24/05/2026
Die palästinensische Politikwissenschaftlerin Dr. Ghada Sasa beschreibt ein bemerkenswertes Phänomen: In Israel gepflanzte Kiefern sterben in großem Umfang ab. Laut Berichten wurden seit der Staatsgründung rund 250 Millionen Bäume gepflanzt, doch ein großer Teil davon ist nicht heimisch. Besonders Aleppo-Kiefern wurden massenhaft eingesetzt, obwohl sie ursprünglich nicht zur natürlichen Flora Palästinas gehören.
Diese Wälder wurden häufig auf den Ruinen entvölkerter palästinensischer Dörfer angelegt. Sie sollten Spuren zerstörter Gemeinden verdecken, Rückkehr verhindern und das Land symbolisch neu formen. Genau diese politische Nutzung von Aufforstung wird als „Grüner Kolonialismus“ bezeichnet.
Ein bekanntes Beispiel ist der Wald der Märtyrer, der ab 1951 mit sechs Millionen Bäumen gepflanzt wurde. Er entstand auf Gebieten mehrerer palästinensischer Dörfer, die 1948 depopuliert wurden. Die schnell wachsenden Kiefern sollten das Land optisch verändern, erwiesen sich jedoch als anfällig für Dürre, Brände und Schädlinge.
Heute sterben viele dieser Kiefern, besonders rund um Jerusalem und im Negev. Forscher sprechen teils von „Kiefernwüsten“, weil die Nadeln den Boden verändern und Artenvielfalt reduzieren. Gleichzeitig kehren heimische Pflanzen und Tiere zurück: Eichen, Olivenbäume, Feigenbäume, Orangenbäume, schwarze Ziegen und Kamele. Auch verborgene Ruinen werden wieder sichtbar.
Für Dr. Sasa zeigt dieser Prozess: Das Land selbst widersetzt sich einer künstlichen Umgestaltung. Die Natur erinnert an das, was verdrängt wurde. Echte Heilung kann nicht durch koloniale Aufforstung entstehen, sondern nur durch ökologische Gerechtigkeit, die Rückkehr indigenen Wissens und den respektvollen Umgang mit Land, Geschichte und Leben.
Bilder wurden mit KI generiert und dienen lediglich zur Veranschaulichung.
Source: Sasa, G. Oppressive Pines: Uprooting Israeli Green Colonialism. Political Science Research, International Relations.