14/09/2026
Erstausstattung- Die Zerstörer der Fletcher-Klasse in der Bundesmarine
Sie galten als die erste wirksame Ausstattung der jungen Bundesmarine: Die sechs Einheiten der im zweiten Weltkrieg als ein Rückgrat der U.S. Navy mit insgesamt 175 Einheiten gebauten Zerstörer der Fletcher-Klasse. 19 davon gingen im Krieg verloren, der allergrößte Teil der übriggebliebenen Schiffe dann außer Dienst gestellt und der Reserveflotte zugeordnet. Bereits 1948 begann man, 18 Einheiten zu reaktivieren und zur U-Jagd umzurüsten.
In den 1950er Jahren wurden viele weitere Fletcher-Zerstörer reaktiviert und sowohl in Originalkonfiguration als auch in modernisierter Form an verschiedene Marinen abgegeben.
Für die neu aufgestellte Bundesmarine war das besonders wichtig: Zwischen 1958 und 1960 übernahm man von den USA sechs dieser Zerstörer als Waffenhilfe. Sie bildeten bei der Bundesmarine die Klasse 119 mit den nicht sehr hintergründigen Namen "Zerstörer 1 bis 6", kurz auch "Z 1 bis 6". Die Schiffe waren zu diesem Zeitpunkt bereits rund 15 Jahre alt, wurden vor ihrer Übergabe jedoch umfangreich modernisiert. Sie wurden nicht gekauft sondern geliehen. Nach einer zwischenzeitlichen Verlängerung der Leihzeit wurden 1976 die zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen vier Einheiten für etwa 191.500 € umgerechnet je Einheit angekauft.
Die deutsche Modernisierung passte die ursprünglich für den Zweiten Weltkrieg konzipierten Schiffe an die Anforderungen des Kalten Krieges an. Unter anderem wurden alle 20-mm-Flugabwehrkanonen entfernt und die 40-mm-Bofors-Geschütze durch drei 76,2-mm-Zwillingsflak ersetzt. Dafür entfielen ein 127-mm-Geschützturm und ein Torpedorohrsatz. Hinzu kamen moderne Feuerleit- und Elektronikanlagen, ein Dreibeinmast sowie Einrichtungen zur U-Boot-Bekämpfung. Später wurden außerdem geschlossene Brücken und weitere U-Jagd-Torpedorohre eingebaut.
Ursprünglich sah die Bundesmarine die Klasse vor allem als Artillerieunterstützung für mögliche Landungsoperationen in der Ostsee vor. Mit der Veränderung der strategischen Lage wandelte sich jedoch ihr Schwerpunkt. Die Fletcher-Zerstörer wurden zunehmend für die U-Boot-Jagd, Geleitschutz und die Sicherung der Ostseezugänge eingesetzt und operierten regelmäßig in NATO-Verbänden, insbesondere im Nordatlantik. Damit wurden sie zu einem wichtigen Fähigkeitsträger der Bundesmarine im Kalten Krieg.
Zu Anfang der 1980er Jahre wurde das Ende der Nutzungszeit erreicht: Der Zerstörer 6 wurde abgebrochen und der Zerstörer 1 anschließend als Zielschiff für die Marineflieger im Mittelmeer aufgebraucht und dann am 16. Mai 1979 durch das U-Boot U29 mit Torpedotreffer versenkt. Die anderen Zerstörer wurden im Rahmen der Verteidigungshilfe an die griechische Marine abgegeben wo sie bis zum Abbruch Anfang der 1990er Jahre Dienst leisteten.
Die sechs Fletcher-Zerstörer waren damit eine Übergangsgeneration, die der Bundesmarine in ihrer Aufbauphase schnell leistungsfähige Hochseeschiffe zur Verfügung stellte. Sie bildeten einen wesentlichen Grundstock der deutschen Zerstörerwaffe und wurden später durch die moderneren Zerstörer der Hamburg- und Lütjens-Klasse ergänzt und schließlich durch die Fregatten der Bremen-Klasse in den 1980er Jahren ersetzt. Einige Fletcher-Zerstörer blieben noch bis über die 1990er Jahre hinaus in Dienst. Das letzte Schiff der Klasse, die BAM Cuitlahuac (ex USS John Rodgers (DD-574)), wurde am 16. Juni 2001 bei der mexikanischen Marine außer Dienst gestellt.
In der WTS befindet sich ein Maßstabsmodell in einem Personalraum, leider nicht in der öffentlichen Ausstellung.
Bild:
(1) Zerstörer Z 1 in der WTS, KI optimiertes Bild, VFFWTS e.V.
(2) Aufbauschema der Fletcherklasse, Wikipedia: "Fletcherklasse"
(3) U.S.S. Claxton im 2. Weltkrieg, später Z 4
(4) Zerstörer 5 (D 179) der Bundesmarine in der Nordsee, fotografiert von Zerstörer Mölders (D 186),Mehlauge 1981, GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2