VVN-BdA KV Kassel

VVN-BdA KV Kassel Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes– Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Ihre Forderung lautete: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Seit 1946 gibt es in Kassel eine „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“. Damals gründeten die Überlebenden der faschistischen Haftstätten und Konzentrationslager und die Frauen und Männer aus dem antifaschistischen Widerstand diese Organisation, die der Vertretung der sozialen und politischen Interessen des „anderen Deutschlands“ diente. Die aus dem KZ Buchenwald nach Kassel zurückkehrenden

Häftlinge brachten das Vermächtnis des Schwurs von Buchenwald mit:

Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel! Dieses Vermächtnis setzt die VVN-BdA in Kassel bis heute in praktischer antifaschistischer Politik um. Schwerpunkte unserer Arbeit sind:

Erinnerungsarbeit (z.B. Gedenkaktion zum 7. November 1938, dem Beginn der antisemitischen Pogrome in Kassel; Veranstaltungen zum 30. Januar 1933),

Geschichtsarbeit (antifaschistische Stadtrundgänge und Publikationen),

Handeln gegen Neofaschismus in unserer Stadt und Region (Bündnis gegen Rechts),

Antifaschistische Kulturarbeit und Lesungen,

Mitarbeit bei Friedensaktivitäten (1. September, Friedensratschlag u.a.).

08/05/2026

Der 8. Mai 1945 bleibt aktuell!

Vielleicht überrascht es euch, wenn hier ein grauhaariger Mensch zu euch reden will, wo ihr doch einen Schülerstreik durchführt. Aber es wird euch nicht überraschen, auch dieser grauhaarige Mensch war einmal Schüler und er war zudem in der Bremer Landesschülervertretung aktiv.
Anfang der 1970er Jahre erinnerten wir in unserer Publikation, die an allen Bremer Schulen verteilt wurde, zum ersten Mal an den 8. Mai 1945, den wir nicht, wie es damals noch üblich war, als „Tag der Kapitulation“ oder des „Zusammenbruchs“ titulierten, sondern tatsächlich als „Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg“.
Wie kamen wir als junge Menschen, die alle nach dem Krieg geboren waren, zu einer solchen Haltung? Wir hatten das Glück – und ich möchte es tatsächlich so bezeichnen –, dass wir Frauen und Männer kennen gelernt hatten, die als Antifaschisten, als Verfolgte des Naziregimes uns zu erklären versuchten, warum aus ihrer Sicht die Erinnerung an die NS-Zeit und insbesondere an den 8. Mai 1945 auch für uns als Nachgeborene von Bedeutung sein müsste.
Sie berichteten, warum sie – unter Einsatz ihrer Freiheit, ihrer Gesundheit und teilweise sogar ihres Lebens – sich gegen das NS-Regime gewehrt hatten. Z.B. Maria Krüger, die nach der Befreiung als Lehrerin in einer Förderschule arbeitete, erzählte mir, dass sie nur hundert Meter von meiner Schule entfernt in Gestapo-Haft gesessen habe, dort verhört und misshandelt worden sei. Davon hatte ich von meinen Lehrern am humanistischen Gymnasium nie ein Wort gehört. Auch nicht, an wie vielen Orten in der Stadt Bremen sich der Naziterror praktisch abgespielt hatte.
Und die Antifaschisten haben immer wieder betont, warum für sie die Aussagen „Nie wieder Faschismus!“ und „Nie wieder Krieg!“ untrennbar zusammengehören. Sie vermittelten uns, wie die Errichtung der faschistischen Herrschaft 1933 mit dem langfristigen Ziel geschah, Deutschland kriegsfähig zu machen und die expansionistischen Ziele des deutschen Kapitals, den „Griff nach der Weltmacht“, wie es schon damals hieß, zu verwirklichen.
Ich wusste zwar, dass in meiner Heimatstadt im Zweiten Weltkrieg Vieles durch Bomben zerstört worden war. Die Antifaschisten erklärten uns jedoch, was das mit dem NS-Regime zu tun hatte und dass die Nazigegner 1945 ein politisches Programm für einen antifaschistisch-demokratischen Neuanfang besaßen, der nicht ein „weiter so“ bedeutete, sondern eine gesellschaftliche Veränderung im Interesse der Mehrheit der arbeitenden Menschen beinhaltete.
Natürlich sagten sie uns auch, wie diese Visionen an den politischen Rahmenbedingungen, den Vorgaben der Westalliierten, aber auch der Restaurationspolitik der Adenauerzeit gescheitert sei. Und sie berichteten, wie mit der Remilitarisierung, dem Aufbau der Bundeswehr erneut ein Kriegskurs eingeschlagen wurde. Ehrlicherweise hat mich damals aber am meisten beeindruckt, als sie von den Aktionen der Jugendorganisation FDJ („Freie deutsche Jugend“), die es auch in der BRD gab, aber bereits 1951 als angebliche „Verfassungsfeinde“ verboten wurde, erzählten, wie die jungen Leute mit kreativen Aktionen dieser Remilitarisierung entgegen getreten sind. Diese Berichte von Frauen und Männern aus Widerstand und Verfolgung haben mich so beeindruckt, dass ich seit Mitte der 1970er Jahre Mitglied in deren Organisation, der VVN-BdA, bin.
Als ich später nach Kassel kam und wir hier über den 8.Mai und die Aktualität der Losung „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ für Kassel diskutierten, erfuhr ich, dass es auch in dieser Stadt solche kreativen Widerstandsaktionen gegeben hat, z.B. dass Sprengschächte an der Fuldabrücke von jungen Friedenskämpfern zugemauert worden waren, um sie unbrauchbar zu machen. Für mich zeigt es, wie viele Anknüpfungspunkte der 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg“ auch in Kassel hat. Sei es am Ehrenmal für die Opfer des Faschismus im Fürstengarten, sei es hier am Aschrott-Brunnen zur Erinnerung an die Ausgrenzung jüdischer Kultur, seien es die zahlreichen Stolpersteine für Verfolgte und Opfer des NS-Terrors oder das ehemalige Polizeipräsidium im Königstor, wohin seit 1933 Frauen und Männer, die das Regime als Gegner bezeichnete oder nicht zur „Volksgemeinschaft“ Gehörende, verbracht wurden.
Ihr seht, eure Aktion gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht verbindet sich nicht nur mit den Orten der Rüstungsproduktion, sondern auch mit den zahllosen Erinnerungsorten zur NS-Herrschaft in dieser Stadt.
In diesem Sinne bleibt die Losung der Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung vom 8. Mai 1945 „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ aktuell. Aber es ist wie vor gut 50 Jahren, wir als Ältere können euch gerne Hinweise geben, euch unterstützen, es besser zu verstehen, aber es liegt an euch, was ihr daraus macht!

