufliche Erfolge, aber auch über verpasste Chancen und Fehler, die ihn bis heute beschäftigten.
Manchmal schauten beide alte Fotos an. Manchmal wurde gelacht. Manchmal flossen Tränen.
Und manchmal geschah einfach nichts anderes, als gemeinsam am Fenster zu sitzen und in den Garten zu schauen.

Nach und nach veränderte sich etwas.

Nicht die Krankheit.

Aber der Blick auf das Leben.

Eines Tages sagte er nachdenklich:

„Weißt du, eigentlich hatte ich ein gutes Leben. Ich habe gearbeitet, geliebt, gestritten, gelacht, Kinder großgezogen und Menschen gehabt, die mich liebten. Vielleicht ist das mehr, als viele Menschen von sich sagen können."

Genau darum geht es in der Hospizarbeit so oft.

Wir können das Leben nicht verlängern.

Wir können Krankheiten nicht heilen.

Aber wir können Menschen dabei unterstützen, ihren Weg bis zuletzt als ihren eigenen Weg zu erleben. Wir können helfen, Erinnerungen zu bewahren, Sorgen auszusprechen, Ängste zu teilen und wieder einen Blick auf das zu gewinnen, was das Leben wertvoll gemacht hat.

Hospizarbeit beginnt häufig dort, wo medizinische Versorgung an ihre Grenzen stößt und menschliche Begleitung besonders wichtig wird.

Für diesen Mann war die ehrenamtliche Begleitung keine zusätzliche Leistung.

Sie wurde zu einem Anker.

Zu einem Ort, an dem alles ausgesprochen werden durfte.

Zu einer Begegnung von Mensch zu Mensch.

Und genau deshalb sind unsere ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter so wertvoll.

Sie schenken etwas, das man nicht verordnen kann.

Zeit.

Zuwendung.

Menschlichkeit.

❤️ Das ist ambulante Hospizarbeit.
Da sein, wenn Fragen größer sind als Antworten.
Zuhören, wenn Sorgen Worte suchen.
Mitgehen, wenn der Weg schwer wird.
Und Menschen darin bestärken, dass ihr Leben Bedeutung hat – bis zuletzt.

Vom 29.06. bis zum 12.07. ist unsere Geschäftsstelle nur während der Sprechstunden besetzt.In dringenden Fällen und für ...
28/06/2026

Vom 29.06. bis zum 12.07. ist unsere Geschäftsstelle nur während der Sprechstunden besetzt.
In dringenden Fällen und für Begleitanfragen melden Sie sich bitte unter unserer Rufnummer 05631-5061900 und hinterlassen uns eine Nachricht, wir rufen schnellstmöglich zurück.

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen. Meine Antwort ist dann, dass wir sehr v...
17/06/2026

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen. Meine Antwort ist dann, dass wir sehr viele Aufgaben übernehmen können. Darum erzähle ich künftig immer wieder aus Begleitungen. Heute von dieser:

Intensivstation: Zischen der Beatmung, Piepen der Monitore – eine Umgebung ohne Raum für Abschied. Und doch wurden wir genau hier gebraucht. Ein Mann, Anfang 50, nach schwerer Hirnblutung ohne Hoffnung auf Besserung. Dass Klarheit herrschte, lag an seiner Vorsorge: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht lagen vor. Sie gaben Familie und Team die Gewissheit, in seinem Sinne zu handeln, als die intensivmedizinischen Maßnahmen beendet wurden. Nicht, um das Sterben zu beschleunigen, sondern um dem Tod nicht länger im Weg zu stehen.
Als wir gerufen wurden, saß die Ehefrau starr am Bett, die Kinder wirkten verloren.
Mit dem Team rückten wir Apparate in den Hintergrund, schalteten Alarme stumm. Aus dem Patienten wurde wieder Ehemann und Vater.
Wir erklärten leise den medizinischen Rückzug und nahmen die Angst vor dem Ungewissen. Die Gewissheit, dass dank Palliativmedizin keine Schmerzen drohten, brachte Entlastung. Wir ermutigten die Familie, ihn zu berühren, Musik zu spielen und Abschied zu nehmen.
Als die Geräte zurückgefahren wurden, verstummte das Zischen. In die Stille erzählte die Ehefrau leise von gemeinsamen Momenten. Die Kinder legten ihre Hände auf seine Schultern.
Die sterile Station wandelte sich in einen Ort voller Intimität, Würde und Liebe.
Wir blieben im Hintergrund – als emotionaler Anker.

Er starb kurze Zeit später friedlich.

Ambulante Hospizarbeit bedeutet nicht, daheim am Bett zu sitzen. Es bedeutet, dort zu sein, wo der Abschied stattfindet. Auch im High-Tech-Umfeld, um dem Leben bis zuletzt Würde zu verleihen.
Und es zeigt, wie unschätzbar wertvoll rechtzeitige Vorsorge für die Liebsten ist.

Das ist ambulante Hospizarbeit.

Veröffentlicht mit Einverständnis der Hinterbliebenen

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.Meine Antwort ist dann, dass wir sehr vi...
11/06/2026

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.
Meine Antwort ist dann, dass wir sehr viele Aufgaben übernehmen können.
Darum erzähle ich künftig immer wieder aus Begleitungen.
Heute von dieser:

Sie war Ende fünfzig. Drei Kinder allein großgezogen, ein Leben voller Klarheit, Humor und Verantwortung. Als wir sie kennenlernten, war sie schwer krank – und gleichzeitig sortiert wie kaum jemand sonst.

Sie hatte alles vorbereitet: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Testament, Beerdigung, Hausverkauf. Sogar eine Liste mit Passwörtern, Verträgen und Ansprechpartnern lag bereit.
Aus Fürsorge.

Ihre Kinder lebten weit verstreut. Sie kamen, so oft es ging – und wussten doch: Ihre Mutter hatte ihnen den schwersten Teil abgenommen. Nicht das Abschiednehmen. Aber das Chaos, das sonst so oft entsteht.

Eine ehrenamtliche Hospizbegleiterin war an ihrer Seite: regelmäßige Besuche, Gespräche, Stille aushalten, ein kleines Lachen zwischendurch. Sie war da, wenn Entscheidungen anstanden, wenn Struktur gebraucht wurde, wenn die Kinder Fragen hatten.

So mussten die Kinder nicht organisieren, nicht sortieren, nicht kämpfen.
Sie konnten einfach Tochter und Sohn sein.

Das ist ambulante Hospizarbeit.

Veröffentlicht mit dem Einverständnis der Hinterbliebenen.

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.Meine Antwort ist dann, dass wir sehr vi...
21/05/2026

Oft werde ich gefragt, was wir in der ambulanten Hospizarbeit eigentlich machen.
Meine Antwort ist dann, dass wir sehr viele Aufgaben übernehmen können.
Darum erzähle ich künftig immer wieder aus Begleitungen.
Heute von dieser:

Er war 48. Alleinstehend. Metastasiertes Magenkarzinom.
Er blieb bis zuletzt im Modus „Darum kümmere ich mich später.“
Wie jemand, der innerlich die Tür nicht aufmacht, obwohl längst klar ist, wer davorsteht.

Wir waren trotzdem an seiner Seite.
Regelmäßig. Verlässlich.
Er ließ das alles zu, aber nicht wirklich hinein.
Er wollte funktionieren, wollte stark bleiben, wollte „später“ darüber reden und Entscheidungen treffen.
Nur dass es dieses später irgendwann nicht mehr gab.

In einer der letzten Nächte sagte er:

„Ich hab zu lange so getan, als wäre das hier nicht echt. Jetzt kann ich das, was ich wollen würde, nicht mehr machen.“

Eine Aussage, die hängen bleibt, weil sie so menschlich ist.

Diese Begleitung zeigte uns:
Hospizarbeit heißt nicht, Menschen zu einem „guten Abschied“ zu bewegen.
Sondern ihnen Raum zu geben – auch dann, wenn sie nicht ankommen können.
Auch dann, wenn Reue bleibt.
Auch dann, wenn das Leben sich anders anfühlt, als man es sich gewünscht hätte.

Wir begleiten, ohne zu drängen.
Wir halten aus, ohne zu bewerten.
Wir bleiben da, auch wenn jemand sich selbst nicht erreicht.

Adresse

Enser Str. 19
Korbach
34497

Öffnungszeiten

Montag 08:00 - 12:00
Dienstag 08:00 - 12:00
Donnerstag 14:30 - 17:00
Freitag 08:00 - 12:00

Telefon

+4956315061900

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