25/03/2026

Einladung Gedenken am Mahnmal für die italienischen Zwangsarbeiter

Geplant war es schon länger, nun haben wir auch die Bestätigung, dass an diesem Sonntagmittag wieder eine kleine Abordnung der ANPI Frankfurt nach Kassel kommt, um mit uns gemeinsam am Gedenkstein für die Opfer des Massakers am 31. März 1945 zu gedenken. Das freut uns sehr.
Daher würden wir uns sehr freuen, wenn viele es einrichten könnten, am

Sonntag, den 29. März 2026,
um 13:30 h am Mahnmal für die italienischen Opfer der Kriegsende-Verbrechen in Kassel
Ort: Wilhelm-Schmidt-Straße 1, (Nähe Bahnhof Wilhelmshöhe)

gemeinsam der Opfer zu erinnern. An diesem Tag werden wir auch die neue Broschüre zu diesem Ereignis, die als Ergebnis der Gedenkveranstaltung vom vergangenen Jahr entstanden ist, öffentlich vorstellen.
Bitte leitet diese Einladung auch an Interessierte weiter.

Herzliche Einladung zur Filmvorführung im Filmladen am Sonntag, den 1. März 2026 um 11:00 h Eintritt frei, Spenden willk...
18/02/2026

Herzliche Einladung zur Filmvorführung im Filmladen am Sonntag, den 1. März 2026 um 11:00 h
Eintritt frei, Spenden willkommen.

Gedenktag für die Opfer der nationalsozialistischen GewaltherrschaftAuch in diesem Jahr laden wir als VVN-BdA zu einer k...
19/01/2026

Gedenktag für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft

Auch in diesem Jahr laden wir als VVN-BdA zu einer kurzen öffentlichen Gedenkkundgebung am Mahnmal „Die Rampe“ auf dem Gelände der Universität Kassel ein. Da es sich um einen Werktag handelt, sind die Studierenden vor allem in der Mittagszeit anzusprechen. Daher führen wir die Gedenkkundgebung durch am

Dienstag, 27. Januar 2026, 12:15 – 13:00 h
Moritzstraße (vor dem Lernzentrum)

Angesprochen sind auch Vertreter:innen vom AStA und studentischer Gruppen, selber bei dieser Gelegenheit das Wort zu ergreifen.
Am Ende können zum Gedenken einzelne Blumen an dem Denkmal „Die Rampe“ niedergelegt werden.

Ab 14:00 h wird an diesem Tag – organisiert vom Magistrat in enger Kooperation mit dem Ortsbeirat Wehlheiden und dem Verein Stolpersteine in Kassel – auf dem Gebiet der Jägerkaserne (Auestadion) eine Gedenktafel für etwa 2.000 Displaced Persons enthüllt, die nach der Befreiung 1947 bis 1949 hier untergebracht waren.

06/01/2026

Wir verteidigen das Völkerrecht – gegen Staatsterrorismus der US-Regierung

Da aufgrund der Kurzfristigkeit der Ankündigung und sicherlich auch wegen der Witterungsverhältnisse nur wenige Mitglieder der VVN-BdA an der Solidaritätskundgebung „Hände weg von Venezuela“ in Kassel teilnehmen konnten, findet ihr hier zum Nachlesen unsere Kurzintervention zum Ende der Kundgebung vor dem Kasseler Rathaus;

Anders als manche Redner vor mir verstehen wir als Antifaschisten das Völkerrecht nicht als Verfügungsmasse der militärisch und wirtschaftlich Mächtigen.
Ich möchte daran erinnern, dass das Völkerrecht in seiner jetzigen Form nicht „vom Himmel gefallen“ ist, sondern als Ergebnis des Kampfes der Völker gegen die nazistische Barbarei 1945 entstanden ist. Um so etwas wie die faschistische Barbarei nie wieder zuzulassen, wurde mit dem Statut des Nürnberger Tribunals ein Raster für das internationale Strafrecht geschaffen, mit der Charta der Vereinten Nationen eine Grundlage für das internationale Recht, dass die Staatssouveränität und die friedliche Lösung von zwischenstaatlichen Konflikten definiert und mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte die Grundfreiheiten und sozialen Rechte für alle Menschen auf dieser Welt festgeschrieben.
Die „Wild West“-Politik und der Staatsterrorismus der US-Regierung gegen Venezuela und den gewählten Präsidenten zerstören diese Grundlagen des Völkerrechts. Sie widersprechen dem Recht der Völker und Staaten, über ihre innere soziale und politische Entwicklung selber zu entscheiden.
Gegen diese Vergewaltigung des internationalen Rechtssystems müssen wir als Demokraten und Antifaschisten die Verteidigung und Wiederherstellung des Völkerrechts in seiner ursprünglichen Form von der Politik – auch in unserem Land – einfordern.
In diesem Sinne erklären wir
Solidarität mit der Bevölkerung von Venezuela!
Solidarität mit der rechtmäßig gewählten Regierung von Venezuela!
Stoppt den Staatsterrorismus der US-Regierung!
Wiederherstellung des Völkerrechts als Grundlage des friedlichen Zusammenlebens der Völker!

08/12/2025

Georg Merle wurde 1909 in Düsseldorf geboren und schloss sich schon früh der Kasseler Arbeiterjugendbewegung an. Als Mitglied von KJVD und KPD organisierte er den antifaschistischen Widerstand – auch noch nach 1933 im Untergrund. 1934 verhaftet, verbrachte er Jahre im Zuchthaus und später in den KZ Lichtenburg und Buchenwald, wo er Teil des illegalen KPD-Parteiaktivs und der Internationalen Militärorganisation war. An der Selbstbefreiung Buchenwalds im April 1945 war er unmittelbar beteiligt.

Nach seiner Rückkehr nach Kassel widmete er seine Kraft dem politischen Wiederaufbau: als Vertreter der KPD, als Mitbegründer der VVN und ab 1951 als Landessekretär der hessischen VVN-BdA. Er engagierte sich gegen Nazitreffen, unterstützte Wiedergutmachungsverfahren und prägte über Jahrzehnte die Erinnerungsarbeit, insbesondere durch Gespräche mit Schul- und Jugendgruppen über Widerstand und Verfolgung.

Georg Merle starb am 8. Dezember 1985. Ihm zu Ehren widmet die Ausstellung „75 Jahre VVN“ eine Gedenktafel – für ein Leben im konsequenten Einsatz gegen Faschismus und für Erinnerungsarbeit.

Adresse

Kassel

Benachrichtigungen

Lassen Sie sich von uns eine E-Mail senden und seien Sie der erste der Neuigkeiten und Aktionen von VVN-BdA KV Kassel erfährt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht für andere Zwecke verwendet und Sie können sich jederzeit abmelden.

Die Organisation Kontaktieren

Nachricht an VVN-BdA KV Kassel senden:

Hervorgehoben

Teilen